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Protokoll der 410. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 9. März1998    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.20 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Jensch, Pitts, Thom, Tiedemann und Wühle sowie die Herren Bock, Fettkenheuer, Gänger, Tost, Voigt und Wissing.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und gibt bekannt, daß neben weiteren sechs Briefen aus dem Iran eine Anfrage eingegangen ist von Herrn Bannuscher aus Herschbach über die Aktivitäten der Mondgruppe und ob es nicht sinnvoll wäre, eine Fachgruppe Mond bei der VdS als eigenständige Gruppe einzurichten. Herr Voigt hat Herrn Bannuscher mitgeteilt, daß das Mondprotokoll im Internet abgerufen werden kann. Außerdem besteht die Möglichkeit, als korrespondierendes Mitglied an den Sitzungen der Gruppe teilzunehmen, was die Mitglieder sehr begrüßen würden.

Anschließend wird der aktuelle Mond im Video gezeigt: 11 Tage nach Neumond liegt der Terminator bei -33 Grad , und 3/4 der Mondoberfläche sind beleuchtet. Am Südrand erscheint das Ringgebirge Clavius mit seinen vielen Innenkratern und darunter Tycho, dessen Strahlen in das Mare Nubium hineinragen. Der Palus Epidemiarum tritt gerade aus dem Schatten. Weiter nördlich liegt das Mare Cognitum, begrenzt vom Fra-Mauro-Gebiet und dem Riphäen-Gebirge, das sehr plastisch erscheint. In das Mare Insularum ragen die Strahlen des Kopernikus, dessen Formen unweit des Terminators scharf strukturiert sichtbar sind. Der Verlauf der Strahlen sind im Mare Imbrium gut zu verfolgen. Am Nordrand des Mare Imbrium tritt der Sinus Iridum mit Cap Laplace und Cap Heraclid aus dem Schatten. Das Jura-Gebirge ragt wie ein beleuchtetes Horn in die Schattenseite. Dann erscheinen die Alpen mit dem Tal und Plato sowie Bergspitzen, die aus dem Mare Imbrium herausragen. Am Mare Frigoris geht die Sicht auf das Nordpolargebiet mit den Ringgebirgen Birmingham, Goldschmidt mit Anaxagoras, und beim Strahlenkrater Thales endet der Rundblick.

Nachfolgend wird eine Video-Reportage von der totalen Sonnenfinsternis am 26.2.1998 in Venezuela gezeigt. Besonders schön wurde der Diamantring aufgenommen, der kurz vor der endgültigen Totalität wie auch beim Beginn des Wiederaustritts der Sonne für wenige Sekunden erscheint. Wir hoffen sehr, daß wir bei der Sonnenfinsternis am 11.8.1999 in Südwestdeutschland dieses Ereignis beobachten können.

Im Anschluß daran zeigt Herr Voigt eine Video-Aufzeichnung über das europäische Forschungslabor, das im Jahr 2003 an die im Bau befindliche neue Raumstation angedockt werden soll. Als Ersatz für die schon etwas marode MIR soll die neue Station die Erde in 400 km Höhe umkreisen. 100 Milliarden Dollar soll sie kosten, und die Europäer werden sich mit 6% daran beteiligen. Mit 47 Flügen wird das notwendige Material in den Orbit transportiert, wobei sich auch die Ariane 5 bewähren soll. Bisher wird die Raumfahrt von staatlichen Institutionen betrieben (NASA, ESA), jedoch sind Bestrebungen im Gange, die Erforschung des erdnahen Weltraumes auch privaten Gesellschaften zugänglich zu machen, denn bisher hat die Öffentlichkeit keinen Zugang zur Raumfahrt. Daher wurde nun eine Firma gegründet, die "Applied Space Resources Inc." (ASR) in Long Island, New York, mit dem Ziel, mittels privat finanzierter Mond-Proben-Missionen der Öffentlichkeit über den Handel Mondgestein an Forschungsorganisationen und Privatpersonen zu liefern. Die ASR glaubt, sie könne den ersten Flug der "Mond-Rückkehr-Mission" (Retrieving Lunar Resources) im September 2000 starten - zum 30. Jahrestag der Lunar-16-Mission, die Mondmaterial sammelte und zur Erde brachte. Die ASR glaubt, daß sie in der Lage sei, der Allgemeinheit mittels kommerzieller Kanäle ca. 10 kg Mondgestein zum Preise von hochqualitativen Edelsteinen anzubieten. Auch an Forschungslabors könnte weiteres Material geliefert werden. Die ASR ist dabei, sich einen Stab von Mitarbeitern aufzubauen, die sich in der Technologie der Verwendung von Ressourcen aus dem erdnahen Weltraum auskennen. Das Ziel ist, sehr präzise arbeitende Raumfähren zu liefern, die Material und Informationen mit zur Erde zurückbringen, gegen Profit! Denn die notwendigen Aufwendungen für die Entwicklung der Geräte sind beträchtlich.

Astronomen haben die Bahnen von 400 erdnahen Asteroiden bestimmt, die einen Durchmesser von einem Kilometer oder mehr haben, jedoch rechnet man mit weiteren 2.000 erdnahen Asteroiden. Einige könnten leichter zu erreichen sein als der Mond, um Material zur Erde zu bringen. Durch ihren Entstehungsprozeß befinden sich Edelmetalle wie Platin dichter an ihrer Oberfläche, anders als auf der Erde, wo diese Metalle tief in der Kruste liegen. Die NASA und Japan planen Missionen, um neue Technologien speziell an Asteroiden zu probieren.

Als anfängliche Mission hat die ASR eine Landung im Mare Tranquillitatis gewählt. Dort soll Fels und Boden gesammelt und sicher zur Erde gebracht werden. Zusätzlich sollen Instrumente abgesetzt werden, um Daten zur Erde zu übermitteln. Man könnte die Mission als den ersten Tag in der Menschheitsgeschichte bezeichnen, an dem Menschen einen Stein vom Mond in den Händen halten, während sie zu ihm emporblicken. "Wir betrachten unsere Mond-Proben-Rückführungsmission als eine wichtige Demonstration des Wertes von Weltraum-Material" sagt ASR-Vize-Präsident Beth Elliot. Eine Mond-Proben-Mission würde weniger als 100 Millionen Dollar kosten für eine Menge Mond-Material mit einem Marktpreis, der für die Finanziers attraktiv sein könnte, denn es würden extrem hohe Preise dafür erzielt werden. 1993 wurde eine Probe Mond-Materials, das von Apollo 14 stammen sollte, trotz Verbots verkauft. Die Probe, angeblich Mondstaub aus Dave Scott's Mond-Kammer stammend, wurde für $ 42.500 verkauft in der Annahme, daß es sich wirklich um Mondstaub handelte, was wissenschaftlich nicht überprüft war. Ein weiterer Verkauf von Mondgestein durch die Sowjets wurde bei einer Sotheby's-Auktion angeboten. Die Probe, die nur ein paar Grains wog, weniger als 1 Karat, wurde für den erstaunlichen Preis von $ 442.000 oder $ 2.200 per Milligramm verkauft. Für finanziell starke Partner würde sich eine Beteiligung sicherlich lohnen. Missionen wie die Mond-Proben-Mission sind notwendig, um zu verstehen, wie das Material in Zukunft für den Bau einer Mond-Basis gebraucht werden kann. "Ein In-Sito Resource Utilisation (ISRU)-Programm wäre der Schlüssel, um eine bemannte Mond-Basis zu entwickeln. Dazu wird Mond-Proben-Material gebraucht, das von Wissenschaftlern auf der Erde untersucht werden muß. Die Menschheit wird nur dann die Weltraum-Materialien nutzen können, wenn sie von potentiellen Unternehmen wie dem unseren entwickelt werden. Wir beabsichtigen Wissen, Kreativität, harte Arbeit und Zukunftserwartungen einzusetzen, um die Lebensfähigkeit von marktbetriebenen Raumfahrtmissionen zu beweisen. Wir wollen die Menschen nicht fragen, ob sie uns in den Weltraum schicken wollen, sondern wir wollen zuerst in den Weltraum gehen, um dann dem Publikum etwas anzubieten, den produktiven Nutzen der gewaltigen Reichtümer des erdnahen Weltraums." Anläßlich der Tagung mit einer Ausstellung zum 36. Aerospace Sciences Meeting des AIAA (American Institute of Aeronauticsand Astronautics) am 14.1.1998 in Reno betonte ASR-Vize-Präsident Manifold: "In die parallelen Aktivitäten der amerikanischen und der europäischen Raumfahrt sollten auch die finanziellen Möglichkeiten privater Unternehmer einbezogen werden, wie es auch die NASA erwägt." Eine Kopie der Präsentation ist im Internet unter dem Datum 14.1.1998 abrufbar (http://www.appliedspace.com).

Herr Voigt zeigt dann eine Video-Reportage über die neuesten Entdeckungen des Lunar Prospector: Es gibt Wasser auf dem Mond! Die weit verstreuten Vorkommen in den Polargebieten des Mondes könnten einen 10 Quadratkilometer großen und 11 m tiefen See füllen. Das Eis befindet sich in schwacher Konzentration im Mondboden, am Nordpol doppelt so viel wie am Südpol.
Auch im Bericht von Herrn Tost (siehe unten) wird diese Neuigkeit gewürdigt: Die beherrschende Meldung der letzten Woche war der Nachweis von Eis auf dem Mond durch die Mondsonde "Lunar Prospektor". Sein Neutronenspektrometer zeigt deutliche Anzeichen von Eis in der Süd- und der Nordpolregion des Mondes. Überraschenderweise ist dieses am Nordpol häufiger vorhanden als am Südpol, wo es die Sonde "Clementine" schon vermutet hatte. Obwohl nur in einer Konzentration von wenigen Prozent im Mondboden verteilt, sind mindestens 10 bis 300 Millionen Tonnen Wasser vorhanden. Dies ist ein wichtiger Faktor bei der Planung von permanent bemannten Mondstationen, da es nicht nur den Flüssigkeitshaushalt der Bewohner befriedigen, sondern auch in Treibstoff (Wasserstoff und Sauerstoff) zerlegt werden kann. Jeder Liter Wasser, der von der Erde mitgeführt werden müßte, kostet derzeit ca. 40.000 DM; es könnten also erhebliche Kosten eingespart werden, wenn das Wasser auf dem Mond genutzt werden kann

Herr Tost berichtet über aktuelle Ereignisse der letzten Wochen:

  • Zunächst wird ein Bild eines seltenen Ereignisses auf Jupiter gezeigt: nur 1-2 Mal pro Jahrhundert sieht man, wie hier abgebildet, die Schatten von 3 der großen Jupitermonde gleichzeitig auf dem Riesenplaneten. Die Beobachtung stammt aus den USA; in Europa war die Nacht bereits vorbei.

    Jupiter mit 3 Mondschatten.
    Die Aufnahmen entstanden innerhalb von zwei Stunden. Zuerst taucht links der Schatten Callistos auf, dann der von Ganymede und schließlich Io. Dessen Schatten holt den von Ganymede ein; Callisto bewegt sich am langsamsten.

  • Im nächsten Jahr begehen wir den 30. Jahrestag der ersten Mondlandung. Zu diesem Anlaß will der Kunstprofessor B. Britton ein neues Projekt verwirklicht haben, in welchem Millionen von Menschen die erste Mondlandung nachvollziehen können. In einer "Virtual Reality Darstellung" will er auf DVD-ROM und/oder im Internet die Landung detailgetreu nachstellen, u.a. mit den originalen Sprechfunkdaten der NASA und einer VR-Version der Landekapsel. Er hat bisher bereits die Höhlen von Lascaux in Virtual-Reality-Technik nachgebaut.
  • Im "Elephant Moraine"-Gebiet in der Antarktis ist ein neuer Mond-Meteorit gefunden worden. Er trägt die Bezeichnung EET96008 und ist der achte Meteorit, der aus den Funden der Saison 1995/96 analysiert wurde. Der basaltische Körper ist von typischer lunarer Zusammensetzung.
  • Die Sonnenfinsternis vom 26.2.98 wird begleitet von einer Halbschattenfinsternis am 13.3.98. Obwohl dabei der Mond gar nicht in den Kernschatten der Erde trifft, sondern den Halbschatten nur zu 74% streift, hat das Kontroll-Team des "Lunar Prospektor" Vorsorge getroffen, um Problemen mit der Energieversorgung rechtzeitig zu begegnen. Das Raumschiff wird zweimal bei seiner Rückkehr von der Mondrückseite statt der prallen Sonne lediglich den Erdschatten vorfinden und seine Batterien nicht vollständig aufladen können. Es werden zwar keine großen Probleme erwartet, aber man bereitet sich auf alle Eventualitäten vor.

    Herr Voigt dankt Herrn Tost für seinen Beitrag und allen Anwesenden für ihre Aufmerksamkeit, wünscht allen ein frohes Osterfest und schließt die Sitzung um 21.20 Uhr.

    Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet wegen der Osterferien erst wieder statt am Montag, dem 11. Mai 1998, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

    gez. Tost, Voigt, zt


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