WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
MIT ZEISS-PLANETARIUM BERLIN

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Protokoll der 402. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 12. Mai 1997
Beginn: 20.00 Uhr Ende: 21.25 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Pitts, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Fettkenheuer, Hasselbach, Laufer, Preuschmann, Tost und Voigt.


Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und zeigt zum Beginn den aktuellen Mond in der Phase, wie er heute abend am Himmel steht. Die Video-Aufzeichnung beginnt auf der Nordseite. Der Terminator liegt bei +20 Grad. Die Krater Arnold und Meton erscheinen direkt an der Schattengrenze. Weiter nach Süden beginnt das Mare Frigoris mit dem Lacus Mortis, dem See des Todes, mit dem Krater Bürg und westlich davon Hercules und Atlas. Oberhalb des Lacus Somniorum, dem See der Träume, liegt Posidonius am Rande des Mare Serenitatis. Er ist plastisch zu sehen wie auch die Dorsa Smirnow und Lister und der halbversunkene Krater Le Monier, Landepunkt der Sonden Luna 21 und Lunochod 2. Weiter südlich erscheint das Taurus-Gebirge mit dem Krater Littrow, dem Landegebiet von Apollo17. Plinius liegt am Beginn des Mare Tranquillitatis, in das ein Gebirgsrücken mit dem Krater Hypatia hineinragt. Nun erscheint die eindrucksvolle Kette Theophilius, Cyrillus und Catharina, deren Strukturen bei dieser Beleuchtung sehr plastisch zu erkennen sind. ôstlich davon liegt das Mare Nectaris mit dem halbversunkenen Krater Fracastorius. Vom Terminator zieht sich aufwärts das Altai-Gebirge bis zum Picolomini; südlich davon Zagut, Rabbi-Levi und Riccius. Im kraterzerfurchten Südteil des Mondes fallen Vlacq und Hommel durch ihre Gestalt auf. Mit dem Blick auf Mutus und Manzinus endet die Betrachtung.


Anschließend haben Herr Tost und Herr Laufer das Wort:

Herr Tost stellt das Programm des Symposiums Exploration of the Moon and Mars vor, welches vom 11.-13. Juni in Berlin Adlershof stattfindet. Besonders interessant ist der erste Tagungstag, der den Mond zum Thema hat. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Auswertung der letzten Mondmission "Clementine" und der Bewertung ihres Datenmaterials. Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist die Berechnung von Stereodaten. Dann die Vorschläge für neue Mondmissionen als europäischer oder gar deutscher Orbiter. Des weiteren wird eine kleine Mission mit einem sogenannten Sonnensegler diskutiert werden und die Vorstellung einer neuen Kamera für hochauflösende Bilder mit globaler Abdeckung. Als Höhepunkt für die Wilhelm-Foerster-Sternwarte gilt bei diesem Symposium auf jeden Fall die öffentliche Abendveranstaltung am Mittwoch, dem 11. Juni. An diesem Tag spricht der Planungschef der NASA, Jesco Freiherr von Puttkamer, im Planetarium zum Thema "Standort Weltall - Von der Internationalen Raumstation zum Jahrtausendprojekt Mars". Zu dieser Veranstaltung werden auch die vielen internationalen Wissenschaftler im Planetarium anwesend sein.


An dieses Thema anschließend, berichtet Herr Laufer von der Arbeit des Subcomittee on Lunar Development unter der Leitung von Prof. em. Dr. H. H. Koelle. Diese Gruppe beschäftigt sich mit der Erstellung von Konzepten zur Errichtung von bemannten Mondstationen Anfang des nächsten Jahrtausends. Im Rahmen von Fragen an aktive Mitglieder des Subcommittees werden Ideen, Aufgaben, aber auch Probleme und Hindernisse auf dem Weg zur Rückkehr zum Mond bewertet und Arbeitspakete zusammengestellt. Die gewonnenen Daten fließen in die bereits vorhandene Datenbasis, die Ende 1996 insgesamt 55 Dokumente mit über 400 Seiten umfaßt und mehrere Programmalternativen für eine bemannte Mondstation und die dazugehörige Infrastruktur beschreiben.
Die Fragestellungen in 1996 beschäftigten sich vor allem mit politischen und gesellschaftlichen Hindernissen, die eine Rückkehr des Menschen zum Mond verzögern oder verhindern, und Strategien zur öberwindung dieser Hindernisse. Ebenso wurden Konzepte zur Energieversorgung und zur Treibstoffgewinnung auf dem Mond bewertet und der Einsatz von Robotik im Rahmen der Monderforschung und -entwicklung geprüft.
Die Datenbasis steht im Internet unter http://vulcain.fb12.tu-berlin.de/ILR/personen/hh_koelle.html zum Abruf bereit und soll vor allem Planern als Entscheidungshilfe und Informationsgrundlage dienen, um schnellstmöglich umsetzbare Konzepte an der Hand zu haben, wenn die politischen Entscheidungsgremien solche Programme initiieren.


Nach diesem instruktiven Vortrag berichtete erneut Herr Tost über einen interessanten Aspekt in der Weltraumforschung. Ausgehend von einem Artikel im englischen Wissenschaftsmagazin "New Scientist" vom Frühjahr diesen Jahres, stellte er die Frage nach der Glaubwürdigkeit von Meßergebnissen der erdumkreisenden Satelliten. Der erwähnte Artikel behandelte das Phänomen, das jeweils zum Vollmond die Temperatur in den Polgebieten um einige Bruchteile eines Grades höher war als üblich, was zunächst durch eine ungewöhnliche Luftströmung im Bereich der Pole erklärt wurde, ausgelöst evtl. durch Gezeitenphänomene. Ideen, wonach es sich hierbei darum handeln könnte, daß das vom Vollmond reflektierte Sonnenlicht dem Satellitensensor eine höhere Temperatur von wenigen hundertstel Grad vorgaukelte, wurden hier zwar angerissen, jedoch zunächst als unwahrscheinlich zurückgewiesen. In der aktuellen Ausgabe vom "New Scientist" war erneut ein Artikel zu lesen, der dieses Problem anschnitt. Hier wurde deutlich, daß Temperaturmessungen am Erdboden um jeweils die geringe Differenz von 0,05 bis 0,13 Grad unterschiedlich angegeben wurden, je nachdem, welcher Satellit im Einsatz war. Hier stellte sich deutlich das Problem, ob die Meßgeräte der jeweiligen Satelliten korrekt kalibriert worden sind. An systematischen Untersuchungen an den Temperaturdaten war zu erkennen, daß das Temperaturniveau jeweils beim Einsatz eines neuen Satelliten abrupt auf einen anderen Wert überging. Diese Schwankungen sind zwar sehr klein, werfen aber doch ein bedenkliches Licht auf die Interpretation der Daten, da aus ihnen je nach Meßperiode entweder ein globaler Temperaturanstieg oder -abfall herausgelesen werden konnte. Inwieweit damit Prognosen zur Umweltproblematik eventuell zu relativieren sind, muß so schnell wie möglich untersucht werden, nicht zuletzt durch exaktere Kalibrierungen der Meßgeräte von Erdsatelliten.


Zum Abschluß zeigt Herr Voigt einen Video-Bericht über den Ausgang eines Versuches, mit der Station Biosphäre II die Überlebungsbedingungen in einer Raumstation auf dem Mond oder auf Mars zu testen. Der Film wird wie folgt kommentiert:
In der Wüste von Arizona wurde der Komplex als Prototyp einer außerirdischen Kolonie errichtet. Acht Forscher und Ingenieure hatten sich 1991 in die 7000 qm große Öko-Station einschließen lassen. Künstliche Felder hatte man angelegt wie auch Gemüsebeete, Tierställe und natürliche Lebensräume, Regenwald, Wüste, einen Mangrowensumpf, eine Savanne und einen Mini-Ozean. Um einigermaßen konstante Klimabedingungen zu erhalten, wurden 1.500 Sensoren installiert. Das so gut gedachte System kippte jedoch nach und nach um. Der Sauerstoffgehalt der Luft war nach 80 Tagen von ursprünglich 21 auf 14% gesunken; das entspricht einer Sauerstoffkonzentration in einer Höhe von 6.000 m. Schuld daran waren die fruchtbaren Böden, die so reich an kohlenstoffhaltigen Verbindungen und Mikroorganismen waren. Dadurch wurde ein großer Teil des Sauerstoffs verbraucht. Die Gewässer wurden von Algen überwuchert. Ein großer Teil der Tier- und Pflanzenwelt war bald ausgestorben. 19 der 25 Wirbeltierarten verschwanden, ebenso die Schmetterlinge und Bienen und andere Bestäuber, jedoch vermehrten sich Ameisen, Kakerlaken und Schnecken. Der Aufenthalt wurde zur reinen Überlebensfrage. Die Luft enthielt bald soviel Lachgas, daß damit der Gehirnstoffwechsel der Forscher gefährlich gestört werden konnte. Die Lebensfähigkeit einer isolierten Erdkolonie konnte mit diesem Experiment nicht bewiesen werden. Auch in einem zweiten Anlauf 1994 mußte der Versuch abgebrochen werden.


Herr Voigt dankt den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit sowie den Referenten für ihre Beiträge und schließt die Sitzung um 21.25 Uhr.

Die nächste Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter findet statt am

Montag, dem 9. Juni 1997, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Tost     gez. Laufer     gez. Voigt
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