WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
MIT ZEISS-PLANETARIUM BERLIN

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Protokoll der 388. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 13. November 1995

Beginn: 20.00 Uhr Ende: 21.25 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Jensch, Pitts, Sävecke und Wühle sowie die Herren Bock, Braschwitz, Dentel, Grzesiak, Hartmann, Hensel, Leskowski, Rehbein, Rose, Schulze, Tost, Voigt und Wenzel.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und gibt bekannt, daß in den letzten 2 Monaten wiederum 9 Briefe aus dem Iran eingetroffen sind mit der Bitte um Zusendung des Mondprotokolls, jedoch gingen keine Zahlungen ein.

Wie in Zukunft immer zum Beginn einer jeden Sitzung wird der Mond in seiner aktuellen Phase mit Hilfe einer Video-Aufzeichnung beobachtet. Auf dem Bildschirm erscheint der 19,9 Tage alte Mond, Terminatorlage bei +27o in zunehmender Phase. Von der Nordseite her beginnt der Blick auf das Mare Frigoris und die Alpen mit dem Tal und Plato. Aristoteles und Eudoxus wandern, sehr plastisch beleuchtet, in das Bildfeld, weiter südlich das Mare Serenitatis mit dem Haemus-Gebirge. Im Mare Serenitatis sind die Faltungen zu erkennen und die Ariadaeus- und Hyginus-Rille, die, in noch stärkerer Vergrößerung, mehr Details zeigen. Nach Süden erscheinen Theophilius, Cyrillus und Katharina und das Altaigebirge. Dann schwenkt die Kamera zur kraterreichen Südhälfte des Mondes mit Hommel und Mutus am Terminator, und schließlich erscheint der strahlenumkränzte Tycho.

Eine weitere Video-Reportage zeigt einige Eindrücke von der Sonnenfinsternis am 24.10.1995. Die Totalität begann im Iran, 100km südlich von Teheran, und verlief dann weiter nach Afghanistan, Pakistan, Nordindien, Burma und Thailand. Sie endete in Vietnam und Mikronesien. Die Form der Corona ist recht gut zu erkennen. Neben einigen Aufnahmen der sich verdunkelnden Landschaft wird auch die Empfindung der Bevölkerung angesprochen.

Anschließend spricht Herr Voigt einige Worte über einen der Gründer der Gruppe Berliner Mondbeobachter:

Am 31.10.1995, am Reformationstag, haben wir Horst-Burkhard Brenske zu Grabe getragen. Der Verstorbene war für unsere Sternwarte und das Planetarium eine zentrale Figur. Als nach dem Kriege die Astronomische Arbeitsgemeinschaft an der Archenhold-Sternwarte ihre Aktivitäten wieder aufnahm, fanden die astronomischen Artikel von Herrn Brenske im "Tagesspiegel" ihre Aufmerksamkeit. Die Arbeitsgemeinschaft nahm Verbindung auf, und es entstand eine enge Zusammenarbeit. Nachdem sich die Astronomische Arbeitsgemeinschaft 1949 aus politischen Gründen der neu gegründeten Wilhelm-Foerster-Sternwarte anschloß, erklärte sich Herr Brenske zur Mitarbeit bereit und wurde 1953 der 2.Vorsitzende des Vereins. Nachdem Herr Sommer 1956 von seinem Vorsitz zurücktrat, übernahm Herr Brenske seine Stellung. Zur gleichen Zeit begannen Verhandlungen mit dem Senat von Berlin, die Sternwarte von dem Ruinengelände in der Papestraße auf den Insulaner-Berg zu verlegen und am Fuße des Berges ein Planetarium zu errichten. Die recht schwierigen Verhandlungen mit dem Bezirksamt Schöneberg für die Baugenehmigungen und die Beschaffung der finanziellen Mittel über das Zahlenlotto führte Herr Brenske mit großem Erfolg. Dies war sicherlich auch seiner Position als Landgerichtsdirektor zu verdanken. Bis 1973 lenkte er die Geschicke der Sternwarte und des Planetariums als 1.Vorsitzender. Im März 1956 trafen sich auf Anregung von Herrn Brenske zehn Mitglieder der Wilhelm-Foerster-Sternwarte, um eine Gruppe Berliner Mondbeobachter zu gründen, die sich mit der Mondbeobachtung und Mondforschung beschäftigen wollte. Dem Protokoll Nr. 300 hat Herr Liebold seinerzeit eine Kopie des ersten Protokolls beigefügt. Seinen letzten Vortrag in der Mondgruppe hielt Herr Brenske am 9.10.1989 (Protokoll 329) über sein Spezialgebiet, die Lunar-Domes. - Über seine Autorentätigkeit im Tagesspiegel schreibt Uwe Schlicht: Was Brenske bei den Lesern so populär gemacht hat, war jenes mystische Interesse, das es seit Jahrtausenden für die Welt der Sterne gibt. Genau dieses wußte Brenske zu befriedigen, wenn er bei einem Blick in seinen Garten mit den wechselnden Natureindrücken seine monatlichen Artikel einleitete, die Sternkonstellationen mit allen Bezügen zur jüngsten astronomischen Forschung über Schwarze Löcher und Weiße Zwerge verband und zurückschauend ausholte bis zu den Sterndeutungen der alten Ägypter und Babylonier, der Inka in Südamerika und den Weissagungen aus dem Mittelalter. Wissenschaft wußte er mit den Ängsten von Apokalypse und den Träumen von ständiger Wiedergeburt zu verbinden. Die Bögen waren weit gespannt, und die Emotionen kamen nicht zu kurz.

Anschließend berichtet Herr Voigt über den Unglücksflug von Apollo13: Nach den geglückten Mondflügen von Apollo 11 am 5.5.69 und Apollo 12 am 14.11.69 startete Apollo 13 am 11.4.70. Von diesem Flug hat Herr Liebold im Protokoll 335 eingehend berichtet. Über diesen Flug wurde nun ein Film hergestellt und dazu eine TV-Sendung, die die Vorgänge bei diesem Flug beschreibt.

Die Idee einer Reise "Von der Erde zum Mond" wurde bereits von Jules Verne 1865 in einem Science-fiction-Roman beschrieben und später verfilmt. Eine verkürzte Sequenz davon habe ich dem Apollo-13-Bericht vorangestellt. Der nachfolgende TV-Film zeigt zu Beginn den Start des Apollo-13-Raumschiffes, der einwandfrei verläuft. Jim Lowell, der Kommandant des Raumschiffes, möchte wie Neil Armstrong den Mond betreten, aber sein Traum endete in einer Katastrophe. Mit großer Spannung haben damals Millionen Menschen die dramatischen Ereignisse im Weltraum verfolgt. Der Film zeigt parallel zu Originalaufnahmen Ausschnitte aus dem Kinofilm, der bereits angelaufen ist. Man sieht die drei Astronauten das Raumschiff betreten und die Technik überprüfen. Was sie nicht feststellen können, ist, daß sich gerade in die Technik ein Fehler eingeschlichen hat; in der Servicekapsel ist ein Kabel im Sauerstofftank gebrochen. Der flüssige Sauerstoff bedeckt das Kabel und verhindert, daß es zu einem Kurzschluß und damit zu einer Explosion kommt. Der Start erfolgt um 13.13 Uhr, worin mancher ein böses Omen sieht, aber der Start verläuft einwandfrei. Jedoch nach einigen Minuten schaltete das mittlere Triebwerk über 2Minuten zu früh ab. Die anderen Triebwerke konnten die Funktion übernehmen, so daß der gewünschte Orbit erreicht wurde. Das Zünden der 3. Stufe verlief planmäßig, und die Reise zum Mond begann. Ein Erfolg der Mission war besonders wichtig, da die USA zu dieser Zeit im Wettlauf mit den Russen immer noch ein zweiter Stelle lagen, obgleich die Russen durch einige Fehlschläge bereits im Rückstand lagen, was allerdings niemand wußte. Der Film zeigt nun die Landung von Apollo 11 und den ersten Schritt auf den Mond. Bei Apollo 13 wird nach 15 Stunden Flug die Mondlandung vorbereitet mit dem Herausziehen der Landefähre. Nach 55 Stunden Flugzeit war das gebrochene Kabel nicht mehr von Flüssigkeit bedeckt, und die Astronauten hörten, völlig unvorbereitet, einen Knall. Rotes Warnlicht zeigte an, daß ein Teil des elektrischen Systems ausgefallen war. Nach dem Aktivieren der Sauerstofftanks erfolgten dann die Explosion und die Meldung: "Wir haben ein Problem". 2,5 Tage war das Raumschiff unterwegs, und der Routineflug hatte in der Öffentlichkeit wenig Interesse gefunden. Nun nach der Explosion änderte sich das schlagartig. Alle Welt verfolgte von da an die weiteren Ereignisse. Zunächst glaubte man, die Anzeige des Verlustes des Tanks wäre ein Fehler der Meßinstrumente; die Astronauten sahen jedoch das Ausströmen der Gase und damit die Realität. Zwei Brennstoffzellen und ein Sauerstofftank waren verloren. Da ein Überleben in der Kommandokapsel nicht möglich war, stiegen die Astronauten in die Landefähre als Rettungsboot um, die jedoch für drei Personen zu eng war. Die weitere Flugroute wird diskutiert. Eine Umkehr kostet mehr Brennstoff als noch verfügbar, und so wird für einen Flug um den Mond entschieden, der allerdings 2 Tage länger dauert, wobei die Frage war, ob die Astronauten dies überleben könnten, denn für eine Heizung der Landefähre war die Energie zu knapp. Während der Umrundung des Mondes fotografierte die Mannschaft unaufhörlich die Mondrückseite, um wenigstens einige Ergebnisse mitzubringen. Dann wurden die Raketen zum Heimflug gezündet. Die Astronauten waren nun der eisigen Kälte des Weltraumes ausgesetzt. Die Medien in aller Welt verfolgten sehr gespannt den weiteren Verlauf des Fluges. In den Schulen wurde für die Rückkehr der Astronauten gebetet, die unter Kälte und Wassermangel und der Enge des Raumes litten. Es wurde wenig geredet, um Energie zu sparen. Sechs Stunden vor der Landung wird die Kommandokapsel reaktiviert. Beim Abhängen der Servicekapsel sieht man, daß eine Seite weggesprengt wurde. 50 Minuten vor der Landung steigen alle Astronauten in die Kommandokapsel um, und die Landefähre wird abgekoppelt. Dann landet die Kapsel sicher im Meer. Die Astronauten sind gerettet. Die Apollo-13-Mission wird als "erfolgreicher Fehler" eingestuft. Die Welt atmet auf, und der Flugdirektor Gene Kranz ist zu Tränen gerührt. Den Abschluß des Filmes bilden einige eindrucksvolle Aufnahmen von der Landung der Apollo-17-Mission auf dem Mond.

Anschließend rezensiert Herr Voigt ein Buch von Bernhard Mackowiak, erschienen unter dem Titel "Warum leuchten die Sterne? Die Astronomie in Fragen und Antworten" im Kosmos-Report, Verlag Franckh-Kosmos: Dieses Buch gibt in Fragen und Antworten eine Einführung in die Astronomie und behandelt alle wichtigen Themen in kurzen, informativen Artikeln. Ein Werk für Einsteiger, aber auch ein gutes Nachschlagewerk zum besseren Verständnis astronomischer Probleme, die ab und zu in den Medien angesprochen werden und für Laien oft unverständlich sind. Sehr geeignet ist das Buch auch für den Schulunterricht. Es gibt zunächst einen geschichtlichen Überblick, beschreibt dann unsere Erde, den Mond, die Sonne und die Planeten unseres Sonnensystems, wobei die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Raumfahrt-Missionen mit einbezogen sind. Weiterhin sind der Aufbau des Weltalls beschrieben, die Beschaffenheit der Sterne und ihre Entwicklung. Das Buch endet schließlich mit den heutigen Erkenntnissen vom Beginn und vom vermutlichen Ende des Kosmos. Eine Reihe von Abbildungen ergänzt die angesprochenen Themen. Damit vermittelt das Buch einen guten Überblick über die heutigen Erkenntnisse über unser Weltall.

Herr Voigt bedankt sich für die Aufmerksamkeit und die Diskussionsbeiträge, wünscht den Teilnehmern einen guten Heimweg und schließt die Sitzung um 21.25 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am Montag, dem 12. Dezember 1995, um 20.00 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Voigt
zt, Tost


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