CCD - Technik
Der Film wird in naher Zukunft immer mehr vom Markt verdrängt und
durch den CCD-Chip ersetzt. Die heutigen Digitalkameras reichen an Auflösung
und Qualität noch nicht an den des Kleinbildfilms heran. Die heutigen
Digitalkameras sind nur für kurze Belichtungszeiten von Sonne, Mond
und Planeten geeignet. Beispiele sind auf
dieser Seite zu finden. Der Aufwand Astrobilder mit CCD aufzunehmen
ist vergleichbar so hoch wie mit Film oder höher.
Die CCD-Kamera für astronomische Zwecke muß besonderen Anforderungen
genügen.
Es handelt sich um eine Schwarz-Weiß-Kamera. Bei Farbaufnahmen
werden jeweils durch ein Rot-, Grün- und Blau-Filter (RGB) Aufnahmen
gemacht und im Rechner zum Farbbild zusammengesetzt. Die heutigen Farb-CCD-Kameras
für astronomische Zwecke reichen noch nicht in der Qualität
an die RGB-Aufnahmen heran. Die Kamera wird über einen PC
gesteuert.
Worin unterscheidet sich eine CCD-Kamera für Astroaufnahmen
von einer handelsüblichen Digital-Kamera?
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Die Belichtungszeit muß manuell einstellbar sein 1/100 Sekunde -
1 Stunde.
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Ausgesuchter Chip mit wenig defekten Pixeln.
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Gekühlter Chip auf unter - 30°C Umgebungstemperatur.
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Spektrale Empfindlichkeit
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Video-Chip mit maximaler Empfindlichkeit im Grünen, ähnlich dem
menschlichen Auge.
oder
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rotempfindliche Chips mit maximaler Empfindlichkeit im Infraroten.
Welche Vorteile hat die CCD ?
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Linearität des Empfängers über große Helligkeitsbereiche.
Damit ist es möglich den Himmelshintergrund einfach abzuziehen. Selbst
unter dem aufgehellten Stadthimmel ergeben sich Aufnahmen, die mit Film
nicht möglich wären. (Für optimale Ergebnisse ist ein dunkler
Himmel genauso wichtig wie bei Aufnahmen mit Film.) Die Ergebnisse
sind reproduzierbarer als bei Film. Man hat immer den gleichen Empfänger
und nicht ständig wechselnde Filmsorten.
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Die hohen Empfindlichkeit, die 17. Größenklasse in 5 Minuten
im 10-cm-Refraktor am Rande Berlins. Damit lassen sich Aufnahmen mit kleinen
Instrumenten machen, die mit Film nur den größeren Teleskopen
vorbehalten waren.
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Durch kurze Belichtungszeiten bei Mond und Planeten läßt sich
die Luftunruhe "einfrieren" und die Aufnahmen erreichen das theoretische
Auflösungsvermögen der Optik.
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Bilder können aufaddiert werden. Lange Belichtungszeiten werden durch
viele kurze Belichtungszeiten ersetzt.
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Man sieht sofort das Ergebnis und kann Vorort schon mit erster Bildverarbeitung
beginnen. Fehlerquellen wie Unschärfe oder das Objekt ist nicht in
der Mitte, werden sofort erkannt.
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Die Option der Fotometrie und Astrometrie. Mit geringen Aufwand ist es
möglich die Position und Helligkeit von Planetoiden, Kometen, Novae
und Supernovae in Galaxien zu bestimmen. Damit ergeben sich neue Betätigungsfelder
für den Amateur.--> siehe Astrometrie-Seite
Und welche Nachteile ?
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Die kleine Fläche im Vergleich zum Film und die sehr hohen
Anschaffungskosten.
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Bei Farbaufnahmen müssen für optimale Ergebnisse jeweils drei
Farbauszüge gemacht werden. Dies dauert sehr viel länger als
bei Film. Nur bei S/W-Aufnahmen ist die CCD dem Film überlegen.
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Zusätzliches Zubehör wie Filterrad, Klappspiegel
und
eventuell Notebook
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Die kleinen Pixel-Durchmesser stellen hohe Anforderungen an Nachführgenauigkeit
und mögliche Seeingprobleme schon bei 1m Brennweite.
Welche Auswirkungen hat dies auf das Arbeiten mit der CCD ?
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Durch die kleinere Fläche dauert das Einstellen und Positionieren
der Objekte viel länger. Ein Klappspiegel ist sehr hilfreich. Bei
größeren Objekten müssen Mosaike gemacht werden.
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Wegen der 2-3x besseren Auflösung als bei Film muß auch genauer
nachgeführt werden. Ein Autoguider ist selbst bei ein paar Minuten
Belichtungszeit nützlich. Auch Seeingprobleme, d.h. größere
unscharfe Sterne, machen sich eher bemerkbar.
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Zusätzlich müssen noch Dunkelbilder
und Flatfields gemacht werden.
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Farbaufnahmen sind sehr aufwendig.
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Probleme in warmen Nächten mit dem thermischen Rauschen. Eine 6°
niedrigere Temperatur halbiert bereits das Rauschen.
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Ständiges arbeiten am Monitor, der Wechsel von hell nach dunkel ist
anstrengender als durch Fadenkreuz-Okular zuschauen.
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Wegen des hohen Stromverbrauchs ist kein Einsatz im freien Feld möglich.
Welche Eigenschaften sollte eine CCD-Kamera haben ?
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Möglichst große Chip-Fläche
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Die Pixelgröße muß der Brennweite und dem Seeing angepasst
sein, d.h. Pixel lassen sich zusammenfassen, Binningfunktion.
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Der Chip sollte möglichst rauscharm sein.
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Die spektrale Empfindlichkeit muß zu den Objekten passen, die aufgenommen
werden.
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Autoguider Option
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Schnelles Auslesen des Bildes, verkürzt die Positionierzeit und für
zeitaufgelöste Beobachtungen, z.B. Sternbedeckung durch einen Planetoiden.
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Die Steuerungssoftware sollte einfach zu bedienen sein, auch über
Tastatur-Kürzel.
Die CCD-Kamera und Zubehör
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Die CCD-Kamera Starlight-Xpress MX516 mit dem 4,9x3,6 mm² großen
Chip. Die Pixelgröße ist 9,8x12,6 µm²
Pixelzahl beträgt 510 x 290 |
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Die CCD-Kamera Starlight-Xpress MX516 mit Klappspiegeleinheit und dem
Kontrollokular zum Einstellen der Objekte. |
Die CCD-Kamera am Teleskop gesteuert durch
ein Notebook
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Die CCD-Kamera im Einsatz am Schmidt-Cassegrain-Teleskop. Die Kamera
ist über dem Parallelport des Notesbooks angeschlossen. Hierüber
erfolgt das Einstellen der Belichtungszeit und das Einlesen der Bilder.
Die Stromversorgung erfolgt über ein 12V Netzteil. |
Beispiele für Dunkelbild
und Flatfields
Neben den eigentlichen Bild müssen noch ein Dunkelbild und das
Flatfield aufgenommen werden.
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Das Dunkelbild ist das Bild ohne das Licht auf den Chip fällt. Es
besteht aus dem thermischen Rauschen und Ausleserauschen. Das thermische
Rauschen hängt stark von Außentemperatur ab. Das Dunkelbild
muß genauso lange belichtet werden wie das eigentliche Bild.
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Das Flatfield wird erzeugt in dem eine homogene leuchtende Fläche
aufgenommen wird. Damit lassen sich Pixelfehler, ungleichmäßige
Empfindlichkeit des Chips oder Vignettierung der Optik aufnehmen und später
am Bild korrigieren.
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Dunkelbild 60 sek. belichtet. |
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Flatfield bei Okularprojektion. Deutlich sind die Staubpartikel im
Strahlengang zusehen, die auf dem Chip projiziert werden |
Durchführung der Aufnahmen
Die Durchführung der Aufnahmen sieht wie folgt aus.
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Die Montierung muß exakt auf den Himmelspol ausgerichtet sein. Die
Nachführung muß einwandfrei arbeiten.
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Die CCD-Kamera muß mindestens eine halbe Stunde laufen, d.h. gekühlt
sein.
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Dann erfolgt das Fokussieren an einem hellen Stern. Das "Auslaufen" des
Sterns durch Überbelichtung, kann zur Fokussierung genutzt werden.
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Der CCD-Chip sollte in RA-DE ausgerichtet sein. Steht kein Klappspiegel
zu Verfügung, ist ein Leitfernrohr von großem Nutzen.
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Dann wird das Objekt eingestellt und auf dem Chip in der Mitte positioniert.
Dies wird eine Weile dauern. Nur Geduld.
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Dann wird belichtet. Je nach Nachführung zwischen 30 und 60 Sekunden.
Die meisten Nachführungen laufen maximal bis zu 60 Sekunden punktgenau.
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Es werden viele Bilder aufgenommen, die Software bietet die Möglichkeit
Serienaufnahmen zu machen, Autosave-Modus einschalten.
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Nach Ende der Aufnahmen wird noch ein Dunkelbild mit der gleichen Belichtungszeit
wie das Objekt aufgenommen. Auch hier wieder eine Serie zur Mittelwertsbildung.
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Am Ende der Beobachtungsnacht, kann die Dämmerung genutzt werden um
die Flatfieldaufnahme zu machen.
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Auf der Festplatte sollte genügend freier Speicher vorhanden sein.
100 Aufnahmen in einer Nacht sind keine Seltenheit, und ergeben selbst
bei einem kleinen Chip mal locker 30 MByte.
Bildverarbeitung und Bildauswertung
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Dateiformat
Die CCD-Aufnahmen werden im FITS-Format abgelegt. Dieses Format ist
Standard bei den Astronomen. Es enthält außer dem Bild noch
Datum, Uhrzeit, Belichtungszeit der Aufnahme, sowie eintragbare Kommentare.
Pro Pixel können mehr als 16 Bit bereitgestellt werden. FITS-Dateien
können von den "normalen" Bildverarbeitungsprogrammen nicht gelesen
werden.
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Bildverarbeitung
Der Grauwertbereich ist bei den CCD-Aufnahmen bis zu 16 Bit breit.
Die "normalen" Bildverarbeitungsprogramme können nur 8 Bit verarbeiten.
Neben Kontrast/Helligkeit und Schärfefiltern sind weitere Bearbeitungsschritte
nötig.
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Dunkelbild abziehen
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Flatfieldkorrektur
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Ausrichtung der Bilder zueinander
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Addition oder Mittelwertbildung
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Mosaike anfertigen
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Exportieren in eine gängiges Grafikformat
Wer nur ein schönes Bild aufnehmen wollte, ist jetzt schon fertig.
Zur Auswertung einer Planetoiden Position oder die Helligkeit einer Nova
zu bestimmen, sind noch weitere Arbeitsschritte nötig.
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Bildauswertung
Hier kann die CCD ihre Vorteile voll ausspielen. Mit Zugriff auf die
moderne Sternkataloge wie die vom Hubble-Teleskop (GSC), Tycho-Katalog
und USNO-Katalog können die heutigen CCD-Programme Position und Helligkeit
von Objekten bestimmen, die auch professionellen Ansprüchen genügen.
Dies alles ist mit einem geringen Aufwand verbunden im Vergleich zur
klassischen Fotografie.
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Welche Merkmale sollte ein CCD-Bildverabeitungsprogramm noch haben ?
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Automatisierung von Routineschritten, Batchprocessing
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Protokollierung der Arbeitsschritte
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Astrometrie/Fotometrie - Zugriff auf GSC-, Tycho- und USNO Katalog
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Erweiterungsmöglichkeiten über Plug-Ins, z.B. über Visual
Basic eigene Programme einbauen.
CCD Bilder Galerie
Die hier gezeigten Aufnahmen sind die ersten Versuche mit der Starlight-Xpress
MX516 Kamera. Sie wurden allesamt in einer Nacht zwischen Wolkenlücken
auf der Emberger Alm in Kärnten, Österreich erstellt. Die Bedingungen
waren nicht optimal. Alle Aufnahmen wurden mit einem 20-cm Schmidt-Newton
f/4 auf einer Saturn-Montierung aufgenommen. Ein einzelnes Bild wurde 60
Sekunden belichtet und aufaddiert. Die Bilder wurden auf quadratische Pixelgrößen
umgerechnet.
(Bilder anklicken um sie in Originalgröße
zu sehen)
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| M08: 5x1min belichtet |
M13: 5x1min belichtet |
M16: 5x1min belichtet |
M17: 6x30 sec belichtet |
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| M20: 8x1min belichtet |
M27: 8x1min beleichtet |
M31: 8x1 min belichtet |
M51: 8x1min belichtet |
Zurück zur Astrofotografie
Autor: Matthias
Kiehl