WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
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Protokoll der 396. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 14. Oktober 1996
Beginn: 20.00 Uhr. Ende: 21.30 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Jensch, Pitts, Sävecke und Thom sowie die Herren Bleck, Bock, Hartmann, Hensel, Tost, Voigt, Volkwein und Wenzel.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und bittet Herrn Bock, seine Aufnahmen von der im vorhergehenden Protokoll besprochenen Konstellation am Morgen des 9.9.1996 vorzuführen. Er führt dazu aus: Das besonders fotogene Zusammentreffen von Mond, Venus, Mars, Pollux und Castor in einer Linie konnte ich mit einer Exakta VX 1000 mit Weitwinkelobjektiv 3,5/30 mm auf Agfa CTX um 3.45 bis 4.00 Uhr mit Belichtungszeiten von 2 bis 8 Sekunden gut fotografieren. Eine Nachführung war nicht notwendig. Die gut gelungenen Aufnahmen werden von den Teilnehmern mit Beifall bedacht. (Bild der Woche 44/96)

Anschließend zeigt Herr Voigt die aktuelle Mondphase 2 Tage nach Neumond. Der Terminator liegt bei +57 deg. Zunächst eine Aufnahme der schmalen Sichel mit Erdlicht zusammen mit der Venus am Abendhimmel, aufgenommen im November 1994 in Tunesien. Blatt 2 des Berliner Mond-Atlas', das dieser Phase entspricht, zeigt am Ostrand Peirescius und Vega. Weiter geht es zu Furnerius, benannt nach einem französischen Mathematiker. Nördlich davon Petavius (er war ein französischer Theologe), daneben Vendelinus mit Lamé und Lohse. Dann Langrenus, ein Krater des Berliner Systems. Weiter nach Norden über Apollonius und Firmicus kommen wir zum Ostrand des Mare Crisium. Weiter nördlich Messala, benannt nach einem jüdischen Astronomen, der um 815 lebte. Südlich am Rande die Krater Berosus, Hahn und Condorcet.

Anschließend zeigt Herr Voigt eine Aufnahme des 7 Tage alten Mondes und führt dazu aus: Die Polgebiete des Mondes sind für uns nur selten und nur bei besonders günstiger Libration einsehbar. Clavius ist sehr gut zu sehen, Moretus auch, jedoch bei Scott sind nur die beleuchteten Wälle zu beobachten. Eine Veröffentlichung in den DLR-Nachrichten Nr. 83 vom August 1996 zeigt einen senkrechten Blick auf Scott und die Krater des Polgebietes. Aus 1500 Bildern, von der Raumsonde Clementine aufgenommen, wurde ein Bild des Mond-Südpols zusammengesetzt. Man sieht deutlich, daß im Polgebiet Krater liegen, in welche niemals die Sonne scheint und worin man eventuell Wassereis vermutet. Das Ringgebirge Schrödinger z.B. kann von der Erde aus niemals eingesehen werden, ist auf der Aufnahme jedoch mit seiner inneren Struktur sehr deutlich sichtbar.

Anschließend zeigt Herr Hartmann eine Video-Aufzeichnung der totalen Mondfinsternis am 27.09.96 sowie der partiellen Sonnenfinsternis am 12.10.96.(Enthalten im Archiv "Sonnenfinsternis"). Beide Finsternisse wurden mit der schon in früheren Mondprotokollen beschriebenen Canon Ex1-Hi Videokamera aufgezeichnet. Das normale Zoom-Objektiv der Kamera wurde wegen der besseren Bildqualität ersetzt durch ein Fotoobjektiv mit 300 mm Festbrennweite. Diese 300 mm entsprechen wegen des kleineren CCD-Chips dann ca. 1700 mm Brennweite bei Kleinbildformat, eine sinnvolle Brennweite zur großformatigen Abbildung von Sonne und Mond.

Bei der Mondfinsternis wurde ein Zeitrafferfilm gedreht, der den gesamten Eintritt des Mondes in den Kernschatten zeigt. Dabei wurde die Intervallautomatik der Kamera benutzt, die in einer der möglichen Einstellungen alle 10 Sekunden eine Szene von 0,5 Sekunden Dauer aufzeichnet, das entspricht einer 20-fachen Zeitraffung. Da jede Szene jeweils 0,5 Sekunden dauert, war eine stärkere Zeitraffung (40- oder 60-fach) nicht geeignet, da bei diesen durch die Mond-Eigenbewegung zu starke Sprünge von Szene zu Szene entstehen. Die Kamera wurde mit dem Teleobjektiv auf einem Meade-2080 Spiegelteleskop montiert, welches nur zur Nachführung diente. Nachgeführt wurde dabei auf Saturn, der einzige helle "Stern" in der Nähe des Mondes (bedingt durch leicht dunstigen Himmel standen keine richtigen Leitsterne zur Verfügung).

Durch diese Art der Nachführung sieht man die wirklichen Bewegungsverhältnisse während einer Mondfinsternis: Der Mond wandert von rechts unten nach links oben in den Erdschatten (bei auf Mond nachgeführten Filmen scheint der Erdschatten über den Mond zu wandern). Bei den 300 mm Brennweite war das Bildfeld gerade groß genug, um die gesamte Mondbewegung von ca. 0,7 Grad in den 67 Minuten aufzunehmen. Als richtige Belichtung erwies sich normale Belichtungszeit (1/50 sec.) bei Blende 22. Glücklicherweise brauchte während des Eintritts die Belichtung nicht verändert zu werden, was zu einem störenden Helligkeitssprung während der Sequenz geführt hätte. Frühere Versuche hatten auch ergeben, daß die beste Bildqualität bei abgeblendetem Objektiv und nicht bei verkürzter Belichtungszeit erreicht wurde.

Der Weißabgleich wurde auf Automatik gelassen, wodurch der Mond wegen des Dunstes gelblich abgebildet wurde.

Bei Beginn der Totalität wurde versucht, auch den voll verfinsterten Mond darzustellen. Dazu wurde zunächst auf Blende 5,6 aufgeblendet, und dann wurde die Belichtungszeit auf 1/6 sec. gesteigert. Diese Maßnahmen führten zu einer Empfindlichkeitssteigerung von 130 x (das Intensitätsverhältnis Kernschatten zu Halbschatten beträgt ca. 3000). Trotz der eigentlich zu geringen Lichtstärke war der Kernschattenbereich (sogar leicht rötlich) erkennbar, auch mit einigen Maria-Strukturen.

Zur Mitte der Totalität war dann der Mond kaum noch abzubilden. Es wurde daher das normale Zoom-Objektiv verwendet, was bei 120mm Brennweite eine Blende 2 erlaubt, damit lag die Empfindlichkeit nur noch um den Faktor 3 zu tief. Der total verfinsterte Mond konnte nun in kräftigem Rot abgebildet werden, wenn auch die Bildschärfe nicht befriedigend war. Amateur-Videokameras haben ja sowieso im Roten meist ein starkes Farbrauschen/-flimmern.

Bei etwas verringerter Brennweite konnte übrigens auch der Saturn mit abgebildet werden.

Die Mondfinsternis wurde von einem mexikanischen Fernsehsender (Galavision) auf Astra live aus mehreren Städten übertragen. Die Bilder waren zum Teil schlechter (Mondgröße/-schärfe) zum Teil besser (Lichtstärke in der Totalität) als die eben gezeigte Aufzeichnung. Erstaunlich war auf jeden Fall die mehrstündige Live-Übertragung. Im Anschluß daran wurden noch einige Szenen des ZDF-Frühstücksfernsehens gezeigt, die aber in der Qualität deutlich unter obigem Zeitraffervideo lagen.

Es wurden nebenbei ein paar Dias mit einer "Russentonne" (Brennweite 1000 mm, Blende 10) aufgenommen. Die Belichtungszeiten während des Eintritts in den Kernschatten waren trotz einer Reihe mit mehreren Zeiten fast alle zu kurz geraten, die Messung bei im Verhältnis zur Bildgröße zu kleinem Objekt ist ja auch stets etwas problematisch. Zu Beginn der Totalität war die richtige Belichtungszeit auf Ektachrome 100 Diafilm ca. 1 Minute. Zur Kompensation der hohen Mond-Eigenbewegung war die Witte & Nehls-Montierung per Frequenzgenerator auf Mondgeschwindigkeit einjustiert worden. Während der Mitte der Totalität wurden Aufnahmen auf Scotch 400 Diafilm gemacht, die Belichtungszeiten reichten bis zu 2 Minuten. Deutlich waren dabei Sternstrichspuren wegen der Mondeigenbewegung erkennbar.

Die Sonnenfinsternis wurde auch auf Video dokumentiert. Es wurde das gleiche 300 mm Teleobjektiv verwendet, und nachgeführt wurde auch wieder mit dem Meade-2080. Zur Lichtreduktion wurde ein B&W-Graufilter (10000 x) und ein normales Hama-Graufilter (8 x) kombiniert, da es von B&W leider keine 100000 x - Graufilter gibt. Wegen des doch deutlichen Rotstichs der Graufilter wurde auf manuellen Weißabgleich geschaltet, d.h. die Kameraelektronik versucht, die leicht rote Sonne nach neutral weiß zu ziehen.

Im Gegensatz zur Mondfinsternis sollte nicht stundenlang nachgeführt werden, mangels Leitstern (sehr dunstiger/leicht bedeckter Himmel) war dies auch gar nicht möglich. Daher wurde die in der Kamera vorhandene Überblendtechnik verwandt. Alle 5 Minuten wurde eine kurze Szene von 5 Sekunden Dauer aufgenommen (60-fache Zeitraffung). Etwas schwierig dabei war das exakte Übereinanderliegen der einzelnen Szenen, was jedoch einigermaßen anhand von im Sucher eingeblendeten Texten und geschickt plazierten Staubkörnern gelang.

Die Blende mußte wegen der stark schwankenden Durchsicht im Bereich von 22 bis 5,6 verändert werden. Diese Überblend-Zeitraffung sieht optisch ganz ansprechend aus und ist für Sonnenfinsternisse ohne großen Nachführaufwand ganz gut geeignet. Es muß ja nur alle 5 Minuten die Sonne exakt richtig positioniert werden.

Anschließend zeigt Herr Voigt eine Video-Aufzeichnung der Mondfinsternis vom 27.09.96. Als Kamera wurde eine Sony TR 808 Hi8-Kamera mit zusätzlichem Voigtländer Nokton 1,5/50 mm im Retrofocus verwendet. Die Ausrüstung erzielte am 6"/3000 mm Refraktor eine ca. 200fache Vergrößerung, und es wurde versucht, damit Schattenantritte aufzunehmen und zeitlich zu bestimmen. Die Uhrzeit in MESZ wurde von der Kamera registiert. Beim Einrichten der Kamera, eine Stunde vor Finsternisbeginn, erschien die Bergkette der Kordilleren am Westrand des perfekten Vollmondes mit einer leichten Schattenrille. Um 3.11Uhr, also 1/2 Minute vor Beginn des Eintrittes in den Kernschatten, erscheint das Gebiet doch sehr viel dunkler, und 2 Minuten später ist der Mondrand bereits unsichtbar. Um 3.13 Uhr befindet sich Grimaldi am Rand des Kernschattens und ist um 3.17 Uhr bereits bedeckt. Um 3.20 Uhr tritt Kepler an den Rand des Schattens. Südlich strahlt noch Tycho, auch ein Krater des Berliner Systems, der um 3.20 Uhr von der Schattengrenze erreicht wird und um 3.22 Uhr verschwindet. 3.32 Uhr: Kopernikus wird vom Schatten bedeckt. 3.32 Uhr: Der Nordrand des Mare Imbrium mit Kap Laplace und Kap Heraklid und Plato liegen noch voll im Licht. Um 3.55 Uhr sind die Kaps bedeckt, und um 3.58 Uhr tritt Plato in den Kernschatten ein. Um 3.35 Uhr reichen noch die Strahlen des Kopernikus in das Mare Imbrium; die Apenninen, die es begrenzen, leuchten noch. Um 3.47 Uhr sind sie bedeckt, und der Rand des Mare Serenitatis wird vom Kernschatten erreicht. Wegen der geringen Helligkeit wurde der Vergrößerungsmaßstab etwas verkleinert, was leider eine leichte Randvignettierung zur Folge hatte. Um 3.48 Uhr wird Manilius bedeckt. Um 4.03 Uhr wird Proclus vom Kernschatten erreicht, auch ein Krater des Berliner Systems, und um 4.05 Uhr ist er verschwunden. Um 4.12 Uhr ist nur noch der nordöstliche Mondrand sichtbar, sehr schwach noch um 4.14 Uhr, und um 4.17 Uhr wird er unsichtbar. Die Aufnahme endet um 4.19 Uhr, also 1 Minute vor Beginn der Totalität. Die Helligkeit des Kernschattens war für die Video-Kamera zu schwach, so daß keine rötliche Färbung zu erkennen war.
Der Austritt aus dem Kernschatten konnte leider nicht aufgenommen werden, da der Mond in seinem nun zu tiefen Stand in einer Nebelwand immer stärker verschwommen erschien. In der Totalität war eine rötlich-braune Färbung gut zu sehen, und die Helligkeit könnte nach der Danjon-Skala mit 3-4 geschätzt werden.
Die Sonnenfinsternis vom 12.10.96 ereignete sich hinter leichten Zirruswolken, konnte jedoch gut aufgenommen werden. Um den Ablauf aufzunehmen, wurde die gleiche Video-Kamera mit einem 1,5fachen Tele-Vorsatz und einem dunklen Neutral-Graufilter eingesetzt, was eine schöne weiße Abbildung der Sonne erscheinen ließ. Um den Ablauf im Zeitraffer wiederzugeben, wurde im Abstand von 30 Sekunden jeweils 3 Sekunden belichtet, d.h. 10fache Zeitraffung. Pünktlich um 15.14 Uhr MESZ erfolgte der erste Kontakt, und die Verfinsterung setzte sich zunächst gut sichtbar fort. Durch den tiefen Stand der Sonne war es leider notwendig, den Aufnahmestandort mehrmals zu wechseln, was die Nachführung beeinträchtigte und damit Sprünge im Bild hervorrief. Leider behinderten Bäume das Gesichtsfeld, aber es war auch ganz fotogen, die Sonne hinter dem Laub verschwinden zu sehen. Kurz nach dem Maximum um 16.26 Uhr versank die Sonne leider hinter Hausdächern.

Herr Voigt dankt den Teilnehmern für ihre interessanten Beiträge und ihre Aufmerksamkeit und schließt die Sitzung um 21.30 Uhr.

Die nächste Sitzung der Guppe Berliner Mondbeobachter findet statt

am Montag, dem 11. November 1996, um 20 Uhr

im Seminarraum des Planetariums.

gez. Bock gez. Hartmann gez. Voigt
zt, Tost


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