WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
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Protokoll der 408. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 12. Januar 1998    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.15 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Pitts, Sävecke, Tiedemann und Wühle sowie die Herren Bock, Fettkenheuer und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und wünscht allen ein frohes Neues Jahr mit recht viel Freude an der Mondbeobachtung und gibt bekannt, daß neben 5 weiteren Briefen aus dem Iran auch eine Anfrage von Herrn Gerhard Walitzki aus Dortmund eintraf mit der Bitte, ihn über Arbeitsprogramme, Hilfsmittel und Literatur über den Mond zu informieren und ihn zu beraten. Neben einigen Protokollen unserer Sitzungen werden wir ihm entsprechende Ratschläge geben.

Weiterhin berichtet Herr Voigt: Das monatlich erscheinende Circular der Lunar-Section der British Astronomical Association erhalte ich regelmäßig. In der November-Ausgabe berichtet Graham Hewick, daß er während der Beobachtung einer Sternbedeckung am 28.10.97 um 5.05 Uhr UT einen Limb Flash, eine kurzzeitige ca. 1 Sekunde dauernde Leuchterscheinung, auf der Schattenseite des Mondes beobachtet hat, von der er zunächst glaubte, den Einschlag eines Meteroriten auf der Mondoberfläche beobachtet zu haben. Er erklärt dazu: "Da das Erdlicht verhältnismäßig hell war, konnte ich den Ort der Leuchterscheinung an der Grenze zwischen Mare Tranquillitatis und Mare Serenitats zwischen den Kratern Dawes und Vitruvius lokalisieren. Alternative Erklärungen für die Erscheinung: Der Reflex des Sonnenlichtes von einer spiegelnden Oberfläche in meine Richtung oder die Leuchterscheinung eines senkrecht auf die Erde herabstürzenden Meteoriten, der verglühte." Diese Erklärung erscheint mir jedoch zu weit hergeholt im Verhältnis zu der Möglichkeit, doch einen Meteoriteneinschlag auf der Mondoberfläche beobachtet zu haben. Es könnte sein, daß jemand den Mond zu dieser Zeit beobachtet hat und dieses Ereignis oder auch gar keines gesehen hat. Ich bitte um Nachricht..

Das nächste Thema sind die Finsternisse im Jahre 1998. Mondfinsternisse finden keine statt, jedoch zwei Sonnenfinsternisse, zu denen allerdings weite Reisen erforderlich sind:
1. Totale Sonnenfinsternis am 26. Februar: Die totale Phase beginnt um 15.46.45 UT etwa 3000 km südöstlich von Hawaii mitten im Pazifik und bewegt sich ostwärts auf den südamerikanischen Kontinent zu. Um 16.56 UT trifft der Mondschatten auf die Galapagos-Inseln, berührt jedoch keine von ihnen. Die Breite der Finsterniszone beträgt 150 km, und die totale Verfinsterung dauert 3m56s. Um 17.43 UT berührt der Schatten den südamerikanischen Kontinent und bewegt sich zwischen Panama und Kolumbien. Über die Anden zieht er weiter in den Nordwesten Venezuelas, überquert das Karibische Meer und bewegt sich auf die Kleinen Antillen zu. Nach weiterer Überquerung der Karibik trifft er gegen 18.30 UT bei den Inseln Montserrat, Antigua und Guadeloupe ein und verläßt das Land, überquert den Atlantik und endet etwa 1000 km westlich der marokkanischen Küste.
2. Ringförmige Sonnenfinsternis am 21./22. August: Die zentrale ringförmige Finsternisphase beginnt über dem ostindischen Ozean, rund 1500 km vor der Westküste Sumatras, auf deren mittleren Teil sie gegen 0.18 UT trifft. Bei 11 Grad Sonnenhöhe kann der Ring 2m50s lang beobachtet werden. Weiter führt der Weg nach Malakka und West-Malaysia. Singapur bleibt außerhalb der Ringschattenzone. Über Sawarak, Kalimantan und den Sangir-Archipel führt die Finsternis über den Pazifik jenseits der Datumsgrenze.

Anschließend zeigt Herr Voigt den aktuellen Mond, der heute abend als Vollmond, umgeben von einem farbigen Halo, am Himmel steht. Die Video-Aufzeichnung wird wie folgt kommentiert: Die auffallendsten Objekte sind die dunklen Gebiete, von denen man früher annahm, sie seien Meere (lat. Maria), und die hellen Partien sollten Länder sein, also ähnlich wie auf unserer Erde, deren Oberfläche ja auch von Ländern und Meeren bedeckt ist. Ihre Namen erhielten die Maria von dem Jesuiten und Astronomen Riccioli, der sie 1651 in seinem Werk Almagestum Novum veröffentlichte. Zu dieser Zeit glaubte man noch, der Mond beeinflusse das Wetter: schönes Wetter bei zunehmendem Mond und schlechtes Wetter bei abnehmender Phase. So gab Riccioli den Maria die entsprechenden Namen:

Erstes ViertelLetztes Viertel
Mare Fecunditatis, Meer der FruchtbarkeitMare Imbrium, Das Regenmeer
Mare Tranquillitatis, Meer der RuheOceanus Procellarum, Ozean der Stürme
Mare Nectaris, Meer des NektarsMare Humorum, Meer der Feuchtigkeit
Mare Serenitatis, Meer der HeiterkeitMare Nubium, Wolkenmeer
Mare Frigoris, KältemeerSinus Roris, Bucht der Nässe
Mare Crisium, Meer der GefahrenSinus Iridum, Bucht der Regenbögen

Obwohl man heute weiß, daß die Mondphasen keinen Einfluß auf das Wetter ausüben, sind diese Namen weiter erhalten geblieben.
Die Entstehung der Maria wird in dem Buch von Guest und Greenly "Geologie auf dem Mond" nach den neuesten Erkenntnissen beschrieben:
Vor 4,6 Milliarden Jahren entstand die Sonne aus einem Urnebel. Der sie umgebende Materie-Ring kondensierte zu immer größeren Partikeln, aus denen schließlich die Planeten entstanden. Die Entstehung des Mondes glaubt man heute darauf zurückführen zu können, daß in dieser Frühzeit die Erde mit einem Körper von Marsgröße kollidierte und die in den Raum geschleuderten Trümmer den Mond bildeten. Die im Vergleich zur Erde geringere Masse des Mondes läßt den Schluß zu, daß er aus einem Teil der Erdkruste gebildet wurde. Nachdem sich der Mond verfestigt hatte, dauerte das Bombardement durch Gesteinsbrocken jeglicher Größe weitere 100 Millionen Jahre und erzeugte gewaltige Kraterfelder. Die ersten Krater wurden von weiteren Einschlägen zum Teil zerstört. Auf einer Aufnahme der Mondsüdseite sieht man deutlich, wie alte Kraterstrukturen von neueren überdeckt wurden. Die Spuren sind heute noch erhalten, denn auf dem Mond, der ja keine Atmosphäre und kein Wasser aufweist, findet kaum eine Erosion statt. Anhand von Mineralien, die von den Apolloflügen zur Erde gebracht wurden, konnten die Zusammensetzung und das Alter der Gesteine bestimmt werden, und so war es möglich, die Entwicklungsgeschichte des Mondes zu rekonstruieren. Nach dem Ende der großen Impakte vor ca. 3,8 Milliarden Jahren sah die Mondoberfläche aus wie die Rekonstruktion, die von Wilhelms und Davis gezeichnet wurde (Abb.1). Innerhalb von 300 Millionen Jahren waren die großen Becken entstanden. Die ältesten sind das Nectaris-Becken und das Crisium-Becken. Dann entstanden die Becken des Serenitatis, des Tranquillitatis sowie das Nubium- und das Humorum-Becken. Das jüngste ist vermutlich das Imbrium-Becken mit dem Iridum-Krater. Nach den großen Impakten floß aus dem noch heißen Mondinneren in den folgenden 500 Millionen Jahren Lava und füllte die Becken aus. Die Maria waren entstanden und hatten ältere Formationen überflutet, wie z.B. den Iridum-Krater, von dem nur noch der Rand erhalten ist. Die Rekonstruktion (Abb. 2) zeigt den Mond vor 3,3 Milliarden Jahren, zu einem Zeitpunkt, als die größte Menge der Mare-Materialien schon gefördert waren, zum Ende der Imbrium-Periode. Die späteren Ablagerungen und Krater waren noch nicht gebildet. Es fehlen zu dieser Zeit Kopernikus und andere Krater mit hellen Strahlen.

Die Zeit der Bildung der letzten Maria nennt man das das vor 3,2 Milliarden Jahren im wesentlichen abgeschlossen war. Danach gab es noch einige große Impakte, die man das Eratosthenische System nennt. Zu dieser Zeit entstanden Eratosthenes - Theophilius - Autolycus -Aristillus und auch viele kleinere Einschlagskrater in den Maria. Strahlen, welche die Einschläge verursachten, sind inzwischen, wie bei Aristillus zu erkennen, durch Überlagerung von weiteren Staub- und Schuttmassen verblaßt. Die jüngsten Krater zeichnen sich durch ihre Strahlenstruktur aus, die sie umgeben. Diese Zeit hat man das Kopernikanische System genannt. Zu ihr gehören Kopernikus - Kepler, Aristarch und Tycho, dessen Strahlen sich weit über die Mondoberfläche erstrecken und die dunklen Maria aufhellen.
Mit einigen Bild-Beispielen endet die Video-Zusammenstellung.

Auch heute noch werden Erde und Mond von Meteoren getroffen. Auf den Mond fallen sie ungebremst und hinterlassen bis zu winzigste Krater. Von der Erde werden sie durch die Atmosphäre abgebremst, und die meisten verglühen als Sternschnuppen. Herr Bock hat eine Aufstellung mit den Bezeichnungen dieser Objekte zusammengestellt:

Der Meteor ist Material außerirdischer Herkunft im Weltraum mit Zielrichtung Erde und Leuchterscheinung in der Erdluft in Höhen von 130 bis 180 km über dem Erdboden. Lufteintrittsgeschwindigkeit der Meteore: 0 - 80 km/s; dazu die Erdgeschwindigkeit um die Sonne von 30 km/s.
Lichtschwache Meteore Sternschnuppen; haben Größen unter 1 cm.
Lichtstarke Meteore Boliden oder Feuerkugeln; haben Größen über 1 cm.
Meteoride, auch Meteoroide sind die fliegenden leuchtenden Massen in der Luft.
Meteorite sind die liegenden Massen nach Auf- und Einschlag bis 2 m Tiefe auf der Erde.
Mikrometeore sind kleiner als 0,001 mm und werden in der Luft ohne Leuchten abgebremst. Ihr Fall ist unbeobachtbar. Sie landen unzerstört auf dem Erdboden. Sie sind dann als
Mikrometeorite nachweisbar.
Meteorische Koma ist die 7000 K heiße, leuchtende Gashülle um fliegende Feuerkugeln aus ionisierten Luft- und Meteormolekülen, die bei der Erhitzung und Abdampfung der Meteoridenoberfläche durch die Luftreibung entsteht. Sekundenlanges Leuchten bis 30 km Höhe, Geschwindigkeit durch Luftabbremsung auf 3 - 4 km/s gesunken, dann minutenlanger senkrechter Fall bis zur Landung auf dem Erdboden mit 20 - 50 m/s.
Meteoriten-Material 15 000 t täglich; 90% Gestein, 10% Metall, Ureilite = Kohlenstoff in Diamantenform sowie Mischungen von allen Materialien.
Herkunft: Urmaterial des Sonnensystems, Planetoiden-Trümmer, Kometen-Trümmer und Weltraumschrott von 3 400 Raketen und 500 aktiven Satelliten. 100 000 Raummüllteile von mehr als 1 cm Größe kreisen in Höhen von 200 bis 2 000 km mit Geschwindigkeiten von bis zu 30 000 km/h. 8 500 Raummüllteile über 10 cm Größe wurden mit Radar vermessen, 16 000 Raummüllteile sind seit dem Sputnik-Start wieder zur Erde zurückgekehrt.

Bisher wurden 10 000 Meteorite, die auf der Erde landeten, gefunden. Aus Meteoreisen schmiedeten die Ägypter ihre ersten Eisengeräte (Messer).

Anschließend zeigt eine Video-Aufzeichnung den Start der Mondsonde Lunar-Prospector, die nach einigen Verzögerungen am 7.1.98 startete. Ihre Aufgaben wurden im letzten Protokoll eingehend von Herrn Tost beschrieben. An Bord befindet sich ein Gefäß mit einem Teil der Asche des Astronomen und Kometenentdeckers Shoemaker, der bei einem Autounfall ums Leben kam. Sein sehnlichster Wunsch war es, einmal zum Mond zu fliegen; nun wird dieser Wunsch erfüllt.

Zum Abschluß rezensiert Herr Voigt das Heft "Schöpfung ohne Ende", ein "Sterne und Weltraum"-Special (ISSN 1434-2057, Nr. 2). Das Heft vermittelt einen umfassenden Überblick über den Stand der astronomischen Forschung, angefangen mit den Mythen alter Kulturen und ersten Erkenntnisse der Antike bis hin zu den heutigen Ergebnissen der Forschung. Die umfassende Darstellung unseres heutigen Weltbildes vermittelt dem Leser ein intensives Gefühl für den Schöpfungsprozeß, für die riesige Ausdehnung unseres Weltalls, angefüllt mit zahllosen Galaxien, in dem unsere Erde eigentlich nur ein winziges Staubkörnchen ist, allerdings bevölkert mit denkenden Menschen, die versuchen, die Geheimnisse der Schöpfung zu ergründen.

Herr Voigt dankt den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und Diskussionsbeiträge und schließt die Sitzung um 21.15 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am Montag, dem 9. Februar 1998, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Bock , Voigt, zt


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