WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
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Protokoll der 415. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 9. November 1998    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.30 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Pitts, Sävecke, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Fettkenheuer, Merrettig, Mackowiak, Oh-Seung und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und gibt bekannt, daß wiederum vier Briefe aus dem Iran eingetroffen sind mit der Bitte um das Protokoll der Mondgruppe.

Zum Beginn der Sitzung wird der Mond im Video gezeigt in der Phase, wie er heute nach Mitternacht zu sehen sein wird, wenn es das Wetter erlaubt, das in der letzten Zeit wenig Möglichkeiten zur Beobachtung des Himmels bot. Die Video-Aufzeichnung beginnt am Südpol des 19,5 Tage alten Mondes. Der Terminator liegt bei +34 Grad. Der Rundblick zeigt zunächst das besonders auffallende Ringgebirge Maurolycus mit Barocius und darunter Rabbi-Levy und Zagut. Das Altai-Gebirge kommt ins Bildfeld, an das sich die Kraterkette Catharina, Cyrillus und Theophilus, die in das Mare Nectaris hineinragt, anschließt. Darunter liegt der Sinus Asperitatis, die Bucht der Rauhheit. Das Mare Tranquillitatis kommt ins Bildfeld, in dem rechts der Sinus Honoris, die Bucht der Ehre, liegt. Dann erscheint der Rand des Mare Serenitatis mit den Kratern Menelaus im Haemus-Gebirge und Plinius. Im Mare Serenitatis wird sichtbar die Dorsa Smirnov, ein Meeresrücken, der sich bis zum Posidonius erstreckt. Das versunkene Ringgebirge Alexander sowie Eudoxus und Aristoteles kommen in Sicht. Westlich davon liegen Plana und Bürg im Lacus Mortis, dem See des Todes. Vorbei am Mare Frigoris, dem Kältemeer, wandert der Blick zur kraterreichen Nordseite mit Meton, de Sitter und Neison.

Ein weiteres Video zeigt die Begegnung von Mond und Jupiter am 31.10.98 hinter leichten Wolkenschleiern. 3 Grad westlich vom Mond stehend, erscheint Jupiter nicht sehr hell - bei einer Abblendung, welche die Maria sichtbar werden läßt. Bei voller Öffnung der Blende ist er leuchtend hell, jedoch ist der Mond dann stark überbelichtet, umgeben von einem Halo, durch den man die Wolken ziehen sieht. Eine recht eindrucksvolle Sicht!
Bei der Betrachtung der zernarbten Mondoberfläche kommt immer wieder ins Bewußtsein, wie stark der Mond in seiner Frühzeit von riesigen Gesteinsbrocken getroffen wurde, die hier ihre Spuren hinterlassen haben. Auch heute ziehen Planetoiden und Meteorite ihre Bahnen um die Sonne, und einige kreuzen dabei auch die Erdbahn, so daß ein Zusammenstoß mit der Erde jederzeit passieren kann. In einer TV-Sendung "Planetopia" (Sat. 1) wird dieses Problem dargestellt: Zunächst wird die Annäherung eines Asteroiden an die Erde simuliert, und die Folgen seines Einschlages werden gezeigt. Wann so etwas geschehen könnte, ist nicht vorausberechenbar. Viele Experten halten dies für unwahrscheinlich, andere sehen eine enorme Gefahr, die der Menschheit droht. Sie fordern dringend ein weltweites Frühwarnsystem. - Im Gegensatz zur Mondoberfläche, wo jede Einschlagspur seit vielen Millionen Jahren unverändert erhalten blieb, sind die Spuren auf der Erde vielfach durch Einflüsse wie Kontinentalverschiebung, Wind und Wasser fast unkenntlich geworden. Gut erhalten ist der 50 000 Jahre alte Krater in Arizona. Über Australien zerbrach vor 3 500 Jahren ein Gesteinsbrocken beim Eintritt in die Atmosphäre; seine Einzelstücke hinterließen eine Trasse der Verwüstung.

Auch in Europa gibt es Spuren, die auf den Einschlag eines Asteroiden vor 14,5 Mill. Jahren hinweisen: das Nördlinger Ries, einen Krater 25 km Durchmesser, und das Steinheimer Becken, 40 km entfernt. Beide sind vermutlich durch einen in zwei Teile zerbrochenen Asteroiden entstanden. Rund um den Erdball finden Wissenschaftler Spuren des kosmischen Bombardements. Der Einschlag der Bruchteile des Kometen Shoemaker-Levy auf Jupiter 1997 zeigte sehr eindringlich die Energien, die solche Ereignisse erzeugen. Einige der Einschläge hinterließen Spuren von der Größe der Erde. Die Milliarden Kometen, die in der Oortschen Wolke kreisen, können durch Gravitationskräfte in das Sonnensystem gezogen werden auf Bahnen, welche die Erdbahn kreuzen und mit unserem Planeten kollidieren können. Während unsere Galaxis um ihr Zentrum rotiert, schwingt das Sonnensystem auf und ab. Man vermutet, daß durch diese sich ständig verändernden Verhältnisse die Oortsche Wolke aus dem Gleichgewicht gerät und Kometen in das Sonnensystem stürzen. Vor 65 Mill. Jahren traf ein 10 km großer Asteroid die Erde und löschte 70 bis 90 % des Lebens aus. Betroffen waren die Saurier - ein Glück für die Menschen, denn dadurch konnten sich die Säugetiere entwickeln und im Zuge der Evolution zu Menschen werden. Die Frage ist die: Wann wird uns der nächste Einschlag treffen? Was kann man dagegen unternehmen? Zunächst muß der Asteroid entdeckt werden, und das ist schwierig, denn diese Himmelskörper sind aus dunkler Materie. Herr Professor Borgeest von der Sternwarte Hamburg sagt dazu: "Es müßte ein professionelles Programm weltweit entwickelt werden zur Entdeckung und Bahnbestimmung von Asteroiden und Kometen." Das VLT-Teleskopsystem in Chile soll leider nicht dafür eingesetzt werden, jedoch wären einige 2- bis 3-m-Teleskope dafür geeignet. Der Sat-1-Film zeigt die Folgen eines Kometen- bzw. Asteroiden-Einschlages. Neben starken Zerstörungen würde ein kosmischer Winter entstehen. Ohne Photosynthese würde keine Nahrung erzeugt werden können, und so würden die meisten Lebewesen nicht überleben. Flutwellen, Tsunamis, würden ganze Länder überfluten.
Würde ein Asteroid mit Kurs auf die Erde entdeckt, so wäre mit Hilfe von Laserstrahlen oder mit einem riesigen Parabolspiegel eine Kursänderung in der Zukunft denkbar. Große Sonden könnten auf dem Asteroiden landen und mit Hilfe von Sonnensegeln seinen Kurs ändern, oder ein gelandetes Triebwerk könnte das gleiche bewirken. Die einzige zur Zeit mögliche Lösung wäre der Beschuß mit einem atomaren Sprengkopf. Dr. David Morrison von der NASA sagt dazu, daß wir heute völlig hilflos wären, wenn ein solches Ereignis eintreten würde.

In der Nacht vom 17. zum 18. November 1998 kann - bei klarem Himmel - der Fall von vielen Meteoriten auf die Erde beobachtet werden. Für die Erdoberfläche ist allerdings nichts zu befürchten, da die nur einige Millimeter großen Körper in der Atmosphäre verglühen und als Sternschnuppen sichtbar werden. Allerdings sind die 400 aktiven Satelliten, die oberhalb der Lufthülle kreisen, gefährdet. Die Einschläge könnten Beschädigungen und Kurzschlüsse bewirken. Die Meteoritenschwärme sind Überreste des aufgelösten Kometen Temple-Tuttle (1886 I). Ihre Umlaufzeit um die Sonne beträgt zur Zeit 32,9 Jahre. Da sich die Auflösungsprodukte dieses Kometen noch nicht gleichmäßig über seine gesamte Bahn verteilt haben, sondern noch in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Kometen befinden, trat häufig in Abständen von 33 oder 34 Jahren ein stärkeres Maximum in der Aktivität der Leoniden ein. Dies war besonders in den Jahren 1799, 1883 und 1866 der Fall. Der dichtere Teil des Stroms wurde dann aber in den folgenden Jahren durch Bahnstörungen der großen Planeten Jupiter und Saturn aus der ursprünglichen Bahn herausgezogen, so daß es 1899 nicht wieder zu einem Höhepunkt kam. Erst später, nach einer erneuten Bahnstörung, geriet unsere Erde abermals in einen dichteren Teil des Leonidenschwarms. Am 17.11.1966 wurden in den USA im Maximum über 2000 Objekte pro Minute abgeschätzt. Ihre mittlere Geschwindigkeit beträgt 72 km/s. Im Mittel leuchten sie in 133 km Höhe auf und verschwinden in 89 km. Ihre mittlere Weglänge durch die Atmosphäre beträgt 87 km. Der Schwarm ist seit 902 n.Chr. bekannt.

Anschließend rezensiert Herr Mackowiak einige Neuerscheinungen astronomischen Inhalts auf dem Büchermarkt.

Herr Voigt dankt Herrn Mackowiak für seinen Beitrag und den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und schließt die Sitzung um 21.30 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
Montag, dem 14. Dezember 1998, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

Voigt, zt


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