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Protokoll der 413. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 14. September 1998    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.15 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Schmitz, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Braschwitz, Fettkenheuer, Hartmann, Jahn, Laufer, Preuschmann und Tost.

Die heutige Sitzung wird von Herrn Tost geleitet, da sich Herrn Voigt im Urlaub befindet.
Der Abend begint mit einem Bericht von Herrn Laufer. Er übergibt jedem Anwesenden ein 3D-Luftbild des Reichstag in Berlin sowie eine dazugehörige Rot-Grün-Brille. Das Bild wurde von der HRSC-Kamera des Institut für Planetenerkung vom DLR in Berlin-Adlershof aufgenommen, welches für die Erderkundung auf eine Flugzeugvariante umgebaut wurde. Die ursprünglich für einen Mars-Orbiter entwickelte Kamera ist in der Lage, durch zwei integrierte Stereo-Kanäle bei einem einzelnen Überflug ein digitales Geländemodell zu erstellen. Hieraus wurde für den "Tag der Raumfahrt", der am 20. August stattfand, das Anaglyphenbild vom Reichstag abgeleitet und vervielfältigt.


Herr Tost dankt Herrn Laufer für seinen Beitrag und zeigt zunächst, wie es schon Tradition ist, die Videosequenz mit der aktuellen Mondphase. Der Kommentar von Herrn Voigt zu dieser Phase lautet:
"Der aktuelle Mond in der heutigen Phase hat 23 Tage nach Neumond eine Terminatorlage von -10 Grad. Der Rundblick beginnt im Süden, wo Clavius im Schatten des Terminators verschwindet. Longomontanus und Wilhelm erscheinen sehr plastisch. Pitatus ist halb versunken am Rande des Mare Nubium zu erkennen. Das Mare Cognitum, das Meer der Erkenntnis, wird begrenzt vom Riphaengebirge. Kopernikus wirkt bei dieser Beleuchtung sehr plastisch. Darunter liegt das Karpathengebirge, welches das Mare Imbrium südlich begrenzt. Weiter nördlich liegt Timocharis und dann folgt der Sinus Iridum mit den Caps La Place und Heraclid und der Rand des Plato, der bereits im Schatten liegt. Über das Mare Frigoris, das Kältemeer, geht der Blick zum Nordpol mit den Kratern Fontenelle, Philolaus und Mouchez. Zum Abschluß noch einen Blick auf den Krater Kepler, dessen Strahlen sich sehr kontrastreich von der Ebene des Oceanus Procellarum abheben.


Im Anschluß referiert Herr Tost über neueste Nachrichten vom Mond und verwandten astronomischen und astronautischen Themen.

  • Wissenschaftler an der Universität New Hampshire haben neue Erkenntnisse über die "Atmosphäre" des Mondes gewonnen. Allgemein spricht man davon, der Mond habe keine Atmosphäre und dies ist imwesentlichen auch korrekt so. In der Tat gibt es jedoch feinste Spuren von Sauerstoff und Aluminium neben den schon von Apollo 17 entdeckten Gasen Helium und Argon. Diese feinen Dünste werden als vielversprechende Kandidaten betrachtet, um TLPs (vorübergehende Phänomene auf dem Mond) zu erklären, wobei die "Gase" durch piezoelektrische Effekte "gezündet" werden. Das Helium soll im wesentlichen durch den Sonnenwind entstehen, der den Mond trifft, während ansonsten Ausgasungen aus dem Mondgestein selber dafür verantwortlich sind.
  • Die Raumsonde "Lunar Prospektor", die sich seit Anfang des Jahres im Mondorbit befindet, berichtet, das das Volumen des Wassers, welches in den Polregionen des Mondes nachgewiesen wurde, um etwa den Faktor 10 größer ist, als bisher berichtet wurde. Das fast reine Wasser-Eis soll sich teilweise nur 40 Zentimeter unterhalb des Regolithbodens befinden.
    Weiterhin wurden lokale Magnetfelder nachgewiesen und es gibt deutliche Hinweise auf einen kleinen eisenreichen Kern. Der Wert von etwa 300 km für den Kern liegt am unteren Bereich der bisherigen Vermutungen. Die lokalen Magnetfelder können auf große Meteoriteneinschläge zurückgehen, die den Mondboden aufgeschmolzen haben, wonach das Material in unterschiedlichen Zuständen wieder erstarrte. Das Doppler-Experiment des Lunar Prospector hat zudem die erste detailreiche Schwerfeldmessung am Mond vorgenommen und dabei sieben zuvor unbekannt Massenkonzentrationen entdeckt.
  • Im Nachlauf zu den Diskussionen über Leben auf anderen Planeten und der möglich Reise von Mikrofossilien in Marsmeteoriten zur Erde wurde ein Beispiel wieder "ausgegraben", in dem bekanntermaßen ein Mikrobenstamm bereits vor 30 Jahren einmal eine Weltraumreise überlebte. In einem von Apollo12 zur Erde zurückgebrachten Kabel aus der Sonde Surveyor-3 fand man das Bakterium Streptococcus mitis. Dieses hatte die Weltraumreise und zwei Jahre Aufenthalt auf dem Mond überstanden. Zum Vergleich gab Herr Tost das Buch "Analysis of Surveyor 3 material and photographs returned by Apollo12" herum, welches die wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse, darunter auch den Bericht über die Bakterien enthält.
  • Der Lunar Prospector liefert offensichtlich so viele Daten, das die NASA jetzt weiteren Institutionen anbietet, Untersuchungsprogramme zu entwerfen. Hieran dürfen nichtamerikanische Institutionen teilnehmen, sowie kommerzielle Firmen und Lehreinrichtungen.
  • Erneut wird vom Bau eines noch größeren Teleskop berichtet. Die NAOJ (National Astronomical Observatory of Japan) erstellt in Pittsburgh einen 8,3 Meter durchmessenden Spiegel, der im Subaru Teleskop auf Hawaii aufgestellt werden soll. Die Güte dieses soeben fertiggestellten Spiegels entspricht einer Abweichung von der Idealfläche, die umgerechnet auf die gesamte Fläche von Berlin nur 1/10 mm betragen würde. Der SPiegel soll Ende Oktober auf Hawaii ankommen.
  • In Tucson, Arizona beginnt nächste Woche der Guß des ersten von zwei 6,5 m Spiegeln. Magellan 1 soll Ende 1999 fertig sein, Magellan2 in 2002. Den Guß und die folgenden Verarbeitungsschritte kann man sich live im Internet ansehen. (http://medusa.as.arizona.edu/mlab/mlab.html)
  • Ein neuer optischer Detektor könnte die Astronomie revolutionieren. Dieser Sensor kann die Ankunft von einzelnen Photonen messen und ihre Energie mit außergewöhnlicher Präzession messen. Dies gilt zudem im infraroten, optischen und ultravioletten Bereich des Spektrums. Hiermit hofft man u.a. WIMPs (Weakly Interacting Massive Particles) aufzuspüren, die evtl. das Problem der "fehlenden Masse" im Kosmos klären könnten. Technologisch bedeutet dies u.a., das sehr kleine Wolframstückchen auf 1/80.000 tel Kelvin gekühlt werden müssen. Der Detektor ist derzeit nur wenige Pixel groß, soll jedoch schnell weiterentwickelt werden. Erstes Ziel ist die Untersuchung des Pulsars im Krebs-Nebels mithilfe des 10-Meter-Hobby-Eberle-Teleskops in Texas.
  • Untersuchungen an Funksignalen aller fernen Raumsonden, darunter die Voyagers und Pioneer 10 zeigen Abweichungen, die eine Revision des Gravitationsgesetzes zur Folge haben könnten. Obwohl der beobachtete Effekt lediglich 1/80 milliardstel cm/sec*sec beträgt, darf dieser Wert doch trotzdem nicht auftreten. Alle Versuche, den Effekt durch Bremsung am interstellaren Medium oder Treibstofflecks zu erklären, sind bisher gescheitert. Auch die Raumsonden Ulysses und Galileo lieferten mitlerweile dieselben Unterschiede. Noch ist unklar, wie die Deutung dieses Phänomens ausgehen wird.


    Mit dem Abschluß dieser Berichte wird auch die Sitzung um 21:15 Uhr beendet.

    Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
    Montag, dem 12. Oktober 1998, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

    gez. Tost, Laufer


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