WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
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Protokoll der 394. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 12. August 1996

Beginn: 20.00 Uhr Ende: 21.25 Uhr

Neu: Das Mondprotokoll im Internet:
http://www.wfs.be.schule.de/pages/Mondbeobachter/

Es sind erschienen: Die Damen Pitts, Sävecke, Schmitz, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Hensel, Voigt und Wenzel.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und gibt bekannt, daß 8 weitere Briefe aus dem Iran eingetroffen sind mit dem Wunsch, unser Protokoll zu abonnieren.

Eine Video-Aufzeichnung des aktuellen Mondes zeigt die schmale Sichel des 27 Tage alten Mondes (2 Tage vor Neumond) bei einer Terminatorlage von -61deg. Länge. Diese Phase läßt nur noch den äußersten Ostrand erkennen, jedoch ist deutlich das Erdlicht zu sehen, aufgenommen unter sehr klarem Himmel in Tunesien. Blatt 30 des BERLINER MOND-ATLAS', das der heutigen Phase entspricht, zeigt am Südrand das Valis Baade und die Krater Piazzi, Lagrange, Byrgius und Darwin. Das Mare Aestatis, das Meer des Sommers, ist zu erkennen, weiterhin Riccioli, Hevelius, Cavalerius, Olbers, Cardanus, Krafft, Seleucus, Eddington, Briggs, Lichtenberg und Harding. Leider ist die Libration mit +1 nicht so sehr günstig für das östliche Randgebiet.

Anschließend ein Literaturhinweis auf einen Artikel in SuW 8/9 (1996) S. 620 mit dem Titel "Der Mond in der menschlichen Geschichte" von Martin C. Gutzweiler, der eine sehr gute Zusammenfassung der Mondforschung darstellt, wie sie in unserer Gruppe wiederholt besprochen wurde.

Am 27. 9. 1996 findet die 2. Totale Mondfinsternis dieses Jahres statt.
Nachfolgend die Daten in MESZ!

Eintritt in den Halbschatten 02:12 Uhr
Eintritt in den Kernschatten 03:12 Uhr
Beginn der Totalität 04:19 Uhr
Mitte der Totalität 04:54 Uhr
Ende der Totalität 05:29 Uhr
Austritt aus dem Kernschatten 06:36 Uhr
Austritt aus dem Halbschatten 07:36 Uhr

Der Austritt aus dem Kernschatten erfolgt bereits in der astronomischen Dämmerung, die um 5.04 Uhr beginnt. Der Halbschatten-Austritt um 7.36 Uhr erfolgt 38 min. nach Sonnenaufgang zu einer Zeit, wenn der Mond bei uns bereits untergegangen ist.
Zur Zeitbestimmung der Schatten-An- und Austritte sollte das Berliner System verwendet werden (Blatt 18 des BERLINER MOND-ATLAS' bzw. Ahnert 1996, S. 248).

Anschließend verliest Herr Voigt einen Brief von Herrn Martin Hecht, Potsdamer Str. 21 in 66424 Homburg/Saar, mit folgendem Wortlaut: "Mit großem Interesse habe ich Ihre Sitzungsprotokolle gelesen und freue mich, daß es in Deutschland noch einige Mondbeobachter gibt. Das Protokoll werde ich von nun an bei Ihnen abonnieren. Nun möchte ich mich natürlich schriftlich an Ihrer AG beteiligen und übersende Ihnen einen ersten Beitrag für Ihre nächste Sitzung. Wie Sie vielleicht in den letzten Ausgaben der Zeitschrift Sterne und Weltraum gelesen haben, besteht von einigen Amateuren das Interesse am LTP-Phänomen, das ja nach wie vor nicht enträtselt ist. Aus diesem Grunde habe ich mich entschlossen, ein Mond-Überwachungsprogramm ins Leben zu rufen, das "Mond-Überwachungsprogramm 1996". Es wäre natürlich sehr erfreulich, wenn sich Ihre AG auch an diesem Projekt beteiligen würde, da ich von älteren Ausgaben der SuW weiß, daß in den 70er, 80er Jahren auch bei Ihnen an der Sternwarte ein Programm stattgefunden hatte im Bereich der LTP-Forschung. Die damaligen Personen dieses Programms waren Herr H. Hilbrecht, Herr U. Hopp sowie Herr L. Stadler. Über nähere Informationen über das damalige Programm Ihrer AG würde ich mich natürlich sehr freuen. Anbei übersende ich Ihnen meinen Leserbrief an die Zeitschrift SuW, der demnächst gedruckt wird, und würde mich über eine Reaktion Ihrerseits freuen. Mit freundlichen Grüßen, M. Hecht". - Die von Herrn Hecht angesprochenen LTPs, oder international TLPs (transient lunar phenomena) genannten Erscheinungen wurden von Herrn Tost im Protokoll 382 eingehend besprochen (s. Anlage). Wie leicht ein LTP vorgetäuscht werden kann, wenn man den Mond fotografiert, demonstriert Herr Voigt mit einer Reihe von Video-Standbildern, auf denen in 6 Frames dunkle Flecken auftauchen. Das laufende Bild zeigt den Vorbeiflug eines Vogels während der Aufnahme. Um eine Beobachtung einer vorübergehenden Erscheinung auf dem Mond zu bestätigen, gibt es bei der BAA Lunar section ein TLP Telephone alert Network. Im April-Circular der BAA Lunar section wurde die Anzahl der Teilnehmer an diesem Projekt mit Adressen angegeben. Es sind insgesamt 19 Teilnehmer - davon einer aus Italien -, die sich bei TLP-Erscheinungen sofort miteinander in Verbindung setzen. Jederzeit erreichbar sind 7, bis Mitternacht bzw. 1 Uhr morgens sind 11 Teilnehmer bereit, Anrufe entgegenzunehmen. Vorübergehende Erscheinungen sind auch unterschiedliche Helligkeiten von Objekten auf dem Mond, die in verschiedenen Phasen unterschiedlich erscheinen. Als Beispiel dient die Beobachtung von Toricelli B, den sich Nik Muir als Beobachtungsobjekt vorgenommen hat. Es ist ein schwieriges kleines Objekt mit wechselnder Helligkeit während einer Lunation. Auf Video-Aufnahmen des Gebietes bei verschiedenen Phasen, die Herr Voigt zeigt, ist Toricelli B bei Sonnenaufgang als dunkler Fleck und bei Sonnenuntergang als heller Krater zu erkennen, was sicherlich durch die Form des Kraters bedingt ist.

Zum Abschluß noch ein Blick in die Medien: Unter dem Titel "Dieser Mond macht alle wild, denn er geht mit Berlin auf Schmusekurs" behandelte die BZ den Vollmond vom 30. Juli 96, der in seiner Bahn der Erde ziemlich nahe stand, genau 356 970 km. Es wurden Liebesrekorde vorausgesagt. Alkohol sollte die doppelte Wirkung haben. Viele Unfälle sollten passieren und die Selbstmordrate steigen. Mehr Geburten sollten stattfinden, und die Wölfe im Zoo sollten heulen. Was von diesen Voraussagen wahr wurde, war später nicht zu lesen!

Ein besonderes Ereignis war die Entdeckung von Spuren einzelliger Lebewesen auf dem Mars, die im Fernsehen eingehend gezeigt wurde, in einem Meteoriten, der vor 13 000 Jahren in das Eis von Alaska einschlug. Wissenschaftler der NASA nehmen an, daß der Stein sich vor 15 Mill. Jahren durch einen Meteroriteneinschlag vom Mars gelöst hat und auf der Erde einschlug. Die Schlußfolgerung ist, daß es vor Milliarden Jahren auf dem Mars primitives Leben gegeben haben könnte.

Zum Schluß noch ein etwas humorvoller Beitrag der Berliner Zeitung vom 9.8.96: Unter dem Titel "Wem gehört der Mond?" streiten sich ein Deutscher und ein Amerikaner um die Besitzrechte am Erdtrabanten. Martin Jürgens behauptet: "Der Mond gehört seit dem 15.7.1756 meiner Familie." Sein Urahn habe den Mond vom preußischen König Friedrich dem Großen geschenkt bekommen. Der Grund für diese großzügige Gabe sei der Segen gewesen, den der heilkundige Bauer dem König erteilt habe, auf den er dann seine politischen Erfolge zurückführte. Der Kalifornier Dennis Hope hatte sich 1980 bei den Bezirksbehörden von San Francisco als Mond-Eigentümer registrieren lassen und bereits 1700 Parzellen des Mondes verkauft. 700 ha kosten bei ihm 16 Dollar. Martin Jürgens will kein Geld mit dem Mond verdienen, jedoch hat er seinen 18jährigen Sohn bereits in seine Rechte eingewiesen, und vielleicht kann dieser sein galaktisches Grundstück auch mal vor Ort besichtigen. Der Rechtsstreit ist noch nicht geklärt.

Herr Voigt dankt den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und ihre Diskussionsbeiträge und schließt die Sitzung um 21.25 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am Montag, dem 9. September 1996, um 20 Uhr aus technischen Gründen im Raum von Herrn Nehls im Keller des Planetariums.

gez. Voigt gez. Tost

Anlage Protokoll 382 (enthält u.a. einen Artikel von Herrn Tost zum Thema Vorübergehende Phänomene auf dem Mond)

Tost


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