
Quizfrage: Wie lange wird das mit der "Sommerzeit" noch so weitergehen?
Seit vergangenem Sonntag gilt in Mitteleuropa wieder die normale Zonenzeit, das ist die Greenwich-Zeit plus einer Stunde (MEZ = GMT+1). In den Medien wird dabei seit ein paar Jahren von der "Winterzeit" gesprochen, aber anders als zur Zeit des Sommers die Verstellung der Uhren um eine Stunde weiter nach vorn gibt es für den Winter keine spezielle Zeitverschiebung, so daß es im eigentlichen Sinne auch keine "Winterzeit" gibt.
Eher weniger benutzt, aber doch manchmal auftretend ist der Begriff "Standardzeit" für die normale, nicht verschobene Zonenzeit. Diese Bezeichnung kommt mit einiger Wahrscheinlichkeit aus dem amerikanischen Sprachraum, wo die normale Zonenzeit in den fünf Zeitzonen auch Standardzeit, also z.B. "Eastern Standard Time" (EST = GMT-5) - "östliche Standardzeit" oder freier übersetzt "Ostküstenzeit" - heißt. Die "Sommerzeit" wird dort verkürzt "Tageslichtzeit", also z.B. "Eastern Daylight Time" (EDT = GMT-4) genannt. Der nicht verkürzte Begriff ist eigentlich "Eastern Daylight Savings Time". Was im deutschen also die (schöne, warme) "Sommerzeit" (selbst im manchmal noch frostigen April und im schon frostigen, ausgehenden Oktober) ist, ist im englischen die "Tageslichtrettungszeit" - die Zeit zur Rettung des Tageslichts.
Unabhängig von den Begrifflichkeiten und deren Interpretation hat die Rückkehr zur normalen Zonenzeit einen Effekt: die meisten Sonnenuhren nicht nur in Berlin und Umgebung zeigen wieder etwas besser die aktuelle, offizielle Zeit an, so auch die obige Sonnenuhr an der Charité.
Die Sonnenuhr an der Charité ist eine der ganz wenigen, wenn nicht sogar die einzige Sonnenuhr, die von der S-Bahn zu sehen ist. Sie von der S-Bahn aus abzulesen ist dagegen eher schwer. Abgesehen davon, daß sie bei der Vorbeifahrt nur wenige Sekunden zu sehen ist, ist sie auch etwa hundert Meter vom Bahngleis entfernt und steht in einem allgemein ungünstigen Winkel. Sie befindet sich an einem Verwaltungsgebäude im südlichen Bereich des Charité-Campus.
Und die Zeit an ihr abzulesen geht auch nur bei der morgentlichen Vorbeifahrt, denn entsprechend ihrer Ost-Orientierung ist die Sonnenuhr an dem einige Jahre nach dem Mauerfall renovierten Gebäude eine Vormittagssonnenuhr mit einem goldenen Stab als Schattenweiser. Leider gilt die obige Relativierung bzgl. der "Sommerzeit" für diese Sonnenuhr im besonderen Maße: Trotz der Rückkehr zur normalen Zonenzeit wird die Sonnenuhr an der Charité nur etwas besser die gültige Uhrzeit anzeigen, denn sie ist wahrscheinlich nicht gut justiert. Bei einem Foto zwei Monate später von festem Boden aus war die wahre Uhrzeit 12 Uhr 49 MESZ, die angezeigte Uhrzeit aber 11 Uhr 30. Die Differenz zur mittleren Zonenzeit ohne Berücksichtigung der "Sommerzeit" betrug also 19 Minuten, obwohl sie eigentlich nur 8 bis 14 Minuten betragen sollte, und zwar eigentlich auch in die andere Richtung näher zur "Sommerzeit" hin als von der "Sommerzeit" weg.
Ein guter Termin, um die Justierung der Sonnenuhren zu testen ergibt sich als nächstes um Weihnachten herum, wenn die Zeitgleichung wieder einen Nullwert erreicht und außerdem auch noch die Zeitverschiebung lange vorbei ist. Sonnenuhren, die die wahre Ortszeit von Berlin zeigen, gehen dann nur noch um rund sechs Minuten nach, denn Berlin ist ca. 6 Zeitminuten bzw. rund 1,5 Längengrade vom Zeitzonenmeridian entfernt. Auf die Zonenzeit geeichte Sonnenuhren sollten dann sogar ganz genau gehen.
Lösung der Quizfrage:
Nach einem Beschluß der Europäischen Union wird in derselben zumindest bis 2006 eine Sommerzeit durchgeführt. Im nächsten Jahr beginnt sie am 31. März 2002 um 2 Uhr MEZ = 3 Uhr MESZ und endet am 27. Oktober 2002. Nach 2006 muß ein weiterer Entschluß über eine Verlängerung von den EU-Mitgliedsländern gefaßt werden.
Autor: -- jd --, 10/01