WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
MIT ZEISS-PLANETARIUM BERLIN

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Protokoll der 414. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 12. Oktober 1998    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.15 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Sävecke, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Fettkenheuer, Hieke, Merrettig, Tost und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und gibt bekannt, daß wiederum zehn Briefe aus dem Iran eingetroffen sind mit der Bitte um Zusendung des Protokolls der Mondgruppe.


Der aktuelle Mond, der anschließend im Video gezeigt wird, ist folgendermaßen kommentiert:
21 Tage nach Vollmond ist das letzte Viertel fast erreicht. Bei dieser Phase liegt der Terminator bei +12 Grad. Der Rundblick beginnt auf der kraterreichen Südseite, auf der bei dieser Beleuchtung deutlich zu erkennen ist, daß die Krater und Ringgebirge sich oft überlappen, also in der Frühzeit ihrer Entstehung, vermutlich vor 3 bis 4 Milliarden Jahren, immer von Einschlägen unterschiedlicher Größe getroffen wurden. Sehr plastisch in Terminatornähe erscheinen Clavius, Maginus und Tycho - dessen Strahlen in das Mare Nubium hineinragen, an dessen Rande der halbversunkene Krater Pitatus liegt - wie auch Deslandres, Regiomontanus und Purbach. Die Lange Wand hebt sich deutlich ab, und dann folgen die Ringgebirge Arzachel, Alphonsus, Albategnius, Ptolemäus und Hipparchus. Darunter liegt der Sinus Medii, die Bucht der Mitte. Die Hyginusrille und Triesnecker sind bereits am Terminatorrand. Bei Eratosthenes beginnt das Gebirge des Apennin, das das Mare Imbrium begrenzt. Auch Archimedes, Autolycus und Aristillus sind sehr plastisch zu erkennen wie auch Cassini mit seinem Innenkrater. Es folgen die Alpen mit dem Tal und Plato, darunter das Mare Frigoris. Am Nordpol liegen die Ringgebirge W. Bond, Birmingham und Anaxagoras, der nun keine Strahlen hat.


Anschließend weist Herr Voigt auf die Bedeckung des Aldebaran (a Tauri) durch den Mond am 6.11.1998 hin. Der Eintritt erfolgt um 2.37 Uhr, der Austritt um 3.47 Uhr MEZ. Da der Mond erst um 9.10 Uhr untergeht, wird sich das Ereignis gut beobachten lassen.


Die Fotografie des Mondes macht mit der Verbesserung der CCD-Technik immer weitere Fortschritte. Im Heft 10/98 von "Sterne und Weltraum" (SuW), S.878-881, sind Aufnahmen der Gegend um die Hyginus-Rille mit dem Triesnecker-Rillensystem abgebildet, die alle bisherigen Fotografien übertreffen. Eine weitere Aufnahme zeigt die Gegend um Archimedes. Bernd Flach-Wilken, der wohl beste Mond-Fotograf, verwendete eine CCD-Kamera Apogee GEE Am 13 mit einem Filter GG 495. Die Aufnahmen wurden mit seinem 300-mm-Schiefspiegler gewonnen und anschließend am PC nachbearbeitet. Im Journal 1997 der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) beschreibt der Autor die Nachbearbeitung mit zwei unscharfen Masken und zwei Laplace-Schärfefiltern, welche alle, in der Originalaufnahme nur weich erkennbaren, Details sehr plastisch und deutlich schärfer erscheinen lassen. Welche Schwierigkeiten die Aufbereitung der Aufnahmen am PC mit sich bringt, wurde von Bernd Flach-Wilken im Journal 1997 eingehend beschrieben.


Weiter berichtet Herr Voigt über den Ablauf des dreitägigen Herbstkolloquiums 1998, das diesmal in der Bruno-H.Bürgel-Sternwarte in Berlin-Spandau an der Heerstraße stattfand. "Neben der Teilnahme an einer Reihe von interessanten Vorträgen über astronomische Themen hatte ich hier die Gelegenheit, 2 Video-Sequenzen meiner 22 Mondphasen vorzustellen (siehe Protokoll 411), die große Anerkennung fanden. Die Bruno-H. Bürgel-Sternwarte erwarb eine Kassette, um die jeweilige Aufnahme der aktuellen Mondphase bei schlechtem Wetter den Besuchern der Sternwarte vorführen zu können." Herr Laufer stellte auf dem Kolloquium den "Berliner Mond-Atlas" von Voigt-Giebler auf einer CD-Rom vor, der von ihm in Zusammenarbeit mit Herrn Tost computermäßig bearbeitet wurde. Mit dieser CD hat der Mondbeobachter die Möglichkeit, die entsprechende Phase des Mondes in allen Einzelheiten am PC anzuschauen, einschließlich der Namen der Objekte. Auch diese CD kann erworben werden.


Herr Tost berichtet anschließend von drei aktuellen astronomischen Neuigkeiten:

  • Die Raumsonde SOHO ist wieder betriebsbereit. Die Orientierung der Sonde ging durch eine Reihe unglücklicher Umstände am 24. Juni verloren. Da sie in der Folgezeit nicht korrekt zur Sonne ausgerichtet werden konnte, fror ihr gesamter Treibstoff und auch der aller Instrumente ein. Nach dem "Auftauen" wird nun geprüft, ob u.a. die optischen Komponenten nicht von ihren metallenen Einfassungen zerdrückt worden sind.
  • Das Weltraumteleskop Hubble hat ein neues Deep Field aufgenommen. Die erste Aufnahme des "Deep Field" in Ursa Major wurde 1995 gewonnen; dabei wurde 100 Stunden lang ein Feld von 2,7 Bogenminuten Kantenlänge im sichtbaren Licht belichtet. Jetzt wurde mit Hubbles Infrarotkamera (NICMOS) das Deep Field erneut aufgenommen, diesmal jedoch 36 Stunden lang auf einem winzigen Ausschnitt von 20 Bogensekunden Durchmesser. In diesem Bereich wurden über 300 Spiral-, elliptische und irreguläre Galaxien entdeckt.
  • Das erste Bild eines Satelliten, aufgenommen von einem anderen Satelliten im Weltraum, wurde jetzt von der ESA veröffentlicht. Der Erdbeobachtungssatellit SPOT4 fotografierte am 6. Mai 1998 aus 820 km Höhe den 41 km unter ihm fliegenden ERS-1. Auf der Aufnahme kann man Details von 50 cm Größe erkennen.


    Dann rezensiert Herr Voigt das Kosmos Himmelsjahr 1999 von Hans-Ulrich Keller, erschienen im Kosmos-Verlag (ISBN 3-440-07570-2).
    Das bewährte Jahrbuch informiert über alle wichtigen astronomischen Ereignisse des Jahres. Zwölf Monatsübersichten im kalendarischen Hauptteil beschreiben den Mond- und Planetenlauf sowie den jeweiligen Fixsternhimmel. Monatskarten, anschauliche Farbzeichnungen und Fotos sowie praktische Übersichten sorgen für den richtigen Durchblick. Eine farbige Sternkarte für jede Monatsmitte zeigt den Stand der Sternbilder und der Planeten um 22 Uhr MEZ an. Der Lauf der Jupitermonde wird in einer monatlichen Tabelle angezeigt. Auch der Mondlauf ist in einer Tabelle für jeden Monat beschrieben. Für die Mondbeobachter fehlen allerdings die Angaben der Librationsdaten, wie sie im "Ahnert" angegeben sind, wenn auch nicht, wie früher, in einer Gesamt-Jahrestabelle. Spannende Fragen werden in Monatsthemen diskutiert: Seit dem Urknall dehnt sich das Universum ständig aus. Wird die Expansion eines Tages zum Stillstand kommen? Droht dem Universum ein plötzliches Ende? Welche Rätsel birgt die dunkle Materie? Wie weit ist die Erforschung des Roten Planeten fortgeschritten? 1999 ist ein aufregendes Jahr für Sternfreunde, denn am 11. August 1999 werden wir Zeugen einer totalen Sonnenfinsternis. Dieses astronomische Ereignis darf man sich auf keinen Fall entgehen lassen! Auf keinen Fall darf man dabei versäumen, seine Augen mit der dem Buch beiliegenden KOSMOS-Sonnenbrille vor der gefährlichen Sonnenstrahlung zu schützen.


    Zum Abschluß noch einen Blick in die Tagespresse:
    Die "Berliner Morgenpost" zeigt ein Bild der Mondoberfläche mit der am Himmel stehenden Erde. Dazu wird die vermutliche Entstehtung des Mondes vor 4,5 Milliarden Jahren durch eine Kollision mit einem Körper von Marsgröße beschrieben: "Das in den Raum geschleuderte Material formte sich zum Mond in nur 22 000 km Entfernung. Von der Erde aus gesehen, erschien der Mond 20mal größer als heute. Nach einigen 100 Mill. Jahren war er bereits durch die Gezeitenkräfte auf die Hälfte seiner heutigen Entfernung abgedriftet, und er entfernt sich auch heute noch um 4 cm pro Jahr von der Erde."

    Wasser auf dem Mond war ebenfalls ein sensationelles Thema:
    Wie Herr Tost auf der letzten Sitzung bereits berichtete, scheint es nach Messungen von Lunar Prospector mehr Wasserei an den Polgebieten des Mondes zu geben als bisher angenommen. Die "Berliner Morgenpost" macht daraus bereits eine "Wasserwelt", und die "Bild-Zeitung" berichtet von "Tanks", prall gefüllt mit Wasser. 10 Milliarden Tonnen sollen es sein, _ soviel wie im Bodensee. Ein attraktiver Grund zur Besiedelung des Mondes!


    Herr Voigt dankt Herrn Tost für seine Ausführungen und allen Anwesenden für ihre Amerksamkeit und Diskussionsbeiträge und schließt die Sitzung um 21.15 Uhr.

    Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
    Montag, dem 9. November 1998, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

    gez. Tost, Voigt, zt


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