WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
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Protokoll der 409. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 9. Februar 1998    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.35 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Pitts, Sävecke und Thom sowie die Herren Bock, Fettkenheuer, Preuschmann, Tost, Voigt, Weiskopf und Wenzel.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und dankt für einige aktuelle Zeitungsausschnitte, die, das Thema der letzten Sitzung betreffend, die Meteore beinhalten. Die Berliner Morgenpost berichtet am 18.12.97 von einem Meteoriteneinschlag ein einem kolumbianischen Dorf nahe Bogota. Der Meteorit soll in ein Haus eingeschlagen sein, das dadurch in Brand gesetzt wurde. Vier Kinder, die allein im Hause waren, wurden dabei getötet. Im Blechdach der ausgebrannten Ruine wurde ein Loch von 25 cm Durchmesser entdeckt, dessen Rand Schwefelspuren aufwies. Es ergibt sich die Frage, ob in Meteoren auch Schwefel enthalten sein kann. Ein weiteres Ereignis wurde am 25.1.98 um 20.13 h von Jürgen Rendtel aus Potsdam, dem Vorsitzenden der "Arbeitsgemeinschaft Meteore", beobachtet und auch fotografiert. Der Einschlag soll etwa 25 km südlich von Cottbus erfolgt sein. Die Einschlagstelle ist bisher noch nicht gefunden worden.

Anschließend zeigt Herr Voigt den aktuellen Mond in der heutigen Phase, 12 Tage nach Neumond. Der Terminator liegt bei -55 Grad. Am Südrand fällt die langgestreckte Wallebene Schiller ins Auge. Es folgt das Mare Humorum mit dem Krater Gassendi. Im Oceanus Procellarum sind eine Reihe versunkener Kraterränder zu erkennen und die Strahlen des Kopernikus im Mare Insularum, die sich mit den Strahlen des Kepler vereinigen. Zum Terminator hin erscheinen die Krater Aristarch sowie der hellste Punkt auf dem Mond mit dem Krater Herodot, und auch das Schrötertal ist klar zu erkennen. Weiter nördlich ist der Sinus Iridum mit dem Jura-Gebirge und dem Cap Laplace und dem Cap Heraclid sichtbar. Bereits im Mare Frigoris liegend, kommen Babbage, Anaximander und Philolaus ins Bildfeld und weiter südlich Plato mit den Alpen. Am Nordpol fällt Thales mit seinen hellen Strahlen ins Auge.
Die gezeigten Video-Aufnahmen wurden mit einer Hi8-Sony-Kamera aufgenommen. Das Instrument war ein 6-Zoll-Refraktor mit 3 m Brennweite. Die Kamera wurde mit einem 50 mm-Okular und dem eingebauten Kameraobjektiv (10fach Zoom) an das Fernrohr angesetzt. Durch Variation der Brennweite des Zoom-Objektivs läßt sich der Eindruck einer 150- bis 250fachen Vergrößerung erzielen. Hierbei wird also die CCD-Technik eingesetzt und das Bild vom Chip auf das Hi8-Video-Band laufend übertragen. Die Belichtungszeit des Einzelbildes beträgt 0,04 s. Beim laufenden Bild macht sich die Luftunruhe durch zeitweilige Unschärfe bemerkbar, jedoch ist es möglich, die schärfste Aufnahme mit dem Standbild herauszusuchen und zu kopieren. Im Heft 2/98 SuW, S. 162, wird von Peter Riepe und Stefan Binneweis der Unterschied zwischen der fotografischen Abbildung des Mondes und den weitaus besseren Ergebnissen mit Hilfe der CCD-Kamera und Speicherung auf Diskette an Bildbeispielen demonstriert. Die besten Aufnahmen erzielte Bernd Flach-Wilken mit einem 300 mm-Schiefspiegler und einer CCD ST6-Kamera bei einer Äquivalentbrennweite von 15 m.

Dann zeigt Herr Voigt ein Bild des BERLINER MOND-ATLAS', das von Herrn Weiser mit Hilfe eines Computerprogrammes bearbeitet wurde. Im Gegensatz zum Originalbild weist der Computerausdruck einen höheren Kontrast auf, was den Eindruck einer Steigerung der Bildschärfe vermittelt. Feine Details werden dadurch sichtbar, die im Originalbild zwar vorhanden sind, aber etwas verschwommen erscheinen.

Anschließend verliest Herr Voigt einige Berichte über die Mondsonde Lunar-Prospector, die der Mondgruppe über Herrn Tost von der DLR zur Verfügung gestellt wurden:
Report Nr. 8 vom 13. Januar 98, 7.00 a.m. PST / Jet Propulsion Laboratory (Ron Baalke) Der Lunar Prospector wurde erfolgreich in den Orbit zur Kartierung des Mondes gebracht, nachdem die 3. Antriebsstufe vollständig gezündet war. Übereinstimmend mit den Missionsplänen der NASA Ames Mission Control Center wurde durch das Zünden der zwei achsialen Triebwerke für 27 Minuten der Lunar Prospector in einer nahezu kreisförmige Umlaufbahn von ca. 100 km Höhe stationiert. Alle wissenschaftlichen Instrumente sammeln gute Daten, und die Sonde arbeitet präzise. Die Flugbahnhöhe betrug 89 km mit einer Neigung von 89,93 Grad. Anfängliche Schätzungen des Navigations-Teams ergaben, daß der Antrieb 4% zu gering war und daß der Orbit ekliptikal 92x160 km betrug. Der 27-Minuten-Antrieb verbrauchte ca. 23,5 kg Brennstoff. Die Sonde hat nun noch 34 kg Treibstoff, ausreichend für ihre Einjahresmission (vorausschauend auf die Mission in niedrigerer Umlaufbahn). Nach der heutigen Korrektur wurde die Umdrehungsrate auf 12 rpm zurückgetrimmt, um wissenschaftliche Daten erhalten zu können. Morgen, am 14. Januar, werden die Meßinstrumente aktiviert, um die Daten abzurufen. Am 15. Januar wird der Orbit mehr kreisförmig korrigiert, die Drehachse wird in die Ekliptik-Ebene ausgerichtet und die Antenne in Richtung Aufnahmeantenne gedreht werden. Bedeckungen durch den Mond, also wenn die Sonde hinter dem Mond verschwindet, werden später durchgeführt.

Report Nr. 10 vom 15. Januar 98, 10.00 a.m. PST
Das Mission Control Center teilt mit, daß der Lunar Prospector in seiner 2-Stunden-Periode einwandfrei arbeitet. Nun wurde die Sonde in einen niedrigeren Orbit gesteuert. Radio-Daten-Sammlungen wurden an das Deep Space Network gesandt. Diese Daten werden für Gravitations-Experimente von Alex Konopliv im Jet Propulsion Laboratory in Pasadena benötigt, um eine detaillierte Gravitationskarte des Mondes zu entwickeln. Gegenwärtig ist die Sonde im Orbit Nr. 37 und dreht sich mit 12 rpm. Alle Instrumente sammeln sehr gute Daten. Die Sonde hat einmal während des Orbits Datenausfall, wenn sie sich hinter dem Mond befindet. Die Daten werden auf 53-Minuten-Rollen gesammelt. Gegenwärtig ist die Bedeckung 41 Minuten lang. Die längste wird 47 Minuten dauern. Am Nachmittag sollen der Orbit wieder auf den gewünschten Kartierungs-Orbit von 100x20 km getrimmt und die Dreh-Achse zur Ekliptik-Ebene eingependelt werden.

Report Nr. 12 vom 16. Januar 1998, 10.00 a.m. PST
Der Lunar Prospector wurde erfolgreich in seinen endgültigen Kartierungs-Orbit gebracht, entsprechend dem Auftrag des Mission Control Centers (MCC) beim NASA Research Center. Die gestrigen Trimm-Manöver brachten die Sonde in einen Orbit von 99x100 km mit einem Winkel von 90 Grad und einer Umlaufperiode von 118 Minuten. Der Orbit ist mond-polar orientiert und fast perfekt kreisförmig, wie geplant. Er wäre sicherlich auch gut im 100x20-km-Orbit, welcher besonders wünschenswert wäre für die Kartierung des Mondes. Ganz sicher ist die Höhe des Orbits abhängig von der Anziehungskraft des Mondes und wird sich kontinuierlich ändern. Daher ist es notwendig, die Antriebe von Zeit zu Zeit zu zünden, um die Sonde in die gewünschte Höhe zu bringen. Derzeit glaubt man, daß die Sonde für zwei Wochen in ihrem Orbit bleibt. Eines der Missions-Experimente ist es, mehr über das Gravitations-Modell des Mondes zu erfahren. Die Zeit für die notwendigen Manöver ist z.Zt. unsicher. Das MCC-Personal möchte mehr in Erfahrung bringen über diesen Aspekt der Mission. Die derzeitigen Daten der Sonde sind folgende: 48. Orbit; Drehungsrate 12,09 rpm; Drehachse 87,1 Grad Breite, 218 Grad Länge; Orbit-Periode 118 min; Erd-Bedeckungsdauer 44 min; z.Zt. keine Sonnenbedeckung. Nun ist der Lunar-Prospector in seinem endgültigen Kartierungs-Orbit. Weitere Berichte werden wöchentlich veröffentlicht, die dann unvorhergesehene Ereignisse und Situationen enthalten werden.

Anschließend zeigt Herr Tost neue, hochauflösende Aufnahmen der Galileo-Sonde vom Jupitermond Europa und berichtet über einige aktuelle astronomische Neuigkeiten:

  • Die Raumsonde "Lunar Prospector" steht kurz davor, ihre endgültige Umlaufbahn von ca. 100 km Höhe einzunehmen. Die ersten Daten treffen bereits ein und die Mission wird bereits jetzt als erfolgreich bewertet.
  • Die Suche nach Planeten fremder Sonnen hat über eine neue Entdeckung zu berichten; diesmal nicht durch einen indirekten Nachweis mittels des "wackelns" des umkreisten Sternes, sondern durch eine direkte fotografische Aufnahme mit Hilfe des Hubble Space Teleskops. Der Planet umkreist einen guten Bekannten: unseren nächstgelegenen Nachbarn, den nur 4,2 Lichtjahre entfernten Proxima Centauri.
  • In den USA wurde der seltene Fall fotografiert, in welchem gleichzeitig die Schatten von 3 der großen Jupitermonde auf dem Jupiter zu sehen sind. Dieses Ereignis soll nur ein- bis zweimal pro Jahrhundert auftreten. Es war von Europa aus nicht zu beobachten.
  • Der Komet Hale-Bopp ist zwar schon weit von uns entfernt, zeigt aber immer noch einen deutlichen Schweif mit vielen Strukturen. Auf zwei herumgereichten Fotografien sind diese Strukturen deutlich zu erkennen. Die Helligkeit von Hale-Bopp beträgt ca. 8 mg, und er kann daher noch einige Zeit von Teleskopen erfolgt werden.
  • Am 15.2.1998 wird die Raumsonde "Voyager I" das am weitesten entfernte menschliche Objekt sein. Sie überholt an diesem Tag die Sonde "Pioneer 10", die sich in der fast entgegengesetzten Richtung von uns entfernt. Die Entfernung beträgt ca. 70 Astronomische Einheiten. Da Voyager I das derzeit schnellste menschliche Objekt ist und sich von uns entfernt, wird sie in absehbarer Zeit von keinem anderen Raumkörper überholt werden können.

    Zum Abschluß wird ein Video-Film gezeigt, der von Herrn Tost zur Verfügung gestellt wurde und der eine Zusammenfassung der Pathfinder-Mission darstellt. Zunächst wird der Start am 4.12.1996 in den einzelnen Phasen gezeigt. 7 Monate später ist der Mars erreicht. 5 Tage vor der Ankunft wird das Raumschiff in die richtige Position gedreht. 30 Minuten vor dem Eintritt in die Atmosphäre trennt sich die Transferstufe ab. Dann beginnt die Abstiegsphase. Bei einer Geschwindigkeit von 27.000 km/h zündet die Reibungshitze ein prächtiges Feuerwerk. Der Hitzeschild verglüht. Dann entfaltet sich ein Fallschirm, der die Geschwindigkeit auf 1.500 km/h vermindert. Der Lander trennt sich von der Transferplattform und hängt kurze Zeit an einem 18 m langen Draht. Wenige Sekunden vor der Landung entfalten sich 5 m große Airbags, um den Aufprall abzufedern. Bremsraketen zünden und lassen die 360-kg-Sonde in 12 m Höhe für einen Augenblick stillstehen, bevor sie im freien Fall auf die Marsoberfläche auftrifft, nur von den Airbags geschützt. Die Landung erfolgt auf der Nachtseite. Nach dem Entlüften der Airbags wird der Lander sichtbar. Mit dem Sonnenaufgang erzeugen die Solarzellen Strom, und die Geräte sind betriebsbereit. Die Sendemasten klappen aus. Erste Panoramaaufnahmen werden zur Erde gefunkt. Der Rover verläßt den Lander und rollt auf die Marsoberfläche. Zur Steuerung werden Abstandslaser und Kameras verwendet. Sojourner wiegt 11 kg und hat ein Fahrwerk, das es ihm ermöglicht, Hindernisse von der Hälfte seiner Größe zu überwinden. Seine Energie bezieht er über einen Sonnenkollektor mit einer Leistung von 16 kW. Zur Untersuchung der Gesteine hat er ein Spektrometer. Die Bestimmung der Gesteinszusammensetzung dauert 10 Stunden und wird während der Nacht durchgeführt. Die Panoramaaufnahmen zeigen eine hügelige Geröllwüste. Während der letzten 3 Milliarden Jahre wurde die Landschaft durch jährlich wiederkehrende Staubstürme verändert - Sand, der wie auch auf der Erde zu Dünen gehäuft wurde. Drei auf dem Lander angebrachte Windglocken haben nur schwache Luftbewegungen verzeichnet. Die gemessenen Temperaturwerte schwanken im Mars-Sommer zwischen -80 und -5 Grad C. Durch Hin- und Herrollen des Rovers werden Materialeigenschaften des Bodens, Eindringtiefe und Standfestigkeit der Bodenspur überprüft. Der Boden ist typisch für ein altes Flußbett, er besteht aus Sand und Staub. Die Steine sind darin eingebettet oder liegen frei auf der Oberfläche. Auf der windabgewandten Seite haben sich Staubfahnen gebildet, die die Windrichtung anzeigen. Die Auswertung ergibt eine Richtung aus Nordost, also thermische Winde entlang dem Arestal. Ein Riß im Stein läßt auf eine Verwitterung durch Wasser schließen; also muß vor 3 Milliarden Jahren hier Wasser geflossen sein. Mehrere parallel übereinander liegende Geländekanten dokumentieren unterschiedliche Wasserstände während der großen Flut bis zu einer Höhe von 50 m. Sojourner hat während der Mission einen Weg von mehr als 100 m zurückgelegt mit einer Geschwindigkeit von 1 cm pro Sekunde. Die Steuerung war eine Mischung von autonomer und virtueller Art, also automatisch und von der Erde aus gesteuert. Jedoch sind die Steueranweisungen zwischen Mars und Erde 11 Minuten unterwegs. Am 7. Oktober wurde der letzte Kontakt mit der Landestation verzeichnet. Der Grund waren wahrscheinlich Batterieprobleme und Auskühlung auf unter -50 Grad C. Die Mars-Pathfinder-Mission hat alle in sie gesetzten Erwartungen weit überroffen. Im technischen Bereich wurden Erfahrungen mit der Elektronik, der Mechanik und insbesondere der Steuerung auf weit entfernten Planeten und unter schwierigsten Umweltbedingungen gewonnen. Die wissenschaftliche Ausbeute ist immens, und die Auswertung wird Jahre beanspruchen. Daß es früher einmal Wasser auf dem Mars gegeben hat, scheint erwiesen. Vielleicht hat es früher einmal ein Klima und eine Vegetation wie auf der Erde gegeben!? Jedoch war die Atmosphäre nicht von Dauer. Die geringe Anziehungskraft des Mars konnte eine Atmosphäre und Wasser nicht auf Dauer an sich binden. Aber es gibt noch einen weiteren Unterschied zu unserer Erde: Die Lage der Erdachse wird durch den Mond stabilisiert. Die Marsmonde sind dafür zu klein, und so ist Mars weitaus größeren Schwankungen seiner Rotationsachse ausgesetzt. Die Erde ist der Planet des Lebens. Ihr Abstand zur Sonne ist geradezu ideal, damit sich hier Leben entwickeln konnte. Schon geringe Abweichungen würden jedoch zu extremen Temperaturschwankungen führen; die Bedingungen für das Leben würden sich entscheidend verschlechtern. Die Neigung der Erdachse würde ohne Mond viel stärker schwanken, was große Klimaänderungen zur Folge hätte. In der Vergangenheit haben Schwankungen um nur wenige Grade die Eiszeiten herbeigeführt. Chaotische Schwankungen hätten die Entwicklung von Leben auf der Erde kaum zugelassen.

    Herr Voigt dankt den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und ihre Diskussionsbeiträge und schließt die Sitzung um 21.35 Uhr.

    Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am Montag, dem 12. Januar 1998, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

    gez. Tost, Voigt, zt


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