WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
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Protokoll der 427. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 14. Februar 2000    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.20 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Jensch, Sävecke, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Fettkenheuer, Fröhlich, Hartmann, Kopsch, Merrettig, Meyer, Tost und Voigt.

Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Teilnehmer und spricht zunächst das Ereignis des letzten Monats an, die totale Mondfinsternis am 21. Januar, die leider in Berlin nur sehr dürftig zu sehen war, denn viele Wolken verdunkelten den Himmel. Zwei Videosequenzen, aufgenommen von Herrn Voigt, zeigen den partiell verfinsterten Mond um 4.35 und 4.50 Uhr, bevor er endgültig hinter den Wolken verschwand. Die Aufnahmen lassen erkennen, dass die Finsternis verhältnismäßig hell war, denn in der Kernschattenpartie waren die Maria, rötlich gefärbt, gut zu erkennen. Im nördlichen Teil Deutschlands war die Finsternis besser zu beobachten, wie die Presse berichtete.

Berliner Mond-Atlas
Blatt 13
Mond-Alter: 9,6 Tage

Anschließend wird der aktuelle Mond gezeigt in der Phase des heutigen Abends: 9,5 Tage nach Neumond liegt der Terminator bei -20 Grad, und die Luft ist recht gut. Der Überblick beginnt im Süden, in dem die Fülle der Krater beeindruckend ist. Clavius tritt gerade aus dem Schatten, und die Ränder seiner Innenkrater leuchten hell. Darüber liegen Moretus und Gruemberger und darunter das Ringgebirge Maginus mit vielen Rand- und Innenkratern sowie Tycho, dessen Strahlen westlich schon sichtbar werden. Nördlich davon erscheinen das flache Ringgebirge Deslandres, umgeben von Gauricus, Pitavius und Regiomontanus, sowie Walter und Purbach. Weiter nördlich beginnt das Mare Nubium, das Wolkenmeer, mit der Langen Wand und dem Krater Birt. Am Terminaturrand tauchen Guericke, Parry und das Fra Mauro-Gebiet, der Landepunkt von Apollo 14, auf, westlich davon die eindrucksvolle Kraterkette Ptolemäus, Alphonsus und Arzachel. Am Rande des Sinus Aestuum, der Bucht der Hitze, erscheint Eratosthenes am Rande der Apenninen, daneben die beeindruckende Kraterkette des Stadius, und auch die Randgebirge des Kopernikus tauchen aus dem Schatten hervor. An den Apenninen entlang geht der Blick nach Norden zum Mare Imbrium, dem Regenmeer, mit Archimedes, Autolycus, Aristillus und Cassini am Rande der Alpen mit dem Tal, das sie durchschneidet; daneben der Plato. Aus dem Mare Imbrium ragen sehr plastisch die Berge Pico, Teneriffa, Piton und Spitzbergen. Nördlich vom Caucasus, bei den Kratern Eudoxus und Aristoteles, beginnt das Mare Frigoris, das Kältemeer, an dessen Rand W. Bond, Birmingham und Goldschmidt liegen, womit der Rundblick endet.


Moonblinks (TLPs - Transient Lunar Phenomenas) sind ein Thema, das in der Mondgruppe viel besprochen wurde. Im Mondprotokoll 424 (Nov. 99) wurde eine Erscheinung am Krater Aristarch diskutiert, bei der eine Farbänderung aufgetreten sein soll. Von Herrn Anthony Cook erhielt Herr Tost eine E-mail des Inhalts, dass nachträgliche Untersuchungen ergaben, dass die Erscheinung nicht an dem angegebenen Ort war.


Eine Beobachtung des Hobby-Astronomen Thomas Hamann in Berlin ging durch die Tagespresse. Hamann glaubte am 21.1.2000 den Einschlag eines Meteoriten auf dem Mond beobachtet und fotografiert zu haben. Herr Tost berichtet darüber Nachfolgendes:

"Im Januar veröffentlichte der Tagesspiegel ein Bild eines Berliner Amateurastronomen, das den Einschlag eines größeren Asteroiden auf dem Mond zeigen sollte. Interessanterweise fand sich daraufhin ein weiterer Amateur aus Berlin, der zum gleichen Zeitpunkt an derselben Stelle ebenfalls eine Leuchterscheinung festgehalten hatte. Die Bilder wurden deshalb zur Klärung des Phänomens letzte Woche im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass bei dem zweiten Beobachter zweifelsfrei ein Lichtreflex in seinem Beobachtungsinstrument vorlag, da dort auf einer Serie von vier Aufnahmen jeweils in der Mitte des Bildes die identische Erscheinung gefunden werden konnte. Die Leuchterscheinung auf der Aufnahme des ersten Beobachters konnte zwar nicht durch solch eine Reihenbeobachtung widerlegt werden, jedoch war hier die Form des Fleckes typisch für einen Reflex an einem zylinderförmigen Tubus. Damit ist diese Aufnahme kein Nachweis eines TLP bzw. Moon-Blinks. Interesse hat dieses Ereignis trotzdem ausgelöst, denn während des Leoniden-Schauers vom November 1999 konnten erstmals von mehreren unabhängigen Beobachtern in Videoaufnahmen kurze 'Blitze' aufgezeichnet werden, die auf Meteoroide aus dem Leonidenstrom zurückgeführt werden (Bericht im Mondprotokoll 425 vom 13.12.1999)."


Gerade zum Zeitpunkt der Sitzung schwenkte die Raumsonde NEAR (Near Earth Asteroid Rendezvous) in eine Umlaufbahn um den Asteroiden Eros ein. NEAR ist damit das erste Raumschiff, dem so etwas gelungen ist. Bereits in den letzten Tagen wurden vom Missionsteam schon diverse Bilder des Asteroiden während der Annäherung veröffentlicht. Die Bilder zeigen deutlich die Rotation des Körpers und eine kraterreiche Oberfläche. Bei noch weiterer Annäherung werden zusätzliche Details sichtbar werden.


Herr Voigt dankt Herrn Tost für seine Darlegungen und Illustrationen und allen Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und schließt die Sitzung um 21.20 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
Montag, dem 13. März 2000, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Tost, Voigt, zt


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