WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
MIT ZEISS-PLANETARIUM BERLIN

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Protokoll der 397. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 11. November 1996
Beginn: 20.00 Uhr Ende: 21.10 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Höfig, Jensch, Pitts, Schmitz, Sävecke, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Fettkenheuer, Hartmann, Hensel, Huffer, Jahn, Mackowiak, Preuschmann, Tost und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und berichtet über eingegangene Post. Neben 5 weiteren Briefen aus dem Iran sandte uns das Mikulase Kopernika Planetarium in Brno (Brünn), Tschechische Republik, eine Publikation "Die wunderbare Sternenwelt" mit einem Dank für die regelmäßige Zusendung unseres Protokolls. Die Publikation enthält auch einen Beitrag über den Mond, der leider tschechisch geschrieben ist, jedoch sind Bildbeschreibungen und Höhenangaben einer Reihe von Kratern und Formationen recht gut verständlich. Profildarstellungen vom Berg Pico und vom Krater Kopernikus zeigen, daß die Bergformationen bei der Beobachtung wesentlich steiler erscheinen, als sie tatsächlich sind.

Herr Hensel zeigt eine Reihe von Vergrößerungen von der Mondfinsternis am 27.9.1996. Mit seinem 100/1000-mm-Teleskop, der sogenannten Russentonne, wurden die Focalaufnahmen mit einer Nikon F3-Kamera auf Ilford HPS plus (400 ASA) gewonnen. Die Filmentwicklung erfolgte in Neofin rot bei 20 Grad C. Je nach der Schattengrenze wurde mit Belichtungszeiten von 1/60 - 1/4 s gearbeitet. Der jeweilige Schattenrand ist gut zu erkennen. Leider wurden die Aufnahmezeiten nicht registriert, so daß keine Schattenantritte bestimmt werden konnten. Eine weitere Bildreihe zeigt die partielle Sonnenfinsternis vom 12.10.1996, aufgenommen auf Ilford PanF mit dem gleichen Instrument und Sonnenfilter Nr. 5. Bei Belichtungszeiten von 1/125 s sind die einzelnen Bedeckungsphasen gut zu erkennen.

Anschließend geht Herr Voigt auf den aktuellen Mond ein, der nicht sichtbar ist, weil heute früh um 5.16 Uhr Neumond war. Vor vier Wochen jedoch, am 12.10., war auch der Neumond sichtbar. Er zog an der Sonne vorbei, wir erlebten die Sonnenfinsternis partiell, also die Sonne nur teilweise verdeckt. Diesmal passierte er die Sonne in einigen Grad Entfernung. Die scheinbare Sonnenbahn am Himmel, die Ekliptik, stimmt nicht mit der Bahn des Mondes überein; diese ist um 5 Grad 9' gegenüber der Ekliptik geneigt. Die Treffpunkte zwischen Mondbahn und Ekliptik nennt man die Knoten oder Drachenpunkte, und nur hier kann eine Finsternis erfolgen. Daher läuft der Mond bei einer Mondfinsternis immer schräg durch den Erdschatten. Das gleiche gilt für Sonnenfinsternisse. Die Knoten sind nicht immer an derselben Stelle, sie bewegen sich im Uhrzeigersinn um ca. 20 Grad pro Jahr und umrunden die Ekliptik innerhalb von 18 Jahren und 11 1/3 Tagen, wenn 4 Schaltjahre dazwischen liegen, und bei 5Schaltjahren dauert die Umrundung 18 Jahre und 10 1/3 Tage. Eine solche Umrundung nennt man den Saroszyklus. Daher wiederholen sich die Finsternisse innerhalb eines Saroszyklus' im gleichen Ablauf. Eine nähere Beschreibung über den Zusammenhang von Finsternissen und Saros wurde im Protokoll 350 vom 9.12.1991 von Herrn Mädlow ausgeführt.

Anschließend weist Herr Voigt auf einen Artikel in SuW 11/96 S. 825 hin, der unter dem Titel "Die Mondillusion und der gestauchte Himmel" auf ein Phänomen hinweist, das uns zwar allen bekannt ist, dessen Ursprung hier aber eingehend besprochen wird. Der aufgehende Vollmond oder auch die Sonne erscheinen uns am Horizont wesentlich größer, als wenn sie hoch am Himmel stehen. Was ist der Grund für diese optische Täuschung? Denn Sonne und Mond haben immer den gleichen Durchmesser von ca. 1/2 Grad, mit leichten Schwankungen je nach der Entfernung von der Erde. Die Sinnestäuschung beruht auf einer falschen Vorstellung von der Höhe des Himmels. Der Horizont erscheint uns 2,6 mal weiter entfernt als der Zenit. Die Erscheinung des gestauchten Himmels und des großen Mondes hat ihre Ursache nicht in bestimmten Eigenschaften und Zuständen der Atmosphäre, sondern in Eigenschaften des menschlichen Sehvermögens und in der Verarbeitung des Gesichtseindruckes durch das Gehirn. Die Ursachen sind nicht physikalischer, sondern psychologischer Natur. So empfinden wir die Himmelskuppel anstelle einer Halbkugel wie eine flache Schale. Sonne und Mond erscheinen uns hoch am Himmel näher und damit kleiner als am Horizont.

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Durch die scheinbar gestauchte Himmelskuppel haben wir auch einen falschen Eindruck von der Höhe der Gestirne. Die linke Seite des Bildes zeigt die tatsächlichen und die scheinbaren Höhen. So erscheint uns ein Stern in 60 Grad Höhe 75 Grad hoch; ein 39 Grad hoher Stern scheint 60 Grad hoch zu stehen, und eine scheinbare Höhe von 30 Grad ist tatsächlich nur 14 Grad über dem Horizont. Die rechte Seite der Abbildung zeigt, in Klammern, die Höhendifferenzen zwischen den tatsächlichen und den uns erscheinenden Höhen der Gestirne.

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Herr Voigt dankt den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und ihre Beiträge und schließt die Sitzung um 21.10 Uhr.

Die nächste Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter findet statt am

Montag, dem 9. Dezember 1996, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Hensel gez. Mackowiak gez. Voigt
Zucht, Tost


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