Nomenklatur der atmospärischen Erscheinungen auf Jupiter

Nomenklatur der Regionen

Nomenklatur der Strömungszonen

Orientierung

Nomenklatur der Objekte

Besondere Erscheinungen

Nomenklatur der Regionen

Unter Regionen versteht man bei Jupiter die Unterscheidung zwischen breitenbezogenen Zonen und Bändern. Zur schnellen und einfachen Unterscheidung wurden hier Kurzbezeichnungen eingeführt. Sie gelten gleichermaßen für Regionen wie auch den noch zu beschreibenden Objekten. Die Unterteilung der Regionen richtet sich grundsätzlich nach den allgemein sichtbaren Zonen und Bändern. Untergliedert sind diese teilweise noch in den langsameren Stömungszonen und den schnelleren Jetstreams. Werden mehr als 2 gleiche Buchstaben hintereinander genannt, so wird ihre Gesamtzahl indiziert angegeben (z. B.: NNNTB ist N3TB).

Bei einigen Zonen und Bändern gibt es noch zusätzliche Bezeichnungen, die entsprechende Randgebiete kennzeichnen:

Orientierung

Um Irritationen und Verwirrungen durch Mißverständnisse in der Orientierung zu vermeiden, gibt es keine herkömmliche Ost-West-Richtung auf Jupiter. Da Jupiter aufrechtstehend wie auch kopfstehend oder gar in Schräglage beobachtet wird, ist hier eine Orientierung in p.-f.-Richtung von der Lage Jupiters unabhängig. Die p.-Seite (preceeding = vorangehend) Jupiters ist die Seite zu der die p.-Seite eines Objektes in Rotationsrichtung zeigt, die f.-Seite (following = nachfolgend) Jupiters ist die Seite zu der die f.-Seite eines Objektes gegen die Rotationsrichtung zeigt. Meint man auf Jupiter "rechts" oder "links" bzw. "Ost" oder "West", spricht man immer von p.-seitig oder f.-seitig vom Zentralmeridian, welcher die gedachte Mittellinie der sichtbaren Jupiterscheibe von Pol zu Pol darstellt (Süd-Nord-Achse, astronomisch orientiert).

Astronomische Orientierung bedeutet kopfstehende aber seitenrichtige Abbildung, wie in einem herkömmlichen, astronomischen Fernrohr mit direktem Okulareinblick. Aus diesem Grunde wird in der Amateurastronomie ein Planetenbild auch kopfstehend abgebildet, während man in der Fachastronomie das aufrechtstehende Bild bevorzugt. Die kopfstehende Abbildung kommt von der immer noch weit verbreiteten visuellen Planetenbeobachtung, welche bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts auch noch in der Fachastronomie üblich war. Erst mit der raumsondengestützten und der fotografischen Beobachtung führte die Fachastronomie die aufrechte Bilddarstellung bei der Planetenbeobachtung ein.

Nomenklatur der Strömungszonen

Das letzte "C" steht für Current (Strömung). Die Strömungszonen entsprechen nicht immer der Bänder-/Zonenunterteilung, da sich die Strömungen oft auch auf zwei angrenzende Gebiete verteilen. Die Buchstaben (Kennung) der zweiten Spalte ergeben zusammen mit den Ziffern 1 - 5 die Kennung für den Regionencode. So ist zum Beispiel C3 = WOS-FA oder L2 = NEB(S). Dieser Regionencode wird auch in JUPOS verwendet und erspart umständliche Schreibweise.

Nomenklatur der Objekte

Unter Objekten versteht man alle mehr oder weniger gut sichtbaren Einzelheiten in der Jupiteratmosphäre wie dunkle und helle Flecken. Objekte gelten in der Regel als kurzlebig, daneben gibt es auch die langelebigen, schon seit Jahrzehnten verfolgten Objekte wie GRF und White Oval Spot, WOS-FA, -BC und -DE, die der Nomenklatur der Regionen zugeordnet werden.

Die Kurzbezeichnung eines Objektes besteht aus sechs oder sieben Buchstaben beziehungsweise auch Ziffern:

1. Oft gibt es gleiche oder sehr ähnliche Objekte, die einerseits hell, anderseits aber auch dunkel erscheinen. Daraus folgt eine erste Grobeinteilung (Erster Buchstabe) in helle und dunkle Objekte. Diese entsprechen den Bezeichnungen W für "white" (= weiß = hell), D für "dark" (= dunkel).

2. Desweiteren unterscheidet man mit Hilfe des zweiten Buchstabens auch bei größer ausgedehnten Objekten "Anfang", Mitte" und "Ende" eines Objekts. In der Nomenklatur sind dies p.= preceeding (vorangehend), c= center (Mitte) und f.= following (nachfolgend). Vorangehend und nachfolgend bezieht sich auf die Rotationsrichtung Jupiters, schneidet also ein Objekt eine gedachte, senkrechte Mittellinie (von Pol zu Pol) Jupiters, so berührt das p.-Ende die Linie zuerst, dieses Ende ist das Vorangehende, dann schneidet die Objektmitte (= c) und zum Schluß schneidet das f.-Ende die Mittellinie, dieses Ende ist das Nachfolgende.

3. Die Zahl an der dritten Stelle gibt eine grobe Bezeichnung zur Sichtbarkeit des Objektes:

4. Es folgen drei oder vier Buchstaben, um die Art des Objektes zu kennzeichnen. Es gibt folgende Bezeichnungen:

Helle Objekte

W-SPOT treten bevorzugt in nördlichen gemäßigten Zonen (NNTZ, NTZ, NTrZ) auf, ebenso aber auch in den südlichen gemäßigten Zonen und Bändern (STrZ, STZ, STB, SSTB). Es sind weiße, kleine, runde bis ovale Flecken. Während sie sich von dunklen Bändern recht gut abheben, sind sie in den hellen Zonen meist nur sehr schwierig zu erkennen; hier helfen beim Beobachten nur größer geöffnete Instrumente mit sehr guter Kontrastleistung.

W-SPTR sind Artverwandte der W-SPOT. Diese weißen Flecken sind von einem kleinen, dunklen Ring umgeben, der auch als kleine, längliche oder diffus geformte Zone ausgebildet sein kann. Sie sind in Zonen wie in Bändern zu beobachten, treten allerdings seltener auf als die W-SPOT.

W-OVAL sind ebenfalls Artverwandte der W-SPOT. Es sind größere weiße Flecken, die meist in namensgebender Weise oval erscheinen. Sie treten in zwei Hauptgruppen auf: Die erste Gruppe besteht aus sehr großen, ausgedehnten Ovalen in der EZ(N), bzw. am NEBs, welche oft auch von Projektionen oder Girlanden umschlossen sind. Die zweite Gruppe erscheint in der NTZ, STrZ und im STB. Diese sind kleiner als erstere und nicht zu verwechseln mit den vergleichsweise sehr langlebigen WOS.

W-AREA ist ein helles unregelmäßig begrenztes Gebiet und in der Region des NEB und polaren Regionen zu finden. Im NEB auch in Kombination mit W-STRK und hellen Einkerbungen.

W-STRK (Streak) ist ein sehr langgezogenes helles Gebilde. Typisches Auftreten im NEB, wo es in Verbindung mit Kerben wie Einschnürungen oder Einschnitte im NEB aussehen kann.

W-NICK ist eine meist weiße Kerbe am Rande des NEB und seltener auch am SEB. Diese kann sich als Einschnitt fortsetzen, aber auch in ein GAP, AREA, RIFT, oder W-STRK verwandeln.

W-BAY ist als eine Einbuchtung meist am NEBn, seltener am NEBs zu beobachten. In den letzten Jahren auch am SEBs beobachtet worden. Hält sich über mehrere Wochen meist recht stabil.

W-GAP ist ein sehr ausgeblichener bis fehlender Teil eines Bandes. Sieht aus wie ein herausgerissenes Stück eines Bandes, die Begrenzung ist manchmal diffus. Typischer weise im NEB, etwas abgewandelt auch im STB.

W-SECT ist dem W-GAP zwar ähnlich, ist jedoch deutlich länger als ein W-GAP und ist gleichmäßiger in seiner Form. Es erinnert etwas an einen "radierten" Abschnitt eines Bandes.

W-RIFT ist eine rißartige Unterbrechung in einem Band. Rifts sind meist sehr kurzlebig und können auch schnell ihr Aussehen und ihre Position innerhalb weniger Tage ändern. Hauptsächlich erscheinen sie im NEB.

Dunkle Objekte

D-SPOT sind kleine, runde bis ovale dunkle Flecken, die hauptsächlich in gemäßigten Breiten, wie etwa in der STrZ, STZ, SSTZ; NTrZ, NTZ, NNTZ usw. auftreten. Hin und wieder werden Dark-Spots auch im NEBn beobachtet, doch handelt es sich hierbei meist um knotenartige Vedunklungen, die den Barren ähnlich sind. Eine eigene Familie bilden die D-SPOT am Südrand des NTB. Hier herrscht ein schneller Jetstream, wo es zeitweise sogenannte Fleckenausbrüche gibt. Manchmal erscheinen gerade diese Flecken annähernd so markant wie ein Jupitermondschatten, jedoch kleiner.

D-SDER sind kleine, runde bis ovale dunkle Flecken, die jedoch im Gegensatz zu den D-SPOT noch von einem hellen Ring umgeben ist, der auch oval oder länglich/diffus sein kann. Ebenfalls in den südlichen Regionen beobachtbar, aber auch seltener als D-SPOT.

D-BAR ist ein länglicher, meist recht dunkler Fleck, der fast ausschließlich am NEBn zu beobachten ist. Er kann sich bis zu mehreren Längengraden erstrecken.

D-PROJ ist eine Protuberanz bzw. Projektion (auch "Fahne"), die vom NEBs ausgeht in die EZ(N) hinein. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, wenn die Projektion aus einem barrenartigen Fleck entspringt und sich an einem EZ(N)-W-OVAL entlangzieht. Im Gegensatz zum D-BAR wird dieser Fleck jedoch als PROJ klassifiziert. Ist die südliche Ausdehnung des W-OVAL praktisch am Äquator, so können die Projektionen mit der dunklen Materie ein meist etwas seltener beobachtbares Equatorialband (EB) "füllen".

D-FEST (Festoon = Girlande) sind nahe Verwandte der Projektionen und entstehen auf die gleiche Art und Weise wie die Projektionen. Durch ihre markante Erscheinungsform erinnern sie an Girlanden, die ihnen dann auch den Namen gaben. Sie sind allerdings nicht so oft zu beobachten wie die viel häufigeren Projektionen.

D-STRK ist ein langgezogener dunkler Streifen. Er kann als besonders dunkles Objekt innerhalb eines Bandes auftreten, ebenso aber auch in einer Zone wie z.B. EZ(N) oder auch STrZ.

D-SECT ist ein auffallend dunkler Abschnitt in einem Band. Kann aber auch der nur sichtbare Teilabschnitt eines Bandes sein.

D-COL treten meist zu mehreren auf und zwar zumeist im SEB. Zuweilen erscheinen sie auch schräggestellt hinter dem Großen Roten Fleck. Der Kontrast ist jedoch meist recht schwach und sind daher nicht leicht zu erkennen.

D-VEIL ist eine schleierartige Verdunklung in einer Zone. Schleierartig deshalb, weil der Übergang von hell nach dunkel nicht abrupt, sondern sich ganz allmählich vollzieht. Dieser Übergang von hell nach dunkel kann sich durchaus über einen Viertel-Jupiterumfang in Längsrichtung erstrecken. Während dieser als klassischer "großer STrZ-Schleier" von 1901 bis 1939 recht häufig zu beobachten war, konnten in den letzten Jahren allenfalls Ansätze dieser Erscheinung registriert werden. In der britischen Nomenklatur war er als "South Tropical Disturbance" bezeichnet worden. Außerdem wurden schon öfter schleierartige "Protuberanzen" von einem Band zum nächsten beobachtet, so z. B. vom NEB zum NTB.

D-DIST ist eine nicht in das sonstige Schema zuzuordnende dunkle, diffuse Erscheinung, meist im SEB beobachtbar. Zum Beispiel als Quellerscheinung eines wiederentstehenden SEB. Aber auch in einem vorhandenen SEB kann diese Störung auftreten, mit völlig unbekannten Mustern und Formen oder auch völlig diffus und ohne näher erkennbare Struktur. Dazu gehören auch abweichende Strukturen in anderen Bändern und Zonen.

SHAD ist der von der Sonne auf die Wolkenoberfläche projizierte Schatten eines der vier Galileischen Jupitermonde, während er sich zwischen Sonne und Jupiter befindet. Besonders zu beachten sind Schattendeformationen, die aber nur recht selten vorkommen und auf unterschiedliche Wolkenschichtungen Jupiters schließen lassen. Allerdings liegt die Sichtbarkeit in Größenordnungen von Halbbogensekunden und kleiner, so daß nicht nur größer geöffnete Instrumente, sondern auch bestes Seeing und entsprechende Beobachtungserfahrung erforderlich sind. Die meisten Objekte treten üblicherweise nur in bestimmten Regionen und in oft typischer Erscheinungsweise auf, so daß der erfahrene Beobachter diese Erscheinungsformen oft auch erwartet. Dennoch sollte man sein Auge immer auch für ungewöhnliche Erscheinungen offen halten.

Besondere Erscheinungen

GRF

Neben den eher kurzlebigen Einzelobjekten, die sich mehr oder weniger verändern, gibt es einige besonders auffällige wie langlebige Objekte. An erster Stelle ist hier der mittlerweile schon legendäre Große Rote Fleck zu nennen. Als die Fernrohre im 17. Jahrhundert begannen leistungsfähiger zu werden , waren auch erste Detailbeobachtungen auf Planetenoberflächen möglich. Im Jahre 1664 wurde erstmals von dem britischen Astronomen Hooke, 1665 vom Italiener Campani ein Fleck mit der Längenausdehnung von ungefähr einem halben Durchmesser Jupiters beobachtet. Cassini erwähnte 1665 erstmals einen sehr großen, dunklen Fleck auf Jupiter, den er regelmäßig beobachten konnte. Es ist zwar nicht bewiesen, jedoch wird es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den Großen Roten Fleck gehandelt haben. Zwischen 1713 bis 1831 gab es hingegen keine Aufzeichnungen über die Sichtung dieses Flecks. Erst 1878/79 wurde er erstmals als "Großer Roter Fleck" in seiner bis heute bekannten Form wiederentdeckt. Er wurde liebevoll "the pink fish" genannt, da er aufgrund seiner Ausdehnung und den spitzen Enden an einen Fisch erinnerte.

Über die Zeit hinweg hat sich auch der GRF immer wieder verändert. Geht man von historischen Beobachtungen aus, so hat sich der GRF stetig verkleinert. Aber selbst heute noch hat er eine Breite von etwa einem Erddurchmesser und dessen eineinhalbfache Länge. Auch die Helligkeit und Farbe ändern sich dauernd. Interessanterweise hängt dieser Zustand eng mit der Aktivität des SEB zusammen. Ist das SEB sehr blaß geworden oder gar verschwunden, so erscheint der GRF in einer Weise, die ihm auch seinen Namen gab: Im kräftigen Rosarot, oft umgeben von einem hellen Hof, steht er sehr prominent in der STrZ. Schon in kleinen Instrumenten ist er leicht zu erkennen. Nimmt die Intensität des SEB hingegen wieder zu, verblaßt entsprechend der GRF. Die Farben können sich wandeln in lachsrosa, zartes orange-rosa bis hin zu weißlich-hellgelb. Dann ist das SEB meist recht kräftig ausgeprägt, und der helle GRF ist von einem dunklen Rand umgeben. Dadurch erscheint er etwas größer, da die dunkle Umrandung an Stelle des hellen Hofes getreten ist. Doch nicht immer muß das so sein, aus dem 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt es keine Aufzeichnungen, in denen die Beobachtung des GRF erwähnt wird. Vermutlich war er gelblich-weiß wie die Zonen, aber ohne deutliche Umrandung. Außerdem hatte man damals auch keine Fernrohre mit besonders hoher Kontrastleistung, so daß der GRF mit seinem sehr geringen Kontrast nicht weiter auffiel. Ähnlich verhält es sich auch bei den noch zu erwähnenden WOS: Fehlt das STB, liegen diese praktisch in der "hellen" STrZ und sind in Amateurinstrumenten nahezu unsichtbar. Auch innerhalb des GRF gibt es Änderungen. Zumeist hat er einen dunklen Zentralfleck, ähnlich dem Auge eines Zyklons. Nach außen wird er dann etwas heller und am Rand wieder etwa so dunkel wie im Zentralbereich. Besonders in dem helleren, mittleren Bereich kann er oft partiell dunkler werden, bzw. verblassen, meist asymmetrisch. In letzter Zeit war immer wieder eine dunklere Südhälfte zu beobachten. Hin und wieder werden auch kleine, weiße Flecke aus der STrZ vom GRF mitgerissen, die dann wie auf einem Karussell an seinem Rande einen Umlauf mitmachen, um danach wieder in der STrZ weiterzudriften. Auch die nähere Umgebung des GRF verdient Beachtung. Durch die antizyklonische Rotation des GRF wie auch durch seine eigene Drift entstehen in seiner näheren Umgebung Staus. Hier befinden sich des öfteren kleine W-SPOT, die zwischen der STrZ-Strömung und der Strudelwirkung des GRF hin- und hergerissen werden und sich so in einer Art "Warteschleife" befinden. Erwähnenswert ist auch die GRF-Bay (RSH). Durch die Dominanz des GRF wird ein Teil des Südrandes des SEB von diesem beiseite gedrängt. Dadurch werden regionale Stromschnellen erzeugt. Immer wieder kann man beobachten, daß dort passierende Objekte eine regional-bezogene Beschleunigung der Driftrate erfahren. Dies ist ebenso auch auf der Südseite des GRF zu beobachten (siehe auch WOS-FA, -BC, -DE). Der GRF hat eine eigene Drift gegenüber den Rotationssystemen. In den letzten Jahren pendelte er zwischen etwa 5° bis 60° im System II, dabei ändert er auch geringfügig die Breitenlage. Dem langfristigen Pendeln ist noch eine höherfrequente, kurzzeitige 90-Tage-Schwingung überlagert. Die Ursachen dieser Schwingungen sind noch unerforscht.

WOS-FA, -BC und -DE

Die White Oval Spots sind drei recht langlebige Antizyklone (sich gegen den Uhrzeigersinn drehend) im STB. Sie entstanden in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Es bildeten sich drei graue Flecken, die sich im Lauf einiger Jahre in Längsrichtung ausdehnten. Schon bald erschienen sie als Teilstücke des wiederentstehenden STB. Der Anfang und das Ende des jeweiligen Teilstückes wurde mit Buchstaben zur schnelleren Identifizierung bezeichnet. Das erste Teilstück wurde gemäß der Reihenfolge als AB bezeichnet, die beiden weiteren dem entsprechend mit CD und EF. Die Teilstücke dehnten sich um den gesamten Umfang in der Region aus, so daß sich die Enden des einen den Anfängen des anderen Teilstücks annäherten. Zwischen den Teilstücken bildeten sich Antizyklone, die bisher ein völliges Schließen der Teilstücke verhinderten. Die Teilstücke wurden wieder als einheitliches STB eingeordnet, während die Antizyklone die jeweils angrenzenden Anfangs- und Endbuchstaben erhielten. So entstanden die WOS-BC, DE und FA. Außerdem gibt es neben diesen drei langlebigen WOS auch noch mehrere kürzer andauernde, ähnliche (zyklonische) Erscheinungen im STB. Sie werden lediglich mit "W-SPOT" oder "W-OVAL" klassifiziert. Die WOS haben eine eigene Driftrate gegenüber dem System II. Passieren sie den GRF, so werden sie um ca. 1°/Monat beschleunigt. Dies ist offensichtlich bedingt durch die Ausdehnung des GRF, welche eine Art Stromschnelle an Nord- und Südseite des GRF erzeugt. Die WOS überholen sich trotz teilweise unterschiedlicher Driftgeschwindigkeiten nicht, sondern schieben sich aneinander, um sich später vielleicht wieder voneinander zu entfernen. Da auch sie Antizyklone sind, erzeugen ihre Wirbel ebenfalls Stromschnellen, wenn auch von deutlich schwächerer Natur als beim GRF. Diese Stromschnellen in nächster Umgebung sorgen für einen Mindestabstand zu anderen Objekten. Seit ihrem Entstehen haben sich die WOS kontinuierlich verkleinert, haben aber immer noch etwa Marsdurchmesser. Wie auch der GRF gehören sie zu den Langzeitobjekten und werden ständig überwacht.

Mittlerweile sind die WOS-BC und -DE miteinander zwischen Februar und März 1998 verschmolzen, der daraus hervorgegangene Fleck wird zunächst "WOS-BE" genannt. Siehe auch Jupiter im August 1998.

SEB-Revival

Eine Besonderheit bilden der GRF und das SEB in ihrem Zusammenspiel. Meist ist ein Teil der beiden aktiv (zumindest in der sichtbaren Intensität), während der entsprechend andere Teil eher blaß ist. Wie schon beim GRF erwähnt, unterliegt die Aktivität des SEB einem unregelmäßigen Zyklus. Nehmen wir als Ausgangssituation ein intensives SEB an, so verblaßt es innerhalb weniger Monate. In der Fachbezeichnung auch als fading (engl.) bekannt. Das Verblassen kann über schwache Restsichtbarkeit bis hin zur völligen Unsichtbarkeit gehen. Zuletzt war dieser Zustand 1989/90 und Anfang 1993 zu beobachten. Hier war das SEB unsichtbar und glich praktisch in Helligkeit und Färbung der EZ bzw. STrZ. Dagegen fiel der GRF im kräftigen Rosarot auf. Dieser Zustand kann ein bis zwei Oppositionsperioden andauern, danach setzt ein Wiederaufleben (Revival) ein. 1991 erschien Jupiter wieder mit einem SEB, das Revival fand aber während der Konjunktion mit der Sonne statt und war somit unbeobachtbar. Kurz vor der Sonnenkonjunktion im Herbst 1992, verblaßte das SEB abermals. Im Frühjahr 1993 erschien Jupiter wieder ohne SEB.

Diesmal hatten die Beobachter mehr Glück. Fachleute prognostizierten bereits zum Sommer '93 ein Revival, wenngleich keine Infrarot-Hot-Spots (aktive Regionen, die nur im infraroten Licht sichtbar sind) entdeckt werden konnten. Es wurde aber besondere Aufmerksamkeit empfohlen. Tatsächlich konnte im Nachhinein auf Infrarotaufnahmen von Ende März ein Fleck in der SEB-Region nachgewiesen werden, Anfang April erfolgten die ersten voneinander unabhängigen, visuellen Entdeckungen. In Deutschland herrschte ein Tiefdruckgebiet mit vielen Wolken, doch am 09.04.93 klarte es auf. Der Autor entdeckte unabhängig ein leicht S-förmiges, bananenartiges, dunkles Objekt mit dunklem Schleier in seiner nahen Umgebung bei 21°II. Das zentrale Objekt war bläulich, sehr dunkel und sah auf den ersten Blick aus wie ein Jupitermondschatten, doch alle vier Galileischen Jupitermonde waren mit großem Abstand vom Jupiter zu sehen, es konnte also kein Schatten sein. Als nach genauerer Betrachtung die tatsächliche Beschaffenheit auffiel, gab es denn auch keine Zweifel mehr. Einige Beobachter nahmen zwar indirekt Notiz, aber schenkten dem Objekt keine weitere Beachtung, manche hielten es sogar für einen o. g. Jupitermondschatten. Das Ausbruchszentrum lag bei 21°II. Auch am 11.02.1943 wurde ein gleichartiges Objekt praktisch genau an gleicher Position entdeckt. Es erhielt die Bezeichnung "Meridionalstäbchen", da der Kern wie auch 1993 nahezu senkrecht elongiert war. Bei näherer Betrachtung setzte es sich aus mehreren pechschwarzen Pünktchen zusammen. Auch der weitere Verlauf dieser Erscheinung glich der von 1993. Schon in wenigen Tagen wurde der Fleck durch die hier angrenzenden Strömungszonen SEBs und SEBn auseinander gezerrt. Gleichzeitig quoll aber immer mehr dunkles Material aus dem Herdzentrum, so daß sich ein Band bildete, welches sich immer weiter in p-Richtung ausdehnte. In f-Richtung dehnte es sich nur sehr langsam aus und wurde schon bald von der Aureole des GRF aufgehalten. In p-Richtung zog sich das wiederentstehende SEB um den ganzen Planeten und erreichte im Juni den GRF von seiner f-Seite. Das SEB war durchsetzt von diffusen weißen Flecken und dunklen, fleckenähnlichen Fetzen. Die Farbe war blaugrau und wandelte sich erst zum gewohnten Rotbraun in einer späteren, stabilen Phase (vermutlich Herbst 1993, während der Sonnenkonjunktion).

Solch ein SEB-Revival ist in unregelmäßigen Abständen von mehreren Jahren zu beobachten. Zumindest in der Anfangsphase wird es in der Nomenklatur mit SEB-DIST eingeordnet. Ist das SEB also im blassen Zustand, sollte auf jeden Fall auch aufmerksam nach einem solchen Herd Ausschau gehalten werden. - Es gibt aber noch andere Erscheinungsformen einer SEB-DIST. Es sind entweder kleinere, chaotisch anmutende Objekte innerhalb eines intakten SEB, eine Kette weißer Flecken, oder eine sehr diffuse, kreisförmige Verdunklung ohne deutlichen Rand. E. Mädlow nannte sie auch "Dunkelballung im SEB".

Seitenanfang

AG Planeten


© André Nikolai 1998