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Protokoll der 389. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 11. Dezember 1995

Beginn: 20.00 Uhr Ende: 21.20 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Jensch, Pitts, Sävecke, Schmitz und Wühle sowie die Herren Bock, Hartmann, Mackowiak, Rehbein, Tost, Ulrich, Voigt und Wenzel.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und zeigt eine Video-Aufzeichnung des aktuellen Mondes für diesen Abend. Da noch keine Life-Videoaufnahme vorliegt von dieser Phase, wird Blatt 22 des Berliner Mond-Atlasses gezeigt. Mondalter 19 Tage, Terminatorlage bei +43deg. in abnehmender Phase: Tycho mit seinen Strahlen ist besonders eindrucksvoll. Weiter zum Terminator Maurolycus und Barocius. Janssen, nur noch halb beleuchtet, und weiter nördlich das Mare Nectaris mit dem halb versunkenen Krater Fracastorius. Sehr plastisch die Kraterkette Catharina, Cyrillus und Theophilius. Das Altai-Gebirge, das sich bis zum Krater Piccolomini erstreckt. Die Maria Tranquillitatis und Serenitatis mit den Kratern Posidonius, Hercules, Eudoxus und Aristoteles und westlich davon der Beginn des Mare Imbrium, begrenzt von den Apenninen, dem Kaukasus und den Alpen.

Weiterhin berichtet Herr Voigt vom Posteingang des Dezember-Zirkulars der BAA Lunar Section, in welchem Herr Jeremy Cook bekanntgibt, daß er nach vier Jahren Tätigkeit von seiner Position als Direktor der Lunar-Section zurücktritt und diese dem Asstistant Director Alan Wells übergibt. Herr Cook schreibt dazu folgende Zeilen: "Nach meiner Frühpensionierung dachte ich einen Teil meiner Freizeit für die Leitung der Lunar-Section einzusetzen nach der Devise 'Natur verabscheut die Leere' und nach dem Parkinson-Gesetz, daß Arbeit die verfügbare Zeit ausfüllen sollte. Inzwischen nahm jedoch die Arbeit überhand, und ich habe nicht mehr die nötige Zeit und Energie, um die Sektion erfolgreich zu führen. Somit habe ich Alan Wells als meinen Nachfolger vorgeschlagen und hoffe, daß er ab 1. 1. 1996 erfolgreich sein wird, und bitte alle Mitglieder um Unterstützung." Herr Cook wünscht allen ein frohes Weihnachtsfest.

Weiterhin berichtet Gerald North von einer Beobachtung des Kraters Aristarch, der ja zu den hellsten Objekten auf dem Mond gehört und oft in den Protokollen der Berliner Mondbeobachter erwähnt wurde. Besonders intensiv erscheinen der Zentralberg und die Innenseite des Walles. Ein sehr heller Schweif zieht sich zum Nachbarkrater Herodot.

Danach gibt Herr Mackowiak einen Überblick über Neuerscheinungen astronomischer Literatur, der diesem Protokoll als Anhang beigefügt ist.

Anschließend zeigt Herr Bock eine Video-Nachrichtenaufzeichnung, die von der Landung der Tochtersonde Galileos auf dem Jupiter berichtet. Am 7.12.95 um 23.04 Uhr löste sich die Sonde mit dem Namen "Probe" von Galileo und stürzte auf Jupiter zu. Zunächst wurde ihre Geschwindigkeit von 170 000 km/h mit Hilfe eines Hitzeschildes auf 160 km/h abgebremst. Dann öffnete sich der Fallschirm, und die Sonde schwebte in die Jupiteratmosphäre ein, von wo sie ca. 75 Minuten lang Daten über Zusammensetzung, Druckverhältnisse und Temperaturen an die Muttersonde sendete, um dann in heißen Schichten zu verglühen. Infolge der Antennenprobleme von Galileo wird die Übertragung längere Zeit dauern. Nach Aussage von Herrn Tost wird im Dezember ein Teil der Daten zur Erde übertragen, und nach dem Wiederauftauchen Jupiters hinter der Sonne werden die restlichen Daten abgerufen werden können. Auf die Ergebnisse der Mission warten Wissenschaftler mit großer Spannung.

Anschließend zeigt Herr Voigt eine Video-Aufzeichnung über eine Urlaubsreise nach Zypern im November 1995:

Man sagt, Zypern sei die Insel, auf der die Götter Urlaub machen, und der Geburtsort der Aphrodite, die an einem Felsen dem Schaum des Meeres entstiegen sein soll. Im Hafen von Paphos erscheint das Meer leuchtend blau unter klarem Himmel, der auch die Göttin Selene, den Mond, am Tage erscheinen läßt. Zypern ist das Land der Klöster. Im griechisch-orthodoxen Kloster von Aya Nappe sind die Wände mit Ikonen und Malerein von göttlichen Wesen bedeckt. Vor dem Erzbischöflichen Palais in Nikosia steht die Statue von Makarios III, der sich gegen den Einmarsch der Türken 1970 zur Wehr setzte. Seither sind das Land und die Stadt geteilt. Ein Wachtturm an der Grenze erinnert an Berlin vor 5 Jahren. Farbige Blüten der Subtropen erfreuen das Auge. Wunderschöne Spiegelungen des Gottes Helios im Meer lassen die Fluten vergoldet erscheinen. Aphrodite wird auch die Venus genannt, und die erscheint nach Sonnenuntergang zusammen mit weiteren Göttern, dem Jupiter und dem Kriegsgott Ares, dem Mars, am 21.11.95 am Abendhimnmel. Drei Tage später hat sich der Mond mit einer schmalen Sichel dazugesellt mit einem leuchtenden Erdschein. Eine Konstellation, die nur in diesem südlich (35deg. n.B.) gelegenen Gebiet beobachtet werden konnte, und Götter kann man, wie berichtet, hier auch treffen.

Zum Abschluß wünscht Herr Voigt allen Teilnehmern ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr, bedankt sich für die Aufmerksamkeit und die Diskussionbeiträge und schließt die Sitzung um 21.20 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am Montag, dem 8. Januar 1996, um 20.00 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Bock gez.Voigt gez. Tost


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