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Protokoll der 407. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 8. Dezember 1997     Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.30 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Hensel, Pitts, Sävecke, Schmitz und Thom sowie die Herren Fettkenheuer, Hartmann, Mackowiak, Tost, Voigt und Wenzel.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und zeigt den aktuellen Mond in der Phase, wie er heute am Himmel steht:
Die Video-Aufzeichnung zeigt den 9 Tage alten Mond mit der Terminatorlage von -15 Grad, aufgenommen am 17.1.97 bei recht guter Luft. Zunächst der Überblick über die kraterreiche Südseite mit Maginus und Tycho. Direkt am Terminator liegt Pitatus über der Langen Wand am Rande des Mare Nubium, des Wolkenmeeres. Darunter die eindrucksvolle Kraterkette Arzachel, Alphonsus und Ptolemäus. Am Terminator tauchen Guericke und Parry gerade aus dem Schatten auf; Eratosthenes ist sichtbar am Ende der Apenninen, die sich zum Caucasus erstrecken. Plato und das Alpental begrenzen das Mare Imbrium, das Regenmeer, und darunter das Mare Frigoris, das Kältemeer. Dann erscheint die kraterreiche Nordseite. Bei stärkerer Vergrößerung noch einmal ein Blick nach Süden: Goldschmidt ist gerade aus dem Schatten herausgetreten. Oberhalb von Plato sind die Berge, die aus dem Mare Imbrium herausragen, Pico, Piton, Spitzbergen und die Teneriffa-Berge, besonders plastisch zu sehen. Archimedes, Autolycus und Aristillus wandern durch das Bildfeld; am Terminator Timocharis. Oberhalb von Eratosthenes erscheinen der Sinus Aestuum, die Bucht der Hitze, und darüber das Mare Insularum sowie über dem Mare Nubium das große Ringgebirge Deslandres.

Anschließend zeigt Herr Hartmann eine Videoaufnahme der Saturnbedeckung durch den Mond vom 12.11.97 . Die Aufnahme entstand in Spandau, einfach vom Balkon aus. Als Aufnahmeinstrument diente ein Meade-2080 Schmidt-Cassegrain-Teleskop mit einer Öffnung von 20 cm. Die Brennweite betrug 2 m, es wurde fokal im Brennpunkt mit einer Canon Ex2-Hi Videokamera aufgezeichnet. Umgerechnet auf Kleinbildformat, entspricht dies einer Brennweite von ca. 11.5 m . Wegen der ungünstigen Witterung (Cirren vor dem Mond) mußte die Belichtungszeit auf 1/25 sec. verlängert werden, außerdem konnte die Aufnahmebrennweite daher auch nicht sinnvoll weiter gesteigert werden.

Der Bedeckungseintritt fand am dunklen Mondrand statt, nahe Aristarch, der sehr schön hell leuchtete. Saturn und Mondrand waren gleichzeitig im Gesichtsfeld der Kamera. Wegen der tiefen Stellung des Mondes von nur 15 Grad über dem Horizont war das Seeing jedoch nicht sehr gut. Bei Saturn war wenigstens der Ring erkennbar, wegen der geringen Brennweite jedoch keine weiteren Strukturen, Saturnmonde waren nicht zu erkennen. Der gesamte Bedeckungsvorgang dauerte ca. 55 Sekunden, wobei der Beginn wegen der hohen Luftunruhe nicht genau bestimmbar war. Kurz vor Bedeckungsende verdichteten sich die Wolken vor dem Mond leider so stark, daß keine weitere Beobachtung möglich war.

Herr Tost hält einen kurzen Vortrag zur Erkundung des Mondes durch Raumsonden. In einer ersten Übersicht zeigt er eine Aufstellung über die bisher durchgeführten Missionen und die Art der von ihnen gesammelten Daten.
 Bilder Multispektr.Gamma RöntgenGravit. Magnet.Höhe Radar
Lunax        
Rangerx        
Zondx        
Surveyorx        
Explorer         
Marinerxx       
Lunar Orbiterx    x    
Apollox xx xx x
Galileoxx       
Clementinexx   x xx
Erdgebundenxx     xx

Mit Ausnahme von Apollo sind also erst mit den letzten Missionen Messungen vorgenommen worden, die über den optischen Bereich hinaus gehen. Die im Frühjahr 1998 beginnende Mission Lunar Prospectorwird ausdrücklich Messungen im nicht-optischen Bereich vornehmen.

Als nächstes wird die Lunar Orbiter IV -Aufnahme mit der Katalognummer 143H1 gezeigt. Auf ihr sind fast alle wichtigen Oberflächenstrukturen des Mondes zu sehen und so eignet sie sich sehr gut, um deren Vielfältigkeit exemplarisch aufzuzeigen. Dazu gehören Krater, Hochland, Becken, Graben, Kuppeln, Brüche, verschobene Brüche, überflutete Krater, dunkles Auswurfmaterial aus dem Oberflächenmantel und Zentralberge. (Siehe Bild1)
Von weiterem Interesse war auch die nächste Übersicht, die die Größenverhältnisse der verschiedenen geologischen Merkmale zusammenstellte. Diese reichen von millimetergroßen Mikro-Kratern bis zu über 1000 Kilometer großen Multiring-Becken. (Siehe Grafik) Es wird deutliche, das viele dieser Strukturen auch von der Erde aus beobachtet werden können, so z.B. Becken, komplexe Krater, Zentralberge, sekundäre Krater und Mare-Basalte. Einige wichtige Objekte bedürfen aber einer Auflösung von nur wenigen Metern, wie z.B. Bodendicke, Lavaflüsse, Blöcke, Geröll sowie Brüche. Um aufzuzeigen, wie wichtig eine hohe Auflösung der Daten ist, zeigt Herr Tost drei Bilder desselben Motivs in verschiedener Auflösung. Weder auf dem Bild mit 16m/Pixel noch mit 8m/Pixel ist zu erkennen, worum es sich wirklich handelt. Erst das Bild mit einer Auflösung von 40 cm pro Pixel zeigt, das es sich um Lavaflüsse am Vulkans Aetna handelt. Dieses Bild wurde mit der für den Mars entwickelten HRSC-Kamera des Institut für Planetenerkundung des DLR in Berlin-Adlershof von einem Flugzeug aus aufgenommen. Es demonstriert eindrücklich, wie wichtig gute Aufnahmen von Planetenoberflächen sind, um geologische Interpretationen wirksam unterstützen zu können. (Bild2+3)

Anschließend verliest Herr Mackowiak noch einige Rezensionen zu neu erschienenen Büchern.

Zum Abschluß dankt Voigt den Vortragenden für ihre Beiträge und den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit, wünscht allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in das neue Jahr und schließt die Sitzung um 21.30 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am Montag, dem 12. Januar 1998, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Hartmann , Voigt, Berliner Mondbeobachter (Index)
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