WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
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Protokoll der 401. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 14. April 1997
Beginn: 20.00 Uhr Ende: 21.20 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Jensch, Pitts, Sävecke, Schmitz, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Fettgenheuer, Hensel, Jahn und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und gibt bekannt, daß trotz der politischen Schwierigkeiten in den letzten 2 Monaten weitere 12 Briefe aus dem Iran eingetroffen sind mit der Bitte um die Protokolle der Mondgruppe.

Zu Beginn zeigt Herr Voigt eine Video-Aufzeichnung des aktuellen Mondes, der in der heutigen zunehmenden Phase, 6,8 Tage nach Neumond, am Himmel steht. Der Terminator liegt bei +10 Grad. Zum Beginn eine Übersicht der kraterreichen Südseite. Catharina, Cyrillus und Theophilius am Rande des Mare Nectaris, das vermutlich vor ca. 4 Milliarden Jahren - wie alle Maria - durch Einschläge von Planetesimalen entstanden ist, wie auch das Mare Tranquillitatis vor ca. 4,2 Milliarden Jahren. Das Lavabecken des Mare Serenitatis, vermutlich 4 Milliarden Jahre alt, wie auch das Mare Frigoris. Bei der Betrachtung in stärkerer Vergrößerung ist es immer wieder erstaunlich, von wie vielen Meteoriteneinschlägen unterschiedlicher Größe die Kraterlandschaft in der Frühzeit des Mondes gebildet wurde. Links im Bild erscheinen das Altai-Gebirge und das Mare Nectaris. Von der Lavamasse des Mare Tranquillitatis zum Teil überflutet ist der Krater Julius Cäsar. Das Haemus-Gebirge begrenzt das Mare Serenitatis, in dem die Dorsa, die Meeresrücken, zu erkennen sind. Der Kaukasus am Terminator und Aristoteles, der bereits im Mare Frigoris liegt. Noch einen Blick von Nord nach Süd, wobei ein Pfeil auf die Formationen hinweisen soll. Es erscheinen die Krater Meton - de Sitter - Barrow - W.Bond - Protagoras - Aristoteles - Eudoxus und darüber der versunkene Krater Alexander. LinnÇ, die Apenninen und die Krater Sulpicius Gallus - Menelaus - Agrippa - Ariadaeus mit der Rille. An Godin und Lade vorbei, kommt der Landepunkt von Apollo 16. Delambre und darunter Sabine und Ritter - Theophilius-Cyrillus und Katharina erscheinen sehr plastisch, und darüber der Beginn des Altai-Gebirges, an dessen Rand Piccolomini liegt. Mit den Kratern Geber - Azophi - Sacrobosco - Gemma-Frisius sowie Mutus und Manzinus endet die Betrachtung.

Anschließend zeigt Herr Hensel sieben Aufnahmen der partiellen Mondfinsternis vom 24.3.1997 in unterschiedlichen Eintrittsphasen, aufgenommen mit seiner Nikon F3 am 100/1000-mm-Teleskop auf Ilford Pan F mit 1/60 bis 4 s. Er berichtet, daß durch z.T. hohe Schleierwolken die Färbung der Schattenseite kaum rötlich, eher grau erschien, zumal die Dämmerung bereits begann.

Anschließend zeigt Herr Bock eine Reihe von Dias. Zunächst ein paar Schnappschüsse von der feierlichen 400. Sitzung und dann einige Aufnahmen des Kometen Hale-Bopp. Am 1.2.97 um 5.30 Uhr ist er noch etwas schwach erkennbar, im Pfeil stehend. Am 8.2.97 mit 30-50-135 und 300 mm Brennweite bei Belichtungszeiten von 5 - 15 s ist der Schweif schon zu erkennen, wie auch auch am 11.2.97, jedoch war die Belichtungszeit für eine gute Darstellung zu kurz. Einige Aufnahmen von Herrn Voigt, gewonnen am 9.3.97 um 5 Uhr und am 5.4.97 um 21.30 Uhr, zeigen die Schweifstruktur bei Belichtungszeiten von 1 bis 8 min, mit Nachführung, recht eindrucksvoll. Verwendet wurde ein 400 ASA-Film Fujichrome und 5,6/210 und 8/500-Objektive.

Anschließend zeigt Herr Voigt eine Video-Zusammenstellung über den Innenaufbau des Mondes und den im Vergleich dazu völlig unterschiedlichen Aufbau des Erdinneren und den vermutlichen Aufbau der Venus, über den sich die Forscher noch streiten. Der Film wird folgendermaßen kommentiert:
Die Strukturen der Mondoberfläche wurden seit der Erfindung des Fernrohres immer genauer erforscht und kartographiert. Maria nennt man die dunklen Flecken, von denen man zu Beginn glaubte, sei seien Meere. Sie erwiesen sich als lavaüberflutete Becken als Folge von riesigen Meteoreinschlägen. Die Krater, von denen man lange Zeit glaubte, sie seien vulkanischen Ursprungs, wurden durch Materialuntersuchungen der während der Apollo-Missionen gesammelten Gesteine eindeutig als Narben vieler Meteoriteneinschläge in der Frühphase der Mondentstehung vor 3,5 bis 4 Milliarden Jahren, einer aktiven Phase, die vor 3 Milliarden Jahren im wesentlichen beendet war. öber die Entstehung des Mondes gibt es mehrere Theorien. Die heute am meisten akzeptierte ist, daß die Erde in der Frühphase ihrer Bildung von einem ca. marsgroßen Körper getroffen wurde. Ein Teil der Erdkruste wurde in den Raum geschleudert; daraus bildete sich dann der Mond. Eine Computersimulation zeigt diesen Vorgang. So hat der Mond keinen Eisenkern, also auch kein Magnetfeld wie unsere Erde. Sein Kern besteht wahrscheinlich aus einem Gestein von der Zusammensetzung eines anorthositischen Grabbos, also aus schwerem, weichen Tiefengestein der Zusammensetzung 52% Plagioklas, 35% Pyroxen, 10% Orthopyroxen und Olivin. Dieser Kern ist umgeben von der leichteren Lithosphäre und der äußeren Kruste. Eine Abbildung aus dem Buch "Geologie auf dem Mond" von Guest/Greenly, die den Mond im Schnitt zeigt:

Mond im Schnitt (17 kB)

Gemessen wurde die Zusammensetzung durch auf dem Mond stationierte Seismometer, welche den Verlauf von natürlich und künstlich erzeugten Mondbeben registrierten. Die seismischen Signale sind auf dem Mond von ganz anderer Art als die auf der Erde registrierten: Sie sind von extrem langer Dauer, wobei sie allmähliche Zu- und Abnahmen ihrer Intensität zeigen. Diese Besonderheiten werden am besten durch die Anwesenheit einer trockenen und heterogenen Schicht erklärt, die die Oberfläche bedeckt. Wahrscheinlich handelt es sich um Regolith oder zerbrochenes Grundgebirge. In einer solchen Schicht werden die seismischen Wellen in hohem Maße gestreut, während das darunterliegende elastische Material nicht streuend wirkt. Infolgedessen müssen die meisten seismischen Daten auf dem Mond aus den Kompressionswellen oder Primärwellen abgeleitet werden.

Der Mond ist also ein toter, erstarrter Himmelskörper. Ganz im Gegensatz dazu ist unser Erdinneres noch sehr aktiv. Unter der Erdkruste von einigen tausend Metern Tiefe gibt es zähflüssiges 1000-4000 Grad C heißes Magma. In diesem äußeren Mantel steigt das Magma auf und ist der Motor der Veränderungen. In 670 km Tiefe wird das Magma zäher und dichter. Hier finden Konvektionen statt, also Wärmeströmungen, welche die Krustenbewegungen verursachen und im Endeffekt die Ursache für Kontinentalverschiebungen sind. Durch Eruptionen von Vulkanen werden große Mengen von Wärmeenergie nach außen transportiert. Mit Hilfe von Seismometern kann man Rückschlüsse auf den Innenaufbau der Erde ziehen. Erdbebenwellen durchlaufen das Erdinnere mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Richtungen. Auf Grund dieser Messungen nimmt man heute an, daß die Erde neben einem äußeren und innen Mantel aus Magma auch einen äußeren Kern aus flüssigem Eisen mit einer Temperatur von 5000 Grad C und im Zentrum einen festen Kern besitzt, der aus einem gigantischen Eisenkristall von 2.440 km Durchmesser besteht, der in seiner Masse die des Mondes übertrifft.

Über die innere Beschaffenheit unseres Nachbarplaneten Venus gibt es einen Gelehrtenstreit. Der Film zeigt den amerikanischen Forscher McKensy, der die Ansicht vertritt, daß die Venus, wie unsere Erde, eine gleichförmige Entwicklung durchmacht. Die Ansichten der Oberfläche mit ihren Gebirgen und Tälern ähneln unseren Landschaften, abgesehen von der hohen Temperatur und der dichten Atmosphäre. Die Venus-Lithosphäre, also die äußere Kruste, muß also sehr dünn sein, damit die innere Wärme ungehindert abstrahlen kann. Die Venus muß nach außen soviel Wärme verlieren wie im Innern erzeugt wird. Jedoch kann sich McKensy nicht erklären, wie die Wärme nach außen dringen soll, denn es gibt keine Vulkane, die aktiv sind, und auch sonst keine tektonischen Verwerfungen wie auf der Erde. Im Gegensatz zu diesem Modell meint sein Gegner Turket, daß die Oberfläche der Venus 500 Millionen Jahre unverändert bleibt. In dieser Zeit schwillt die Lithosphäre immer stärker an. Sie wird schließlich 300 km dick. Die Wärme staut sich im Planeteninnern und bringt den ganzen Planeten zum Bersten. Danach herrscht wieder für viele Millionen Jahre Ruhe. Die beiden Theorien - die der Gleichförmigkeit und die Katastrophentheorie - hängen also von der Dicke der Lithosphäre ab. Mit Hilfe der Venus-Sonde Magellan versuchte man Schwerkraftdaten zu gewinnen, um daraus Werte für die Dicke der äußeren Kruste abzuleiten, jedoch war die Interpretation der Messungen sehr schwierig. So bleibt nach wie vor die Streitfrage, ob die Lithosphäre der Venus 100 oder 300 km dick ist. Das beste wäre, meint McKensy, eine Sonde mit Seismometern auf der Venus zu landen, die Bebenmessungen durchführen und damit die Streitfrage klären könnten.

Zum Abschluß weist Herr Voigt auf einen Artikel in SuW 4/97 S. 337 hin, der über die Belebung der Mondforschung durch die Japaner berichtet:
Schon im Sommer 1997 will das japanische Institut für Weltraum- und Raumfahrtforschung ISAS die Sonde Lunar-A auf den Weg zum Erdtrabanten bringen. Sie dient vor allem der Erkundung, ob der Mond tatsächlich nur ein erkalteter, geologisch "toter" Himmelskörper ist. Lunar A befördert drei "Penetratoren", von denen sie zwei über der sichtbaren und einen über der erdabgwandten Seite des Erdtrabanten abwerfen soll. Die 90 cm langen geschoßähnlichen Körper sollen mit 900 bis 1080 km/h auf der Mondoberfläche einschlagen und etwa 2 Meter tief in sie eindringen. Mit Seismographen sollen sie nach Mondbeben suchen. Zugleich soll gemessen werden, ob es noch eine Wärmeströmung aus dem Mondinneren zur Oberfläche gibt. Die räumliche Verteilung der Penetratoren soll es ermöglichen, den Ursprung möglicher Beben zu lokalisieren. Die NASA hatte während des Apollo-Mondlande-Unternehmens schon einmal Seismographen auf der Mondoberfläche aufgestellt. Diese registrierten aber nur Einschläge auf der Oberfläche. Die japanischen Seismometer sollen noch empfindlicher sein. Auf jeden Fall ist die Messung möglicher Wärmeströmungen in der Mondkruste eine wissenschaftliche Erstleistung. Die Messungen sollen mindestens ein Jahr andauern. So lange wird die Sonde in der Umlaufbahn um den Mond kreisen und bei jedem öberflug alle zwei Wochen die Meßdaten der Penetratoren empfangen, um sie zur Erde weiterzugeben

Herr Voigt dankt den Teilnehmern für ihre Beiträge und ihre Aufmerksamkeit und schließt die Sitzung um 21.20 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am

Montag, dem 12. Mai 1997, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Bock   gez. Hensel   gez.Voigt
zt, Tost,


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