WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
MIT ZEISS-PLANETARIUM BERLIN

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Protokoll der 422. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 13. September 1999    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.40 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Proske, Sävecke, Schmitz, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Braschwitz, Dahle, Fettkenheuer, Haacke, Hartmann, Jahn, Merrettig, Schumacher und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung und gibt bekannt, dass der heutige Abend den Beobachtungsergebnissen der totalen Sonnenfinsternis vom 11.8.1999 gewidmet sein soll. Jedoch wird zu Beginn der Mond in der heutigen Phase gezeigt.
3,8 Tage nach Neumond erscheint uns der Erdbegleiter noch in einer schmalen Phase. Am südlichen Terminatorrand liegen die Krater Rosenberger und Vlacq, darunter Steinheil und Watt. Weiter nördlich finden sich Furnerius, Stevinus und Snellius. Sehr plastisch erscheint Petavius mit dem schräg verlaufenden Innenwall. Vendelinus liegt bereits am Rande des Mare Fecunditatis, in dem einige Dorsa, Meeresrücken, zu erkennen sind, ebenfalls erscheint Langrenus. Nördlich von Taruntius kommt das Mare Crisium in Sicht, umgeben von einem gebirgigen Rand, der im Kontrast steht zu seiner fast kraterlosen Oberfläche. Macrobius tritt gerade aus dem Schatten. Darunter liegen die Krater Cleomedes, Burckhardt, Geminus und Messala am Lacus Spei, dem See der Hoffnung, darunter die Krater Atlas und Endymion, an die sich De la Rue anschließt. Ganz am Rande ist das Mare Humboldtanium zu sehen. Mit der gebirgigen Nordseite endet der Rundblick.

Anschließend zeigt Herr Haacke einige Aufnahmen der totalen Sonnenfinsternis vom 11.8.1999, aufgenommen in Oberschweinbach, 10 km nordwestlich von Fürstenfeldbruck. Im Gegensatz zu den westlichen Gebieten war hier das Wetter sonnig mit zeitweise geringer Bewölkung, die jedoch erst 20 Minuten nach der Totalität aufkam. Die mit einer Pentax ME mit Belichtungsautomatik und Tele-Objektiv Dörr Danubia 8/500 mit Baader-Folie gewonnenen Aufnahmen zeigen eine Reihe von Phasen bis zum Perlschnur-Effekt, auf denen auch einige Flecken zu erkennen sind. Dann folgen Fotos der Totalität, nun ohne Filter, auf denen die Korona und einige Protuberanzen zu sehen sind. Besonders eindrucksvoll sind Aufnahmen des Diamantringes kurz nach dem Ende der Totalität. Herr Haacke berichtet, dass kurz vor der Totalität die Hühner gegackert haben und sich die Straßenbeleuchtung einschaltete. Nach dem Ende der Totalität krähte der Hahn.

Darauf berichtet Herr Schumacher vom Ablauf der totalen Sonnenfinsternis in der österreichischen Gemeinde Faistenau, Bundesland Salzburg: "Seit über zwei Jahren wurden von mir in diesem Ort mit Vertretern der Gemeinde Kontakte gepflegt, um den Einwohnern und Feriengästen ein Maximum an Kenntnissen zu vermitteln und um den allgegenwärtigen Gerüchten wegen diverser Weltuntergänge vorzubeugen. Da dieser Ort gewissermaßen unsere 'zweite Heimat' seit über 35 Jahren ist, fühlte ich mich in dieser Hinsicht verpflichtet, und die Möglichkeit eines 'meteorologisch bedingten Ausweichens' zur Finsternis kam nicht in Betracht. Frau Erika Freydank, langjährige Amateurastronomin und frühere Leiterin der Sektion "Venus" in der Vereinigung der Sternfreunde (VdS), begleitete uns während dieses fast dreiwöchigen Aufenthalts in Faistenau. In einem früheren Vortrag in der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft der Wilhelm-Foerster-Sternwarte wurde das geplante Programm zur Sonnenfinsternis bereits vorgestellt und auch im Großen und Ganzen durchgeführt (siehe auch das Protokoll der Mond-Gruppe Nr. 418 vom 8. März 1999).
Die Wetterbedingungen am 11.8.1999 waren recht aufregend: Nach einem äußerst schweren Gewitter am Abend des 9.8. (Frontgewitter) bestand die Gefahr eines Wetterumschwungs, der die heiße, aber heitere Wetterlage der Vorwoche abrupt hätte beenden können. Jedoch, der 10.8. war nun wiederum warm und gering bewölkt, und die Hoffnung stieg. Der Wetterbericht des ORF-Landesstudios Salzburg verhieß für den 11.8. wechselhaftes Wetter mit Schauern und Gewittern, und statt der ursprünglichen 55% gute Chancen für die Sonnenfinsternis wurden nur noch 30% eingeräumt
Der Morgen des 11.8. begann sonnig, dann überzog Altocumulus-Bewölkung den Himmel, und gegen 10 Uhr setzte Nieselregen ein. Die bereits aufgestellten Instrumente wurden abgedeckt, und die Mienen der Observateure verfinsterten sich... - Eine Stunde später wurde der Altocumulus heller und lockerer, und der erste Kontakt wurde jubelnd begrüßt. Nur noch wenige Wolken behinderten die Zeit zwischen erstem und zweitem Kontakt, und zur Totalität zeigte sich ein ausgedehntes Wolkenloch gnädig! Um 16 Uhr gab es wieder ein heftiges Gewitter, und Frau Freydank erinnerte sich an das 'Wunder von Galtö' 1954 in Schweden. Diesmal war es das 'Wunder von Faistenau'... - An einem Reflektor 125/1250 mm (Celestron C5) war eine KB-SR-Kamera im Fokus befestigt, welche die Sonne fokal aufnahm. Während der partiellen Phase war das Teleskop mit einer Baader-Filterfolie mit der Dichte 3.5 abgeblendet, welche während der Totalität abgenommen wurde. In der Zeit zwischen dem 2. und dem 3. Kontakt zeigten die Aufnahmen (Agfa Dia 100 ASA) eine Fülle von Details in der Korona, der Chromosphäre und den ruhenden Protuberanzen. Parallel zu diesem Teleskop war eine Videokamera mit 4x-Konverter befestigt, welche den Verlauf der Finsternis im timer-gesteuerten Aufnahmemodus aufzeichnete. Leider wurde im 'Eifer des Gefechts' der Timer-Ablauf zum 2. Kontakt nicht rechtzeitig abgeschaltet, und so konnte nur zum 3. Kontakt der sog. Diamantring gut aufgezeichnet werden. Frau Freydank konnte mit einem digitalen Camcorder der neuesten Generation, aufgestellt auf einem Fotostativ, die Totalität und den dritten Kontakt sehr eindrucksvoll aufzeichnen. Auch die Belichtungszeit wurde variiert, und die Korona wurde sowohl im helleren engen wie auch im weiteren fernen Bereich gut dargestellt. Eine fest auf Stativ aufgestellte Spiegelreflexkamera Ricoh, welche die technische Möglichkeit der Mehrfachbelichtung besitzt, d.h. Belichtung des Films ohne zwischenzeitliches Weiterschalten, wurde von meiner Frau bedient. Alle 15 Minuten belichtete sie mit einem 35-mm-Objektiv die Gegend um die Sonne. Zwei Aufnahmen wurden zwar von Wolken verdeckt, aber die restlichen 10 Aufnahmen ergaben eine Kette von Abbildungen der sich verfinsternden und wieder heller werdenden Sonne mit der winzigen, total verfinsterten Sonne in der Mitte auf einem Dia. Frau Freydank gewann noch weitere gute Aufnahmen mit einem Objektiv 4/200 plus 2x-Telekonverter, welche bei variiender Belichtungszeit weitgehende Details der Finsternis zeigen. Eine Kamera mit aufgesetztem sog. 'Fisheye'-Objektiv zeigt fast 170 des Himmels und seiner Bewölkung und das Wolkenloch. Mein kurz vor der Totalität angereister Bruder konnte mit seinem Eigenbau-Reflektor 100/620 mm sehr fein durchgezeichnete Aufnahmen der Korona aufnehmen. In einem Videofilm von ca. 40 Minuten Dauer wurden alle diese Aktivitäten, erweitert durch den Nachrichtendienst des ORF vom Abend vor der Finsternis mit interessanten Hinweisen, in der Mond-Gruppe vorgeführt."

Dann zeigt Herr Voigt einen Videobericht von den Eindrücken der 17. astronomisch-geographischen Exkursion der Wilhelm-Foerster-Sternwarte nach Stuttgart:
Auf der Fahrt zum Beobachtungsort waren noch blaue Flecken am Himmel zu sehen, jedoch vor Ort war es feucht. Stative wurden aufgestellt für die Kameras, mit denen das Ereignis aufgenommen werden sollte. Doch dann zogen dicke Wolken auf, aus denen es in Strömen regnete. Im Bus lagen eine Anzahl von Kameras bereit, die Herr Bock vorbereitet hatte: Eine Elbaflex VX 1000 mit 2,8=50mm, eine Exakta VX 1000 mit Tele 1:5/300 und 2-fach-Telekonverter, zwei Nizo Super-8-Filmkameras und die notwendigen Sonnenfilter, für Video-Aufnahmen eine Sony Handycam mit Sonnenfilter. Alle diese Kameras sollten auf ein sehr stabiles Stativ montiert werden, das jedoch einsam im Regen stand! Kurz vor dem 2. Kontakt erschien die schmale Sonnensichel durch die Wolkenlücken. Kurzentschlossen versuchte Herr Voigt aus der Hand, unter dem Regenschirm, einige Videoaufnahmen. Ein Filter war nicht notwendig, denn die Wolken verdunkelten die Sonnensichel bis zum 2. Kontakt, und dann war es völlig dunkel, jedoch blieb die Korona unsichtbar. Helle Wolken am Westhorizont kündigten das Ende der Finsternis an, und nach dem 3. Kontakt gelangen einige Aufnahmen der wiedererschienenen Sonnensichel. Dann regnete es weiter. - Nach den Ergebnissen, die wir hier gesehen haben, zu urteilen, waren wir sicherlich am falschen Ort! Herr Voigt dankt den Herren Haacke und Schumacher für ihre Beiträge und allen Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und ihre Diskussionsbeiträge und schließt die Sitzung um 21.40 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
Montag, dem 11. Oktober 1999, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Haacke  gez. Schumacher   gez. Bock   gez. Voigt   zt


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