WFS Wilhelm-Foerster-Sternwarte mit Planetarium am Insulaner, Berlin


Das Bild der Woche

Nummer 346 / KW35 / August 2003

Sonnenuhr in der Lambertstraße

Bild der Woche, JPEG, 560x372, 103 kB



Quizfrage:
Welche vier Klassen von Schönheit gab es nach Ansicht Lamberts?


Johann Heinrich Lambert wurde am 26. August (nach den meisten Quellen, nach einigen Quellen auch am 27., 28. oder 29. August) vor 275 Jahren 1728 in Mühlhausen als Sohn eines Schneiders geboren. Er bildete sich autodidaktisch in mehreren Wissenschaften im Rahmen seiner Stellung als Schreiber bei einem Professor in Basel und wurde in der Folgezeit Hauslehrer mit einem eigenen Schülerkreis. Er lernte so u.a. Leonhard Euler (1707-1783) und Johann Bernoulli (1667-1748) kennen. 1760 entwickelte er eine Theorie zur Lichtmengenberechnung von angestrahlten Objekten in seinem Werk "Photometria, seu de mensura et gradibus luminis colorum et umbrae" und wurde damit einer der Begründer der Photometrie.

Auf Empfehlung von Euler und Bernoulli wurde Lambert im Jahr 1764 nach Berlin gerufen von Friedrich dem Großen und dort trotz eines schlechten ersten Eindrucks beim König als Oberbaurat und 1765 als Mitglied der Akademie der Wissenschaften eingesetzt. Lambert war Verfechter eines hierarchischen Universums, nach dem sich nicht nur die Erde und die Planeten um die Sonne drehen, sondern auch die Sonne um das Zentrum der Milchstraße und die Milchstraßen in einem Galaxienhaufen um ein galaktisches Zentrum und immer weiter. Die Theorie der sich bewegenden Sonne um das Milchstraßenzentrum ist dahingehend herausragend, da erst 1837 F.W.A. Argelander (1799-1875) seine Arbeit "Über die eigene Bewegung des Sonnensystems" herausgab und seine teleskopgestützte Durchmusterung der Sterne erst das Ziel hatte, diese Eigenbewegung des Sonnensystems zu zeigen.

Lambert starb mit 49 Jahren am 25. September 1777 in Berlin. Er wird heute allgemein als Mathematiker, Physiker, Astronom und Philosoph bezeichnet. Nach ihm ist u.a. die Straße benannt, in der in einem Garten an den S-Bahngleisen die dieswöchige Sonnenuhr angebracht ist. Im Umfeld dieser Straße finden sich u.a. auch die Charlottenburger Gaußstraße, Gallesteig, Struvesteig, Scheinerweg, Brahestraße, Keplerstraße, Herschelstraße und Fabriciusstraße.

Die fotografierte Sonnenuhr ist leider nur Verzierung, denn ihre Aufstellung ist fast orthogonal zur für diese Sonnenuhr eigentlich notwendigen Nord-Süd-Ausrichtung. Grund dafür sind möglicherweise Wohnhäuser genau in Südrichtung, die um die Mittagszeit herum die Uhr beschatten. Wäre sie richtig installiert, so würde sich dieser Tage um das Ende des Augusts wiedereinmal ergeben, daß sie bei Sonne relativ genau die korrekte mittlere Ortszeit anzeigen würde, denn in diesen Tagen erreicht die Zeitgleichung eine Nullstelle, bei der die lokale und die mittlere Ortszeit identisch sind. Somit ist in diesen Tagen auch mal wieder Gelegenheit, die Sonnenuhren der Stadt auf ihre richtige Aufstellung zu testen oder neue Sonnenuhren aufzustellen...


Lösung der Quizfrage:
Die Klasse des Einfachen, die Klasse des Zusammengesetzten, die Klasse des Imaginären und die Klasse des Nachgeahmten (siehe 800 Jahre Berlin).

Quizarchiv


Bilddaten:
Sonnenuhr in der Lambertstraße
Kamera: Pentax MZ-5 + Sigma IF28-300mm
Zeit: 21. Juni 2003, ca. 16 Uhr MESZ
Ort: Berlin, Charlottenburg
© 2003, Jens Dengler, Wilhelm-Foerster-Sternwarte e.V.


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Text: -- jd -- 8/2003