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Protokoll der 421. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 12. Juli 1999    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.35 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Sävecke, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Fettkenheuer, Jahn, Merrettig, Tost und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung und gibt bekannt, dass zwei Briefe aus dem Iran eingetroffen sind. Von Herrn Bannuscher aus Herschbach erhielten wir ein Schreiben bezüglich der im Protokoll 419 erwähnten Beobachtung von Herrn Vogeno aus Köln ("Die Steinsäule"). Auch Herr Bannuscher hat vergeblich versucht, das Objekt zu orten. Schon vor Beginn der Sitzung hatten sich einige Teilnehmer mit dem Zusammensetzen eines Puzzlespiels beschäftigt, das den Vollmond zeigt. Nach einer Idee von Herrn Tost wurde das Vollmondbild des Berliner Mondatlas, vergrößert auf 68 cm Durchmesser, auf eine Holzplatte aufgezogen und von Herrn Bock in 25 Teile zu einem Puzzle zerschnitten. Es ist schon eine recht gute Kenntnis der Mondoberfläche notwendig, um das Spiel zum Vollmond zusammenzusetzen.

Der aktuelle Mond wird gezeigt. Zwei Tage vor Neumond ist nur noch eine schmale Sichel zu sehen, aufgenommen am 28.9.97. Der Terminator liegt bei -47 Grad. Am Südrand liegen die Ringgebirge Phocylides und Schickard. Von unten wandern die Krater Vourier, Vieta und das dunkle Ringgebirge Grimaldi ins Blickfeld. Hansteen und Billy erscheinen am Westrand des Oceanus Procellarum sowie Grimaldi, ebenso Reiner mit dem hellen Fleck und der Krater Marius. Aristarch liegt bereits im Schatten, nur Herodot ist noch zu sehen. Der Berg Rümker befindet sich plastisch direkt an der Schattengrenze. Am südlichen Rand sind die Ringgebirge Babbage, Pythagoras und Anaximander zu erkennen.

Einige Möglichkeiten, die totale Sonnenfinsternis am 11.8.1999 im Bilde festzuhalten, wurden bereits im Protokoll 418 angesprochen. Über seinen eigenen Plan berichtet Herr Voigt, der das Ereignis mit einer Digital-Video-Kamera aufnehmen möchte: Die Kamera wird auf ein Stativ montiert und so ausgerichtet, dass die Sonne mit Hilfe eines Schneckenganges in Handnachführung im Bildfeld gehalten werden kann. Zwischen dem 1. und 2. Kontakt wird die Kamera mit einem Sonnenfilter versehen und in jeder Minute für 5 Sekunden ausgelöst. So entsteht ein Zeitrafferfilm. Kurz vor dem 2. Kontakt soll versucht werden, das Perlschnurphänomen festzuhalten. Während der Totalität wird versucht, jetzt ohne Filter, mit unterschiedlichen Blendeneinstellungen die äußere und die innere Korona darzustellen wie auch die Protuberanzen. Mit einem Polarisationsfilter, das während der Aufnahme in verschiedene Positionen gedreht werden soll, könnte die unterschiedliche Polarität der Korona sichtbar werden. Kurz vor dem Ende der Totalität wird wiederum der Perlschnureffekt erwartet und anschließend, nun wieder mit Sonnenfilter, der Austritt des Mondes ebenfalls im Zeitraffer aufgenommen. Hoffen wir auf einen klaren Himmel!

Einige Probeaufnahmen der Sonne werden gezeigt, aufgenommen mit Sonnenfilter und verschiedenen Blenden. Die Belichtungsautomatik zeigt ein zu helles Sonnenbild. Bei einer Abblendung sind jedoch die Sonnenflecken in einigen Gruppen zu erkennen. Neben den technischen Arbeiten sollte man sich jedoch für eine Minute Zeit nehmen, um das eindrucksvolle Ereignis mit den Augen zu betrachten, um auch die ganz persönlichen Empfindungen zu spüren.


Anschließend zeigt Herr Voigt einen Video-Film, der vom Sender 3Sat unter dem Titel "Querdenker" ausgestrahlt wurde anlässlich der Sonnenfinsternis am 11.8.1999. Zunächst wird auf die Wirkung von Sonne und Mond als Tages- und Nachgestirn hingewiesen, und dann werden in Computerdarstellungen die Bahn des Mondes und die Entstehung einer Sonnenfinsternis sowie ihr totaler Verlauf demonsstriert. Ein Zeitraffer zeigt die immer schmaler werdende Sichel der Sonne, wobei der Perlschnureffekt sehr gut sichtbar wird. Dann erscheint die Korona, und der Eindruck der Verfinsterung auf die Zuschauer wird wiedergegeben. Beim Wiederaustritt (3. Kontakt) leuchtet der Diamantring. Die anstehende Sonnenfinsternis wird als Jahrhundertereignis bezeichnet, obgleich ja fast jedes Jahr eine totale Sonnenfinsternis stattfindet, die allerdings nur an unterschiedlichen Orten der Erde sichtbar ist. Da sie diesmal über Europa verläuft, wird ihr eine besondere Wirkung zugeschrieben, was die Astrologen zu Spekulationen über schlimme Ereignisse veranlasst. Wie bereits im Protokoll 416 berichtet, wird der Kurs der Sonde Cassini am 11.8.99 dahingehend korrigiert, dass sie in einer Entfernung von nur 1000 km am 18.8.99 die Erde passiert und dadurch an Geschwindigkeit gewinnt, was einen Weiterflug zum Jupiter und zum Saturn ermöglicht. Cassini hat 33 kg Plutonium an Bord. Würde die Kurskorrektur fehlgehen, so könnte die Sonde auf die Erde stürzen und die Atmosphäre vergiften, was ein großer Schaden für die Menschheit wäre. Wissenschaftler behaupten jedoch, dass das Risiko einer Fehlsteuerung nur 1: 1 Million wäre. Außerdem weisen Astrologen auf die besonders ungünstige Stellung der Planeten zu dieser Zeit hin, was auf eine Katastrophe schließen lassen könnte. Den Abschluss des Filmes bilden einige underschöne Aufnahmen von Protuberanzen der Sonne und der Hinweis darauf, dass unser Tagesgestirn als wichtigster Energiespender erst das Leben auf der Erde möglich macht.


Zum Abschluss überreicht Herr Tost den Anwesenden eine Nachricht vom CNN, dass der Astronaut Pete Conrad im Alter von 69 Jahren bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt ist. Seit 1962 war er bei der NASA und erreichte 1965 mit Gemini 5 einen ersten Langflug. 1966 wurde er Pilot von Gemini 11. 1969 war er als Kommandant von Apollo 12 der dritte Mann, der den Mond betrat. Während der ersten Skylab-Missionhmen mit dem Ziel der kommeruziellen Nutzung des Weltraums. Er hinterlässt seine Frau, vier Söhne und sieben Enkelkinder.al Space Lines und mehrere Tochterunternehmen mit dem Ziel der kommeruziellen Nutzung des Weltraums. Er hinterlässt seine Frau, vier Söhne und sieben Enkelkinder.


Herzlichen Dank an Frau Sävecke für eine Kopie der Beschreibung der Sonnenfinsternis vom 8.7.1842 von Adalbert Stifter und an Frau Thom für Kopien von Forschungsberichten über Mondmärchen und Mondzauber in der Literatur. In den nächsten Sitzungen soll darüber näher gesprochen werden.

Herr Voigt dankt den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und ihre Beiträge, wünscht allen ein gutes Wetter für die Sonnenfinsternis am 11. August und schließt die Sitzung um 21.35 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
Montag, dem 13. September 1999, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Tost, Voigt, zt


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