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Protokoll der 428. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 13. März 2000    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.30 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Jensch, Pitts und Wühle sowie die Herren Bock, Fettkenheuer, Jahn, Merrettig, Voigt und Wenzel.


Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Teilnehmer und gibt bekannt, dass wieder einmal ein Brief aus dem Iran eingetroffen ist mit der Anforderung des Mond-Protokolls.


Berliner Mond-Atlas
Blatt 11
Mond-Alter: 7,4 Tage

Dann wird der Mond des heutigen Abends gezeigt. - 7,5 Tage nach Neumond liegt der Terminator bei -4. Der Blick den Terminator entlang beginnt im Süden. Da die Luft recht günstig ist, kann die stärkste Vergrößerung angewendet werden, so dass die Details gut zu erkennen sind. Am Rand erscheinen Schomberger und Simpelius, darunter das Ringgebirge Curtius, das gerade aus dem Schatten taucht, und unter ihm die Krater Zach, Jacobi und Lilius. Die Formationen Cuvier, Heraclitus und Licetus, die sich überlappen, wie auch Stöfler und Faraday zeugen von riesigen Einschlägen in der Frühzeit der Mondentstehung, ebenso auch die Reihe Walter, Regiomontanus und Purbach, die sich sehr plastisch an der Schattengrenze befindet. Weiter nördlich erheben sich die Ringgebirge Albategnius und Hipparchus und, unmittelbar am Terminator, die Kette Ptolemäus, Alphonsus und Arzachel (dessen Zentralberg als leuchtender Punkt erscheint). Weiter nördlich liegt der Sinus Medii, die Bucht der Mitte, mit Triesnecker und dem Doppelkrater Murchison und Pallas. Darunter erstreckt sich das Mare Vaporum mit der Hyginus-Rille. Hell leuchtet Manilius. Die Gebirge der Apenninen und des Kaukasus trennen die Maria Serenitatis und Imbrium. Am Rand des letzteren erscheinen Autolycus und Aristillus sowie Archimedes, dessen Rand an der Schattengrenze liegt. Es folgen Mons Hadley (Landepunkt von Apollo 15) und darunter der Palus Pudetrini, der Sumpf der Fäulnis, des weiteren Spitzbergen und der Pico neben Cassini über dem Gebirge der Alpen mit dem Tal, außerdem Eudoxus und Aristoteles am Beginn des Mare Frigoris. Im nördlichen Polargebiet liegen sehr plastisch die Ringgebirge W. Bond, Barrow und Meton. Die besonders günstige Libration von +6,65 Grad lässt den Blick weit auf die Ostseite des Mondrandes schweifen. Am Rande liegt das Mare Marginis, das Randmeer; darüber zeigen sich die Maria Undarum, das Wellenmeer, und Spumans, das schäumende Meer. Links davon, ganz am Rande, das Mare Smythii, benannt nach William Henry Smith, einem britischen Astronomen. Am Rande des Mare Fecunditatis leuchten Langrenus und Petavius, weiter südlich Furnerius und das Rheitatal. Am äußersten Rand liegt das Mare Australe, das Südmeer. Damit endet der Rundblick wieder am Südpol des Mondes.


Anschließend führt Herr Voigt einige Videosequenzen der Monddarstellung des Bayerischen Fernsehens in seiner Sendung Space Night vor. Hier werden ebenfalls verschiedene Ausschnitte des Mondes gezeigt, und die Namen der Formationen werden eingeblendet. Es werden dazu Aufnahmen verwendet, welche die Objekte im höheren Sonnenstand zeigen, wodurch sie nicht so plastisch hervortreten wie auf den Video-Aufnahmen von Herrn Voigt, die in Terminatornähe gewonnen wurden. Jedoch sind sie eine weitere Möglichkeit, den Mond näher kennen zu lernen.


Herr Voigt spricht sodann eine Idee von Herrn Tost an, für Interessenten an der Mondbeobachtung eine Broschüre zusammenzustellen. Der Inhalt soll Ratschläge und Hinweise geben über die Bedingungen und die technischen Möglichkeiten zur Beobachtung, zum Zeichnen, Fotografieren und zur Anwendung von Video-Technik und CCD-Bearbeitung bei der Darstellung der interessanten Formationen auf der Mondoberfläche. Die GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER wird gebeten, daran mitzuarbeiten.


Nachdem sich die Mondgruppe im Januar mit der Geschichte der Erforschung des Mondes beschäftigt hat, ist es vielleicht interessant, eine Zusammenfassung der Erforschung der Monde in unserem Planetensystem zu betrachten.

Der Video-Film beginnt mit der Entdeckung der Jupitermonde durch Galilei, die unser Weltbild veränderte. Nun hoffte man mit der Sonde Voyager eine weitere Veränderung unseres Verständnisses der Planeten zu bewirken. Der Film zeigt erste Nahaufnahmen der Wolkenstruktur von Jupiter mit den Wirbeln um den Großen Roten Fleck. Bisher glaubte man, die Monde der Planeten seien ähnlich beschaffen wie unser Mond. Jedoch änderte sich diese Vorstellung bei der Annäherung an den innersten Mond Io, der sich geologisch aktiver als die Erde zeigte. Die Gravitation des Jupiter walkt diesen Mond unaufhörlich durch, was seinen Kern ständig flüssig hält. Acht aktive Vulkane wurden entdeckt, und die Oberfläche ist von rötlichen Lavakrusten bedeckt. Europa war der nächste Mond. Seine Oberfläche besteht aus gefrorenem Wasser, das so hart ist wie Stein. Weiter außerhalb kreist der nächste Mond, Ganymed. Er ist größer als Merkur. Seine Oberfläche besteht aus Fels und Stein in komplexen Mustern. Einschlagskrater sind zu erkennen und viele linienförmige Strukturen, die ineinandet verschlungen sind. Callisto, der nächste Mond, ist mit Kratern übersät, was von vielen Einschlägen zeugt. Ganz unerwartet wurde die Mission zu einer Entdeckungsreise, die niemand erwartet hatte. Geologen wurden hinzugezogen, um die Erscheinungen zu erklären. Der nächste Planet, den Voyager besuchte, war der Saturn mit seinen Ringen. Bisher glaubte man, die Ringe seien zweigeteilt. Nun stellte sich heraus dass sie in einer großen Vielfalt aufgeteilt sind. Es zeigten sich schmale ineinander verschlungene Ringe. Andere Ringe werden durch winzige 'Hirtenmonde' in Position gehalten. Speichen wurden in den Ringen gesichtet, die durch das Magnetfeld des Saturn erzeugt werden. Auf dem innersten Mond, Mimas, wurde ein gewaltiger Einschlagskrater sichtbar. Ein ähnlicher Krater wurde auf dem Mond Tethys entdeckt. Man könnte annehmen, dass die Ringe des Saturn durch die Zertrümmerung eines Mondes entstanden sind, der einst den Planeten umrundete. Bei der Annäherung an Titan zeigt sich dieser als orangefarbener Mond, der von einer dichten Atmosphäre umgeben ist, wodurch Details nicht erkennbar wurden.

Das nächste Ziel der Sonde war Uranus, der in seiner Ansicht recht enttäuschend war. Auf der dunstverhangenen Oberfläche waren keine Details zu erkennen. Der Mond Miranda hatte eine völlig zerrissene Oberfläche, so, als sei er einmal zertrümmert worden, um sich anschließend wieder aus den Teilen neu zu formieren. Viele Krater und Rillen formen seine Oberfläche.

Darauf steuerte Voyager den Neptun an, dessen Oberfläche mit Wolkenstreifen überzogen ist, die von heftigen Stürmen durchtobt werden. Feine Ringe wurden entdeckt, die den Planeten umkreisen. Der Mond Triton war der letzte Mond des Sonnensystems, der erforscht werden sollte. Triton umläuft Neptun in einer gegenläufigen Bahn, und man könnte annehmen, dass er einst von Neptun eingefangen wurde. Die Bilder zeigen, dass Triton einer der sonderbarsten Monde des Sonnensystems ist. Er hat die kälteste Oberfläche (-233 Grad C), wodurch die Stickstoffatmoshäre zu Eis gefriert. Trotzdem zeigten die Bilder kilometerhohe Stickstoff-Geysire, was auf eine geologische Aktivität schließen lässt.

1994 besuchte die Sonde Galileo den Jupiter und seine Monde. Durch verbesserte Technik konnten von den Monden Aufnahmen gemacht werden, die sehr viel mehr Details festhielten. 1997 startete die Sonde Cassini-Huygens zum Saturn, um Ringe und Monde zu erforschen und die Wolkenschicht des Triton mit einer Landesonde zu durchdringen, um die Struktur der Triton-Oberfläche zu erforschen.


Herr Voigt dankt den Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und Diskussionsbeiträge und schließt die Sitzung um 21.30 Uhr.

Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
Montag, dem 10. April 2000, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

gez. Voigt, zt


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