WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
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Protokoll der 405. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 8. September 1997 Beginn: 20.00 Uhr Ende: 21.30 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Pitts, Sävecke, Thom sowie die Herren Bock, Fettkenheuer, Hartmann, Heger, Hensel, Hesselbach, Jahn, Starzynski, Tost, Wenzel und Wühle.

In Vertretung des im Urlaub befindlichen Herrn Voigt eröffnet Herr Tost die Sitzung. Der Abend beginnt mit einem Problem: Der Videorekorder hat offensichtlich bei der Wiedereinweihung des Bamberg-Refraktors am 30.8.1997 und dem "Tag der offenen Tür" Schaden erlitten und läßt sich nicht aktivieren. Die traditionelle Videosequenz über die aktuelle Mondphase muß daher leider entfallen.
Die am 16.9.1997 stattfindende totale Mondfinsternis wird angekündigt. Jeder wird aufgerufen, diese zu beobachten und Bilder, Videos etc. zur nächsten Mondgruppe oder zur Astronomischen Arbeitsgemeinschaft mitzubringen.
Weiterhin wird eine Sonderveranstaltung angekündigt, die am 22.9.1997 im Planetarium stattfindet: Die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse der Mars Pathfinder Mission werden von den drei deutschen beteiligten Instituten in einer gemeinsamen Veranstaltung vorgestellt. Beteiligt sind das Institut für Planetenerkundung der DLR und die Max-Planck-Institute für Aeronomie und für Chemie.
Herr Hartmann zeigt ein Bild des Asteroiden Vesta, welches er aus dem Internet gezogen hat. Die Aufnahmen des Hubble-Space-Telescopes lassen große Krater auf Vestas Oberfläche erkennen. Offensichtlich muß es eine riesige Menge von Bruchstücken des Asteroiden geben. Angeblich sollen bis zu 68 % alle Asteroiden sogar von Vesta abstammen.
Herr Tost hat zwei neue Bilder der Mars Pathfinder Mission dabei. Eines zeigt einen Sonnenuntergang auf dem Mars; das andere eine chemische Analyse eines Steines, die mit dem Alpha-Protonen-Spektrometer an Bord des kleines Mars-Rovers gewonnen wurde.

Mars und Mond sind der Hauptgegenstand der folgenden Ausführungen. Herr Tost berichtet vom Moon/Mars-Symposium, welches vom 11.-13.6.1997 in Berlin-Adlershof stattgefunden hat. Zu diesem Symposium waren alle wesentlichen Wissenschaftler zum Thema Mond, Mars und Raummissionen zusammengekommen. Aus der Fülle der ca. 60 Vorträge werden einige wenige etwas ausführlicher dargestellt:

Ein Vertreter der DARA stellte das deutsche Raumfahrtprogramm vor. Quintessenz: Kleinere Missionen, weniger Instrumente, kürzere Lebenszeiten. Überall muß gespart werden, es sind keine finanziellen Reserven vorhanden. Es gibt vier geplante Missionen: eine evtl. zum Mond, zwei undefinierte und die Beteiligung an der Internationalen Raumstation (ISS).

Zwei unterschiedliche Vorträge, die aber in dieselbe Richtung wiesen, waren übertitelt mit "Warum zum Mond?" und "Warum zum Mars?". Der Mond steht dabei im Zeichen der vier Stufen "Erforschung", "Robotische Präsenz", "Nutzung der lunaren Ressourcen" und "Menschlicher Stützpunkt".
Der Mars soll zum gemeinsamen Ziel der gesamten Menschheit nach Beendigung des "Kalten Krieges" werden. Hier kann sich internationale Kooperation zeigen an Robot- oder bemannten Missionen und der permanenten Präsenz im All. Neue Technologien müssen entwickelt werden, deren Randbedingungen "geringer Energieverbrauch" und "Miniaturisierung von Raumschiffen und Instrumenten" sind, zusammen mit "Künstlicher Intelligenz" und Telepräsenz durch ferngesteuerte Anlagen. Neben wissenschaftlichen Fragen wie der vergleichenden Planetologie und der Entwicklung von Leben auf dem letzten der terrestrischen Planeten gibt es dann noch den Aspekt des menschlichen Stützpunktes unter eventueller Einbeziehung von künstlichen Ökosystemen und des "Terra-forming". Man muß sich zudem klarmachen, daß der Mars der letzte Planet sein wird, der von Menschen besucht werden wird.

Ein Vertreter des JPL gab eine kurze Darstellung des NASA Mars Programms. Zur Mars-Sonde "Pathfinder" (dies war etwa ein Monat vor der Landung) sagte er knapp, daß es sich hierbei eigentlich nur um eine "Technology Mission" handelt, die einzelne technische Probleme klären helfen soll. Neben der neuen Landemethode mit Airbags gelten als Ziele die punktgenaue Landung sowie das Verstehen, wie Maschinen auf den Marsstaub reagieren. Sobald die Sonde nur einige Meter durchhält, gilt dies schon als Erfolg, der mittlerweile ja erheblich übertroffen wurde. Als weiteres technologisches Ziel gilt die Sauerstoffproduktion; hingegen wurde klar, daß die NASA keinerlei seismologische Untersuchungen auf dem Mars durchführen wird.

Als europäische Mondmission wurde "EuroMoon2000" vorgestellt, für die im Jahre 2000 eine Landung am "peak of eternal light" am Südpol des Mondes geplant ist. Während ein ca. 80 kg Orbiter aus der Umlaufbahn des Mondes Daten sammeln soll, wird ein ca. 4 kg leichter Lander mit einer Genauigkeit von weniger als 2 km im Südpolgebiet aufsetzen. Vier Minuten vor der Landung soll der Lander neu orientiert werden, wobei das genaue Ziel von der Erde aus bestimmt wird. Ein mit einem Kabel verbundener Mikro-Rover soll dann in den im Schatten befindlichen Krater einfahren und Proben nehmen. Auch ein Experiment mit dem ersten biologischen Ökosystem auf dem Mond ist vorgesehen.

Ein guter Bekannter in der Mondgruppe, Herr Tony Cook, gab einen sehr interessanten Vortrag. Er nannte eine Reihe von Vorschlägen, wie man mit einfachen Mitteln gute Stereoauflösungen aus dem Orbit gewinnen kann. Dazu gehören Strategien für einfache und mehrfache Vorbeiflüge, polare und geneigte Umlaufbahnen sowie Mehrfach-Missionen. Auf Planeten mit Farbe (z.B. Mars) darf man fürs Stereomatching keine verschiedenen Farbfilter verwenden. Die Beleuchtung darf 5 Grad, evtl. 10 Grad, maximal 15 Grad betragen, sonst kann es keine Stereoinformationen geben. Die Bildkompression muß kleiner als zehnfach sein. Größere CCD-Arrays sind von Vorteil, da die Anzahl der zu matchenden Bilder sinkt. Lange Brennweiten und Auflösungen kleiner als eine Bogensekunde sind gefordert. Mittels eines rotierenden Spaltes kann man 3D-Bilder von einem Lander bekommen, der nur eine einzige Kamera dabei hat.

Als Kuriosum wurde ein neues "Geoid" für den Mars vorgestellt. Herr Zeitler von der DLR hat aus 1113 Bildern der Viking-Missionen 15.000 Koordinaten neu vermessen und daraus ein neues Modell für den Planeten erstellt. Dadurch ist der Olympus Mons zwar immer noch der größte Vulkan des Sonnensystems, aber seine Höhe schrumpft von 27 km auf 23 km. Könnte dies der Akzeptanz des neues Geoids entgegenwirken?

Zurück bei den Raumfahrtmissionen stellte Prof. Koelle von der TU Berlin vor, daß man Mond- und Marsmissionen nicht als Konkurrenten betrachten muß, sondern daß sie durch ihre Gemeinsamkeiten gut voneinander Vorteile ziehen können. Man muß eine größere Blickweite entwickeln. Die Kosten sinken dramatisch, wenn die Basis größer wird. Auf einer bemannten Mondstation sinken die Kosten pro Platz auf 1 % gegenüber einer kleinen Station, wenn man über die Zeit mittelt. Kosten von 1 Million Dollar pro Person für einen Flug zum Mond sind so möglich. Ein entscheidender Kostenfaktor ist immer die Erstentwicklung von Technologien.
Ansätze für die Kosten für eine bemannte Mars-Mission wurden von ihm und einem weiteren Vortragenden gegeben. Dabei sind Zahlen von 5-10 Milliarden Dollar pro Jahr für 10 Jahre in Folge ein realistischer Ansatz. Die APOLLO-Missionen haben 100 Milliarden heutige Dollars gekostet, aber für 10 Missionen und mit erheblichen Neulandentwicklungen.

Herr Tost dankt den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und Beiträge und schließt die Sitzung um 21.30 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am Montag, dem 10. November 1997, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Tost


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