WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
MIT ZEISS-PLANETARIUM BERLIN

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Protokoll der 390. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 8. Januar 1996

Beginn: 20.00 Uhr Ende: 21.20 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Pitts, Sävecke, Schmitz, Schnuchel, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Bleck, Dentel, Hartmann, Jahn, Schnuchel, Tost und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Teilnehmer, wünscht allen ein frohes neues Jahr und teilt mit, daß wiederum 9 Briefe aus dem Iran eingetroffen sind mit Anforderungen unseres Protokolls. Eines der Schreiben kam von der Universität Bushehr, die für ihre Bibliothek 2 Exemplare wünscht.

Dann zeigt Herr Voigt eine eigene Videoaufzeichnung vom 10.10.95, den Mond im Alter von 16 Tagen, Terminatorlage bei +65deg.in abnehmender Phase, welche der heutigen, aktuellen entspricht. Der Film beginnt im Norden beim Mare Frigoris und geht aufwärts zum Mare Crisium, dessen Randgebirge sehr plastisch hervortreten, wie auch die Meeresrücken Dorsa Harker. Dann folgen der Rand des kleinen Mare Undarum, das Wellenmehr und das Mare Spumans, das schäumende Meer. Es folgen die Maria Tranquillitatis, Foecundidatis und Nektaris, in das die Strahlen des Tycho hineinragen. Von der kraterreichen Südlandschaft zeigt nun ein Pfeil auf die größeren Krater am Terminator: Steinheil und Watt, das Rheita-Tal, Vega und Furnerius. Darunter Stevinus, Snellius und Petavius, dessen Rille besonders eindrucksvoll leuchtet. Weiter nördlich Vendelinus mit Lamé. Im Mare Foecundidatis leuchtet der Doppelkrater Messier mit seinen Strahlen; außerdem ist zu sehen das Mare Crisium mit Picard. Nach Norden setzt sich die Reihe fort mit Cleomedes, Geminus, Messala, Mercurius, Endymion und De la Rue. Mit dem Strahlenkrater Anaxagoras weit im Norden endet die Übersicht.

Anschließend gibt Herr Voigt eine Vorschau auf die astronomischen Ereignisse im Jahre 1996 nach Daten aus "Ahnerts Kalender für Sternfreunde".

Zwei Partielle Sonnenfinsternisse: Die erste am 17./18. April ist nur in Neuseeland und in der Antarktis sichtbar. Die zweite am 12. Oktober kann von Nordostkanada über Europa bis nach Nordafrika beobachtet werden. Die folgenden Daten sind in MESZ angegeben; diese gelten im Jahr 1996 vom 31. März bis 27. Oktober.

Die Sichtbarkeit für Berlin: Beginn 15.13 Uhr, Maximum (Bedeckungsgrad 0,654) um 16.29 Uhr, Ende der Finsternis um 17.38 Uhr. Eine gezeigte Videosequenz demonstriert den Ablauf der Finsternis.

Zwei Totale Mondfinsternisse:

3./4. April 29. September
Eintritt in den Halbschatten 23.15,8 Uhr 02.12,4 Uhr
Eintritt in den Kernschatten 00.20,9 Uhr 03.12,4 Uhr
Beginn der Totalität 01.26,5 Uhr 04.19,3 Uhr
Maximum der Finsternis 02.09,8 Uhr 04.54,4 Uhr
Ende der Totalität 02.53,0 Uhr 05.29,4 Uhr
Austritt aus dem Kernschatten 03.58,6 Uhr 06.36,4 Uhr
Austritt aus dem Halbschatten 05.03,7 Uhr 07.36,3 Uhr
Sonnenaufgang 06.58 Uhr

Die Ein- und Austrittszeiten bei Kernschattenkontakten der Formationen des "Berliner Systems" (Blatt 32 der 1. und 2. Auflage und Blatt 18 der 3. Auflage des BERLINER MOND-ATLASSES) lassen bei genauer Zeitbestimmung eine Messung des Erdschattendurchmessers zu.

Eine Bedeckung der Venus durch den Mond wird sich am 12. Juli ereignen, die leider am Vormittagshimmel stattfindet. Die Sonne steht beim Eintritt 40 deg. über dem Horizont und erreicht beim Austritt 50 deg.. Der Eintritt erfolgt am hellen Mondrand. Die große Helligkeit der Venus von -4m2 erleichtert das Auffinden. Der Mond ist nur eine schmale Sichel. Für Berlin erfolgt der Eintritt um 10.06 Uhr MESZ und der Austritt um 11.17 Uhr.

Anschließend zeigt Herr Hartmann einen Videobericht von einer kleinen Winter-Exkursion nach Damelang (südwestlich von Berlin), die er anläßlich der Saturnring-Kantenstellung am 25./26. November 1995 unternommen hatte. Entgegen den Wettervorhersagen war es klar und dazu noch Wochenende, eine sehr seltene Kombination in unserer Gegend.

Der 45cm-Newton (Brennweite 2000mm) wurde dort für 2 Nächte mit Hilfe eines Kranes aufgebaut. Bei Damelang existiert glücklicherweise in einem kleinen Wäldchen etwas abseits der Straße eine zugängliche Betonplattform (keine Verbotsschilder). Eine darauf liegende Schicht von 1-2 cm Lehm-ähnlichem Material mußte jedoch mühsam mit dem Spaten beseitigt werden, da man sonst mit den Schuhen bzw. dem Kran kleben blieb. Die Lebensbedingungen waren etwas rauh (tagsüber +5 Grad, nachts -5 Grad Celsius).

Die weiteren Aufnahmen wurden durch das Teleskop gewonnen, manchmal fokal, meist mit Okularprojektion. Als Videokamera wurde die schon in früheren Mondprotokollen erwähnte Canon Ex1-Hi verwendet. Diese Kamera hat ein abnehmbares Objektiv, dadurch ist eine gute Anschlußmöglichkeit von anderen Optiken gegeben.

Es wurde auch der wenige Tage alte Mond aufgenommen. Mehrere Schwenks über die schmale Sichel bei verschiedenen Vergrößerungen lassen gut das Mare Crisium und das Rheita-Tal erkennen. Auffallend auch Petavius mit seiner Rille. Bei den Aufnahmen störte häufig der starke Einfluß des schlechten Seeings, obwohl das Fernrohr inzwischen richtig angepaßt war. Der Mond war hell genug für die normale Belichtungszeit von 1/50 s. Bei Okularprojektion muß in Zukunft jedoch auf einen etwas größeren Abstand vom CCD-Chip der Videokamera geachtet werden, da sonst die Bildqualität am Bildfeldrand (z.B. durch Bildfeldkrümmung) leidet.

Saturn wurde mit verschiedenen Okularbrennweiten (21mm - 4mm) direkt auf den CCD-Chip der Videokamera projiziert, die Belichtungszeiten für eine richtige Darstellung der Saturnoberfläche lagen meist bei 1/25 - 1/6 s, je nach Abbildungs-Maßstab. Auch bei geringster Vergrößerung und 1/6 s Belichtungszeit war der Ring neben der Saturnscheibe nicht sichtbar (visuell war er es auch nicht). Lediglich vor der Saturnscheibe war er als dunkler Strich erkennbar. Weiterhin waren ein Wolkenband sowie 2 Saturnmonde auf dem Video erkennbar.

Zwischendurch wurden auch einige Himmelsschwenks mit 50mm Brennweite und Bildverstärker gemacht. Trotz Mond waren die Milchstraße im Schwan und sogar der Nordamerikanebel andeutungsweise abbildbar.

Am 28.12.95 fand das seltene Minimum des Sterns A im Trapez des Orionnebels statt. A ändert seine Helligkeit zwischen +6.5 und +8.0 Mag., er ist ein Bedeckungsveränderlicher mit einer Periode von knapp 70 Tagen. Es wurde in Berlin vom Balkon aus mit einem Meade-2080 beobachtet. Die Brennweite wurde durch einen 2-fach-Konverter auf 4000mm verlängert, das entspricht, umgerechnet auf Kleinbildfilm, etwa 23 m. Die Belichtungszeit lag bei1/6 s, Grenzgröße dabei war dann gut +8 Mag, ausreichend für die 4 hellen Trapezsterne. Während der Beobachtungszeit (22:15-00:14 MEZ) konnte keine Helligkeitsveränderung erkannt werden. Durch die sehr niedrige Temperatur (-8 Grad Celsius) litt auch etwas der Gleichlauf der Kamera. Es folgte eine Aufnahme vom 29.12.95, wobei sehr gut der Unterschied in der Helligkeit von A gegenüber den vorigen Aufnahmen erkennbar war.

Anschließend zeigt Herr Dentel eine Video-Aufzeichnung, die mit Aufnahmen des Saturn am 7.8.1992 beginnt. Der Ring ist noch ziemlich weit geöffnet. Bei ruhiger Luft ist der Schatten der Ringe auf der Oberfläche des Planeten zu erkennen.

Die weiteren Aufnahmen zeigen den Mond in zunehmender Phase. Der Camcorder wurde, auf einem eigenen Stativ stehend, am Okular des Teleskops positioniert. Da das Gerät keine Nachführung hatte, zieht die Mondoberfläche am Bildfeld vorbei. Zunächst wandert die Südseite mit Clavius und Tycho vorbei, dann die nördliche Partie mit den Alpen, dem Alpental und Plato sowie dem Sinus Roris, beide Partien noch in stärkerer Vergrößerung; hierbei nimmt jedoch die Helligkeit des Bildes stark ab. Dann ist noch zu sehen die Kraterkette Ptolemäus, Alphonsus und Arzachel bei allerdings recht unruhiger Luft. Es folgt die Aufzeichnung einer streifenden Sternbedeckung vom 24.8.1992, um 3.09 UT beginnend. Der Beobachtungsort war südlich von Rom; Mondalter 4 Tage vor Neumond, Terminatorlage bei -39deg.. Die Aufnahme zeigt den 2m8 hellen Stern Gemini, der sich dem beleuchteten Nordzipfel der Mondsichel nähert. In den nächsten 6 Minuten verschwindet der Stern für Sekunden hinter den Mondbergen und leuchtet dann immer wieder auf. Leider wurde vom Camcorder die Zeit nicht eingeblendet, so daß eine genaue Zeitbestimmung nur mit einer Stoppuhr erfolgen könnte.

Für das Jahr 1996 sind in Berlin keine streifenden Sternbedeckungen zu erwarten. Nähere Angaben darüber sind in "Ahnerts Kalender für Sternfreunde 1996" auf Seite 110 zu finden.

Zum Abschluß bedankt sich Herr Voigt bei den Referenten für ihre Vorträge, bei den Teilnehmern für ihre Diskussionsbeiträge und schließt die Sitzung um 21.20 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am Montag, dem 11. März 1996, um 20.00 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Dentel gez. Hartmann gez. Voigt
zt, Tost


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