WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
MIT ZEISS-PLANETARIUM BERLIN

Munsterdamm 90 * D-12169 Berlin * Tel. 030 / 790 093-0 * FAX: 030 / 790 093-12


Protokoll der 404. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 11. August 1997
Beginn: 20.00 Uhr Ende: 21.35 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Schmitz und Thom sowie die Herren Bock, Braschwitz, Fettkenheuer, Jahn, Mackowiak, Wenzel und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und gibt bekannt, daß wiederum drei Briefe aus dem Iran mit der Anforderung des Protokolls der Mondgruppe eingetroffen sind.

Der Mond in der Phase des heutigen Abends wird anschließend gezeigt: Der Terminator liegt bei -4 Grad, also nahe der Mitte der zunehmenden Mondscheibe. Bei dieser Beleuchtung sind die Kraterlandschaften und Ringgebirge besonders plastisch zu sehen. Schauen wir zunächst auf die kraterreiche Südseite. Da die Luft während der Aufnahme am 16.1.97 sehr ruhig war, sind die Strukturen klar zu erkennen. Nach den heutigen Erkenntnissen soll diese Kraterlandschaft bereits zu einer Zeit entstanden sein, als die Erde noch eine heiße Kugel war, also vor ca. 4 Milliarden Jahren, und erst danach füllten sich die Maria-Becken mit Lava auf. Die Randkrater und Gebirge wurden dabei vollständig bzw. teilüberflutet, was an den Rändern der Maria zu erkennen ist. Bei stärkerer Vergrößerung ist zu sehen, daß sich die Krater zum Teil überlappen. Unmittelbar am Terminator erscheint die Kraterkette Walter, Regiomontanus und Purbach. Darunter Arzachel, Alphonsus und Ptolemäus. Weiter nördlich kommen der Sinus Medii, die Bucht der Mitte, in Sicht und der Schneckenberg mit dem Mare Vaporum, dem Meer der Dünste, wie auch die Hyginus- und links davon die Ariadaeus-Rille. Dann erscheinen das Gebirge der Apenninen und der Caucasus, der die Maria Serenitatis und Imbrium trennt. Zum Terminator hin erstrecken sich die Alpen mit dem Quertal und darunter das Mare Frigoris, das Kältemeer. Im beleuchteten Teil sind Catharina, Cyrillus und Theophilius sehr eindrucksvoll zu sehen. Die besonders günstige Libration von +6,5 Grad in Länge läßt auch die selten zu sehenden Randmaria gut erkennen: Das Mare Marginis, das Randmeer - das Mare Angius, das Schlangenmeer - das Mare Undarum, das Wellenmeer - Mare Spumans, das schäumende Meer - sowie die Maria Smithii und Mare Australe (Südmeer).

Anschließend weist Herr Voigt auf die anstehende totale Mondfinsternis am 16.9.97 hin, die allerdings schon vor Mondaufgang beginnt.
Die Daten für Berlin: (Alle Zeitangaben in MESZ)

18:11 hEintritt in den Halbschatten
19:08 hEintritt in den Kernschatten
20:16 hBeginn der totalen Verfinsterung
20:47 hMitte der Finsternis
21:18 hEnde der totalen Verfinsterung
22:25 hAustritt des Mondes aus dem Kernschatten
23:22 hAustritt des Mondes aus dem Halbschatten

Eine Filmaufnahme der Finsternis vom 24.6.64, die anschließend gezeigt wird, zeigt den Eintritt des Mondes in den Kernschatten in Zeitraffertechnik. Bei dieser Finsternis war die Mondscheibe während der Totalität völlig unsichtbar als Folge eines Vulkanausbruches. Im März 1993 verdunkelte der Ausbruch des Agnung die Erdatmosphäre so stark mit seinen Staubwolken, daß kein Streulicht den verdunkelten Mond erhellen konnte. Bei der zu erwartenden Finsternis dürften, sofern sich kein nennenswerter Vulkanausbruch ereignet, ähnliche Helligkeiten zu erwarten sein wie am 27.9.96, die auf der Danjonskala den Wert L=3 bis 4 erreichten. Die langjährige Wirkung des Pinatubo-Ausbruches ist offensichtlich vorüber. Hingegen könnte die erdnahe Stellung des Vollmondes - er durchläuft am Finsternisabend sein Perigäum - geringfügig dunkler werden lassen. Perigäische Mondfinsternisse verlaufen nämlich im allgemeinen dunkler als apogäische, weil der Vollmond im ersteren Fall weiter vom Scheitel der Kernschattenspitze entfernt steht und somit weniger "Rotlicht" empfängt. (Daten: SuW 8-9/97)

Um das Ereignis auch erfolgreich im Bilde festzuhalten, gibt Herr Hartmann folgende Tips: ... fehlenden Text hier noch einsetzen ....

Weitere Ratschläge zur Fotografie des Mondes im Mondprotokoll 395 vom 9.9.1996.

Unter dem Titel "Was bedeutet das Erscheinen des Kometen Hale-Bopp?" zeigt Herr Bock eine Video-Aufzeichnung von "Monitor", die in satirischer Form auf die Erscheinung eingeht. Ist der Komet ein Zeichen des Himmels, kündet er große Veränderungen an, oder nutzen ihn Außerirdische als Tarnung, um sich unbemerkt der Erde zu nähern? Eine Trickaufnahme zeigt einen scheinbaren Astronomen, der beobachtet, daß sich aus dem Schweif des Kometen ein UFO löst und im Rhein, vor den Regierungsgebäuden in Bonn, landet. Eine Gestalt steigt aus dem Rhein. Ein gespreizter kleiner Finger deutet darauf hin, daß es sich um einen Außerirdischen handelt. Dieselbe Fingerposition bei Politikern deutet vielleicht darauf hin, daß sie eventuell doch von Außerirdischen beeinflußt werden ???

Die Bedeutung der Astronomie in Presse, Fernsehen und Literatur ist das nächste Thema, das zunächst von Herrn Voigt angesprochen wird. Er sagt dazu: "In meiner Jugendzeit, in den 30er Jahren, war die Astronomie ein Gebiet, das so ziemlich außerhalb des Interesses der Öffentlichkeit stand. Wenn ich abends bis in die Nacht auf dem Balkon durch mein selbstgebasteltes Fernrohr in den Himmel schaute, meinte die Familie, daß mein Hobby doch etwas kurios sei und außerhalb des täglichen Lebens stehe. Auch in der Schule wurde die Himmelskunde nur im Geologieunterricht kurz gestreift. Heute dagegen vergeht kein Tag, an dem nicht über astronomische Themen in den Medien berichtet wird. Nachdem die voraussichtliche Entdeckung von Eis auf dem Mond mit den sich daraus ergebenden Möglichkeiten der Besiedelung unseres Trabanten durch alle Medien ging, trat besonders in letzter Zeit die Pathfinder-Mission mit der Marslandung in den Mittelpunkt der Berichterstattung. Von Frau Sävecke und Herrn Bock erhielt ich dankenswerterweise darüber viele Zeitungsausschnitte. In den Nachrichten des Fernsehens waren die Mission Pathfinder und die Aktivitäten des Rovers Sojourner in fast jeder Sendung vertreten. Dabei passierte auch schon einmal ein Ausrutscher. So berichtet die BZ am 2.9.97 über herrliche rote Sonnenuntergänge auf dem Mars, während am gleichen Tage die Berliner Morgenpost über einen farblosen, grauen Sonnenuntergang berichtet!"

Über früheres Leben auf dem Mars wird viel spekuliert. Zu diesem Thema "Mars" stellt Herr Mackowiak einige neu erschienene Literatur vor.

Herr Voigt dankt den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und Beiträge und schließt die Sitzung um 21.35 Uhr.

Die nächste Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter findet statt am

Montag, dem 8. September 1997, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Voigt     Hartmann     Bock
zt, Tost


Berliner Mondbeobachter (Index)
Kurse und AG's
WFS Homepage