WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
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Protokoll der 426. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 10. Januar 2000    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.25 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Pitts, Sävecke, Schmitz, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Fettkenheuer, Hartmann, Merrettig, Tost, Voigt und Wenzel..

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Teilnehmer, wünscht allen ein frohes neues Jahr und gibt bekannt, dass wie in jedem Jahr wieder ein Gruß an die Mondgruppe von der Familie Ahrens aus Randburg in Südafrika eingetroffen ist mit den besten Wünschen für das neue Millennium. Herr Voigt erhielt zu Weihnachten einige Anrufe mit der Anfrage, warum der Mond bei seinem Aufgang so groß und hell erschien. Der Grund war das Perigäum, also die Erdnähe zur Zeit des Vollmondes in diesem Jahr, und außerdem die Sonnennähe im Dezember - wie auch bereits im letzten Protokoll berichtet wurde.

Anschließend zeigt Herr Voigt einige Eindrücke von seiner Mittelmeer-Kreuzfahrt. Sie beginnen mit einem Blick übers Meer, in dem sich die Sonne spiegelt, und den eindrucksvollen Formen der Wellen mit ihren Schaumkronen, die vom Kielwasser des Schiffes erzeugt werden. Bei der Einfahrt in den Hafen von Malaga leuchtet die Sichel des abnehmenden Mondes neben der Venus im Morgenrot. In Madeira begrüßt uns ein wundervoller Regenbogen, durch den die Schiffe fahren. In Zypern leuchtet die Sichel des zunehmenden Mondes mit Erdlicht in der gleichen Phase, wie er heute abend am Himmel steht, und so schauen wir auf den aktuellen Mond, 3,2 Tage alt,. Bei einer Terminatorlage von 42 Grad sind die Formationen der Westseite gut zu erkennen. Von Süden beginnend, zeigt der Überblick die Krater Furnerius und Petavius. Darunter beginnt das Mare Fecunditatis, das Meer der Fruchtbarkeit, an dessen Rand Langrenus liegt. Die Dorsa, Meeresrücken, sind bei dieser Beleuchtung gut zu erkennen. Nun kommen das Mare Crisium, das Meer der Gefahren, in Sicht, darunter die Krater Cleomedes, Geminus und Messala, der Lacus Spei, der See der Hoffnung, und die Krater Atlas und Endymion. Dann zeigt ein Pfeil auf die Krater De la Rue, Endymion, Atlas, Franklin und Cepheus mit dem Rand des Lacus Somniorum, dem See der Träume, und auf das Mare Crisium mit seiner kraterarmen Oberfläche. Taruntius liegt bereits im Mare Fecunditatis. Dann folgen Langrenus, Vendelinus mit Lohse und Lamé, Petavius mit Wrottesley sowie Snellius und Stevinus und das Rheita-Tal mit Young, Metius, Steinheil und Watt. Mit Biela, Rosenberger und Hagecius ist der Süden wieder erreicht. Zum Abschluss noch ein Blick bei stärkerer Vergrößerung auf Petavius mit seinem schräg verlaufenden Rücken und das so plastisch erscheinende Mare Crisium mit den Gebirgen, von denen es so konturenreich umgeben ist.

Anschließend zeigt Herr Bock einige Dias, aufgenommen mit einer Olympus Super Zoom Kamera auf Agfa CTX 100: Der Mond und die Venus am Morgenhimmel des 4.12.99, die Konstellation Saturn, Mond, Jupiter am 18.12.99 über dem alten Rathaus Friedenau, dann den besonders großen und hellen Vollmond mit einem Strahlenkranz am 22.12.99 über der leuchtenden Silhouette der Häuser der Stadt.

Herr Voigt gibt im Anschluß daran eine Vorschau auf die Finsternisse des Jahres 2000. Vier partielle Sonnenfinsternisse ereignen sich, die allerdings nicht bei uns sichtbar sind: Am 5.2., Bedeckungsgrad 0,580, sichtbar in der Antarktis. Am 1.7. Bed. 0,477 Südamerika. Am 31.7. Bed. 0,604, sichtbar am Nordpol. Und am 25.12. Bed. 0,723 in Mittel und Nordamerika. Zwei totale Mondfinsternisse sind zu erwarten, und zwar am 16.7., sichtbar in Australien, und die für uns interessante, hier sichtbare Finsternis am 21.1. zu folgenden Zeiten: Eintritt des Mondes in den Halbschatten um 3:02,9 h, Eintritt in den Kernschatten um 4:01,4 h, Beginn der Totalität um 5:04,6 h, Mitte der Finsternis um 5:43,5 h, Ende der Totalität um 6:22,3 h, Austritt aus dem Kernschatten um 7:25,4 h, Austritt aus dem Halbschatten um 8:24,1 h - zu einer Zeit, da der Mond bereits untergegangen ist. Monduntergang für 52° um 7.56 Uhr (alle Zeiten in MEZ). Der Ablauf der Finsternis wird im Video gezeigt und einige Dias, aufgenommen während der totalen Mondfinsternis vom 9.1.1982, deren Verlauf der vom 21.1.2000 sehr ähnlich ist. Die Aufnahmen zeigen den Eintritt in den Kernschatten mit einer Belichtungszeit von 2 Sekunden. Kurz vor Beginn der Totalität betrug die Belichtungszeit 10 und 20 s und während der Mitte der Totalität 60 und 90 s. Die rötliche Färbung ist gut zu erkennen. Als Filmmaterial wurde Fujichrome 200 verwendet. - Wir hoffen, dass uns der Wettergott bei der Beobachtung günstig gesinnt ist.

Eine E-Mail der ESA Science News vom 11.11.1999 berichtet folgendes: Europa geht zum Mond. Eine ganz neue und preiswerte Mission zur Monderkundung hat sich die Europäische Space Agency vorgenommen. Während eines Treffens in Paris am 9. und 10. November 99 hat die Agentur alle endgültigen Aspekte des SMART 1 genannten Projektes vorgestellt. Dieser kleine Lunar Orbiter ist der erste einer neuen Reihe von "Kleinen Missionen" zur Erforschung des Mondes mit fortschrittlicher Technologie für zukünftige Raumerkundung. Die ganz neue Technologie der 350 kg schweren Raumsonde soll 2002 mit einer Ariane 5 gestartet werden, um dann weiterhin mit Sonnenenergie-Antrieb in einem 17monatigen Flug den Mond zu erreichen und ihn für 6 Monate zu umkreisen. Es wird das erste Mal sein, dass Europa solarelektische Energie als Hauptantrieb einsetzt. In den vergangenen Jahren wurden solarelektrische Antriebssysteme nur für Telekom-munikations-Satelliten zur Kurskorrektur eingesetzt. SMART 1 wird einen dauernden Plasmaantrieb nutzen, der Xenon-Gas als Antrieb nimmt. Die elektrische Sonnenenergie wird das Gas mit hoher Geschwindigkeit ausstoßen und damit den Satelliten antreiben. Im Verhältnis zum chemischen Antrieb benötigt der elektrische Antrieb nur sehr wenig Masse, um die Raumsonde zu beschleunigen, jedoch wird das Plasma 10fach schneller ausgestoßen als bei herkömmlichen Antrieben. "SMART 1 wird seinem Namen Ehre machen", sagt der Projektmanager, Guiseppe Racca. SMART 1 wird mit 7 Instrumenten ausgerüstet, von denen 3 das Antriebssystem steuern werden. Das EDPD, entwickelt von Laben (Italien), wird den Zustand der Plasma-Umgebung um die Sonde beobachten. SPEDE vom Finnischen Meteorologischen Institut Helsinki wird die Änderungen und das Verhalten des Plasmas sowie den Dunstausstoß während der Mondorbit-Phase messen. RSIS von der Universität Rom überprüft die Radiostrahlung des elektrischen Antriebssystems und die Gleichmäßigkeit der Mondrotation während der Umrundung und misst die Höhen mit einer genauen Darstellung. Die Mission trägt ein Weltraum-Telekommunikationssystem, 'KATE', von Dornier, Deutschland, welches mit X- und Ka-Frequenzen arbeitet. Drei weitere wissenschaftliche Instrumente gehören zur Ausrüstung: Ein kompaktes X-Ray-Spektrometer (D-CIXS von Rutherford Appleton Laboratory, UK), eine Klein-Kamera "AMie", entwickelt vom ESA-Technologieprogramm zusammen mit CSEM in der Schweiz, und ein Infrarot-Spektrometer CSIR vom Max-Planck-Aeronomie-Institut, Lindau.

Zum Abschluss zeigt Herr Voigt einen von ihm zusammengestellten Video-Film, der die Stufen der Erforschung des Mondes von der Antike bis zum Zeitalter der Raumfahrt zusammenfasst. Der Film zeigt zunächst die Vorstellungen über die Beschaffenheit der Welt in frühen Kulturen, in denen der Mond als Göttin verehrt wird. Allerdings gab es auch schon recht reale Vorstellungen wie die von Anaximenes, der 550 v.Chr. schon glaubte, dass der Mond von der Sonne beleuchtet werde. Aristarch glaubte bereits 200 v.Chr. an ein heliozentrisches Sonnensystem, was jedoch nicht akzeptiert wurde. Der griechische Philosoph Plutarch meinte bereits um 100 n.Chr., dass die hellen Partien der Mondoberfläche Berge seien und die dunklen Flächen Meere. Die grafische Darstellung der Mondoberfläche begann mit der Erfindung des Fernrohres. Erste Zeichnungen von Galilei, Harriot und Scheiner werden gezeigt. Sie waren noch etwas undeutlich. Hevelius' Darstellungen der Mondoberfläche waren schon recht exakt, und er gab den Objekten Namen, die allerdings später von Riccioli durch neue Namen von berühmten Männern der Geschichte und von Wissenschaftlern ersetzt wurden, die heute noch gültig sind. Viele Mondbeobachter bemühten sich, möglichst detailreiche Mondkarten zu zeichnen. Tobias Mayer versah den Mond mit einem Koordinatennetz, wodurch die genaue Lage der Formationen - unter Berücksichtigung der Libration - festgelegt wurde. Eine Reihe von Mondkarten entstand. Schröter, Lohrmann, Schmidt, Mädler und Fauth versuchten ebenfalls, möglichst detailreiche Darstellungen der Mondoberfläche zu zeichnen und zu vermessen. Von der Fotografie und der CCD-Technik wurden sie später überholt. Die Raumfahrt revolutionierte die Erforschung des Mondes. Der Film zeigt Nahaufnahmen des Kraters Alphonsus, aufgezeichnet von Ranger IX, und dann die Landung des "Adlers" auf dem Mond mit den ersten Menschen, die den Mond betraten und Material sammelten. Weitere Apollo-Flüge erkundeten verschiedene Regionen des Mondes, auch mit einem Rover, womit die mineralische Zusammensetzung der Mondoberfläche untersucht werden konnte. Dies waren die wesentlichsten Punkte der Monderforschung, aber es gibt noch viele Fragen, die zu beantworten sind.

Herr Voigt dankt allen Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und Diskussionsbeiträge und schließt die Sitzung um 21.25 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
Montag, dem 14. Februar 2000, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Bock, gez. Voigt, gez. zt


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