WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
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Protokoll der 385. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 14. August 1995

Beginn: 20.00 Uhr Ende: 21.25 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Sävecke, Schmitz und Wühle sowie die Herren Bock, Hensel, Laufer, Preuschmann, Rose, Tost, Ulrich, Voigt und Warner.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung und begrüßt die Anwesenden in der Hoffnung, daß alle eine gute Ferienzeit hatten.

Herr Hensel zeigt ein Dia des aufgehenden, orangerot leuchtenden Vollmondes. Auf einer Aufnahme, eine Stunde später gemacht, die den Mond nun in gelblicher Färbung zeigt, ist die Form der Maria gut zu erkennen. Auf einer weiteren Aufnahme, einer Langzeitbelichtung des Sternenhimmels, erscheinen die Spuren der Himmelsbewegung um den Nordpol.

Anschließend zeigt Herr Voigt eine ähnliche Aufnahme, während der Berlin-Blockade im Dezember 1948 aufgenommen. Die 10-Stunden-Belichtung zeigt die Sternbewegung in konzentrischen Kreisen um den Nordpol und zusätzlich eine Vielzahl von Leuchtspuren der Flugzeuge, die damals Berlin mit Nachschub versorgten.

Im Anschluß daran verliest Herr Voigt einen Bericht aus dem August-Circular der Lunar Section der BAA. Mr. Jeremy Cook schreibt darin wie folgt:

"Die hohen Temperaturen des Sommers hatten nicht nur eine schlechte Luftqualität und Durchsicht zur Folge, sondern sie erzeugten auch Gewitter. Eine beachtenswerte Geschichte ereignete sich am 26. Juli 95. Peter Foley's Aluminiumkuppel seines Observatoriums wurde von einem Blitz getroffen. Bei der Konstruktion waren bereits Sicherheitsvorkehrungen getroffen, indem der eiserne Kuppelring mit Kupferdrähten geerdet wurde. Im Ruhezustand war die Kuppel gegen Sturmschäden mit 3 schweren Metallketten gesichert. Mit lautem Knall wurde die Kuppel vom Blitz getroffen. Die Ketten der Halterung wurden bis zur Rotglut erhitzt, und die Kuppel zeigte Spuren des Blitzeinschlages. Das Teleskop blieb unbeschädigt. Die Chance, daß ein Blitz in die Kuppel einschlägt, ist zwar nur so groß wie ein Hauptgewinn in der Lotterie, jedoch sollte jeder entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen, um sein teures Teleskop samt Zubehör zu schützen."

Anschließend hält Herr Tost einen Vortrag: Die Suche nach dem Zweiten Erdmond.

Die Suche nach einem zweiten natürlichen Mond der Erde begann vor 150 Jahren, als Fréderic Petit, Direktor der Sternwarte in Toulouse, zum ersten Mal von seiner Entdeckung berichtete. Seine Beobachtung konnte jedoch nicht bestätigt werden. Es folgten viele Jahren, in denen unkoordiniert, d.h. ziellos und zufällig, nach einem weiteren Mond gesucht wurde. Erst 1953 begann eine systematische Suche, da man kurz vor der technischen Realisierung von künstlichen Satelliten stand und diese verläßlich von natürlichen Satelliten trennen können sollte. Die Methode zur Suche stammte von Clyde Tombaugh, dem Entdecker des Planeten Pluto: Man führe eine Kamera auf einer vermuteten Umlaufbahn nach. Alle Sterne erscheinen dann als Strichspuren, und alle anderen sich auf dem Sternenhintergrund bewegenden Körper zeigen sich durch Strichspuren von anderer Richtung und Länge.

Auch diese Suche führte zu keinem Ergebnis, ebensowenig wie die Suche nach einem Mond des Mondes (Pickering 1903-1922). Mittlerweile wissen wir auch, daß das Gravitationsfeld des Mondes zu "uneben" ist, um eine stabilie Umlaufbahn zu gewährleisten. 1956 begann die gezielte Suche nach dem "Zweiten Mond". Es wurden theoretische Überlegungen angestellt, wo er denn sein könne. Dies führt auf bahnmechanische Lösungen mit mehreren Standardorbits und einigen Spezialfällen. Eine besondere Möglichkeit besteht z.B. durch das Einfangen eines Körpers durch "Aerobraking". Dabei wird ein Asteroid beim Durchgang durch die Lufthülle der Erde so weit abgebremst, daß er in eine Umlaufbahn um die Erde einschwenken kann. Solch ein Orbit kann mehrere Wochen anhalten; er führt aber unweigerlich zum Absturz, da der Körper bei jedem Umlauf wieder in die Lufthülle eindringt. Auf Bildern und Videos von 1982 konnte ein Fall gezeigt werden, wo ein Körper von ca. 10 m Durchmesser in etwa 80 km Höhe die Lufthülle der Erde streift und diese dann wieder verläßt. Andere Möglichkeiten ergeben sich durch "Einfangen" eines Körpers in eine Erdumlaufbahn unter Mithilfe der Gravitationswirkung des Mondes.

Einer der Spezialfälle in den theoretischen Überlegungen führte schließlich zur Entdeckung des zweiten Mondes: In den sogenannten Lagrange-Punkten, die sich 60 Grund vor und hinter der Bahn des Mondes befinden, können Körper gleichsam "gefangen" werden. Sie wandern in diesen Punkten mit dem Mond mit; dieses Phänomen sehen wir auch in den "Trojanern", einer Gruppe von Asteroiden, die in 60 Grad Abstand auf der Bahn des Planeten Jupiter um die Sonne kreisen. Die Suche nach einem Mond in den beiden Lagrange-Punkten begann 1951 durch den polnischen Astronomen Kordylewski (Krakau). Diese Suche war zunächst ein Mißerfolg, doch 1956 regte sein Kollege Wilkowski an, nicht nach festen Körpern zu suchen, sondern nach einer Wolke von Staub. Dazu war interessanterweise eine visuelle Suche besser geeignet als eine instrumentelle, da die Vergrößerungswirkung eines Teleskopes den schwachen Lichtfleck wieder verschwinden läßt.

Folgende Beobachtungsbedingungen waren notwendig: eine dunkle Nacht mit klarem Himmel, dazu der Mond unter dem Horizont und eine "hohe" Mondbahn, damit der schwache Lichtfleck nicht im Dunst des Horizontes verschwand. Im Oktober 1956 sah Kordylewski dann erst einmal visuell den "Zweiten Mond". Im März und April 1961 gelangen ihm erste Fotos. Weitere Bilder wurden in den 60er Jahren von Simpson (USA) mit einem fliegenden Observatorium gewonnen. Mit dem OSO-6-Satelliten (Orbiting Solar Observatory) wurde die Staubwolke 1975 bei 5000 Ångström nachgewiesen, und 1990 machte Winiarski (Polen) Aufnahmen in mehreren Farben. Die Eigenschaften der Staubwolke werden folgendermaßen beschrieben: Schwacher Lichtfleck, Größe etwa 2 Bogengrad (4-facher Durchmesser des Mondes), etwa halb so hell wie das Zodiakallicht und rötlicher als dieses. Die Wolken können laut Simpson bis zu 10 Grad von den Langrange-Punkten wegwandern. Interessanterweise wurde m.W. bisher noch keine dieser Aufnahmen als Original veröffentlicht, sondern lediglich als ausgewertete Grafik bzw. als Densitometer-Plot. Hier ist durch eine Erstveröffentlichung eines Bildes des "Zweiten Mondes" also noch Ruhm zu erlangen.

Als Kuriosum seien noch weitere Theorien angerissen, die auf die Existenz von weiteren natürlichen Monden hinweisen sollen. Dies sind beobachtete Bahnstörungen von Satelliten, "Vulcan"-Sichtungen, verbesserter Radioempfang durch Reflexionen an "Ionen-Spiegeln" und die Idee von "Mini"-Schwarzen Löchern.

Nach einer Diskussion über die Beobachtungsmöglichkeit dieser Monde wird der Vortrag mit großem Beifall bedacht.

Mit Dank an Herrn Tost für sein Referat und an die Teilnehmer für die Diskussionsbeiträge schließt Herr Voigt die Sitzung um 21.25 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am Montag, dem 11. September 1995, um 20.00 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Tost gez. Voigt


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