WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
MIT ZEISS-PLANETARIUM BERLIN

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Protokoll der 416. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 14. Dezember 1998    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.20 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Jensch, Pitts, Schmitz, Sävecke, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Braschwitz, Fettkenheuer, Hiecke, Jahn, Merrettig, Tost und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und bestellt herzliche Grüße und Wünsche für ein frohes Weihnachtsfest von Herrn Hensel, einem langjährigen Teilnehmer unserer Gruppe. Leider kann er wegen Erkrankung nicht mehr kommen. Ebenfalls grüßt Frau Zucht alle Anwesenden, und wir danken ihr sehr herzlich für den unermüdlichen Einsatz zur Erstellung der Protokolle unserer Sitzungen.

Weitere 4 Briefe aus dem Iran sind eingetroffen. Zwei davon enthalten die Bitte, den Absender über unsere Produkte zu informieren. Es wird gebeten, eine komplette Serie von Katalogen und Listen der Produkte unserer Firma zu senden. Ich habe den Eindruck, daß dem Absender gar nicht bewußt ist, was der Name Gruppe Berliner Mondbeobachter bedeutet.

Wie zu Beginn einer jeden Sitzung wird der Mond in der Phase gezeigt, wie er heute morgen, 24 Tage nach Neumond, am Himmel stand. Der Terminator liegt bei -23 Grad, und der Rundblick beginnt am Südrand mit dem Ringgebirge Scheiner und dem langgestreckten Krater Schiller. Darunter liegen die Krater Mee und Heinzel. Noch etwas schemenhaft erscheinen am Mondrand Schickard und Phocylides. Das Mare Humorum, das Meer der Feuchtigkeit, kommt ins Bildfeld und darüber der Lacus Excellentiae, der See der Vortrefflichkeit. Östlich davon liegt der Palus Epidemiarum, der Sumpf der Seuchen. Am Nordrand des Mare Humorum liegt das Ringgebirge Gassendi, sehr plastisch mit vielen Innenstrukturen. Richtung Norden erscheint der Oceanus Procellarum, das Meer der Stürme, begrenzt vom Riphäen-Gebirge. Am Westrand liegt Grimaldi mit dem sehr dunklen Kraterinneren. Dann erscheint Kepler mit seinen Strahlen, die sich mit denen von Aristarch überschneiden, der sehr hell leuchtet. Zwischen Aristarch und Herodot schlängelt sich das Schrötertal mit dem Kobrahaupt. Weiter nördlich erscheinen der Sinus Roris, die Bucht des Taues, und der Sinus Iridum, die Regenbogenbucht, mit den Caps Laplace und Heraclid. Dann wird der nördliche Rand sichtbar mit den Kratern Philolaus und J. Herschel.

Eine Bedeckung des Aldebaran ( Tauri) durch den Mond wird am 31.12.1998 kurz nach Mitternacht zu beobachten sein. Der Eintritt erfolgt um 00:39,3 und dauert bis 01:37,3 MEZ. Der hohe Stand des Mondes ermöglicht, klaren Himmel vorausgesetzt, eine gute Beobachtung des Ereignisses.

Der für den 17./18. November angekündigte Meteroritenschwarm der Leoniden war nicht das spektakuläre Ereignis, das vorausgesagt worden war. Eine Video-Aufzeichnung zeigt die Eindrücke und Enttäuschung der Beobachter. Die Vorankündigung versprach einen starken Sternschnuppenfall von bis zu 15.000 Stück in der Stunde. Eine Reportage aus Japan am frühen Morgen des 18.11. zeigt viele Menschen, die auf das Ereignis warteten und die schon erfreut waren, wenigstens eine Sternschnuppe zu sehen! In Europa stiegen Beobachtungsteams sogar hinauf zum Matterhorn. Hier wurden bereits in der Nacht vom 16. zum 17.11., also eine Nacht früher als berechnet, die meisten Meteoriten, ca. 40 Stck. pro Stunde, beobachtet. Nach Angaben von Otto Guthier von der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) steigerte sich die Anzahl gegen Morgen, als gegen 5 Uhr bis zu 222 Stück in 15 Minuten registriert wurden. Es scheint recht schwierig zu sein, den genauen Zeitpunkt zu bestimmen, in dem die Erde einen Meteoritenschwarm kreuzt. Froh waren die Satellitenbetreiber, denn ihre Geräte wurden von Einschlägen verschont.

Eine weitere Video-Aufzeichnung zeigt die Montage des amerikanischen Moduls Unity an das russische Modul Sarja, das bereits vor Monaten in den Orbit geschossen wurde und der erste Baustein der ISS (International Space Station) war. Zunächst wird das genaue Andocken gezeigt und dann die Verbindung der elektrischen Leitungen beider Module, die von den Astronauten im freien Raum in 6 Stunden durchgeführt wurde. Während der 5-jährigen Bauzeit werden 75 solcher Raumspaziergänge stattfinden, die mit 1000 Std. Arbeitszeit verbunden sind. Bis zum Jahr 2004 müssen noch 100 Bauteile ins All gebracht werden. Dazu werden 43 Flüge notwendig sein. Die nächsten Arbeiten sind für Mai 1999 geplant.

Anschließend berichtet Herr Tost über neueste astronomische Forschungsergebnisse:

  • Eine neue globale Karte des Mondes zeigt den Gehalt an Helium-3. Die Daten stammen von den Raumschiffen Clementine und Lunar Prospector. Der potentiell saubere und effektive Energielieferant konzentriert sich deutlich in den Maregebieten der Mondrückseite. Dies ist ein natürlicher Ausleseeffekt, da Helium-3 durch den Sonnenwind zum Mond gelangt und die Vorderseite beständig durch die vorbeiziehende Erde abgedeckt wird.

  • Der Schüler Tobias Schädel aus Bad Homburg hat über e-mail vier seiner ersten Mondbilder geschickt, die er mit seinem neuen Reflektor und einer Olympus C-400 Digitalkamera gemacht hat. Für "erste Aufnahmen" sind die Bilder hervorragend gelungen. Besonders zu begrüßen ist der Enthusiasmus, mit dem hier aktiv an die Mondfotografie herangegangen wird. Auch im Zeitalter der den Mond umkreisenden Raumschiffe ist die Beobachtung von der Erde aus immer noch reizvoll und voller Überraschungen.

  • Ein Bild mit der ersten Aufnahme der Starlight MX5C CCD-Kamera am 75-cm Spiegel wurde herumgegeben. Es zeigt Saturn und vier seiner Monde. Obwohl die Belichtungszeit nur 0,16 Sekunden betrug, ist der Saturn an einigen Stellen schon überbelichtet, ein Zeichen dafür, wie lichtstark das große Spiegelteleskop auf dem Insulaner ist. Die Cassinische Teilung und die Wolkenbänder sind deutlich auf der Aufnahme zu erkennen. Das Bild wurde inzwischen als Bild der Woche 51/98 im Internet veröffentlicht.

  • Neu ist auch der Nachweis eines Einschlages in den Saturnring. Der Meteoroid von etwa der Größe eines Basketballes schlug bereits vor über 20 Jahren in den F-Ring ein. Die Entdeckung wurde erst jetzt auf alten Aufnahmen von Voyager-II gemacht, die das Ereignis über einen Zeitraum von zwei Wochen mitverfolgen konnten. Nach ersten Abschätzungen sollen pro Jahr 20 Einschläge allein im F-Ring stattfinden. Offenbar lohnt es sich immer noch, die Bilder von anscheinend längst abgeschlossenen Raummissionen zu untersuchen.


    Für Europa ist die totale Sonnenfinsternis am 11.8.1999 ein besonderes Ereignis, was z.B. Astrologen veranlaßt, düstere Prognosen zu stellen. Frau Elisabeth Tessier, eine bekannte Astrologin, glaubt, daß die Erde von der größten Katastrophe aller Zeiten bedroht wird. Gerade am 11. August 1999 gibt es eine nach ihrer Ansicht gefährliche Planetenkonstellation: Sonne, Mond, Saturn, Mars, Uranus und Neptun bilden ein spannungsgeladenes Quadrat, was Umweltkatastrophen hervorrufen könnte, und Frau Tessier verbindet die Weissagung des Nostradamus', daß im 7. Monat des Jahres 1999 ein großer Schreckenskönig vom Himmel steigen werde, mit dem Umstand, daß die NASA plant, am 11.8.1999 den Kurs der Sonde "Cassini" in Richtung Erde zu programmieren, um sie zu beschleunigen. Sollte sie durch einen Programmierungsfehler auf der Erde einschlagen, würden weite Teile der Erde radioaktiv verseucht werden. Allerdings könnte die harmonische Stellung von Jupiter und Venus zur Hoffnung Anlaß geben! - Nun, wir werden sehen, was auf uns zukommt!

    Die Wissenschaft der Astronomie war früher eng mit der Astrologie verbunden. Trotz neuer Erkenntnisse ist der Glaube an den Einfluß der Gestirne auf das Schicksal noch weit verbreitet. Unter dem Thema "Sterne und Zeichen" finden im Planetarium der Wilhelm-Foerster-Sternwarte Berlin jeweils sonntags am 20.12.98, am 17.1.99 und am 14.2.99 um 11 Uhr in Zusammenarbeit mit Radio EINS Veranstaltungen statt, in denen man vieles über Sternbilder und Sternzeichen erfahren kann. Hierbei werden Astronomen, Astrologen und Wissenschaftler verwandter Sparten sowie Esoteriker persönliche Fragen der Besucher klären. Die Teilnahme wird sicher sehr interessant sein.

    Zum Abschluß reszensiert Herr Voigt das Buch "Geschichte der Astronomie in Berlin" von Prof. Dieter B. Herrmann und Dr. Karl-Friedrich Hoffmann (ISBN 3-86021-018-1).
    Die ausgezeichnete geschichtliche Darstellung beginnt im Jahre 1451 mit dem Bau des Berliner Schlosses, in dem Kurfürst Joachim I die Studien der Astrologie und der Astronomie förderte und eine Art Sternwarte errichtete, in der 1522 Johann Carion den Himmel beobachtete. 1709 wurde die Akademie-Sternwarte in der Dorotheenstadt unter Leitung von Kirch in Betrieb genommen, und auch erste meteorologische Beobachtungen wurden registriert. Weltbekannte Berliner Gelehrte trugen mit bemerkenswerten Forschungsarbeiten zum modernen Bild des Universums bei, wie 1781 W. Herschel mit der Entdeckung des Uranus und 1846 Galle mit der Entdeckung des Neptun. Sehr ausführlich wird die Geschichte der Institute beschrieben, die es sich zur Aufgabe machten, astronomische Kenntnisse der Öffentlichkeit zu vermitteln. Von der Urania, der Archenhold-Sternwarte und der Wilhelm-Foerster-Sternwarte werden astronomische Forschungsergebnisse mit einer Vielfalt von Vorträgen und Veröffentlichungen einem großen Kreis der Bevölkerung zugänglich gemacht. Das Buch sollte jeder Astronomie-Interessierte besitzen; es ist an der Kasse der Berliner Sternwarten zum Preis von 16,80 DM zu erwerben.

    Herr Voigt dankt Herrn Tost für seine Ausführungen und allen Anwesenden für ihre Aufmerksamkeit und Diskussionsbeiträge, wünscht allen ein frohes Weihnachtsfest sowie ein gutes neues Jahr und schließt die Sitzung um 21.20 Uhr.

    Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
    Montag, dem 11. Januar 1999, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

    gez. Tost, Voigt, zt


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