WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
MIT ZEISS-PLANETARIUM BERLIN

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Protokoll der 392. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 13. Mai 1996

Beginn: 20.00 Uhr Ende: 21.10 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Pitts, Reibetanz, Sävecke, Schmitz, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Braschwitz, Brink, Gängel, Dr. Hasse, Hensel und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Teilnehmer und teilt mit, daß wiederum fünf Briefe aus dem Iran eingetroffen sind mit der Bitte um Zusendung des Protokolls der Mondgruppe.

Anschließend zeigt Herr Voigt den aktuellen Mond der heutigen Phase zum Wiederauffrischen der Kenntnisse der Formationen seiner Oberfläche: Der Terminator liegt bei -30deg., Mondalter: 24,5 Tage nach Neumond. Die Ansicht entspricht Blatt 28 des Berliner Mond-Atlasses, 3. Auflage.

Wir beginnen im Süden mit dem großen Ringgebirge Bailly und den vorgelagerten Kratern Kirchner, Bettinus, Zucchius und Segner; am Terminator Rost und darunter das langgestreckte Ringgebirge Schiller mit Bayer. Phocylides und Nathmyth, daneben Wargenthin, der größte Vertreter eines selten vorkommenden, bis an den Rand mit dunklem Marematerial ausgefüllten Kraters von 84 km Durchmesser, hier nicht so sehr auffallend, jedoch plastisch hervortretend beim 26 Tage alten Mond und in zunehmender Phase kurz vor Vollmond (Blatt 17A des BMA).

Weiter nördlich liegt Schickard und näher zum Terminator finden sich Mee und Heinzel. Es folgt das Mare Humorum mit Vittelo und den halbversunkenen Kratern Lee und Doppelmayer. Am Westrand des Mare Humorum liegen Cavendish, Gebr. Henry, Liebig und Mersenius und am Nordrand Cassendi mit vielen Strukturdetails, hier noch etwas stärker vergrößert. Eine Aufnahme des Lunar Orbiters V zeigt zahlreiche Brüche im zerrissenen Kraterboden. Nördlich davon beginnt der Oceanus Procellarum, das Meer der Stürme, mit dem versunkenen Krater Letronne und am Westrand Billy und Hansteen; außerdem erscheinen Wichmann und Flamsteed mit Rändern versunkener Krater. Weiter westlich Grimaldi, ein lavaüberflutetes Becken, Encke und darunter der junge Krater Kepler, wenn man 100 Mill. Jahre als jung bezeichnen kann. Er zeigt trotz der Nähe des Terminators eine schöne Strahlenstruktur, in welche die Strahlen des ebenfalls jungen Aristarch hineinragen. Zwischen Aristarch und Herodot beginnt das Schrötertal, hier noch vergrößert. Es folgen Prinz, ein ebenfalls versunkener Krater, und Krieger, die Berge des Jura am Rande des Sinus Iridum mit Mairan, Sharp, Bianchini und Herpalus. Weit im Norden ist J. Herschel noch in Umrissen zu erkennen.

Herr Dr. Hasse teilt mit, daß in der Sternwarte ca. 400 Negative von Mond-Aufnahmen verschiedenster Phasen lagern, die auf eine Auswertung warten. Da diese Fotos über einen längeren Zeitraum aufgenommen wurden, ließen sich bestimmte Librationen zu Stereo-Bildern zusammenstellen, jedoch hat sich bisher noch niemand bereitgefunden, sich damit zu befassen. Herr Dr. Hasse fragt an, ob Teilnehmer der Gruppe Berliner Mondbeobachter an der Auswertung der Aufnahmen interessiert sind. Herr Voigt meint, daß dies doch eine interessante Aufgabe wäre.

Anschließend hält Herr Voigt eine Rückschau auf die Mondfinsternis vom 3./4. April 1996. Im Mai-Report der BAA Lunar Section berichtet Director Alan E. Wells: "Beginnen möchte ich mit dem Dank an das Wetter, das sich für die Zeit der Mondfinsternis zum Guten änderte. Berichte, die ich erhielt, scheinen auf den größten Teil des Landes zuzutreffen. Sie berichten von klarem Himmel und guten Beobachtungsbedingungen, mit Ausnahme der nördlichen Regionen. Die Finsternis scheint heller gewesen zu sein als die letzte, denn sie hatte eine schöne, kupferrote Färbung. Ich selbst fotografierte und nahm einige Zeitbestimmungen der Schattenantritte vor. Video-Aufnahmen waren leider nicht möglich, da im letzten Augenblick einige technische Probleme auftraten." Mr. Heath berichtet, daß Aristarch während der Verfinsterung besonders hell erschien. Mr. Andrew Johnson berichtet ebenfalls von einer helleren Finsternis als im vergangenen Jahr und meint, daß sie mit 3 auf der Danjon-Skala einzustufen sei.

Als dreifaches astronomisches Ereignis wird die Nacht der Mondfinsternis in Sky & Telescope vom Juni 1996 bezeichnet, das man im östlichen Nordamerika erleben konnte. Das Hauptereignis war die totale Mondfinsternis. Obgleich der im Osten aufgehende Mond tief in den Erdschatten eintauchte, war die kupferne Scheibe leicht mit dem bloßen Auge zu erkennen. In der Dunkelheit der Finsternis war auch der Komet Hyakutake mit einem einige Grade langen Schweif gut mit dem bloßen Auge zu sehen, südlich von Alpha Persei. Das Trio wurde durch die hell leuchtende Venus am Rande der Plejaden vervollständigt.

Der Bericht von Paul Hombach aus Bonn gleich einer Jagd nach der Mondfinsternis: "Der klare Himmel am 3. April sah nach einer bequemen Beobachtungsnacht aus. Um 21 Uhr war der Himmel jedoch plötzlich dicht. Nach Telefonaten mit Flugmeteorologen und Krefelder Sternfreunden erfuhr ich, daß am Sport-Flugplatz Krefeld-Traar der Mond perfekt zu sehen war. Wir machten uns auf den Weg. Gegen 23.40 Uhr trafen wir dort ein, wo schon 30 Sternfreunde mit ihren Teleskopen das Ereignis erwarteten. Die Finsternis war sowohl mit dem bloßen Auge wie auch mit den Instrumenten ein Erlebnis. Schon früh war klar geworden, daß der Kernschatten diesmal heller als bei den letzten Finsternissen sein würde; schon ab 1/4 der Partialität war die rötliche Färbung des Schattens in allen Instrumenten auffällig. Albedo-Features blieben problemlos sichtbar. Jetzt stand der rostrote Mond wunderschön im Sternbild Jungfrau, sein nach Osten vorrückender Teil war deutlich dunkler - dort war der innere Bereich des Kernschattens. Selbst zur Finsternismitte gegen 2.10 Uhr schimmerte der Mond rotbraun. Die Serie der dunklen "Minatubo"-Finsternisse ist offenbar vorbei, eine klassische Danjonstufe 2: Ein mittlerer Kupferton im äußersten Kernschatten und ein deutlich dunklerer Zentralbereich. Um 2.53 Uhr sahen wir wunderschön das Wiederauftauchen des östlichen Mondrandes, ein beeindruckender Kontrast zwischen dem leuchtend gelben Streifen und der nach wie vor kupferrotbraunen Vollmondkugel."

Ein Bericht von Volker Heinrich von der Volkssternwarte Frankfurt/M. klingt recht tragisch: "Am Vormittag des 3. April liegt Frankfurt im strahlenden Sonnenschein. Der Wetterbericht meldet 'wolkig mit Aufheiterungen'. Nachmittags verfärbt sich der Himmel grau. Nach einem kurzen Besuch der Volkssternwarte fahre ich los in Richtung Außenstelle. Der Himmel sieht nicht gut aus, und das Autoradio berichtet von kurzen örtlichen Schauern, aber immer noch von örtlichen Aufheiterungen. Die Naumann-Sternwarte erreiche ich schließlich gegen 21 Uhr bei -4deg., einer Windstärke 8 und Schneetreiben. Das Warten beginnt. Beinahe, wie zum Hohn, erscheint der milchige Schimmer der Mondscheibe manchmal durch Schneewolken für eine Minute. Frustriert stapfe ich durch den inzwischen 15 cm hohen Neuschnee, der seit meiner Ankunft gefallen ist, zurück zum Auto."

In der Nacht der Mondfinsternis war das Zeiss-Planetarium der Wilhelm-Foerster-Sternwarte voll besetzt. Nach einigen Vorträgen, die den interessierten Besuchern den Mond und den Verlauf der Finsternis näherbringen sollten, wartete man leider vergeblich auf die Sichtbarkeit des Mondes, denn der Himmel blieb bedeckt. Ab und zu konnte man ahnen, wo der Mond stand, wenn sich für einen kurzen Augenblick eine Wolkenlücke auftat. Eine Fernsehreportage von SAT 1, die vorgeführt wird, zeigt zunächst die Besucher der Sternwarte und den Bamberg-Refraktor, dessen Funktion von Herrn Meyer erklärt wird. Gegen 1 Uhr wird der teilverfinsterte Mond durch Wolkenlücken sichtbar, um jedoch sofort wieder zu verschwinden, wie auch die Video-Aufnahmen von Herrn Voigt zeigen, die den immer schmaler werdenden Mond ab und zu erkennen lassen. Es zeigt sich, daß das auf den total verfinsterten Mond von der Erdatmosphäre reflektierte Licht abhängig ist von ihrer Durchsichtigkeit. Eine durch vulkanische Emission stark getrübte Hochatmosphäre ist ein wirkungsvoller Lichtabsorber. Dabei spielen nicht nur die Asche, sondern die in der Stratosphäre aus Schwefeldioxid gebildeten Schwefelsäure-Aerosole eine entscheidende Rolle. Ein sicherer Beweis war der schwefelreiche, aber mit nur 0,6 km3 wenig Asche förderne mexikanische Vulkan El Chichón. Während sich die feinen Ascheteilchen schon Monate nach einem Vulkanausbruch zu größeren Partikeln zusammenballen und allmählich aus der Atmosphäre ausfallen, können Aerosole über Jahre hinweg in der Hochatmosphäre verbleiben. Zusammen mit dem anfänglich noch vorhandenen Aschefilm gelangt nach einem Ausbruch wie dem des Pinatubo im Juni 1991 weniger Restlicht in den Erdschatten, was den Vollmond während einer totalen Mondfinsternis entsprechend dunkler und farbloser erscheinen läßt.

Als nächstes zeigt Herr Voigt einen Bericht des "Heute Journal", in dem ein Verein, genannt "Marsmission", vorgestellt wird, dem sowohl NASA-Ingenieure als auch Wissenschaftler angehören. Der Vereinsvorsitzende, Richard Hoogland, glaubt anhand von computer-bearbeiteten Bildern der Apollo-Missionen, daß die Astronauten Beweise gefunden hätten, daß schon vor Jahrtausenden jemand auf dem Mond gewesen sein muß. Gezeigt wird ein Dia-Vortrag im Press-Center mit Bildern eines 2 km hohen Objektes, das einer Statue ähnelt. Weiterhin wird eine geometrische Figur beschrieben, die ein ehemaliger Glasdom gewesen sein könnte, der Leben auf dem Mond ermöglicht hätte. Eine weitere Struktur, genannt "Das Schloß", hängt 15 km über der Mondoberfläche, angeblich jenseits der Glaskuppel. Auf den Aufnahmen sollen auch senkrechte und diagonale Strukturen auftauchen, riesige Fragmente, behaupten die Mitglieder der "Marsmission", über deren Erscheinung die Astronauten von der Regierung zum Schweigen verpflichtet worden sein sollen, denn sonst wären die Amerikaner ja nicht die ersten Menschen auf dem Mond gewesen! Buzz Aldrin, Astronaut von Apollo 11, über die skurrilen Behauptungen befragt, sagt dazu, daß die Besatzung von Apollo 11 während ihres Aufenthaltes auf dem Mond nichts Außerirdisches und keine der beschriebenen Objekte gesehen hätte.

Zum Abschluß berichtet Herr Voigt von einer Anfrage des Senders RTL 2 nach Video-Aufnahmen des Mondes. Da der Termin kurz vor der Finsternis lag, war anzunehmen, daß die Aufnahmen zu diesem Ereignis gebraucht wurden. In der Nacht nach der Mondfinsternis wurde dann die Sendung ausgestrahlt mit dem Titel "Liebe unterm Vollmond". Neben dem alten Thema Mondsüchtigkeit wurde behauptet, daß die Liebesfähigkeit in der Vollmondnacht besonders heftig sein soll. Hormone geraten in Wallung, und in dieser Zeit soll die Fruchtbarkeit am stärksten sein. Die Gefühle eskalieren. Zu meinen Mondaufnahmen wurden alte, mystische Geschichten erzählt. Aber das eigentliche Thema war "Sex unterm Vollmond". Wenn ich dieses Thema vorher gekannt hätte, wären mir wohl Zweifel gekommen, ob ich meine Video-Aufzeichnungen des Mondes dafür zur Verfügung stellen sollte.

Herr Voigt dankt den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und ihre Diskussionsbeiträge und schließt die Sitzung um 21.10 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am Montag, dem 10. Juni 1996, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Voigt
zt, Tost


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