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Protokoll der 425. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 13. Dezember 1999    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.10 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Pitts, Sävecke, Schmitz, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Braschwitz, Fettkenheuer, Hartmann, Kupsch, Merrettig, Starzynski und Tost.

Herr Tost eröffnet die Sitzung in Vertretung des in Urlaub befindlichen Herrn Voigt und begrüßt die Anwesenden.
Traditionell wird der aktuelle Mond im Video gezeigt. Der Mond ist 5,5 Tage alt. Benutzt wird die entsprechende Video-Sequenz des Berliner Video-Mondatlas. Der Kommentar von Herrn Voigt führt dazu aus:

5,5 Tage nach Neumond. Der Terminator liegt jetzt bei +20 Grad, aufgenommen am 10.02.1994.
In dieser Phase wir die Fülle der Krater des Südpolgebietes immer stärker sichtbar. Zunächst eine Übersicht. Die Namen der Objekte sollen später erwähnt werden.
Unterhalb des Altai-Gebirges liegt das Mare Nektaris, das Nektarmeer, mit dem halb versunkenen Krater Fracastorius und daneben die eindrucksvolle Kraterkette Catharina, Cyrillus und Theophilus. Darunter beginnt das Mare Tranquillitatis, das Meer der Ruhe, in dem einige Lorsa, Meeresrücken, hervortreten - wie auch im Mare Serenitatis, dem Meer der Heiterkeit mit Posidonius. ...Der Beginn des Mare Frigoris, des Kältemeeres... Die ruhige Luft erlaubt eine stärkere Vergrößerung und nun soll ein Pfeil auf die Objekte hinweisen. ... Manzinus und Mutus, Hommel und dahinter Vlacq und darunter Pitiscus., Riccius, Rabbi-Levy und Zagut mit Lindenau. Der Beginn des Altai-Gebirges... vorbei an Catharina nach Beaumont, Cyrillus und Theophilus... Hypathia, Arago, Macleare, Ross und Plinius. Im Mare Serenitatis die Dorsa Smirnov und der Krater Posidonius. Im Lacus Somniorum, dem See der Träume die Krater Hall... Herkules und Atlas. Bürg im Lacus Mortis. ... Baily liegt bereits im Mare Frigoris. Gärtner... und bei De la Rue endet der Rundblick.
Noch einen Blick auf die beleuchtete Seite. Das Mare Crisium jetzt voll im Licht. Im Mare Fecunditatis der Krater Messier mit den Doppelstrahlen ...und Petavius sieht wesentlich flacher aus als vor einigen Tagen, doch das Rheita-Tal erscheint noch plastisch ...und Janssen mit Fabricius. Darüber Steinheil und Watt, Hommel und Vlacq und darunter Pitiscus.

Im Anschluß berichtet Herr Tost von einigen aktuellen astronomischen Ereignissen. Am 1. Dezember 1999 wurde eine Nova im Sternbild Adler (Aquila) entdeckt, die sogar mit dem bloßen Auge sichtbar ist. Position: R.A. 19h23m05s.38 , Dekl. +4 57'20".1 (2000). Die Nova ist bereits am verblassen. Dies leitet über zu der Frage, ob das Hubble-Weltraumteleskop wohl die Nova beobachten würde. Nein! Hubble ist seit dem 15. November 1999 abgeschaltet, da nun insgesamt vier Gyroskope, die zur Lageregelung benötigt werden, ausgefallen sind. Die vorgezogene Reparaturmission wurde wegen Problemen mit dem Space Shuttle bereits mehrfach verschoben. Der nächste Versuch soll noch diese Woche stattfinden. Der Start innerhalb der nächsten Woche ist unbedingt notwendig, da die Flugsoftware nicht "Jahr-2000"-geprüft ist und andernfalls auf das spätere Frühjahr verschoben werden müßte.

Wenn man schon von Problemen spricht, muß man auch das Schicksal des "Mars Polar Lander" nennen. Das Raumschiff, in das so viele Hoffnungen gelegt wurde, hat sich am 3. Dezember nicht bei der Bodenkontrollstation gemeldet, ebensowenig wie die beiden unabhängigen Penetratoren "Amundsen" und "Scott", die sich beim Mars-Orbiter "Mars Global Surveyor" hätten melden sollen. Der Totalverlust der Mission ist tragisch, auch für die Wissenschaftler am DLR in Berlin-Adlershof, die an der Datenauswertung des "Mars Polar Lander" beteiligt waren.

In der Nacht vom 22. Auf den 23. Dezember wird der Vollmond so hell scheinen, wie seit 133 Jahren nicht mehr. In dieser Nacht befindet sich der Mond in Erdnähe und die Erde in Sonnennähe. Dadurch scheint die Sonne besonders intensiv auf den Mond und dieser wirft das Licht besonders hell auf die nahestehende Erde zurück.

Wie schon in der letzten Mondgruppe, so ist auch diesmal wieder neues über TLP's (Transient Lunar Phenomena; Vorübergehende Phänomene auf dem Mond) zu berichten. Waren es letztes mal die Vergleiche zweier Bilder der Mondsonde "Clementine", so waren es diesmal Videoaufnahmen des Mondes von der Nacht des Leoniden-Meteorstroms. Insgesamt gab es sechs simultane Beobachtungen von weit entfernten Beobachtern, die ein Aufblitzen auf der Mondoberfläche sogar im Video festhalten konnten.

Als Erklärung gilt hier der Aufschlag eines Meteoroiden aus dem Leoniden-Schwarm auf die Oberfläche. Die Bilder, die als Faksimile diesem Protokoll beigelegt sind, zeigen einige dieser Video-Frames. Damit ist den Amateurastronomen wieder eine Domäne aufgestoßen worden: Die Beobachtung des Mondes, besonders zu Zeiten von bekannten Meteorströmen. Die professionellen Astronomen haben weder das geeignete Equipment, noch die Beobachtungszeit, um eine permanente Überwachung des Mondes zu gewährleisten. Die nächste Gelegenheit sind die Geminiden in den nächsten Tagen. Auch die Auswertung von mittlerweile z.B. durch CD-ROMs zugängliche Datenarchive "älterer" Missionen ist eine geeignete Datenquelle für Amateurastronomen, die hierin nach neuen Entdeckungen stöbern können. Die Entdeckung zweier weiterer Uranusmonde auf über 20 Jahre alten Voyager-Bildern im Frühling diesen Jahres zeigt die Möglichkeiten deutlich auf.

Im Anschluß an die aktuellen Themen zum Mond werden zwei weitere Videos zum Thema Mond vorgestellt. Hierin ging es um die wichtige Rolle, die der Mond bei der Stabilisierung der Erdachse spielt. Im Gegensatz zu den beiden winzigen Mondes des Mars verhindert unser Mond, das die Neigung der Erdachse sich beständig verändert und dadurch häufig (im astronomischen Maßstab) Klimaschwankungen von erheblicher Auswirkung auftreten. Dieses Glück hatte der Mars nicht und nach wie vor ist die Frage, ob der Mars früher einmal Leben oder zumindestens Wasser besessen hat, eine der zentralen Fragen der Marsforschung.

Herr Tost bedankt sich bei den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und ihre Diskussionsbeiträge und schließt die Sitzung um 21.10 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
Montag, dem 10. Januar 2000, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Tost


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