WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
MIT ZEISS-PLANETARIUM BERLIN

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Protokoll der 418. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 8. März 1999    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.40 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Jensch, Pitts und Wühle sowie die Herren Bock, Braschwitz, Fettkenheuer, Haase, Hartmann, Jahn, Kupsch, Merrettig, Schumacher, Tost und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Teilnehmer und berichtet von einer Reportage des TV-Senders B1, die das Thema Mond und Mondgruppe beinhalten soll. Sie soll am 30.5.99 gesendet werden. Die Aufnahmen und Interviews wurden im Planetarium und in der Sternwarte gemacht.

Die enge Begegnung von Venus und Jupiter am Abendhimmel des 23.2.99 war mehrfach Thema in den Zeitungen. Die beiden Planeten näherten sich bis zu 9 Bogenminuten Abstand, also eine halbe Vollmondbreite. Die eindrucksvolle Konjunktion wird mit dem Stern von Bethlehem verglichen, der allerdings als Konjunktion von Jupiter und Saturn angenommen wird. Die Astrologen glauben, daß der große Glücksbringer Jupiter und die Venus, welche für Glück und Liebe steht, bei ihrer Begegnung ein superglückliches Ereignis bewirken könnten - aber keiner der Anwesenden hat davon etwas bemerkt!

Der aktuelle Mond wird im Video gezeigt, wie er in der zweiten Nachthälfte am Himmel steht. 20 Tage nach Neumond liegt der Terminator bei +27 Grad in abnehmender Phase. Der Blick beginnt auf der Nordseite mit den Ringgebirgen W.Bond, Meton und Barrow. Darüber liegen das Mare Frigoris und das Gebirge der Alpen mit Plato und dem Alpental. Am Terminator erscheinen sehr plastisch Aristoteles, Eudoxus und der versunkene Krater Alexander. Der Kaukasus und die Apenninen tauchen auf am Rande des Mare Serenitatis, in dem als heller Fleck der Krater Linné leuchtet. Am Südrand des Serenitatis zeigen sich Plinius, Ross und der offene Krater Julius Cäsar, der schon am Rande des Mare Tranquillitatis liegt, in dem einige Meeresrücken zu erkennen sind. Rechts davon liegen die Ariadaeus- und die Hyginus-Rille und weiter südlich, bereits am Terminator, die Zwillingskrater Sabine und Ritter. Am Rande des Mare Tranquillitatis erstreckt sich der Sinus Asperitatis, die Bucht der Rauhheit, in die der helleuchtende Rand des Theophilius hineinragt, während sein Kraterboden bereits im Schatten liegt. Cyrillus und Catharina erscheinen sehr plastisch. Darüber beginnt das Altai-Gebirge. Weiter geht der Blick zur kraterzerfurchten Südseite mit Zagut, Rabbi-Levy und Riccius. Weiterhin folgen Stöfler, Maurolycus und Barocius. Der Rand des Hommel ragt noch aus dem Schatten, und dann ist der gebirgige Südrand erreicht. Den Abschluß bildet ein Blick auf Tycho mit seinen Strahlen.


Eine weitere Video-Aufzeichnung zeigt eine Reportage vom Jupiter-Abend am 18.1.99, der der Wilhelm-Foerster-Sternwarte einen großen Besucherstrom bescherte. In vier Kurzvorträgen berichteten DLR-Wissenschaftler von den jüngsten Ergebnissen der Galileo-Mission. Insbesondere die nahen Vorbeiflüge am Eismond Europa zeigten unglaubliche Ansichten des Eispanzers, der zugleich Anlaß gab zu Spekulationen über das Vorhandensein eines Ozeans unter der Eiskruste. Leider war das Wetter nicht klar, so daß eine Beobachtung des Jupiter mit dem Bamberg-Refraktor nicht möglich war und nur eine Video-Aufzeichnung ein Abbild des Planeten zeigen konnte.


Anschließend berichtet Herr Voigt über die Möglichkeiten, die anstehende Totale Sonnenfinsternis am 11.8.1999 in Foto und Video festzuhalten. Für die fotografische Aufname sollte eine Spiegelreflexkamera verwendet werden. Die Abbildungsgröße der Sonnenscheibe ist bedingt durch die verwendete Brennweite. Der Durchmesser des Sonnenbildes entspricht 1/100 der Brennweite; also F = 500 mm ergibt ein Sonnenbild von 5 mm  Durchmesser. Aufnahmen der Teilverfinsterung müssen mit einer Sonnenfilterfolie vor dem Objektiv belichtet werden. Zunächst zeigen drei Dias von einer partiellen Finsternis am 29.4.76 die teilverfinsterte Sonne, aufgenommen in verschiedenen Bedeckungsphasen mit einem Fernrohrobjektiv von F = 1350 mm mit Sonnenfilter. Das 13,5 mm große Sonnenbild wäre für eine totale Finsternis zu groß, denn die Korona würde nicht in das Bildfeld hineinpassen.
Eine weitere Reihe von Dias zeigen die totale Sonnenfinsternis vom 11.7.1991 in Mexiko. Hier wurde ein f8/500-Spiegelobjektiv mit einem 1,5fach Tele-Konverter verwendet, der den Fokus auf f11/750 mm verlängerte. Als Filmmaterial wurde Fujichrome 200 verwendet. Die Reihe beginnt mit einer Belichtungszeit von 1 s; die Korona ist in voller Ausdehnung zu sehen, jedoch wird durch die Helligkeit der inneren Korona die Mondscheibe überstrahlt. 1/2 s Belichtungszeit mildert die Überstrahlung, und bei 1/4 s ist die Überstrahlung noch geringer, jedoch sind nun von der äußeren Korona einige Partien bereits verschwunden, wenn auch die Mondscheibe nicht mehr so sehr überstrahlt ist. Waren bisher Protuberanzen nicht zu erkennen, so erscheinen sie bei 1/8 s Belichtung. Die weiteren Aufnahmen mit 1/15 u. 1/30 s zeigen nur noch die Protuberanzen mit einem leichten Schein der inneren Korona. 1/60 s läßt die Protuberanzen in schöner Klarheit erscheinen, jedoch die Korona ist verschwunden.
Eine Video-Aufnahme derselben Finsternis wurde mit einer Hi8 Sony V900E aufgenommen. Der Film beginnt mit der immer schmaler werdenden Sonnensichel, die teilweise mit Sonnenfilter, durch einen Wolkenschleier jedoch ohne Filter die Bedeckung bis zur Totalität verfolgt. Hier ergab sich der gleiche Effekt wie der mit der Fotokamera. Die volle Korona ist sichtbar, jedoch die Mondscheibe erscheint überstrahlt. Erst bei Abblendung des Objektives sind die Protuberanzen zu erkennen, aber auch hier verschwinden dann die äußeren Partien der Korona.
Nach diesen Erfahrungen ist es ratsam, mit unterschiedlichen Blenden und Belichtungszeiten zu arbeiten.


Anschließend berichtet Herr Schumacher über seine geplanten Aktivitäten zur Totalen Sonnenfinsternis am 11.8.1999, die er in einem Dorf im Voralpenland ca. 20 km östlich von Salzburg beobachten wird: "Dieser Ort, A-5324 Faistenau, liegt zwar fast 50 km südlich der Zentrallinie; jedoch infolge einer besonderen persönlichen Beziehung zu diesem Ort, welche seit 35 Jahren besteht, wird der Aufenthalt zu einem 'Heimspiel'. Ich werde eine Woche vor dem Ereignis im Gasthof zwei Dia-Vorträge zu den Finsternis-Erscheinungen halten, u.a. auch den berühmten Adalbert-Stifter-Text verlesen, - aber auch Warnungen zum bevorstehenden Touristenrummel geben. Da bereits in den südlichen Teilen des Bundeslandes Salzburg keine Totalität zu sehen ist, muß mit erheblichem Ansturm von Schaulustigen aus südlicher Richtung zu rechnen sein."

Die eigentliche Beobachtung, an der bisher drei Personen aktiv teilnehmen werden, schaut etwa so aus:
Eine Polaris-DX-Montierung - nachgeführt - trägt

  • 1. ein Teleskop Celestron C-5 1:10m f = 1250 mm mit vorgesetztem Objektiv-Folienfilter der Fa. Baader, welches zum zweiten Kontakt leicht abnehmbar ist. Es werden im Fokus Serien-Fotos des Finsternisverlaufs mit einer Spiegelreflex-Kamera gewonnen.
  • 2. "Huckepack" auf dem SC-Teleskop befindet sich eine HI8-Videokamera mit abschaltbarer Automatik - auch für den Autofokus -, dafür mit manuell verstellbarer Belichtungszeit. Ein vorgesetzter 4x-Televorsatz erzeugt eine bildschirmgerechte Größe des Bildes der verfinsterten Sonne mit der Korona. An die Videokamera angeschlossen sind ein elektronischer Taktgeber für die zeitgeraffte Aufnahme der Finsternis sowie ein kleiner tragbarer Farbmonitor zur Beurteilung des Finsternisverlaufs. Es kann auch ein Polarisationsfilter (zirkular) vor das Objektiv gesetzt werden, um während der Totalität mittels Drehung des Polfilters in 90 Grad-Schritten das polarisierte Licht der Korona darzustellen. Die Lichtdämpfung für die Videokamera erfolgt wiederum durch ein leicht auf- und absetzbares Folienfilter.
  • 3. Es wird mit einer zweiten Videokamera in Weitwinkelposition gegen den Westhimmel das Herannahen des Mondschattens und nach einem schnellen Schwenk nach Osten auch das Verschwinden des Schattens registriert. Hierbei kann auch auf vorhandenen hellen Flächen das Phänomen der sog. "fliegenden Schatten" aufgenommen werden. Eine dritte Kamera, eventuell auch eine Super-8-Filmkamera, soll das ganze Umfeld der Beobachtung für die Nachwelt erhalten, vielleicht nimmt sie aber auch im Zeitraffer-Modus die alles störenden Wolken auf...
  • 4. Eine Spiegelreflexkamera mit der Möglichkeit der Mehrfachbelichtung wird, versehen mit einem 28mm-Weitwinkelobjektiv, eine komplette Reihe der Finsternis auf ein einziges Bild aufnehmen und
  • 5. eine weitere Spiegelreflexkamera mit einem sog. Fish-Eye-Vorsatz wird im 10-Minuten-Takt die Himmelsfärbung, den Wolkenzug und den Schatten des Mondes an den Wolken und auf der Erde aufnehmen.

    Die gesamte Programmgestaltung soll, obwohl es hier im Bericht kompliziert zu lesen ist, möglichst einfach und effektiv sein.
    Abschließend soll noch darauf hingewiesen werden, daß durch meine Anregung und durch die Initiative des Bürgermeisters in den Schulklassen möglichst viele Sonnenschutzbrillen aus Rettungsfolie gebastelt werden.


    Um einen Eindruck von den Erlebnissen einer Sonnenfinsternisexpedition zu vermitteln, zeigt Herr Voigt einen Film von Herrn Rose, der einen Eindruck von einer Expedition gibt, welche eine Gruppe der Urania-Sternwarte Jena am 31.7.1981 unternahm. Der Film beginnt mit der Beschreibung des langen Weges nach Ost-Sibirien. Von Chabarowsk ging die Fahrt auf dem Amur nach Mariinskoje, dem Beobachtungsort. Der Film zeigt die etwas primitiven Unterkünfte. Eine russische Gruppe vom Starnberg-Institut hatte ihre Geräte bereits aufgebaut, und die Teilmnehmer der Jenaer Gruppe konnten hier ebenfalls ihre Geräte aufstellen. 80 kg Gepäck in Form von Fernrohren und Kameras wurden ausgepackt und installiert. Am Tag der Finsternis regnete es zunächst, aber vor dem Beginn der Bedeckung klarte es auf, und die Beobachtung konnte beginnen. Während der nur 121 Sekunden dauernden Totalität konnten eine Reihe von Aufnahmen gemacht werden. Die Korona und Protuberanzen wurden sichtbar. Der Film endet mit dem Wiedererscheinen der Sonne und dem Ende der Finsternis. Er zeigt deutlich die Vielzahl der Aktivitäten, die notwendig sind, um erfolgreich gute Aufnahmen einer Sonnenfinsternis zu erzielen und dies unter Zeitdruck, denn das Ereignis geht schnell vorüber.


    Zum Abschluß verliest Herr Voigt einige Berichte, die Herrn Tost über das Internet erreichten:

    Lunar Prospector Mission, Report Nr. 71 vom 28.2.99
    Der Lunar Prospector arbeitet einwandfrei und sammelt gute wissenschaftliche Daten während einer verlängerten Orbit-Mission. Vier von fünf Meßinstrumenten sind eingeschaltet: Das Gammastrahlen-Spektrometer, das Neutronen-Spektrometer, das Magnetometer und das Neutronen-Reflektometer. Daneben werden weiterhin Daten für das Doppler-Gravitations-Experiment gesammelt. Der Datenüberträger arbeitet und wird abgeschaltet, wenn sich der Prospector hinter dem Mond befindet, um Energie zu sparen. Während der 50. Umrundung konnte das Abschaltkommando wegen Senderproblemen nicht gesendet werden, aber es gab keinen Ausfall der Batterie. Jedoch geschah bei der 51. Umrundung eine Einschaltverzögerung, so daß Daten von 28 Minuten verlorengingen. Während der 56. Umrundung wurden die Antriebe aktiviert, womit der Orbit für weitere 28 Tage gesichert ist.

    Meldung vom 24.2.99: Mysteriöses Objekt entdeckt
    Ein Gesteinsklumpen von 50 m Durchmesser wurde beobachtet, der die Sonne nahe der Erdbahn umrundet. Das Objekt, welches an 10.2.99 mit einem Asteroiden-Teleskop in New Mexico entdeckt wurde, erhielt den Namen "Linear" und könnte ein Felsbrocken vom Mond sein, sagen die Astronomen. Nach Beobachtungen in sechs Nächten berechnete das Havard-Smithsonian-Center für Astrophysik, daß der Umlauf um die Sonne 1,09 Jahre dauert. Der Orbit ist nur 9 Mill. km ferner von der Sonne als der der Erde. Die Umlaufbahn ist extrem ungewöhnlich, denn Kometen und Asteroiden, welche die Erdbahn kreuzen, haben normalerweise exzentrische Bahnen. Es existiert lediglich ein asteroidartiges Objekt, genannt 1991 VG, das eine erdähnliche Umlaufbahn hat. Als es vor 8 Jahren entdeckt wurde, nahmen die Astronomen an, daß es sich um ein Raumfahrzeug handeln könnte, das sich der Erdanziehung entzogen hat. Das neue Objekt, genannt 1999 CG9, ist heller als 1991 VG, und so muß es mit 30 bis 50 m Durchmesser größer sein als ein Raketenrest. "Die beste Erklärung wäre, daß es sich um ein Felsstück des Mondes handelt" sagt Brian Marsden vom Havard- Smithsonian-Center. 12 kleine Mond-Meteoriten wurden bereits auf der Erde gefunden, also gibt es welche. Wenn vom Mond etwas fortgeschleudert wird, so geht es in einen Orbit um die Sonne, ähnlich wie der Mond. Bisher wissen die Astronomen nichts über die Beschaffenheit der entdeckten Objekte. Sie hoffen mit Hilfe des Spektrums die Beschaffenheit der Felsen analysieren zu können und festzustellen, ob sie mit Mondmaterial übereinstimmen.

    Anschließend zeigt Herr Tost drei Bilder des Vollmondes, 1990 aufgenommen am Steward-Observatory 2,3 m Telescope am Kitt Peak, Arizona, mit einer Platin-Silicium Kodak Infrarot-Kamera. Die Bilder stammen von Mark McCaughrean vom Astrophysikalisches Institut Potsdam, der freundlicherweise die Erlaubnis gab, diese in unserem Mondprotokoll zu verwenden. Die (wesentlich größeren) Originalbilder finden sich auf seiner Webseite.

  • Bild Nr. 1 zeigt den südlichen Mondrand mit seinen Bergen, aufgenommen durch ein K-Breitband-Filter 1,0-2,4 micron, welches die Gebirgslandschaft sehr plastisch darstellt.
  • Bild Nr. 2 zeigt Plato mit Umgebung, aufgenommen mit einem H-Breitband-Filter 1,4-1,8 micron, das die Vollmondlandschaft ziemlich flach erscheinen läßt.
  • Bild Nr. 3 zeigt denselben Ausschnitt wie Nr. 2, aufgenommen mit L-Breitband-Filter 3, 1 - 3,6 micron; die Darstellung erscheint viel plastischer, bedingt durch die Temperaturunterschiede.

    Die Nordränder der Krater und Berge erhalten weniger Sonnenlicht und sind dadurch etwas kühler. Dadurch erscheinen sie als Schatten, bedingt durch die Filterwirkung.


    Herr Voigt dankt den Referenten für ihre Ausführungen und allen Anwesenden für ihre Aufmerksamkeit und Diskussionsbeiträge und schließt die Sitzung um 21.40 Uhr.

    Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
    Montag, dem 10. Mai 1999, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

    gez. Schumacher,Tost, Voigt, zt


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