WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
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Protokoll der 417. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 11. Januar 1999    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.25 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Pitts, Sävecke, Schmitz, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Mackowiak, Merrettig, Tost und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Teilnehmer, wünscht allen ein frohes neues Jahr und gibt bekannt, daß wiederum ein Neujahrsgruß von der Familie Ahrens aus Randburg/Südafrika an die Berliner Mondbeobachter eingetroffen ist, für den wir uns sehr bedanken. Herr Voigt führt weiterhin aus:
"Wenn wir noch einmal auf das Weihnachtsfest zurückblicken, in dem ja der Stern von Bethlehem eine wesentliche Rolle spielt, so nimmt man an, daß die Erscheinung auf eine enge dreifache Konjunktion von Jupiter und Saturn im Jahre 7 vor der Zeitrechnung zurückzuführen ist. Wie in einem Artikel der "Berliner Morgenpost" vom 24.12.1998 berichtet wird, glaubt der englische Astronom Dr. Mark Kidger von der Internationalen Sternwarte Teneriffa eine andere Lösung gefunden zu haben. So soll im März des Jahres 5 vor der Zeitrechnung die Supernova OD Aquilae erschienen sein. Kidger stieß auf 2000 Jahre alte chinesische Chroniken, die von einer ungewöhnlich hellen Himmelserscheinung berichten, die 70 Tage und Nächte geleuchtet haben soll. Sie könnte im Morgengrauen den drei Weisen den Weg nach Bethlehem gezeigt haben."

Herr Voigt zeigt den Mond, wie er heute morgen zu sehen war. 23 Tage nach Neumond liegt der Terminator bei -10 Grad in abnehmender Phase. Der Überblick beginnt im Süden, wo das Ringgebirge Clavius plastisch am Terminator erscheint, darunter Longomontanus und Wilhelm, rechts davon der langgestreckte Krater Schiller. Weiter nördlich liegen Mee und Hainzel und der Lacus Excellentiae, der See der Vortrefflichkeit. Vitello und der Palus Epidemiarum, der Sumpf der Seuchen, sind nun zu sehen, an die sich das Mare Humorum, das Meer der Feuchtigkeit, mit dem Krater Pitatus anschließt. Plastisch erscheinen Bullialdus und Agatharchides sowie Gassendi, der am Rande des Mare Humorum liegt. Der Blick wandert vorbei am Mare Cognitum mit dem Riphäengebirge und dem Fra-Mauro-Gebiet (Landepunkt von Apollo 14) zum Mare Insularum mit Lansberg, Reinhold und Copernikus im Oceanus Procellarum, dessen Strukturen am Terminator scharf hervortreten. Darunter liegen das Gebirge der Carpathen am Rande des Mare Imbrium mit Timocharis, Lambert und Euler. Hell leuchtet Aristarch, dessen Strahlen in die des Kepler hineinragen. Nördlich begrenzt wird das Mare Imbrium vom Sinus Iridum mit den Caps La Place und Heraclid, die leuchtend hervorragen. Über das Jura-Gebirge wird das Mare Frigoris erreicht mit Philolaus, Anaximenes, Carpenter, Anaximander und J. Herschel.


Anschließend zeigt Herr Bock eine Reihe von Dias, die er im Laufes des Jahres 1998 aufgenommen hat:

  • 1. Der volle Mond am 12.5. mit einem farbigen Halo in verschiedenen Belichtungszeiten. Dabei zeigt sich, daß der Helligkeitsunterschied zur Mondoberfläche bei der Abbildung des Halos zu groß ist, um gleichzeitig die Mare-Struktur des Mondes darzustellen. Bei verschiedenen Belichtungszeiten sind die farbigen Ringe bei 50 mm Brennweite sehr gut zu erkennen.
  • 2. Die schmale Mondsichel am 20.7. und 20.8. erscheint zusammen mit Venus, Mars und Prokyon am Morgenhimmel, aufgenommen mit 35 mm Brennweite.
  • 3. Die schmale Sichel des Mondes am 23.10., mit einem 300-mm-Tele aufgenommen, läßt bereits Einzelheiten erkennen.
  • 4. Der Orion, aufgenommen mit einem 135-mm-Tele und 4 sowie 9 s Belichtungszeit, läßt den Nebel deutlich erscheinen. Eine weitere Aufnahme - ohne Nachführung - zeigt die Strichspuren des Orion.


    Eine Vorschau auf das Jahr 1999 weist auf einige Ereignisse hin:

  • 1. Am 16.2. ereignet sich eine Ringförmige Sonnenfinsternis, deren Totalitätszone weit im Süden über den Indischen Ozeon verläuft und erst spät das australische Festland erreicht und am Great Barrier Reef endet. Da sich die Sonne in Erdnähe befindet und der Mond in Erdferne, wird ein schmaler Ring um die Sonne nicht verfinstert.
  • 2. Die Totale Sonnenfinsternis am 11.8. ist für Europa ein besonderes Ereignis, denn nach 112 Jahren verläuft die Zone der Totalität wieder einmal über Deutschland. Über nähere Einzelheiten der Beobachtung wird in den nächsten Sitzungen berichtet.
  • 3. Die Halbschattenfinsternis des Mondes am 31.1. beginnt um 16.04 Uhr MEZ. Das Maximum ist um 19.17 Uhr erreicht, das Ende um 20.30 Uhr. Der Mond geht in Berlin um 16.46 Uhr auf, bereits im Halbschatten. Somit kann das Ereignis nur zum Teil beobachtet werden.
  • 4. Die partielle Mondfinsternis am 28.7. kann in Europa nicht beobachtet werden, nur in Amerika ist sie zu sehen. Die Daten: Eintritt in den Halbschatten um 10.56 Uhr MEZ, Maximum 13.33 Uhr, Austritt aus dem Kernschatten 14.45 Uhr.
  • 5. Ein Merkurvorübergang vor der Sonne ist am 15.11 zu erwarten, und zwar von 22.15 bis 23.07 Uhr MEZ. (Bei uns ist zu dieser Zeit Nacht - eine Beobachtung ist nur in Amerika oder Australien möglich.)


    Anschließend zeigt Herr Voigt eine Video-Reportage vom gelungenen Start der Sonde Mars-Polar-Lander. Die ersten Bilder zeigen den Start und den Flug, der durch Regenwolken beginnt. 756 Mill. km lang ist der Weg zum Mars und wird fast ein Jahr dauern. Nach der Ankunft wird der Lander über dem Südpol seinen Fallschirm öffnen und hinunterschweben, wobei einige Bremsraketen ein weiches Aufsetzen ermöglichen. Mit einem Roboterarm soll das Gerät Proben von der Marsoberfläche aufnehmen und im bordeigenen Labor untersuchen. Die Sonde soll herausfinden, ob am Südpol des Mars Eis existiert. 327 Mill. Dollar gibt die NASA für diese und eine weitere Mission aus, um das Klima des Mars zu erforschen.

    Herr Tost berichtet über neueste Forschungsergebnisse. Er reicht zunächst die farbkodierten Bilder nach, die den Gehalt von Helium-3 auf dem Mond dokumentieren.

  • Neben diesen neuesten Karten vom Mond zeigt er anschließend noch zwei Ansichten des Mondes aus dem letzten Jahrhundert. Ein Bild zeigt eine Zeichnung des Kraters Archimedes von 1880 und ein weiteres eine Ansicht eines Künstlers, wie man sich damals die Mondoberfläche vorstellte: Zerklüftet und eher vulkanisch in der Ausprägung. Dieses Bild ist heute durch Nahaufnahmen und die APOLLO-Landungen längst revidiert worden.

  • Eine Einsicht in den Mond in mehrfacher Hinsicht stellen die nächsten Bilder dar: Von Herrn Tony Cook, der der Mondgruppe gut bekannt ist, stammt ein digitales Geländemodell vom Krater Hayn. Der Krater liegt bei 85° Ost, 65° Nord und hat einen Durchmesser von 80 km. Aus Bildern der Raumsonde Clementine hat Herr Cook, der jetzt in Washington am Smithsonian Institute arbeitet, ein Höhenmodell berechnet und herausgefunden, daß der Kraterrand 600 m oberhalb der Ebene liegt, während sein tiefster Punkt 5,1 km darunter liegt. Dieser gewaltige Höhenunterschied von 5,7 km ist kein Einzelfall; selbst größere Unterschiede sind bereits an weiteren Stellen des Mondes entdeckt worden. Das Höhenmodell wurde durch mehrere perspektivische Ansichten veranschaulicht, die im Institut für Planetenerkundung des DLR in Berlin-Adlershof erstellt wurden.

  • Die Raumsonde "Lunar Prospector" hat seine Primärmission erfolgreich abgeschlossen und beginnt jetzt eine Erweiterungsmission. Dazu wurde der Orbit von über 100 km auf 30 km gesenkt. Dadurch sollen das gemessene Magnet- und das Gravitationsfeld in besonderen Bereichen deutlich verfeinert werden. Aufgrund erheblicher Höhenunterschiede auf dem Mond (s.o.) und weil die Bahn nur alle 14 Tage korrigiert werden kann, wurde ein 20-km-Orbit ausgeschlagen.

  • Im Januar 1999 gibt es wieder einen "Blue Moon". Dies ist ein zweiter Vollmond innerhalb desselben Kalendermonats und tritt nur ca. alle drei Jahre einmal auf. 1999 gibt es jedoch gleich im März einen zweiten "Blue Moon". Dieses "Doppel" gibt es nur ca. dreimal pro Jahrhundert, wenn der Monat Februar gar keinen Vollmond hat. (1914, 1961, 1999 sowie 2018, 2037, 2048). "Once in a blue moon" übersetzt man sinngemäß mit "...alle Jubeljahre...". Der Name soll auf die äußerst seltene Blaufärbung des Mondes durch Staubpartikel in den oberen Luftschichten zurückgehen.


    Zum Abschluß berichtet Herr Voigt über einen neuen "Fotografischen Mondatlas", der im Springer-Verlag, London, erschienen ist (ISBN 1-85233-018-X), DM 69,--. Er wird vom Verlag wie folgt beschrieben: Der Atlas ist völlig überarbeitet und beträchtlich erweitert durch Jeremy Cook, den ehemaligen Leiter der BAA Lunar-Section. Er enthält sehr gute Bilder, aufgenommen von Commander Henry Hatfield mit einem 30-cm-Reflektor. Die ganzseitigen Fotografien zeigen die Oberfläche des Mondes in unterschiedlichen Beleuchtungswinkeln und Librationen. "Dies ist ein wichtiges Buch für jeden Mondbeobachter", schreibt der Springer-Verlag.

    Herr Voigt dankt Herrn Tost für seine Ausführungen und den Anwesenden für ihre Aufmerksamkeit und schließt die Sitzung um 21.25 Uhr.

    Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
    Montag, dem 8. März 1999, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

    gez. Tost, Bock, Voigt, zt


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