WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
MIT ZEISS-PLANETARIUM BERLIN

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Protokoll der 420. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 14. Juni 1999    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.30 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Jensch, Sävecke, Schmitz und Wühle sowie die Herren Bock, Fettkenheuer, Jahn, Merrettig, Tost und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung und gibt bekannt, daß das langjährige Mitglied der Mondgruppe, Herr Gerhard Hensel, verstorben ist. Einige der Teilnehmer werden an der Trauerfeier am 16.5.99 teilnehmen. Herr Hensel war ein aktives Mitglied der Gruppe und hat mit Aufnahmen vom Mond und von Finsternissen dazu beigetragen, die Sitzungen interessant zu gestalten.

Der aktuelle Mond kann nicht gezeigt werden, da er in der Neumondphase ist. Nach einem weiteren Neumond wird sich die totale Sonnenfinsternis vom 11.8.1999 ereignen, zu der von der Reisegruppe der WILHELM-FOERSTER-STERNWARTE eine Exkursion nach Stuttgart gemacht wird. Letzte Fragen zur Abbildung des Ereignisses in Foto- und Videoaufnahmen werden in der nächsten Sitzung am 12.7.99 beantwortet. Zu diesem Thema ist ein Modellplan vom Kosmos-Verlag erschienen: "Schwarze Sonne über Europa" von Hermann-Michael Hahn (ISBN 3-440-07787-X; DM 9,95): "Am 11. August 1999 erleben wir das astronomische Ereignis des Jahrhunderts, eine totale Sonnenfinsternis. Das darf man sich auf keinen Fall entgehen lassen, denn die nächste Sonnenfinsternis wird Deutschland erst im Jahr 2135 erreichen. Was passiert bei einer Sonnenfinsternis? Wie kann man sie am besten beobachten? Alle Fragen rund um dieses Naturschauspiel beantwortet das KOSMOS-Astro-Package. Spannende Facts, lebendige Illustrationen und Fotos informieren über die Sonne und das Sonnensystem. Im Mittelpunkt steht die Sonnenfinsternis, auf die man sich jetzt schon einstimmen kann. Man darf auf keinen Fall mit ungeschützten Augen in die Sonne sehen! Für den garantiert richtigen Durchblick enthält das Package deshalb eine spezielle Sonnensichtbrille mit zertifizierter Schutzfolie. Um die Zusammenhänge besser verstehen zu können, kann die Bahn des Mondes um die Erde im Modell nachgestellt werden. Erde- und Mondfigur können aus dem Bastelbogen ausgebrochen werden, mit einer Taschenlampe wird die Sonne simuliert, und fertig ist die Sonnenfinsternis."

Der United Soft Media-Verlag hat zur Sonnenfinsternis vom 11.8.99 eine CD-Rom erstellt, die nachfolgendes beinhaltet: Die (Hybrid) CD-Rom enthält alles Wissenswerte über die Sonne, das Sonnensystem und die Entstehung von Sonnenfinsternissen. Faszinierende audiovisuelle Animationen von den Programmierern des marktführenden virtuellen Planetariums RedShift3 veranschaulichen alle Vorgänge am Himmel, die zur totalen Sonnenfinsternis am 11.8.99 führen. Die CD-Rom wird zum Sammlerstück, mit dem noch die Enkelkinder eine Dokumentation des Naturschauspiels erleben können, wenn die Besitzer der Scheibe sich ein Live-Video, das vom Deutschen Museum in München aufgezeichnet wird, von der USM-Website auf ihre CD-Rom herunterladen. Das astronomische Top-Ereignis mit der Redshift-Sonderedition Sonnenfinsternis, das Jahrhundertereignis, ist ab 15.6.99 zu DM 19,95 im Buch- und Software-Handel sowie im Pressegrosso erhältlich.


Dann berichtet Herr Voigt über ein Experiment, welches in einer e-mail von der University of Texas, Austin, beschrieben wird: Wie schon früher berichtet, wird Wasser an den Polgebieten des Mondes vermutet, was für die Einrichtung einer Mondstation und die Erzeugung von Treibstoff von großer Bedeutung wäre. Nun haben Ingenieure und Wissenschaftler der NASA und Los Alamos eine Idee entwickelt, um dies mit einem Experiment nachweisen zu können. Die Mondsonde Lunar Prospector wird ihre Mission zum Ende des Sommers einstellen müssen, denn der Treibstoff ist dann verbraucht. Anschließend würde die Sonde auf die Mondoberfläche stürzen. Prof. David Goldstein meint, man könnte den Aufsturz gezielt dahingehend steuern, daß die Sonde in einen der Krater einschlagen würde, in denen Eis vermutet wird. Geplant ist der Absturz zum 31. Juli 1999. Zwar ist das Vorhandensein von Eis in den Kratern des Nordpols gemessen worden, denn deren Böden werden nie von der Sonne beleuchtet, aber bisher fehlt der überzeugende Beweis. Den Einschlag der Sonde könnte man jedoch nicht unmittelbar beobachten, da die Pole des Mondes nicht einsehbar sind. Durch den Aufschlag würde jedoch für einige Minuten eine Trümmerwolke entstehen, die Eiskristalle und Wasserdampf enthalten müßte. Da der Mond keine Atmosphäre hat, würde sich die Dunstwolke möglicherweise einige Stunden halten können. Zur Beobachtung würden das Hubble Space Telescope und das Keck Observatory in Hawaii eingesetzt werden. Die NASA hat ihre vorläufige Zustimmung gegeben, aber die endgültige Entscheidung steht noch aus.


In einer weiteren e-mail berichtet das Boston University Center über die Entdeckung eines Natrium-Schweifes des Mondes: Die Beobachtungen wurden am McDonalds Observatory in Fort Davis, Texas, gemacht in den Nächten, die den Leonidenschauern im November 98 folgten. Der Natrium-Schweif war bis zu einer Entfernung von 800 000 km vom Mond zu erkennen. In den drei darauffolgenden Nächten veränderte sich seine Erscheinung. Seit dem Apollo-Programm wußten die Wissenschaftler, daß der Mond eine sehr dünne Atmosphäre hat. Der Professor der Astronomie, Michael Mendillo, sagte dazu: "Sie wird durch eine dauerhafte Verdunstung des Oberflächenmaterials erzeugt und verläßt den Mond oder fällt wieder auf seine Oberfläche zurück. Es ist eine aus verschiedenen Gasen bestehende flüchtige Atmosphäre, wie man sie auch auf Kometen findet. Natriumgas wurde schon vor Jahren entdeckt. Da es Sonnenlicht reflektiert, war es möglich, dadurch Veränderungen der Atmosphäre des Mondes zu beobachten, die weniger als 50 Natriumatome pro Kubikzentimeter enthält (auf der Erdoberfläche enthält die Atmosphäre 1019 Moleküle pro Kubikzentimeter). Die modernen Kamerasysteme des Labors können die dünnen Gase der Umgebung des Mondes bis zu einer Entfernung von mehreren Radien fotografieren. Während der November-Beobachtungen richtete das BU-Team seine hochempfindliche Kamera in die entgegengesetzte Richtung vom Mond und konnte die Erscheinung des Mondschweifes aufnehmen. Am 17. November war Neumond, und wir warteten auf die Leoniden. Am 18. November entdeckte das Team einen kleinen Fleck von Natriumstrahlung über dem dunklen Himmel von Texas, und am 19. November war er größer und heller, um am 20. November schwächer zu werden. Zunächst konnte sich das Team die Erscheinung nicht erklären, und es wurden verschiedene Theorien erörtert. Ein Komet war auszuschließen wie auch mögliche Fehler der Instrumente. So meinte Dr. Judy Wilson, das Phänomen des Natriumgases könne nur vom Mond kommen, und versuchte das Problem mit Computersimulation und visueller Technik zu lösen. Die Einzelheiten paßten gut zusammen. Meteoriten der Leoniden waren auf dem Mond eingeschlagen und hatten Natriumgas freigesetzt. Durch den Druck des Sonnenlichtes und die Gravitation der Erde wurden sie zu einem langen Schweif gebündelt, der dann in entgegengesetzter Richtung zum Neumond sichtbar wurde. Wenn er tausendmal heller wäre, würden wir ihn als leuchtende orangefarbene Wolke mit dem bloßen Auge am Himmel sehen können. Ähnliche Beobachtungen, die bereits am vorhergehenden 21. August gemacht wurden, bestätigten die Erscheinung, die auch hier drei Tage lang nach Neumond zu sehen war, wenn auch etwas schwächer. Was wir bisher nicht wissen, ist, ob die flüchtige Atmosphäre des Mondes durch Meteoriten hervorgerufen wird oder durch kleine Teilchen von schnellen Natriumatomen, die der Mondoberfläche entfliehen können."


Am 30.4.99, in einer Vollmondnacht, wurde die TV-Reportage über unsere Mondgruppe vom Sender B1 ausgestrahlt, die folgendes berichtete:
Nach einem Blick auf die Kuppel der Sternwarte erscheint der Vollmond am Planetariumshimmel über der Silhouette von Berlin. Herr Meyer erklärt die Stellung des Mondes und kann die Frage nach der mentalen Wirkung des Vollmondes auf ihn nur verneinend beantworten - wie auch Herr Bock. Auch Herr Voigt ist nicht mondsüchtig, ist jedoch an der Beobachtung der vielfältigen Strukturen der Mondoberfläche sehr interessiert, die in verschiedenen Beleuchtungsphasen sehr unterschiedlich erscheinen. So entstand die Idee, den Mond in allen Phasen zu fotografieren und diese Aufnahmen in einem BERLINER MOND-ATLAS zusammenzufassen, dessen 1. Auflage vor über 30 Jahren erschien.
Die Reportage zeigt den Ablauf der 31 Phasen, die ineinander überblendet wurden. Auch eine der Video-Mondaufnahmen in 150facher Vergrößerung, gewonnen am 6"-Refraktor der Sternwarte, wird gezeigt, von denen inzwischen 22 Phasen auf einer 3stündigen Video-Kassette zusammengestellt wurden, die über das Planetarium erworben werden kann.
Die Landung der ersten Menschen auf dem Mond vor 30 Jahren war sein eindrucksvollstes Erlebnis, sagt Herr Voigt.


Die Apollo-Flüge zum Mond sind das Thema eines Video-Filmes vom ZDF aus der Reihe "Discovery", der anschließend gezeigt wird.
Der Film beginnt mit der Landung von Apollo 11 auf dem Mond, die von 500 Millionen Fernsehzuschauern miterlebt wurde. Ein uralter Traum wurde Wirklichkeit.
Eine Rückschau zeigt Präsident Kennedy während einer Rede 1961, in der er sagt: "Bis zum Ende des Jahrzehnts soll ein Mann auf den Mond geschickt werden und sicher wieder zur Erde zurückkehren". Der sowjetische Vorsprung war für die Amerikaner eine nicht zu duldende Schmach. Zunächst erschien das Ziel irreal, denn die notwendige Technik war noch gar nicht entwickelt, jedoch am 20.7.1969 landeten die ersten Amerikaner auf dem Mond. Der Film zeigt den Start von Apollo 11 und die Annäherung an den Mond, die Abkoppelung der Landefähre 'Adler', deren Annäherung an die Mondoberfläche und die Probleme vor dem Aufsetzen. Ein Computer fällt aus. Wird der Aufschlag zu hart? - Dann kommt die erlösende Nachricht: "Der Adler ist gelandet". - Die Fahne wird aufgestellt, und Mondgestein wird gesammelt. Entfernungsbestimmungen sind für die Astronauten schwierig. Die Empfindungen beim Anblick der Erde beschreibt Neil Armstrong so: "Man kann sich nicht vorstellen, daß auf dem kleinen blauen Ball, den man mit dem Daumen bedecken kann, Milliarden von Menschen wohnen." Dann werden die Aktivitäten der Astronauten gezeigt, wobei die geringere Schwerkraft des Mondes sichtbar wird, denn die Astronauten können sich in leichten Sprüngen fortbewegen trotz der schweren Ausrüstung, die sie mit sich tragen müssen.
Während der drei letzten Mond-Missionen wurden zur Erkundung der Umgebung Roover benutzt, Elektromobile, die einen größeren Aktionsradius ermöglichten. Zum Abschluß des Filmes wird eine Rückkehr gezeigt, die Bremsung durch die Erdatmosphäre und der Abstieg der Kapsel mit Hilfe von Fallschirmen.
- Eine genaue Beschreibung der Apollo-Missionen wurde vor 10 Jahren von Herrn Andreas Liebold in unseren Protollen aufgezeichnet. -


Herr Tost zeigt eine, allerdings recht kleine, Probe des Mondgesteins, eingeschlossen in einem Glasröhrchen. Es ist schon ein eindrucksvolles Erlebnis für die Mondbeobachter, ein kleines Stückchen des Mondes ist der Hand zu halten. Wir danken dafür!


Herr Voigt dankt den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und Diskussionsbeiträge und schließt die Sitzung um 21.30 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
Montag, dem 12. Juli 1999, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Voigt, Tost, zt


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