WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
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Protokoll der 391. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 11. März 1996

Beginn: 20.00 Uhr Ende: 21.30 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Jensch, Pitts, Sävecke und Wühle sowie die Herren Bock, Bleck, Braschwitz, Dentel, Grzesiak, Hensel, Jahn, Laskowski, Tost, Ulrich, Voigt und Wenzel.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Teilnehmer und teilt mit, daß 4 weitere Briefe aus dem Iran eingetroffen sind und ein Weihnachtsgruß aus Südafrika von einem der Bezieher unseres Protokolls, Herrn Ahrens in Randburg, mit den besten Wünschen für viele klare Nächte im neuen Jahr.

Dann zeigt Herr Voigt den aktuellen Mond der heutigen Phase in einer eigenen Video-Aufzeichnung, aufgenommen am 8.10.1993, Terminatorlage +10deg. in abnehmender Phase. Die Betrachtung beginnt an der Nordseite im kraterreichen Gebiet mit Goldschmidt am Terminator, wandert weiter zum Mare Frigoris und zu Plato mit den Teneriffa-Bergen und Cap Laplace. Weiter über den Sinus Iridum zum Cap Heraclid am Rande des Mare Imbrium, aus dem die Spitze des Pico plastisch hervorragt. Südlich davon Spitzbergen und Archimedes, die Apeninnen, die den Palus Pudetrinis einschließen, Eratosthenes und Kopernikus mit seinen Strahlen, die weit in den Oceanus Procellarum hineinragen, die Doppelkrater Pallas und Bode am Terminator, dann folgt die Kraterkette Ptolemäus, Alphonsus und Arzachel, die plastisch hervortreten. Weiter südwärts folgen Purbach, Regiomontanus, die Lange Wand und Deslandres. Im kraterreichen Gebiet des Südens sind Maginus und Clavius sehr markant, und eine stärkere Vergrößerung zeigt noch mehr Details.

Anschließend berichtet Herr Tost vom "International Moon Workshop" vom 31.1. bis 2.2.1996 in Berlin. Dieser Workshop bildete den Abschluß der Angebotsphase für die Mission MORO (Moon ORbiting Observatory) der ESA. Hier wurden die Ergebnisse der vergangenen Monderkundungen zusammengetragen und die neuen Mondforschungsvorhaben der verschiedensten Organisationen auf der ganzen Welt vorgestellt. So war es nicht verwunderlich, daß über 160 Teilnehmer aus aller Welt vertreten waren; darunter auch Vertreter der NASA, die bereits an den bemannten APOLLO-Misssionen beteiligt waren. Exemplarisch sollen einige wenige Vorträge genannt werden. Einer dieser Vorträge faßte das bisherige sowjetische Mondforschungsprogramm zusammen. Hier wurden viele Bilder erstmals gezeigt - von Farbfotos der beteiligten Raumsonden bis hin zu deren Aufnahmen einschließlich des Lunochod, dem von der Erde aus gesteuerten Mondfahrzeug. Anekdotisch wurde hier bestätigt, daß die ersten Lebewesen, die den Mond umkreisten und wieder zur Erde zurückkehrten, sowjetische Schildkröten waren. Auf dem Workshop wurde auch bekannt, daß die Bänder mit den Originaldaten der Lunar-Orbiter-Sonden wiedergefunden wurden: auf einer amerikanischen Air Force Base, zusammen mit den Resten zweier Lesegeräte, die zusammen wieder ein intaktes Gerät ergeben können. Was jetzt noch fehlt, sind die Geldmittel, um die Daten zu digitalisieren und den heutigen modernen Mitteln der Bildverarbeitung zu unterziehen.

Ein Vortrag der japanischen Weltraumorganisation stellte ihr Projekt LUNAR-A vor. Das Raumschiff mit diesem Instrumententräger wird 1997 gestartet und enthält als ein wesentliches Element drei Penetratoren, die in den beiden Polgebieten und in Äquatornähe abgeworfen werden. Durch ihre große räumliche Verteilung und eine wesentlich höhere Empfindlichkeit gegenüber denen der APOLLO-Missionen erwartet man hier genaue Aufschlüsse über den inneren Aufbau des Mondes.

Einen großen Raum nahmen mehrere Vorträge zum Projekt MORO ein. Dieses Projekt steht in diesen Tagen bei der ESA zur Entscheidung an; ein direkter Konkurrent ist eine Mars-Mission (Intermarsnet). MORO ist eine große Mission, die mehrere Experimente enthält, darunter Stereo-Kamera (von der DLR), UVvis-IR Mapping Spectrometer, Gamma Ray Spectrometer, Microwave und X-Ray Fluorescense sowie einen Subsatelliten, der in einigen Hundert km Entfernung vom (Haupt-)Raumschiff den Mond umkreisen und Messungen des Gravitationsfeldes durchführen soll. - Als Kuriosum wurde ein Vorschlag genannt, eine Straße von der Mondvorderseite zu dem in 340km Entfernung auf der Mondrückseite gelegenen Krater SAHA zu bauen. In diesem Krater von 100 km Durchmesser soll nach außerirdischem intelligentem Leben gesucht werden.

Darauf weist Herr Voigt noch einmal auf die Mondfinsternis am 3./4. April 1996 hin mit einigen Tips zur fotografischen Erfassung des Ereignisses: Das Fotografieren der Durchgangsphase durch den Erdschatten ist recht schwierig, da der Helligkeitsunterschied zwischen der noch hellen Partie und des sich bereits im Kernschatten befindlichen Teils sehr groß ist (1:6000). Anhand von Aufnahmen der Finsternis vom 9.1.1982, mit einem 1350-mm-Objektiv f:12 aufgenommen, ist zu erkennen, daß man die Wahl hat zwischen kürzerer Belichtungszeit 1/60 s, die Objekte auf der hellen Partie erkennen läßt, und längeren Belichtungen, 2-5 s bis zu 1 min, in denen die rötlich schimmernde Schattenseite hervortritt, jedoch die helle Partie völlig überstrahlt erscheint. Während der Totalität wird die Mondscheibe von dem in der Erdatmosphäre gestreuten Licht mehr oder minder stark rötlich erhellt und kann mit minutenlanger Belichtung aufgenommen werden, was allerdings eine Nachführung des Teleskops bedingt, wobei auch die Eigenbewegung des Mondes um 0,53 Bogensekunden pro Zeitsekunde berücksichtigt werden sollte, da sonst Unschärfen entstehen. Man sollte die Dauer der Belichtungszeit während der Totalität mit mehreren Aufnahmen zwischen 30 und 90 Sekunden variieren, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen. Eine hohe Empfindlichkeit des Filmes (400 ASA) ist empfehlenswert. Herr Voigt verteilt einige Kopien des "Berliner Systems" und weist auf die genaue Zeitbestimmung der Schatten-An- und Austritte hin.

Anschließend weist Herr Dentel auf die Erscheinung des Kometen C/1996 B2 Hyakutake hin, der vom 20.3.1996 bis Mitte April vom Bootes, am Großen Bären vorbei durch den Drachen nahe am Polarstern mit einer Helligkeit von 0,2m vorbeizieht. Eine Beobachtung in der Giraffe und im Perseus wird in der Abenddämmerung allerdings schwieriger. Eine Liste mit näheren Angaben wird verteilt mit der Bitte, Beobachtungsergebnisse mitzuteilen.

Im Anschluß daran zeigt Herr Voigt eine Video-Aufzeichnung des ZDF über die Wandlung des Glaubens an die Mondgöttin in der Antike. Der Film wird folgendermaßen kommentiert: Seit Urzeiten verband sich die geheimnisvolle Kraft des Mondes mit dem Leben auf der Erde. Der Mond wurde größer und kleiner und verschwand für drei Tage völlig vom Firmament. Aber sein scheinbarer Tod war nicht von Dauer. Stets kehrte er wieder zurück; ein Symbol für die Auferstehung nach dem Tode. So wurde der Mond - in den meisten Sprachen ist er ja weiblich - zum frühesten Sinnbild der göttlichen Macht, einer weiblichen Macht, denn nur aus ihrem Körper wurde neues Leben geboren. So wurde die Mondgöttin frühestes Sinnbild der Herrin der Schöpfung und der Zeit. Die Macht über Leben und Tod war weiblich. Isis wurde über 4 500 Jahre von Ägyptern, Griechen und Römern angebetet. Sie trug die Mondhörner als Symbol ihrer Macht. Später, als in Mesopotamien die ersten Stadtstaaten entstanden, wurden immer mehr männliche Gottheiten verehrt. Die Sonne stieg zum Weltgott auf. Neben der strahlenden Kraft der Sonne soll der weibliche Mond verblassen. Eine Tradition, die die römisch-griechische Antike fortsetzt. Die dunkle Phase des Mondes personifiziert Hekate. Sie war Königin der Nacht und Feindin der Sonne. Ihre Macht galt als todbringend und zerstörerisch. Im Christentum hat die Mondmutter keinen Platz. Sie gehört zum Reich des Bösen. Ein Bild zeigt Maria auf der Mondsichel stehend, ein Symbol dafür, daß von der einstigen Mondgöttin keine Macht mehr ausgeht.

Herr Voigt dankt den Referenten für ihre Vorträge und den Teilnehmern für ihre Diskussionsbeiträge und schließt die Sitzung um 21.30 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet wegen der Osterferien erst wieder statt am Montag, dem 13. Mai 1996, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Dentel gez. Tost gez. Voigt


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