WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
MIT ZEISS-PLANETARIUM BERLIN

Munsterdamm 90 * D-12169 Berlin * Tel. 030 / 790 093-0 * FAX: 030 / 790 093-12


Protokoll der 424. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 8. November 1999    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.25 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Jensch, Sävecke und Wühle sowie die Herren Bock, Fettkenheuer, Jahn, Mackowiak, Menelao, Merrettig, Starzynski, Tost und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Anwesenden und gibt bekannt, dass wiederum zwei Briefe aus dem Iran eingetroffen sind mit der Bitte um Zusendung des Protokolls.

Der aktuelle Mond kann nicht gezeigt werden, denn es ist Neumond. Jedoch wird eine Sternkarte projiziert, welche die Stellung von Sonne und Neumond am heutigen Tage zeigt. Der Mond steht 2 Grad nördlich der Sonne, so dass er die Sonne nicht verfinstern kann. Dies geschieht nur, wenn Sonnen- und Mondbahn sich bei Neumond kreuzen im sogenannten Drachenpunkt, wie es am 11.8.1999 eintrat - allerdings war die Beobachtung der Finsternis durch schlechtes Wetter stark beeinträchtigt. Zwei Aufnahmen zeigen die Korona und die Protuberanzen, von denen eine frei über der Sonnenoberfläche schwebt (aus VdS Journal Herbst 1999).

Eine e-mail, die uns von Herrn Tost überreicht wurde, berichtet über eine beobachtete spontane Veränderung auf der Mondoberfläche, Moonblinks oder auch Transient Lunar Phenomena (TLPs) genannt. Die meisten professionellen Astronomen akzeptieren diese Erscheinung kaum, da sie meist von Amateuren visuell beobachtet wurden. Nun berichtet eine Gruppe, geleitet von Bonnie Buratti (Jet Propulsion Laboratory) nach Auswertung von Messdaten der Sonde Clementine, dass Farbänderungen in der Gegend des Aristarch beobachtet wurden, und zwar am Kobrahaupt, welches den Anfang des Schröter-Tals bildet. Hier beginnt ein relativ junger vulkanischer Fluss, an dem schon öfter LTPs beobachtet wurden. Zwei Gebiete entlang des westlichen Walles waren am 27.4.94 deutlich röter verfärbt als am 3.3.94, als dasselbe Gebiet beobachtet wurde. Dies ist eine klare Bestätigung dafür, dass zwischen den beiden Beobachtungen eine Veränderung stattgefunden haben muss. Eine Reihe von Video-Aufnahmen, gewonnen am 12"-Bamberg-Refraktor, werden gezeigt und eine sehr detailreiche Aufnahme von der Lunar Chart der NASA. Das Schröter-Tal, größtes sinusförmiges Tal auf dem Mond, wurde nach dem Deutschen Selenographen Schröter benannt. Es beginnt 25 km nördlich des Kraters Herodot. Es erinnert an ein ausgetrocknetes Flussbett mit zahlreichen Mäandern. Das "Flussbett" entspringt in einem Krater von 6 km Durchmesser und erweitert sich auf 10 km. An seinem Beginn hat es die Form eines Kobrakopfes. Es verengt sich allmählich auf 500 m und endet am Rand eines viereckigen Festlandgebietes. Seine Gesamtlänge beträgt 200 km. Der Talboden ist eben, und in ihm windet sich eine weitere sinusförmige Rille, die von der Erde aus nicht sichtbar ist. Das Tal ist etwa 1000 m tief; gegen Ende nimmt seine Tiefe ab.


Krater Aristarch

Herr Starzynski zeigt einige Zeichnungen der Krater Aristarch und Herodot sowie vom Kobrahaupt und berichtet, dass dieses Gebiet in früherer Zeit oft ein Thema der Mondgruppe war, wie in alten Protokollen nachzulesen ist. Das Schröter-Tal war eines der Lieblingsobjekte von Herrn Brenske, dem langjährigen Vorsitzenden der Wilhelm-Foerster-Sternwarte. Farbänderungen dieser Gegend waren mehrmals beobachtet worden. Herr Starzynski führt dazu folgendes aus: "Nach der Presse-Meldung eines neuen 'Moonblinks' habe ich meine vor Jahrzehnten gemachten Zeichnungen durchgesehen und gebe hier einige zur Reproduktion (s. Beilage). Das Gebiet des Kraters Aristarch mit dem benachbarten Krater Herodot und das Schröter-Tal waren Ende der 50er Jahre die am meisten beobachteten Objekte der Berliner Mond-Gruppe. Die Gegend liegt auf einer Art von Mondscholle am Rande einer von Lava überfluteten ozeanischen Maarefläche. Das Schröter-Tal sieht aus wie ein vollgelaufener Gebirgsspalt. Das an seinem Rande befindliche sogenannte Schlangenhaupt ist ein Berg, der sehr hell sein kann und manchmal einen langen Schatten wirft. Es gibt weitere helle Stellen in der Umgebung. Der sonst wenig Farben zeigende Mond bringt auf dieser Mondscholle ein einigermaßen erkennbares Oliv hervor. Der Zentralberg des Aristarch ist wohl der hellste Punkt auf der Mondoberfläche. Doch diese sternartige Helligkeit ist nicht immer so auffällig. Das gilt auch für andere helle Stellen. Die Libration scheint eine große Rolle zu spielen. Damit ändern sich Einblickwinkel und Schattenlängen. Landschafts-Teile werden sichtbar oder unsichtbar. Manche Einzelheit ist nur selten zu bemerken, und wer darauf hofft, das gleiche noch einmal zu sehen, muss eventuell auf eine ganz bestimmte Mondstellung warten. Das kann unter Einbeziehung der Wetterlage Jahre dauern. Bei besonders hellen Stellen liegt immer der Verdacht nahe, dass in weniger guten Fernrohrsystemen Farbsäume merkbar werden, die sonst nicht auffallen. Das Zusammentreffen aller genannten Möglichkeiten macht es sehr schwer, eventuell echte Beobachtungen zu beweisen oder zu wiederholen. Die Moonblinks werden uns noch für lange Zeit Anlass für Diskussionen liefern, doch leider sind es für die Beobachter 'undankbare Dinger'! Trotzdem - wir sollten weiter suchen; es sind noch längst nicht alle Rätsel gelöst!"

Eine weitere e-mail berichtet von einem Treffen der American Astronomical Society Division (Astronomische Vereinigung für Planetenforschung), dass nun endgültig feststeht, dass beim gezielten Einschlag des Lunar Prospector in einem in ewiger Dunkelheit liegenden Polarkrater des Mondes, in dem Eis vermutetet wurde, keine Wolke als Folge des Einschlages beobachtet wurde, obgleich Teleskope rund um die Erde zu diesem Zeitpunkt auf den Mond gerichtet waren. Ed Baker vom MacDonalds Observatory sagte dazu: Es gibt verschiedene Erklärungen dafür, dass wir kein Wasser feststellen konnten: Es könnte sein, dass die Sonde den vorausberechneten Einschlagspunkt verfehlte und dadurch die Teleskope in die falsche Richtung schauten oder dass es gar kein Wasser auf dem Monde gibt.

Anschließend rezensiert Herr Mackowiak eine Reihe von Büchern astronomischen Inhalts.

Den Abschluss der Sitzung bildet die Rezension der Veröffentlichung "Das Kosmos-Buch vom Weltraum" von Pam Spence durch Herrn Voigt (ISBN 2-440-07834-5, 192 Seiten, DM 68,--). - Dies ist ein ideales Buch für Einsteiger, die sich für den Aufbau und die Struktur unserer Welt interessieren. Man begibt sich auf eine spannende Reise zu Planeten, Sternen und fremden Galaxien und gewinnt einen umfassenden Einblick in den aktuellen Stand der Astronomie. Angefangen bei unserem Sonnensystem über den Lebensweg der Sterne, die Kosmologie, die Raumfahrt und die Suche nach außerirdischem Leben, führt dieses Standardwerk durch alle wichtigen Bereiche der Astronomie. Mehr als 160 Fotos gewähren Einblicke in die spektakulären Phänomene des Weltraums. Leicht verständliche Texte werden durch zahlreiche Illustrationen und Hintergrundinformationen unterstützt. Ohne astronomisches Grundwissen vorauszusetzen, erklären führende Wissenschaftler die neuesten Forschungsergebnisse und Theorien. Detaillierte Karten vom Mond und vom Sternenhimmel regen zum eigenen Einstieg in die praktische Himmelsbeobachtung an. Herr Voigt bedankt sich bei Herrn Mackowiak und allen Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und ihre Diskussionsbeiträge und schließt die Sitzung um 21.25 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
Montag, dem 13. Dezember 1999, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Voigt, zt


Beilage: Zeichnungen von Herrn Starzynski aus den Jahren 1961 und 1963
Berliner Mondbeobachter (Index)
Kurse und AG's
WFS Homepage