WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
MIT ZEISS-PLANETARIUM BERLIN

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Protokoll der 400. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 10. Februar 1997

Beginn: 20.00 Uhr Ende: 22.30 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Jensch, Pitts, Reibetanz, Schmitz, Sävecke, Schürmann, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Braschwitz, Fettgenheuer, Hartmann, Dr. Hasse, Hensel, Hiesinger, Jahn, Kunert, Mackowiak, Preuschmann, Rose, Schumacher, Starzynski, Tost und Voigt.

Herr Tost begrüßt zur Eröffnung die zahlreich erschienenen Teilnehmer an der 400. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter mit einem Dank an Herrn Voigt für die erfolgreiche Leitung der Gruppe. Dann begrüßt Herr Voigt den langjährigen ehemaligen Leiter der Mondgruppe und Wissenschaftlichen Leiter a.D. der Wilhelm-Foerster-Sternwarte, Herrn Adolph Kunert, sowie Herrn Hans Schumacher, der bereits an der 1. Sitzung und Gründung der Gruppe Berliner Mondbeobachter am 31. 3. 1956 teilnahm. Einen Dank auch an die Damen und Herren, die den heutigen Jubiläums-Abend mit Kaffee, Kuchen und Sekt festlich gestaltet haben, und auch einen Dank an Frau Schürmann für einen Blumenstrauß.

Dann erklärt Herr Voigt: Seit drei Jahren wird versucht, mit Video-Aufnahmen des Mondes anstelle der direkten Beobachtung die Kenntnisse der Mondformationen zu erweitern und aufzufrischen und damit dem Namen der Mondbeobachter gerecht zu werden: Heute ist neben der 3 Tage alten Mondsichel das Erdlicht zu erkennen. Der Terminator liegt bei +45 Grad. Die Betrachtung beginnt auf der Südseite mit den Kraterfeldern und geht weiter zum Rand des Mare Foecunditatis mit den deutlich sichtbaren Dorsa, den Meeresrücken. Das Mare Crisium kommt in Sicht mit seiner gebirgigen Umrandung. Am Terminator das Taurusgebirge und der Rand des Lacus Somniorum. An der kraterreichen Nordseite soll ein Pfeil auf die Objekte hinweisen. Er zeigt auf De la Rue, Strabo, Endymion, Atlas, Franklin, Cepheus, Geminus, Messala und Cleomedes. Am Rande des Mare Crisium die vermutete Mondbrücke. Nach Süden folgen Taruntius im Mare Foecunditatis, Langrenus, Vendelinus mit Lohse und Lamé. Dann erscheint Petavius, ein interessanter Krater mit mehrfachem Zentralberg und einer Rille, die auf einer eingeblendeten Aufnahme von Herrn Cook von der BAA sehr gut zu erkennen ist. Nach Süden folgen Snellius und Stevinus, und dann geht der Blick zum Rheitatal, das sich zwischen Young und Rheita erstreckt. Vorbei an Steinheil und Watt folgt Biela, und bei Hagecius endet die Rundreise. Die Libration war mit -2 Grad. in Länge für die westlichen Randgebiete ungünstig. Als Vergleich wird eine Aufnahme bei +6,5 Grad. gezeigt, auf der auch die Randmare gut zu sehen sind, wie das Mare Marginus -das Randmeer-, das Mare Anguis -das Schlangenmeer-, weiter die Maria Undarum -Wellenmeer-, Spumans -schäumendes Meer-, Mare Smythii und das Mare Australe -das Südmeer.

Anschließend weist Herr Voigt auf die Mondfinsternis hin, die sich partiell am 24.3.97 ereignen wird und um 2.40 MEZ beginnt. Mitte der Finsternis mit einer Bedeckung von 0,924% ist um 5.39 Uhr; jedoch geht der Mond schon um 5.58 Uhr unter, so daß die Schattenaustritte kaum zu beobachten sind.

Die 400. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter gibt Anlaß zu einer Rückschau auf die Anfänge der am 31.3.1956 von Horst Burkhard Brenske gegründeten Gruppe (siehe Protokoll Nr. 1 in der Anlage). Die 50. Sitzung kommentierte Herr Brenske folgendermaßen: "Es ist das Schicksal der meisten Gruppen von Amateurastronomen, die sich zum Zweck gemeinsamer Beobachtung und Auswertung der Beobachtungsergebnisse zusammengeschlossen haben, nach kurzer Zeit wieder auseinanderzufallen. Die Anforderungen, die Beruf und Leben an den Einzelnen heute stellen, lassen es immer schwerer werden, halbe Nächte am Fernrohr zu durchwachen. Langsam erlischt die zunächst mit großer Begeisterung begonnene Beobachtertätigkeit. Das über vierjährige Bestehen der Gruppe Berliner Mondbeobachter zeigt, daß sie dem, besonders in den ersten Jahren, drohenden Auflösungsprozeß widerstanden hat."
Diesen Worten könnte man auch heute durchaus zustimmen.

Einen kurzen Blick in die Geschichte der Wilhelm-Foerster-Sternwarte und die Geschichte der Mondgruppe soll ein Videofilm zeigen, der folgendermaßen kommentiert wird: Unser Mond, oder wie in anderen Sprachen La Luna, die Schwester unseres Heimatplaneten, ist für einen Amateurastronomen zunächst das interessanteste Beobachtungsobjekt, denn seine Oberfläche läßt eine Fülle von Einzelheiten erkennen, die es mit dem Fernrohr zu erforschen gibt. Damit beginnt auch die Geschichte der Gruppe Berliner Mondbeobachter. In den Ruinen einer ehemaligen Kaserne in der General-Pape-Straße 2 hatten vor nunmehr 50 Jahren die Straßenastronomen Hans Mühle und Hans Rechlin mit einer Gruppe von interessierten Jugendlichen das Gebäude enttrümmert und Fernrohre aufgestellt. Sie gründeten das Wilhelm-Foerster-Institut, benannt nach dem ehemaligen Direktor der Berliner Sternwarte und Gründer der Urania-Volkssternwarte. Unter der Obhut des ehemaligen Direktors des Berliner Planetariums am Zoo, Richard Sommer, und von Edmund Heckscher gewann die Sternwarte an Popularität, und erste Besucher und auch Schulklassen kamen zu Beobachtungen zum 7"-Refraktor. Erste Mondaufnahmen wurden mit dem Refraktor gewonnen. Die Kellerräume des Gebäudes wurden zunächst notdürftig ausgebaut, und erste Vorträge wurden gehalten und Volkshochschulkurse veranstaltet. Am 31.3.56 entschloß sich eine Anzahl von Mitgliedern des nun neu gegründeten Vereins Wilhelm-Foerster-Sternwarte e.V., die Mondbeobachtung intensiv zu koordinieren. Einer der ersten Teilnehmer war Harro Zimmer, später bekannt als Raumfahrtexperte beim Sender RIAS und viele Jahre 1. Vorsitzender der WFS. Er baute damals, nach dem Start des Sputnik I am 4.10.1957, eine Radiostation, um Signale der Satelliten zu empfangen. Inzwischen war der stark beschädigte Bamberg-Refraktor aus der im Kriege zerschossenen Kuppel der Urania-Sternwarte mit Hilfe der amerikanischen Besatzungsmacht in die Papestraße transportiert worden und nach Instandsetzung unter Leitung von Herrn Mühle wieder einsatzbereit. Die Gruppe Berliner Mondbeobachter hatte somit ein gutes Instrument zur Beobachtung zur Verfügung. Unter Leitung von Herrn Brenske wurde ein Beobachtungsprogramm zusammengestellt, dessen Schwerpunkte folgende Objekte waren: Das System Aristarch und Herodot mit dem Schrötertal war das Lieblingsobjekt von Brenske. Aristarch ist der hellste Punkt auf dem Monde. Seine Innenstruktur wurde in Zeichnungen dargestellt, und Fotografien in unterschiedlicher Beleuchung wurden ausgewertet. Wechselnde Helligkeiten, vor allen Dingen am "Kobrahaupt", wurden von Zimmer als Lumineszenzerscheinungen gedeutet. Weitere Objekte waren das Ringgebirge Plato mit seiner bei verschiedenen Phasen wechselnden Helligkeit. Beim Alpenquertal ergab sich die Frage, ob es in das Mare Imbrium mündet oder ob der Ausgang verschlossen ist. Gegenstand der Erörterungen war auch der Krater Linné, dessen winziges Kraterloch seit dem 18. Jahrhundert verschwunden sein sollte; auch in den besten Fernrohren ist er nur als weißer Fleck im Mare Serenitatis zu erkennen, jedoch zeigt die Nahaufnahme, daß ein kleines Kraterloch vorhanden ist. Das Rillensystem Ariadaeus, Hyginus und Trisnecker ist oft und unterschiedlich gezeichnet worden. Eine weitere Frage war, ob der Rand des Mare Tranquillitatis zum Mare Serenetatis durch Lavaflüsse gebildet wurde. Die vielfach erwähnte "Mondbrücke" zwischen den Caps Lavinius und Olivium am Rande des Mare Crisium sollte nach P.H. Wilkens bestehen. Lange wurde darüber diskutiert, jedoch ist keine Brücke vorhanden. Die dunklen Flecken im Alphonsus waren ein weitere Beobachtungsobjekt, wie auch der Krater Wargenthin, der völlig mit Lava gefüllt ist. Die Strahlen von Tycho, Kopernikus und Kepler sollten nach Vorschlag von Dr. von Gordon, dem seinerzeit wohl besten Kenner des Mondes, aufgelistet und ihre Lage gezeichnet werden. - Soweit einige Aufgaben, die sich die Mondgruppe gestellt hatte.

Der Film macht einen Sprung von 10 Jahren. Aus den primitiven Räumlichkeiten in der Papestraße war die Sternwarte auf den Insulaner umgezogen, und am Fuße des Insulaners wurde ein Planetarium gebaut. Der Film zeigt die Feierlichkeiten des Richtfestes am 4.6.1964. Die Gruppe Berliner Mondbeobachter hatte sich wesentlich vergrößert. Auf der 100. Sitzung am 18.3.1965 zeigte Herr Voigt einige Aufnahmen des Mondes in verschiedenen Phasen, aufgenommen mit einer speziell gebauten Kamera, die Focalaufnahmen am Bamberg-Refraktor in voller Größe ermöglichte. So entstand die Idee, den Mond in allen Phasen zu fotografieren und daraus einen Mondatlas herzustellen, der als Hilfsmittel für Beobachter dienen sollte. In intensiver Zusammenarbeit mit Hans Giebler entstand so innerhalb von 6 Jahren der BERLINER MOND-ATLAS, der in der Zwischenzeit in zwei weiteren Auflagen veröffentlicht wurde. Der "Wettlauf zum Mond" entfachte ein großes Interesse der Öffentlichkeit an unserem Erdbegleiter. Dementsprechend gestalteten sich auch die Themen der Zusammenkünfte der Gruppe. Die Aufnahmen der Mondsonden, die sehr präzise Einzelheiten der Mondoberfläche fotografierten, waren für die Mitglieder der Mondgruppe außerordentlich aufschlußreich.

Dann war es soweit, die Amerikaner hatten den Wettlauf zum Mond gewonnen. Mit dem Apollo-11-Raumschiff und dem Lander Eagle betraten die ersten Menschen den Mond. Der Film zeigt die Aktivitäten der Astronauten auf der Mondoberfläche. In den Protokollen 326 bis 354 hat Herr Liebold, Leiter der Mondgruppe von 1987 bis 1989, die Erlebnisse der Astronauten von 1969 bis 1972 mit Apollo 11 bis 17 sehr eingehend beschrieben. Mit Apollo 17 wurde von der amerikanischen Regierung der wissenschaftliche Nutzen weiterer geplanter vier Flüge in Frage gestellt. Die Nation wurde wieder von irdischen Problemen eingeholt. Das öffentliche Interesse am Mond erlosch damit. Lediglich die Sonde Clementine, die Wasser auf dem Mond entdeckt zu haben glaubte, entfachte die Phantasie aufs neue. Sensationsmeldungen gingen durch die Zeitungen. Von Mondstationen und der Besiedelung des Mondes war die Rede und von Ferien auf dem Mond im nächsten Jahrtausend. Der Film endet mit der scherzhaften Frage: "Vielleicht findet die 1000. Sitzung der GBM schon auf dem Mond statt ??"

In unserer Mondgruppe ist das Interesse am Mond jedoch weiterhin sehr lebendig, wenn auch alte Diskussionen, wie das Thema der Kraterentstehung inzwischen weitgehend geklärt sind. Im Protokoll 100/65 wurde z.B. ein Brief von einem Herrn Friedrich Beck zitiert, der mit den Worten beginnt: "Unser Mond ist urvulkanisch" und welcher heftige Diskussionen auslöste zwischen den Anhängern der endogenen, also vulkanischen Kraterentstehung und denen der exogenen, also durch Meteoriten-Einschläge verursachten Kraterentstehung. Herr Starzynski hatte seinerzeit bereits die Einschlagstheorie verteidigt, die sich dann später durch Untersuchung des Mondgesteins auch bestätigte.


Anschließend berichtet Herr Harald Hiesinger von der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR) über die Auswertungen von Satelliten-Mondaufnahmen:

Nach der Galileo-Mission, die auf ihrer langen Reise zum Jupiter das Erde-Mond System in den Jahren 1990 und 1992 beobachtete, ist Clementine die zweite Mission seit dem Ende des Apollo-Programms, die den Mond zum Ziel hatte. Ursprünglich für die Beobachtung des Asteroiden Geographos konzipiert, wurde für Clementine eine dreimonatige Beobachtungskampagne des Mondes eingeplant, um die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit sowohl des Raumschiffs als auch der an Bord befindlichen Instrumente zu demonstrieren.

Die Instrumentierung von Clementine bestand aus vier Kamerasystemen, von denen eines mit einem zusätzlichen Laseraltimeter (LIDAR) ausgestattet war. Alle Kamerasysteme und das Laseraltimeter wurden am Lawrence Livermore National Laboratory entwickelt. An Bord von Clementine befand sich eine Kamera, die im ultravioletten bis sichtbaren Bereich des elektromagnetischen Spektrums arbeitete (UVVIS Kamera), zwei Kameras, die Strahlung im nahen (NIR Kamera) bzw. langwelligen Infrarot (LWIR Kamera) detektierten, sowie eine hochauflösende Kamera (HIRES Kamera).

Die photogrammetrische Auswertung der Bilder der UVVIS Kamera ist eine anspruchsvolle Methode der digitalen Bildverarbeitung. Diese Auswertung ist nur möglich, wenn einzelne Gebiete unter verschiedenen Aufnahmewinkeln aufgenommen wurden. Zunächst werden in einem ersten Schritt interaktiv gemeinsame Punkte, sog. konjugierte Punkte in zwei Bildern gesucht, mit Hilfe derer anschließend in einer Ausgleichsrechnung Fehler in den Bahn- und Lagedaten des Raumschiffs korrigiert werden. Im zweiten Schritt nimmt man diese verbesserten Navigationsdaten um aus einer großen Zahl automatisch bestimmter konjugierter Punkte mittels der Parallaxe ein digitales Geländemodell zu berechnen. Solch ein Geländemodell konnte für einen schmalen Streifen im östlichen Mare Orientale berechnet werden.

In der Geologie ist neben dem Alter und der mineralogisch-chemischen Zusammensetzung vor allem die Höheninformation von besonderer Bedeutung für die Interpretation einer Oberfläche. Diese Höheninformation war vor der Clementine-Mission nur in sehr geringem Umfang und ungenau verfügbar. Am Institut für Planetenerkundung wurde deshalb nach Eintreffen der Daten mit der Berechnung von digitalen Höhenmodellen ausgewählter Gebiete begonnen. Die komplexen Arbeiten an diesen Höhenmodellen sind für das Mare Orientale am weitesten fortgeschritten, wenngleich sie auch noch nicht abgeschlossen sind, so daß hier nur vorläufige Ergebnisse präsentiert werden konnten. Die räumliche Auflösung des Höhenmodelles, das eine Fläche von 60 km x 600 km abdeckt, beträgt ca. 200 m pro Pixel, die Höhenauflösung beträgt ca. 50 m. Gegenüber den Höhenmessungen des Clementine LIDAR Instruments konnte mit der photogrammetrischen Auswertung von Stereobildpaaren die räumliche Auflösung um das 38-fache verbessert werden. Betrachtet man den Mond von der Erde aus, hat man für gewöhnlich den Eindruck, die Mondoberfläche sei flach. In Wirklichkeit gibt es aber Höhenunterschiede von bis zu 16 km zwischen niedrigestem und höchstem Punkt. Im Falle des Mare Orientale konnten wir Höhenunterschiede von ca. 7 km nachweisen. Im 41 km durchmessenden Krater Kopff liegt der Kraterboden um etwa 2.400 m unterhalb des Kraterrandes. Noch extremer werden die Höhenunterschiede am Nordrand des Lacus Veris wo innerhalb weniger Kilometer 5.000 m Höhenunterschied überwunden werden. Das. Kordillierengebirge (durch den Impakt aufgetürmte Ringstruktur) erhebt sich ca. 3.000 m über eine relativ homogene Fläche innerhalb des Beckens. Stellt man sich einen Astronauten vor, der sich in dieser Umgebung bewegt, so hätte er zweifellos einen ähnlichen Eindruck wie ein Wanderer in der Nähe eines irdischen Hochgebirges.

An den steilen Flanken der Gebirge kommt es zu Hangrutschen, die sich in den multispektralen Daten bei geeigneter Verarbeitung identifizieren lassen.Wir interpretieren die hellblauen Farben in diese speziellen Verarbeitungen als frisches Material, das durch die Hangrutsche freigelegt wird. Frisches Material wird auch durch den Impakt jüngerer Krater exponiert, so daß auch diese in den Falschfarbendarstellungen hellblau erscheinen. Ein schönes Beispiel solch eines jungen Kraters findet sich innerhalb des Kraters Kopff. Dieser kleine frische Krater zeigt zusätzlich eine asymmetrische Ejektadecke, da der Auswurf im Osten durch die Kraterwand des Kraters Kopff begrenzt wurde und nur sehr wenig Material den Kraterrand überwinden konnte.

Insgesamt hat die Clementine Mission unser Wissen über den Mond besonders in Hinblick auf die lunare Topographie und Zusammensetzung deutlich erweitert. Viele Dinge konnten mit Clementine zum erstenmal erkannt bzw. durchgeführt werden, so daß Clementine, nach fast 20-jähriger Vernachlässigung der Monderkundung durch Raumsonden, ohne Zweifel als Meilenstein in der Mondforschung zu sehen ist. Die Ergebnisse weisen aber leider auch einige gravierende Mängel auf. Zu nennen sind hier vor allem die schlechte Farbkalibration der Kameras, die Artefakte verursachende Datenkompression, die geringe Phasenwinkel-abdeckung, die ungenauen Bahn- und Lagedaten des Raumschiffs und die geringe Stereoabdeckung äquatornaher Gebiete. Zwar lieferte Clementine zum erstenmal hochauflösende Bilder der Polgebiete, jedoch erreichte die Auflösung der Aufnahmen in den meisten übrigen Gebieten nicht die der Lunar Orbiter- bzw. Apollo-Aufnahmen aus den 60er- und frühen 70er Jahren.

Das Interesse der Planetenforscher am Erdmond hat aus guten Gründen in den letzten Jahren wieder stark zugenommen. Schließlich wurde auf dem Mond ein Zustand der frühen Entwicklungsgeschichte des Sonnensystems gewissermaßen "eingefroren". Neben der geologisch hochdifferenzierten Erde ist der Mond als geochemisch wenig differenzierter Körper praktisch das inverse "Endglied" in der Entwicklung der terrestrischen "Planeten" des inneren Sonnensystems. Nicht nur, weil der Mond der am nächsten gelegene Himmelskörper ist, erscheint die weitere wissenschaftliche Erforschung des Mondes und ein neuer, umfassender, vor allem spektraler, Datensatz daher unerläßlich. Clementine hat gezeigt, daß die Kartierung der Mondoberfläche mit räumlich und spektral hochauflösenden Kameras, die gleichzeitig eine gute Stereoabdeckung ermöglichen und einen großen Phasenwinkelbereich abdecken, nur von einer Raumsonde im Mondorbit möglich ist. Neben der unmittelbaren wissenschaftlichen Ausbeute erleichtert bzw. ermöglicht solch eine Kartierung alle weiteren Schritte in der Monderkundung wie z.B. die geplante "LEDA" Mission der ESA, die das Absetzen eines Rovers am Südpol vorsieht. Tatsächlich denkt die ESA über eine im Mondorbit operierende Sonde nach, die die oben erwähnten Anforderungen erfüllen soll. Die Verwirklichung solch einer Mission ist zweifellos notwendig. Denn eines ist klar, Clementine konnte nur anreißen, was für eine Fülle an Erkenntnissen mit modernen Kameras gewonnen werden kann.


Anschließend zeigt Herr Hensel einige Aufnahmen des 5,8 Tage alten Mondes, gewonnen am 100/1000-Teleskop mit einer Nikon F 3 und 2x Tele-Converter. Trotz der 1/60 s Belichtungszeit ist die Schärfe nicht optimal, wie auch auf den Bildern mit Okularprojektion. Zur Scharfeinstellung sollte eine Mattscheibe verwendet werden, denn die Klarglasscheibe, auch mit Fadenkreuz, garantiert keine sichere Focussierung.

Nun bittet Herr Voigt alle Interessenten, die an der Besichtigung der Ausstellung der Arbeiten von Wilhelm Beer in der Staatsbibliothek am 22.2.97 um 10 Uhr teilnehmen wollen, sich zu diesem Termin in der Potsdamer Str. 33 einzufinden.

Herr Voigt bedankt sich bei den Referenten und bittet Herrn Starzynski, ein von ihm Anlaß der 400. Sitzung verfaßtes Gedicht vorzutragen, zum Rosenmontag:

Berliner Mondgucker

Ist ein Fernrohr wo zu seh'n,		Die Amis stiegen etwas weiter,
guckt man durch und find't es scheen,	sie stiegen auf den Mond mit Leiter;

Und was sich am meisten lohnt,		Die stieg'n nicht rauf, die stieg'n runter
ist der Blick zu unserem Mond.		von der Rakete so ganz munter.

Papestraß' ging los die Schau,		Viele Jahr' sind nun vergangen;
da sah man Krater ganz genau.		es blieb das "Mondbeguckverlangen".

Zum erstenmal kam da die Kunde		Und plötzlich guckt man ganz verwundert,
von der Mondbeobacht'-Runde.		die Sitzung heißt ja schon vierhundert!

Später kam der Umzug, klar,		Und weil der Mond um die Erde eiert,
ick weeß nich, ob det Fastnacht war.	wird die Vierhundert jetzt gefeiert.

Am Insulaner kam man an,
wo man den Mond nun nah' seh'n kann.

Dann beginnt der gemütliche Teil der Sitzung, den alle genießen, und mit vielen Gesprächen endet der eindrucksvolle Abend.

Die nächste Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter findet wegen der Osterferien statt am Montag, dem 14. April 1996, um 20.00 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Hiesinger gez. Hensel gez.Starzynski gez. Voigt
zt, Tost

Anlage: Protokoll der 1. Sitzung


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