WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
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Protokoll der 398. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 9. Dezember 1996
Beginn: 20.00 Uhr Ende: 21.20 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Sävecke, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Fettkenheuer, Grzesiak, Hensel, Loskowski, Mackowiak, Tost und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Teilnehmer und bedauert, über den aktuellen Mond nichts berichten zu können, da sich dieser wiederum der Neumondphase nähert; jedoch erregte der Mond infolge einiger Sensationsmeldungen in der Tagespresse Aufmerksamkeit. Es soll Eis auf dem Mond entdeckt worden sein. Wie bereits in der letzten Sitzung berichtet, gibt es am Südpol unseres Trabanten Krater, in welche nie die Sonne hineinscheint. Nun soll die Sonde Clementine das schon früher vermutete Eis tatsächlich in einem dieser Krater entdeckt haben, jedenfalls weisen Reflexionsmuster von Radarstrahlen darauf hin. Das beflügelt natürlich die Phantasie der Berichterstatter. Während die "Bildzeitung" von einem bis zu 30 m großen Eisblock berichtet, schreibt die "Morgenpost" von einem seegroßen Eisblock in dem 13 km tiefen Krater von der doppelten Größe Puerto Ricos. Die "Berliner Zeitung" (B.Z.) spricht von 9 000 Quadratkilometern Eis, das von einem Kometen stammen soll, der auf dem Mond vor 3,6 Milliarden Jahren (andere Zeitungen sprechen von 3,6 Millionen) eingeschlagen sein soll. "Die teuerste Immobilie im Sonnensystem", schreibt die B.Z., denn es könnten dort Häuser gebaut und Ackerbau betrieben werden. Man könnte Winterurlaub auf dem Mond machen, denn das Wasser könnte der Bewässerung dienen. Es könnten daraus Sauerstoff zum Atmen und Wasserstoff als Treibstoff gewonnen werden mit Hilfe der Sonnenenergie, die in höheren Lagen dauernd zur Verfügung stehen würde. Allerdings wäre das nur unter einer "Klimaglocke" möglich, unter der Bedingungen wie auf der Erde hergestellt werden müßten. - Zukunftsvisionen, die allerdings das Interesse am Mond, das nach den Apollo-Flügen in den Hintergrund der öffentlichen Aufmerksamkeit getreten ist, wieder beleben könnte.

Anschließend zeigt Herr Bock einen Super-8-Film mit Aufnahmen der Mondfinsternis vom 27.9.96, aufgenommen mit einer Nizo 800-Kamera mit 80 mm Brennweite auf Kodak-40-Film. Die Kamera wurde auf Zeitrafferbetrieb eingestellt, so daß alle 6 Sekunden eine Aufnahme belichtet wurde (entspricht 108facher Zeitraffung). Die Belichtungszeit erfolgte automatisch. Da keine Nachführung vorgenommen wurde, wanderte der Mond sich verfinsternd durch das Bildfeld, ab und zu von Wolkenschleiern abgedunkelt. Die Maria waren gut zu erkennen und in der Totalität auch die sich ändernde rötliche Verfärbung. Eine weitere Szene, aufgenommen mit einer Nizo 560 Super-8-Kamera und Weitwinkeleinstellung, bildet zwar den Mond wesentlich kleiner ab, jedoch ist dadurch der Weg durch das Gesichtsfeld besser zu verfolgen. Auch hier ist die Farbänderung deutlich zu erkennen. Leider senkte sich der Mond zum Ende der Finsternis in eine Nebelwand. Die nächste Szene zeigt die nahe Konstellation von Mond und Venus am Morgen des 10.8.96. Mond und Venus sind gerade aufgegangen, und so erscheint die gelbliche Mondsichel über der leuchtend hellen Venus. Mit 6 s Belichtungszeit wurde alle 6 s ein weiteres Bild aufgenommen. Die folgende Szene zeigt den Ablauf der partiellen Sonnenfinsternis vom 12.10.96, ebenfalls mit der Zeitraffereinstellung, alle 6 s eine Aufnahme, belichtet. Leider war das verwendete Filter D4 nicht kräftig genug, so daß die Form der Phase kaum zu erkennen ist. Zum Abschluß zeigt der Film einen Sonnenuntergang zur Zeit der Sommersonnenwende am 21.6.76 im Zeitraffer sowie den darauffolgenden Sonnenaufgang am nächsten Morgen. Besonders eindrucksvoll ist die Wolkenbewegung mit der rötlichen Färbung am Abend- und Morgenhimmel im Zeitraffer.

Anschließend weist Herr Voigt auf einen Artikel von Jürgen Blunck in SuW 12/96 S. 904 hin, der über den Bankier und Amateurastronomen Wilhelm Beer anläßlich seines 200. Geburtstages berichtet. Hier einige Passagen:

Als Freund der Naturwissenschaften hatte Wilhelm Beer, besonders in der Absicht, die Kenntnisse vom Mond und vom Mars zu verfeinern, 1829 eine Privatsternwarte auf seiner Villa im Berliner Tiergarten errichtet. Die Beobachtungen führte er zusammen mit seinem Mathematiklehrer und Freund Johann Heinrich Mädler durch. Die gemeinsamen Bemühungen führten zu einem durchschlagenden Erfolg: 1831 wurde von ihnen die erste Marskarte der Welt veröffentlicht, eine Karte der südlichen Hemisphäre, der dann 1838 die erste Karte der gesamten Marsoberfläche folgte. In den Jahren 1834 bis 1836 wurde von ihnen auf Grund neuartiger Berechnungsmethoden eine Karte der sichtbaren Mondoberfläche in vier Sektionen erarbeitet, die in ihrer akribischen Genauigkeit maßgebende Bedeutung erlangt hat. Als geistige Vorbereitung beschäftigte sich Beer in der Frühphase des Projektes mit der Geschichte aller zuvor angefertigten Mondkarten und hielt darüber hinaus einen Vortrag in der Sitzung der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin am 5. Oktober 1833. Beer kommentiert darin nicht nur die bekannten Karten von Hevelius, Riccioli, Cassini, Tobias Mayer bis hin zu der großen, in 25 Sektionen angelegten Mondkarte von Lohrmann, von der damals nur 4 erschienen waren. Er läßt es auch nicht an längeren Ausführungen und Bemerkungen fehlen, die ihn als erfahrenen, geübten Beobachter ausweisen. Er beklagt, daß die Monotonie der am stärksten verkraterten Mondlandschaften den Kartographen vor große Schwierigkeiten stelle. Was Beer und Mädler bei ihrer selenographisch-kartographischen Arbeit anspornte, waren die Mängel der an sich so sehr bewunderten Mondkarte von Lohrmann. Einerseits war nach Jahren des Wartens keine weitere der 21 noch ausstehenden Sektionen erschienen, andererseits ließ das Beersche Fernrohr noch mehr Details erkennen, als sie Lohrmann darzustellen vermochte. Die 1830 gemeinsam aufgenommenen Arbeiten machten gute Fortschritte: Noch 1834 konnten von der im gleichen Maßstab wie Lohrmanns Karte angefertigten, aber nur in 4 Quadranten aufgeteilten Karte die beiden nördlichen in der Berliner Lithographischen Anstalt von Schropp erscheinen. Der Südwestquadrant folgte 1835, der Südostquadrant im Oktober 1836. Alexander von Humboldt hatte als geistiger Ziehvater des ganzen Unternehmens am Fortgang der Kartierung lebhaften Anteil genommen und Wilhelm Beer in zahlreichen Briefen ermuntert.

Die nächste Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter findet statt am

Montag, dem 13. Januar 1997, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Voigt
zt, Tost


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