WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
MIT ZEISS-PLANETARIUM BERLIN

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Protokoll der 395. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 9. September 1996
Beginn: 20.00 Uhr. Ende: 21.35 Uhr

Neu: Das Mondprotokoll im Internet: http://www.wfs.be.schule.de/pages/Mondbeobachter

Es sind erschienen: Die Damen Sävecke, Schmitz und Wühle sowie die Herren Bock, Hensel, Jahn, Mackowiak, Tost und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und weist auf eine besonders eindrucksvolle Konstellation am Morgenhimmel dieses Tages hin, die von Herrn Bock beobachtet und fotografiert wurde. Die schmale Sichel des abnehmenden Mondes, 3 Tage vor Neumond, stand in enger Konstellation zu Venus und Mars. Besonders klare Luft begünstigte die Beobachtung. (Bild der Woche 44/96)
Der Mond in gleicher Phase wird im Dia gezeigt (Blatt 29 des Berliner Mond-Atlas'). Hier sind es wieder die Krater des östlichen Randgebietes, die plastisch in Erscheinung treten. Von Süden ausgehend, ist es das riesige Ringgebirge Bailly mit vielen inneren Kraterstrukturen. Neben Phocylides und Nathmyth erscheinen der bis zum Rand mit Lava aufgefüllte Krater Wargenthin und darunter Schickard, weiter nördlich Vieta, Cavendish und Gebr. Henry, Darwin mit Crüger, der als dunkler Fleck erscheint, wie auch der dunkle Grimaldi, der einer der Meßpunkte für Schattenantritte bei Mondfinsternissen nach dem Berliner System gilt. Weiter nördlich neben dem Krater Reiner das auffallend helle Gebiet "Reiner Gamma". Im Oceanus Procellarum tritt der Berg Rümker plastisch hervor, und am Nordrand sind Babbage und Pythagoras zu erkennen.

Dann weist Herr Voigt auf die partielle Sonnenfinsternis am 12. Oktober 1996 hin. Für Berlin ist eine 65,5 %ige Bedeckung zu erwarten. Sie beginnt um 15.14 Uhr. Das Maximum ist um 16.29 Uhr, das Ende um 17.38 Uhr MESZ! zu erwarten. (Bild der Woche 42/96)

Anschließend zeigt Herr Hensel einige Aufnahmen des Mondes. Die Farbdias wurden mit einem 100/1000 mm-Teleskop als Focalaufnahmen gewonnen. Auf dem zunehmenden Mond ist die Kraterkette Catharina, Cyrillus und Theophilius gut zu erkennen, jedoch sind die Maria - durch eine zu lange Belichtungszeit - kaum wahrzunehmen.

Anschließend gibt Herr Voigt einige Tips zur Fotografie des Mondes: (siehe Anlage).

Herr Mackowiak rezensiert eine Reihe von Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt, die astronomische Themen beinhalten. (Die Liste wird dem nächsten Mondprotokoll beigelegt)

Herr Voigt dankt den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und ihre Diskussionsbeiträge und schließt die Sitzung um 21.35 Uhr.
Die nächste Sitzung der Guppe Berliner Mondbeobachter findet statt am Montag, dem 14. Oktober 1996, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Bock gez. Hensel gez. Voigt
Tost


Anlage

Die Fotografie des Mondes
Technische Voraussetzungen: Die Abbildung des Mondes erfordert lange Brennweiten, denn sein scheinbarer Durchmesser von nur einem halben Grad läßt ihn auf dem Film nur in der Größe von 1/100 der Brennweite erscheinen. Mit der Kleinbildkamera und Normalobjektiv mit 50 mm Brennweite wird der Mond somit nur in 0,5 mm Durchmesser abgebildet. Drei Dias zeigen Stimmungsbilder nach Sonnenuntergang mit der Mondsichel und Venus. Mit einem 200 mm Tele sind bereits Maria zu erkennen, aber auch ein 500 mm-Tele ist für Detaildarstellungen nicht geeignet. Erst eine Brennweite von 2400 mm kann den Mond formatfüllend auf dem Kleinbildfilm darstellen. Schon ein mittleres Amateurteleskop mit 100mm Objektivdurchmesser und 1200 mm Brennweite erfüllt die Anforderungen für brauchbare Mondaufnahmen. Voraussetzung ist eine Spiegelreflexkamera, welche, ohne Objektiv, an das Fernrohr durch einen Adapter angesetzt werden kann. Durch Zwischenschalten eines Tele-Converters (entspricht einer Barlowlinse) kann die Brennweite und damit die Abbildungsgröße des Mondes um das Zwei- bis Dreifache vergrößert werden, wobei sich allerdings das Öffnungsverhältnis (Blende) von 1:12 auf 1:24 bzw. 1:36 vermindert. Um eine noch größere Abbildung des Mondes zu erzielen, kann die Okularprojektion angewendet werden, bekannt durch die Sonnenbeobachtung mit einem Projektionsschirm, nur daß bei der Mondfotografie die Kamera ohne Objektiv unter Zwischenschaltung eines Okulars an das Teleskop montiert werden muß. Je größer der Abstand zwischen Okular und Kamera ist, desto stärker ist die Abbildungsgröße, jedoch nimmt dabei die Helligkeit entsprechend ab. Um diese zu berechnen, muß zunächst die Länge der scheinbaren Brennweite (Äquivalentbrennweite) festgestellt werden. Wird der Mond in einem Durchmesser von 50 mm abgebildet, dann entspricht dies einer Äquivalentbrennweite von 5000 mm. Ist der Durchmesser des Fernrohrobjektives 100 mm groß, so entspricht dies einem Blendenwert von 100 : 5000, d.h. 1:50.

Belichtungszeiten:
Die Oberfläche des Mondes wird von der Sonne beleuchtet, jedoch ist seine durchschnittliche Albedo, sein Rückstrahlungsvermögen, verhältnismäßig gering: nur 0,07 (Granit hat 0,31). Daher erscheint er nicht so hell wie eine sonnenbestrahlte Landschaft auf der Erde. Die Messung der Belichtungszeit kann mit dem eingebauten Belichtungsmesser der Kamera erfolgen, was jedoch bei kleineren Blendenwerten oft nicht zuverlässig ist. Daher soll nachstehende Tabelle einen Anhaltspunkt für die richtige Belichtung geben:
Diese Werte gelten bei mittlerer Mondphase. Bei Vollmond ist auf die halbe Belichtungszeit zu reduzieren.

Die Abbildungsqualität ist von verschiedenen Faktoren abhängig:
1. Die exakte Scharfeinstellung im Kamerasucher. Ein Schnittbildentfernungsmesser ist nicht brauchbar, denn er ist nur bei hohen Lichtstärken einsetzbar. Somit muß die Scharfeinstellung auf der Mattscheibe erfolgen. Am besten läßt sich auf den Mondrand fokussieren.
2. Bei der Okularprojektion sind die Randschärfe und die Farbkorrektur des Okulars von Bedeutung; daher sollte ein apochromatisches bzw. Weitwinkel-Planokular verwendet werden.
3. Luftturbulenzen lassen das Mondbild wallend erscheinen. Wind und Temperaturunterschiede spielen dabei eine große Rolle. Keinesfalls sollte durch ein offenes Fenster beobachtet werden. Auch im Freien können erhitzte Mauern und Dächer Turbulenzen erzeugen. Auch Bewegungen in den höhere Luftschichten können die Abbildung stören. Die besten Aufnahmen werden erzielt bei einem möglichst hohen Stand des Mondes, denn in Horizontnähe ist der Zustand der Luft meist schlechter.
4. Bei längeren Belichtungszeiten ist eine Nachführung nach der täglichen Himmelsbewegung erforderlich, denn sie beträgt innerhalb 1 Sekunde 15 Bogensekunden, was bereits bei Belichtungszeiten von länger als 1/15 s zu Unschärfen führt. Da jede Spiegelreflexkamera bei der Auslösung des Verschlusses Erschütterungen verursacht, sollte bei längeren Belichtungen die "Hutmethode" angewendet werden: Nach der genauen Einstellung der aufzunehmenden Mondregion auf der Mattscheibe der Kamera wird ein Hut auf das Objektiv gesetzt und der Verschluß der Kamera nach Einstellung auf Zeitbelichtung (B) mit Hilfe eines Drahtauslösers geöffnet und arretiert. Sodann wird der Hut vom Objektiv gelüftet und nach dem Ausschwingen des Teleskops für die Dauer der Belichtung zur Seite geschwenkt, um danach das Objektiv wieder abzudecken. Anschließend wird der Verschluß der Kamera wieder geschlossen. Die bereits erwähnte Luftunruhe spielt bei langen Belichtungszeiten eine weitaus größere Rolle. Daher ist es ratsam, mehrere Belichtungen vorzunehmen, um später das beste Negativ auszuwählen.

Filmaterial und Nachbearbeitung
Da unser Mond nur ganz geringe Farbschattierungen aufweist, ist die Verwendung von Farbfilmen kaum angebracht. Außerdem lassen sich schwarz/weiß-Filme sehr viel leichter im Labor selbst bearbeiten, was zum Erzielen guter Bilder fast unumgänglich ist. Auch lassen sich Abbildungsfehler des Fernrohrobjektives in verschiedenen Spektralbereichen, die zu farbigen Rändern führen können, mit Hilfe eines Gelbfilters, das während der Aufnahme in den Strahlengang des Fernrohres gesetzt wird, nur bei Verwendung von schwarz/weiß-Filmen beseitigen, was eine wesentliche Verbesserung der Schärfe zur Folge hat. Bei jeder Fokalaufnahme hat der Mond keinen sehr großen Durchmesser, daher ist zur Detaildarstellung eine stärkere Nachvergrößerung erforderlich. So sollte bei diesen Aufnahmen ein besonders feinkörniger Film verwendet werden, z.B. Kodak Tmax 100, der eine 15fache Vergrößerung gestattet, wobei das Korn keinen störenden Einfluß hat. Bei der Okularprojektion, die ja den Mond wesentlich größer abbildet, jedoch in wesentlich geringerer Lichtstärke, kann auch ein höher empfindlicher Film, z.B. Kodak Tmax 400, zur Anwendung kommen. Bei der nachträglichen Laborbearbeitung sollte der Helligkeitsabfall zum Terminator, zur Schattengrenze, beachtet werden (ca. 1:3). Daher sollte während der Belichtung des Papierbildes unter dem Vergrößerungsgerät zum Terminator hin abgewedelt werden. Bei einer Gesamtbelichtung von z.B. 3 s wird die Terminatorgegend ab ca. 1 s stufenweise mit der Hand oder einer Maske abgeblendet, indem diese während der Belichtung zwischen dem Objektiv des Vergrößerers und dem Fotopapier hin und her bewegt wird. Das Filmmaterial sollte möglichst weich entwickelt werden (Gamma 0,6 bis 0,7), damit sich später vom Negativ auf normalen bis harten Vergrößerungspapieren brillante Bilder erzielen lassen.

Fotos von Finsternissen:
Die nächste Mondfinsternis am 27.9.1996 läßt sich mit einem Tele-Objektiv von 200 - 500 mm Brennweite gut aufnehmen (evtl. mit Tele-Converter). Der beleuchtete Teil des immer schmaler erscheinenden Vollmondes hat eine wesentlich größere Helligkeit als die vom Erdschatten verdunkelte Partie, die durch Streuung des Sonnenlichts in der Erdatmosphäre in einem bräunlich-rötlichen Licht erscheint. Man muß sich nun entscheiden, entweder den hellen Teil mit seinen Strukturen mit Blende 8 und 1/125 s richtig zu belichten oder, was viel reizvoller wirkt, die Schattenpartie mit 1 - 5 s, je nach Helligkeit, aufzunehmen, was am besten kurz vor der Totalität gelingt. Als Filmmaterial kann hier ein hochempfindlicher Farb-Dia- oder -Negativfilm (400 ASA) empfohlen werden.

Bei einer Sonnenfinsternis geht der Neumond an der Sonne vorüber und bedeckt sie bei einer partiellen Finsternis nur teilweise (nächste am 12.10.1996 von 14.13 Uhr bis 16.38 Uhr MEZ). Die übergroße Helligkeit der Sonne setzt die Benutzung eines dunklen Filters (Schweißglasfilter) sowohl bei der Betrachtung der Sonne als auch während der fotografischen Aufnahme, voraus. Bei einem 100-ASA-Film und einer Blende von 1:16 wäre eine Belichtung von 1/200 - 1/1000 angebracht. Eine totale Sonnenfinsternis, bei der die Sonne vollständig vom Mond bedeckt wird, ist in Deutschland erst im Jahre 1999 zu erwarten. Um während der kurzen Totalitätsdauer die äußere Corona der Sonne aufzunehmen, sollte bei Blende 8 1/2 s belichtet werden, und um die innere Corona mit Protuberanzen zu fotografieren, 1/30 s lang, selbstverständlich ohne Filter.

zt, Tost


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