WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
MIT ZEISS-PLANETARIUM BERLIN

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Protokoll der 399. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 13. Januar 1997
Beginn: 20.00 Uhr Ende: 21.30 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Jensch, Pitts, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Hartmann, Hensel, Jahn, Müller, Tost und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Teilnehmer, wünscht allen ein gutes neues Jahr und gibt den Posteingang bekannt: 9 weitere Briefe aus dem Iran mit der Bitte um Zusendung des Mondprotokolls. Herr Tost weist auf die Möglichkeit hin, daß seit einigen Monaten das Protokoll der BERLINER MONDBEOBACHTER im Internet zu empfangen ist, und meint, man sollte dies den Briefschreibern mitteilen. Weiterhin erhielt die Mondgruppe einen Weihnachts- und Neujahrsgruß von der Familie Ahrens aus Randburg/Südafrika mit dem Wunsch für viele sternreiche Nächte. Eine von Herrn Voigt vorbereitete Dankeskarte wird von allen Teilnehmern unterschrieben.

Anschließend wird der aktuelle Mond dieses Abends im Video gezeigt, wie er auch heute in natura, von einem farbigen Hof umgeben, am Himmel steht. Die Video-Aufzeichnung des 3,8 Tage alten Mondes beginnt beim kraterreichen Südhorn der Mondsichel. Der Terminator liegt bei +41Grad. Die Kamera schwenkt nach Nordwesten, und es erscheinen das Rheitatal und Petavius. Weiter geht der Blick am Rande des Mare Foecundidatis entlang, dessen Marerücken gut zu erkennen sind. Nun kommen die gebirgigen Umrandungen des Mare Crisium in Sicht, dessen Fläche auch in dieser schrägen Beleuchtung sehr glatt erscheint und fast kraterlos ist. Im Norden erscheint nun wieder die kraterreiche Landschaft mit Cleomedes und Atlas am Rande des Lacus Mortis, und dann taucht die hügelige Landschaft an der Nordspitze der Mondsichel auf. Nun zeigt ein Pfeil auf die Objekte. Er beginnt mit de la Rue, Atlas und Endymion. Weiter geht der Blick auf Franklin und Messala und nach Süden auf Geminus und Cleomedes. Im Mare Crisium sind die kleinen Krater Peirca, Picard und Yerkes zu sehen und am Ostrande die sogenannte Mondbrücke, die hier einmal vermutet wurde. Weiter südlich am Rande des Mare Foecondidatis zeigt der Pfeil auf Langrenus mit dem Krater-Trio Langrenus F. und darüber Vendelinus. Am westlichen Rande des Mare Feocundidatis erscheint das Pyrenäen-Gebirge sehr plastisch am Terminator. Der interessante Krater Petavius mit seiner linienartigen Verwerfung, Snellius, Stevinus und Fenerius schließen sich an. Vorbei am Rheitatal zeigt der Pfeil auf Steinheil/Watt und Biela, und dann endet die Rundreise bei Boussingault an der südlichen Spitze der Mondsichel.

Anschließend wird eine Reportage gezeigt, die anläßlich des 200. Geburtstags von Wilhelm Beer, des Berliner Mondforschers, in der Berliner Staatsbibliothek und in der Wilhelm-Foerster-Sternwarte aufgenommen wurde (siehe auch Protokoll 398). Eine Ausstellung mit den Arbeiten von Beer und Mädler wird bis zum 1.3.97 in der Berliner Staatsbibliothek, Potsdamer Str. 33, gezeigt. Ein gemeinsamer Besuch mit der Mondgruppe wird vorgeschlagen.


Dann weist Herr Voigt auf die astronomischen Ereignisse des Jahres 1997 hin:

Partielle Mondfinsternis am 24.3.1997, die am frühen Morgen um 2.40 Uhr MEZ beginnt und um 8.38 Uhr endet. Der Mond geht allerdings schon um 5.58 Uhr unter.

Totale Mondfinsternis am 16.9.1997. Hier erfolgt der Halbschatteneintritt bereits um 17.11 Uhr, also vor dem Mondaufgang, der um 18.12 Uhr MEZ erfolgt. Die Totalität ist von 19.15 bis 20.17 Uhr MEZ zu beobachten.

Die beiden Sonnenfinsternisse sind bei uns nicht zu beobachten. Am 9.3.97 ist eine Finsternis total in Sibirien und in der Mongolei sichtbar. Die zweite, partielle Sonnenfinsternis ist am 12.9.97 in Australien und in der Antarktis zu sehen.

Am 12.11.1997 wird Saturn vom Mond bedeckt. Bei einer Phase von 2 Tagen vor Vollmond und einem Stand von nur 15deg. über dem Horizont um 2.20 Uhr MEZ wird die Beobachtung vielleicht etwas schwierig sein.

Ein weiteres Ereignis wird die Erscheinung des Kometen Hale-Bopp sein, der im März/April 1997 eine voraussichtliche Helligkeit von 0 bis -2 mag ereichen wird und zwischen Schwan, Eidechse, Andromena und Perseus seine Bahn ziehen wird. Dabei ist er sowohl am Abend- als auch am Morgenhimmel sichtbar. Die Bahn des Kometen verläuft senkrecht zur Äquatorebene.


Anschließend zeigt Herr Voigt eine Video-Aufzeichnung des ZDF aus der Serie "Sonne, Mond und Sterne" über den Mond. Hier eine kurze Zusammenfassung:

Es beginnt mit einer mythischen Betrachtung des Nachtgestirns, dem in früheren Zeiten viele nächtliche Erscheinungen, oft grausamer Art, zugesprochen wurden. Im Glanze einer Vollmondnacht erschwammen zu alten Zeiten die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Imagination. Was immer sich mit vernünftigen Gründen nicht erklären läßt, wird dem Wirken des erdnahen Begleiters unterstellt. Schon bei den alten Ägyptern war die immer wiederkehrende Neuerscheinung des Mondes nach seinem Verschwinden bei Neumond ein Symbol für die Auferstehung nach dem Tode, welches wahrscheinlich von spätereren Religionen übernommen wurde. Galilei glaubte noch 1610 bei der ersten Betrachtung des Mondes mit dem neu erfundenen Fernrohr, daß unser Trabant erdähnlich beschaffen sei, mit Gebirgen, Tälern, Meeren und Vulkanen bedeckt. Erst in unserem Jahrhundert wurde der Mond ein Ziel genauer Erforschung. Mit Apollo 11 wurde der Traum einer Reise zum Mond wahr. Der Film zeigt den Start von Apollo und Bilder des ersten Aufenthaltes von Menschen auf dem Mond.

Im Namen der Menschheit wurde erstmals ein anderer Himmelskörper als Besitz markiert durch das Aufstellen einer Fahne der USA. Der Blick vom lebensfeindlichen Erdbegleiter auf die am Himmel stehende blaue Erdkugel als dem einzigen Planeten, auf dem menschliches Leben möglich ist, läßt das Gefühl für die Verantwortung der Menschheit zur Erhaltung der Lebensbedingungen auf der Erde intensiv fühlbar werden. Auf den Hochflächen der Côte d'Azur wird auf der Station "Laser-Lune" mit Laserstrahlen die Entfernung und damit die Bahn des Mondes auf den Zentimeter genau bestimmt. Mit Hilfe von ca. 1 qm großen Reflektoren, die bemannte und unbemannte Raumfahrtmissionen auf der Mondoberfläche zurückließen, wurde dies möglich, denn sie spiegeln die ausgesandten Laserstrahlen zurück, und aus deren Laufzeit kann die genaue Entfernung berechnet werden. Durch die Gezeitenreibung entfernt sich der Mond jedes Jahrzehnt um etwa einen Meter weiter von der Erde. Auch wird die Rotation der Erde dadurch etwas gebremst. Die Gezeiten sind die auffälligsten Einwirkungen des Mondes auf die Erde. Der Film zeigt den Einfluß von Ebbe und Flut auf das Meeresgetier und die Arbeit der Fischer. Das Gezeitenkraftwerk an der Mündung der Ranca bei Saint Malo nutzt den 13,5 m großen Tidenbub zur Stromversorgung.

Der Film endet mit der Zukunftsvision der Mondbesiedelung und vielleicht die Nutzung des Mondes als Zwischenstation auf dem Wege zum Mars oder als Beobachtungsstation für astronomische Objekte, unbeeinflußt von der störenden Erdatmosphäre.

Herr Voigt dankt den Teilnehmern für ihre Beiträge und ihre Aufmerksamkeit und schließt die Sitzung um 21.30 Uhr.

Die nächste Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter findet statt am

Montag, dem 10. Februar 1997, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Voigt
zt, Tost


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