WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
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Protokoll der 423. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 11. Oktober 1999    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.40 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Pitts, Sävecke, Schmitz, Thom, Wühle und Zarbock sowie die Herren Bock, Fettkenheuer, Hartmann, Merrettig, Preuschmann, Schumacher, Tost, Voigt und Zarbock.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und gibt bekannt, dass Post für die Mondgruppe eingegangen ist: Ein Brief aus dem Iran mit Anforderung unseres Protokolls, ein weiterer Brief von Herrn Bannuscher aus Köln, mit dem wir seit einiger Zeit korrespondieren über ein Objekt, genannt "die Steinsäule" (siehe Protokoll 419). Ein Bild der Krater Aristoteles und Eudoxus zeigt die Position des Objektes an mit den Koordinaten 45 nördl. Breite und 13 östl. Länge. Es handelt sich um einen nach Norden gerichteten Grat einer Gebirgsgruppe südwestlich von Aristoteles. Auf einer VideoAufzeichnung wird das Bild identifiziert.

Ein weiterer Brief kommt von Herrn Manfred Walter aus Lübeck mit der Bemerkung, dass die hellen Strahlen, die sich von den Kratern Kopernikus und Kepler ausbreiten, wohl nicht aus Eis bestehen können, da es auf dem Mond kein Wasser geben kann. Diese Anfrage wird wie folgt beantwortet: "Nach den heutigen Erkenntnissen sind die MareEbenen vor 3,9 Milliarden Jahren durch Asteroideneinschläge entstanden, die anschließend von dunklem Lavamaterial überflutet wurden. Sehr viel später, vor 850 Millionen Jahren, entstanden die Krater Kopernikus und Kepler, ebenfalls durch Einschläge, die tief in das Krustenmaterial des Mondes eindrangen, das heller als die MareOberfläche ist. Daher stammen die hellen Kraterränder und die Auswürfe, die sich als helle Strahlen um die Krater ausbreiten." Eine VideoAufzeichnung der Strahlensysteme wird gezeigt.

Anschließend zeigt Herr Voigt den aktuellen Mond. Die sehr schmale Sichel des 2 Tage alten Mondes in zunehmender Phase zeigt die westlichen Randkrater Vega und Peirescius, darunter Furnerius und Snellius sehr plastisch am Terminator, wie auch Petavius mit Hase sowie Vendelinus mit Holden und Lame. Darunter erscheint Langrenus. Weiter nördlich, schon am Rande des Mare Crisium, liegen Apollonius und Firmicus. Nördlich vom Mare Crisium, das nur halb beleuchtet ist, sind Eimmart, Berosus und Hahn zu sehen. Direkt am Terminator tauchen Geminus, Messala und Mercurius gerade aus dem Schatten hervor.

Die Geschichte der Erforschung des Mondes wurde in der Mondgruppe seit 1992 nach dem jeweils aktuellen Stand besprochen. In der Zeitschrift "Sterne und Weltraum" Nr. 8/9/10 aus 1999 ist dieses Thema zusammengefasst worden, von den Anfängen der Mondforschung bis zu den Ergebnissen der Apolloflüge und Mondsonden. Unter dem Titel "Das Bild des Mondes" schreibt Peter Janle: "Den Beginn der Selenologie könnte man Thales von Milet zuschreiben. Er sagte eine Sonnenfinsternis für den 28. Mai 585 v.Chr. voraus und erklärte sie auch richtig mit der Bahnposition des Mondes zwischen Erde und Sonne. Seine Grundlage bildete wahrscheinlich die genaue Beobachtung der Chaldäer. Diese entdeckten den Saroszyklus, die Rückwärtsbewegung des Mondknotens innerhalb von 18 Jahren und 11 1/2 Tagen. Dann hat der Mond wieder die gleiche Stellung zu Sonne, Erde und Knotenlinie, so dass sich Sonnen und Mondfinsternisse im gleichen Zyklus wiederholen. Aristoteles (384-322 v.Chr.) leitete die Kugelform des Mondes aus Sonnenfinsternissen und wechselnden Mondphasen ab. Durch den hohen Stand der Geometrie gelang es erstmals Aristarch von Samos (320-250 v.Chr.), die Erde-Mond-Distanz mit 56 Erdradien zu bestimmen; der Fehler zum wahren Wert beträgt nur 7%. Es sei hier daran erinnert, dass Aristarch erstmals das heliozentrische System postulierte. Einer der größten Geometer des Altertums war Hipparch von Nizäa (um 190-120 v.Chr.). Er bestimmte die Erde-Mond-Entfernung fast genau mit 59 Erdradien (genau: 60,4) und den Mondradius mit 0,33 Erdradien (genau: 0,27). Er entdeckte weiterhin die Exzentrizität des Mondumlaufs und die Inklination der Mondbahn von 5% gegenüber der Bahn der Erde um die Sonne. Posidonius von Apameia (um 135-50 v.Chr.) führte die Meeresgezeiten auf die Einwirkung des Mondes zurück."

Aus dieser Zeit ist keine zeichnerische Darstellung der Mondoberfläche überliefert. Über die möglichen Gründe führt Herr Tost Nachfolgendes aus: Er wiederholt einen Vortrag, den er eine Woche zuvor auf dem 23. Berliner Herbstkolloquium der Amateurastronomen gehalten hat. Das Thema behandelt den Mond und die Tatsache, dass praktisch keine Zeichnung des Mondes vor der Erfindung des Teleskops im Jahr 1608 existiert. In allen alten Dokumenten findet man den Mond nur als symbolische Darstellung (meist als Sichel), obwohl der Mond doch für jeden sichtbar dunkle und helle Merkmale zeigt. Die einzigen bekannten Quellen mit diesen Merkmalen stammen von Leonardo da Vinci aus dem Jahr 1505 und von William Gilbert (1544-1603). Erst im Frühjahr 1999 wurde dann auf einem alten "Grabstein" aus Knowth, County Meath in Irland, eine Zeichnung als Monddarstellung klassifiziert, die 5.500 Jahre alt ist.

Nach Erfindung des Teleskops werden sehr bald Zeichnungen des Mondes angefertigt. Jedoch nicht Galileo Galilei gebührt die Ehre, damit begonnen zu haben, sondern Thomas Harriot, der am 26.7.1608 (dem 5.8.1608 gregorianischer Zeitrechnung) die erste Zeichnung anfertigt. Aus diesen rudimentären Ansätzen entsteht im Jahr 1610 das erste vollständige Mondbild. Ein Vergleich mit dem Blatt 19 des Berliner Mondatlas zeigt, dass die Proportionen und Positionen der Maria und Krater aber noch erhebliche Abweichungen aufweisen. Spätestens Cassini überliefert uns jedoch 1680 eine Zeichnung, in der auch sie stimmen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beginnt dann das Zeitalter der Mondfotografie.

Warum gibt es nun keine alten Zeichnungen? Das hat einerseits sicher gesellschaftliche Gründe. Alle Himmelskörper galten seit Aristoteles (384-322 v.u.Z.) als makellos, und es war dubios bis gefährlich, dagegen in Widerspruch zu treten. Weiterhin war es vor dem 17. Jahrhundert durchaus ungewöhnlich, sich in der Nacht nicht im Hause aufzuhalten. Wer war damals wach und warum? Mit welchem Material (Papier, Stift, Tinte, Pergament...) sollte man seine Aufzeichnungen festhalten? Warum sollte man den Mond zeichnen, und war es des Aufhebens wert? Vielleicht sind viele Aufzeichnungen schlicht wegen "Unwichtigkeit" irgendwann weggeworfen worden es gibt auch Gemälde alter Meister, die unerkannt jahrzehntelang auf irgendwelchen Dachböden vergessen wurden.
Es gibt jedoch noch ein anderes Problem: die Beobachtungsbedingungen. Ein Selbstversuch zeigte, dass es selbst bei Vollmond zu dunkel ist, um mit Bleistift auf einem Blatt Papier zu zeichnen. Erst mit einer adäquaten Beleuchtungsquelle war es hell genug, um eine Zeichnung anzufertigen. Es waren früher also mindestens eine Fackel oder Kerze erforderlich, dazu Schreibutensilien, ein freies Blickfeld und klarer Himmel. Auch das Zeichnen des Mondes "aus dem Gedächtnis" ist sehr, sehr schwierig.
Die Zeichnungen von Herrn Tost unter echten Umweltbedingungen angefertigt zeigen die Schwierigkeiten auf. Die erste Zeichnung ohne ausreichendes Umgebungslicht zeigt eine verblüffende Ähnlichkeit mit der von William Gilbert (vor der Erfindung des Teleskops). Ein praktischer Zeichenversuch der Anwesenden zeigt, dass durchaus brauchbare Skizzen zustande kommen. Allerdings muss man hier die äußerst günstigen Umstände betonen: Der Mond bestand aus einem etwas groß geratenen projizierten Dia des Vollmondes. Der Raum war angenehm beleuchtet, und das Papier lag auf einem Tisch (ansonsten muss man "aus der freien Hand" zeichnen).
Diese Erfahrung soll alle Mitglieder und Mondfreunde animieren, selber einmal den Mond in natura und ohne Hilfe eines Teleskops zu zeichnen. Dazu eignet sich übrigens jede beliebige Mondphase man muss nicht unbedingt auf einen Vollmond warten.
Wenn genügend Zeichnungen zustande gekommen sind, soll versucht werden, durch "Übereinanderlegen" der Zeichnungen herauszufinden, welche Strukturen auf dem Mond bevorzugt vom menschlichen Auge identifiziert werden. Reichen Sie bitte auch ihre Zeichnungen an die Mondgruppe ein. Die Ergebnisse des in der heutigen Sitzung der Mondgruppe durchgeführten Versuchs liegen diesem Protokoll bei.

Mondzeichnungen


Herr Voigt rezensiert einige Neuerscheinungen des KosmosVerlags mit astronomischem Inhalt: "Kosmos Himmelsjahr 2000 Sonne, Mond und Sterne im Jahresverlauf" von Hans Ulrich Keller: (ISBN 344007725x, 24,80 DM) Es ist das Jahrbuch für alle Sternfreunde mit aktuellen Fakten und fesselnden Hintergrundberichten aus Astronomie und Raumfahrt. Erster astronomischer Höhepunkt ist die totale Mondfinsternis in den Morgenstunden des 21. Januar, die von Mitteleuropa aus gut zu beobachten sein wird. 12 Monatsübersichten im kalendarischen Hauptteil des Buches beschreiben Mond und Planetenlauf und den jeweiligen Fixsternhimmel. Monatssternkarten, anschauliche Farbzeichnungen und Fotos sowie praktische Übersichten sorgen für den richtigen Durchblick. Spannende Fragen und aktuelle Themen werden in den Monatsschwerpunkten diskutiert: Kippt die Erdachse?, Was ist eine Hypernova?, Die Libration des Mondes, Auf dem Wege in die ewige Finsternis. Im Dezember gibt es schließlich eine Astronomische Vorschau auf das 21. Jahrhundert.

"Roter Mond über Europa" von Prof. Dieter B. Herrmann (ISBN 3440079473, 9,95 DM) Am 21. Januar 2000 wird in ganz Europa eine totale Mondfinsternis zu beobachten sein, deren Totalitätsphase über eine Stunde dauert. Zum richtigen Verständnis dieses Ereignisses informiert das ErlebnisPackage 'Roter Mond über Europa' leicht verständlich über alles Wissenswerte rund um den Mond. Das Leporello (Faltbuch) führt fundiert in das Phänomen Mondfinsternis ein, erklärt, wie man das Schauspiel mit bloßem Auge oder mit dem Fernrohr beobachten kann, und gibt eine Menge ExtraInfos zu unserem Erdtrabanten. Mit dem integrierten Modellplan kann man die Finsternis spielend leicht nachstellen. Zusätzlich lässt die beigelegte Monduhr mit einer Karte der Mondoberfläche ein ganzes Jahr lang die Mondphasen erkennen.

"Nachtleuchtende Sternkarte" für Einsteiger von Hermann-Michael Hahn, gestaltet von Gerhard Weiland (ISBN 3440079236, 24,90 DM) Wie oft steht man unter dem nächtlichen Sternenhimmel und versucht sich zurechtzufinden. Vielleicht erinnern Sie sich noch daran, als Sie das letzte Mal den Himmel bewusst betrachtet haben. Wo war denn der Große Bär und wo der Polarstern? Diese Karte verschafft Ihnen Gewissheit. Übersichtlich gestaltet und einfach zu handhaben, ermöglicht sie es auch im Dunkeln, schnell die Sterne, Sternbilder und Himmelsrichtungen zu bestimmen. Einfach Datum und Uhrzeit einstellen und mit einem Dreh hat man ein handliches Abbild des nächtlichen Sternenhimmels. Bevor Sie die Karte mit ins Freie nehmen, muss sie unter einer Lampe aktiviert werden, damit die Sternbilder hell leuchten. Ein praktisches Anleitungsbuch hilft bei der richtigen Handhabung der Sternkarte, erklärt die wichtigsten Sternbilder zu den verschiedenen Jahreszeiten und die Planetenstellungen und hält zahlreiche interessante Zusatzinformationen bereit.

Herr Voigt dankt Herrn Tost für seinen Vortrag und allen Teilnehmern für ihre aktive Teilnahme und schließt die Sitzung um 21.40 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
Montag, dem 8. November 1999, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Tost, Voigt, zt


Beilage: Zeichnungen des Vollmondes, entstanden in der heutigen Sitzung
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