WILHELM FOERSTER STERNWARTE E.V.
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Protokoll der 431. Sitzung der Gruppe Berliner Mondbeobachter



Datum: 10. Juli 2000    
Beginn: 20.00 Uhr       Ende: 21.35 Uhr

Es sind erschienen: Die Damen Becker, Jensch, Sävecke, Thom und Wühle sowie die Herren Bock, Grüneberg, Hartmann, Jahn, Laufer, Merrettig, Remy, Tost, Voigt und Wenzel.


Herr Voigt eröffnet die Sitzung, begrüßt die Teilnehmer und gibt bekannt, dass wiederum zwei Briefe aus dem Iran eingetroffen sind.


Berliner Mond-Atlas
Blatt 12
Mond-Alter: 8,6 Tage

Dann wird der aktuelle Mond gezeigt. 9 Tage nach Vollmond liegt der Terminator bei -15 Grad in zunehmender Phase (Sequenz Nr. 6 des Berliner Video-Mond-Atlasses). Es beginnt mit dem Blick auf die kraterreiche Südseite, deren Strukturen in Terminatornähe sehr plastisch hervortreten. In Polnähe erscheinen die Krater Moretus und Curtius. Die Ränder von Gruemberger und Clavius tauchen gerade aus dem Schatten. Maginus liegt schon voll im Licht wie auch Tycho. Darunter zeigen sich das große Ringgebirge Deslandres mit Hell und Lexell, daneben Walter, Regiomontanus und Purbach. Thebit liegt neben der plastisch erscheinenden Langen Wand mit Birt. Dann tritt die Kraterkette Arzachel, Alphonsus und Ptolemäus ins Gesichtsfeld. Guericke und Parry tauchen gerade aus dem Schatten. Am Rande des Sinus Aestuum findet man Erastosthenes, und auch der versunkene Krater Stadius tritt plastisch hervor. Es folgt das Gebirge der Apenninen, das sich bis zum Caucasus erstreckt. Im Mare Imbrium sind Archimedes, Autolycus und Aristillus sichtbar. Timocharis leuchtet am Terminatorrand. Sehr eindrucksvoll ragen die Bodenerhebungen Piton, Spitzbergen, Pico und die Teneriffa-Berge aus dem Mare Imbrium. Dann erscheinen die Alpen mit dem Tal und Plato. Unterhalb des Mare Frigoris wird es wieder besonders kraterreich mit W. Bond, Anaxagoras, Goldschmidt und Scoresby. Mit dem Blick auf die Nordpolarregion, die bei dieser Libration gut einsehbar ist, werden die beschriebenen Formationen noch einmal in stärkerer Vergrößerung gezeigt.


Anschließend berichtet Herr Voigt: "Von Frau Thom erhielt ich zwei Audio-Kassetten mit einer Aufzeichnung der Töne von Erde, Mond und Sonne. Was sind das für Töne? Dass wir auf der Erde Töne wahrnehmen können, verdanken wir der Atmosphäre, die den Schall auf unser Ohr überträgt. Wie wir die Töne von Sonne und Mond hören können, ist zunächst nicht erklärbar, da das Vakuum keinen Schall überträgt. Joachim Berendt leitet den Ton der Erde von der Erdrotation ab. Nach dieser Frequenz, die 23 Stunden, 56 Minuten und 4 Sekunden dauert, stehen wir morgens auf und gehen abends zu Bett - wie auch die Natur sich danach richtet. Diese Frequenz von 0,00001160576 Hertz können wir nicht hören, denn sie liegt weit unter unserem Hörbereich von 16 Hz bis 20 000 Hz. Jeder Ton kann um eine oder eine vielfache Oktave erhöht werden. Um den Ton der Erdumdrehung in den Hörbereich zu bringen, muss er 24mal oktaviert werden. Dann erhält man nach dem Notenschlüssel ein G von 194,71 Hz, und das hört sich dann so an: (Ton wird vorgespielt mit einem Bild der Erde). Herr Behrendt sagt dazu: Wer zum Erdenton meditiert, verstärkt die Resonanz zwischen sich und der Erde; er gewinnt die Kraft der 'Mutter Erde'.
Der Ton der Sonne ist identisch mit dem Jahreston der Erde. Ein Umlauf um die Sonne dauert 365, 242 Tage. Nach 32 Oktaven ergibt sich ein Ton von 136,10 Hz, was dem Cis der chromatischen Skala entspricht (der Ton wird gespielt). Der Sonnenton soll in unserem Bewusstsein das Gefühl für Licht, Klarheit, Freude, Leichtigkeit, Gelöstheit, die Fülle des Lebens und Dankbarkeit erzeugen.
Der Ton des Mondes bezieht sich auf den synodischen Monat, der 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 2,8 Sekunden dauert. Er muss 30mal oktaviert werden, um in den Hörbereich gebracht zu werden. Dann ertönt ein Gis (Ton wird eingespielt). Während der Sonnenton der Ton des Mannes ist, ist der Mondton der Ton der Frau und Mutter. Er steht für Liebe, Gefühl, Herz und Wärme. Die Vereinigung der Töne von Sonne und Mond wird der Shiva-Shakti-Klang genannt. Für den Inder sind die Sonne der Gott Shiva und der Mond dessen Geliebte Shakti. So ist die Vereinigung von beiden ein Klang, der die Vereinigung der Paare ausdrücken will (der Ton wird gespielt). In der Meditation zu diesem Klang soll das Gefühl geweckt werden: 'Du bist ganz und gar eins mit Deinem Partner, wenn Du mit ihm meditierst'".


Anschließend berichtet Herr Tost zunächst über aktuelle Geschehnisse zum Thema Mond.

  • Die indische Raumfahrtbehörde ISRO plant eine unbemannte Mondmission bis spätestens 2005, in der eine Raumsonde den Mond umkreisen und Messergebnisse aufnehmen soll. Es wird dies die erste Deep-Space-Mission aus Indien sein.
  • Ebenfalls in der Planung sind vier weitere Mondmissionen: LunarSat, Smart, Selene und Lunar-A von der ESA bzw. aus Japan. Weiterhin soll es immer noch im Dezember diesen Jahres die privat finanzierte Mission "Trailblazer" geben, obwohl über deren technische Details in letzter Zeit nichts Neues mehr zu erfahren ist.
  • Es sind drei weitere Meteoriten im Oman gefunden worden, die ihrer Zusammensetzung nach vom Mond stammen. Es gibt bereits eine Reihe weiterer solcher Meteorite, ebenso wie einige wenige, die vom Planeten Mars stammen sollen.
  • Ein französischer Astronom hat angegeben, er habe über mehrere Tage hinweg ein TLP auf dem Mond im Krater Langrenus beobachtet. Er hat zumindestens einen großen Fehler begangen: Er hat niemandem davon erzählt, solange noch Gelegenheit war, dass andere Beobachter von anderen Orten aus diese Erscheinungen vergleichen konnten. Hier zeigt sich, wie wichtig die Zusammenarbeit aller Astronomen ist. Auf das Thema TLPs wird später noch genauer eingegangen.
  • Die NASA hat eine neue Idee zur Energiegewinnung auf dem Mond vorgestellt: Ein automatischer Rover soll aus dem Mondmaterial an Ort und Stelle Solarzellen herstellen. Dazu wird auf dem Mond der Regolith durch Linsen mit Sonnenlicht geschmolzen. Metalle werden ebenfalls verdampft usw. Die Solarzellen sollen schließlich etwa 100 kW liefern.
  • Am 16. Juli findet die zweite und letzte totale Mondfinsternis im Jahr 2000 statt. Leider ist das Ereignis nur auf der anderen Seite der Erde zu beobachten.


    Daran anschließend zeigt Herr Tost eine Reihe von 3D-Dias, die den Mond aus der Umlaufbahn zeigen. Mit Hilfe der geeigneten rot/grün-Brillen sind deutlich besondere Merkmale wie Zentralberge und Rillen zu erkennen. Sie vermitteln ein wesentlich plastischeres Bild von den Oberflächenformationen des Mondes, als als man es von normalen (2-dimensionalen) Bildern her kennt.
    Ein großformatiger Ausdruck eines Mondmosaiks wird gezeigt. Herr Nikolai hat dieses Mosaik aus ca. 20 Einzelaufnahmen einer CCD-Kamera hergestellt. Das Bild des ca. 6 Tage alten Mondes wird mit dem entsprechenden Referenzbild (Blatt 12) aus dem Berliner Mondatlas verglichen. Es zeigt vor allem eine ganz andere Librationsphase. Andere, jedoch kleinere Mosaike von ausgewählten Kratern, die von Herrn Kiehl zusammengestellt wurden, wurden ebenfalls kritisch untersucht und gewürdigt. Es wird festgehalten, dass es nicht trivial ist, ein solch großes Mosaik aus vielen Aufnahmen zusammenzustellen. Zum einen müssen erst einmal entsprechend viele qualitativ ausreichende Aufnahmen mit genügend viel Überlappung vorhanden sein, dies muß zum anderen möglichst auch in kurzer Zeit erfolgen, damit sich nicht Veränderungen durch die sich langsam ändernde Phase innerhalb einer Nacht sowie durch Variationen in der Durchsicht der Atmosphäre störend auf das Mosaik auswirken. Das Ziel soll ja u.a. darin bestehen, die "Nahtstellen" zwischen den Einzelbildern nicht mehr ausmachen zu können.
    Der Vergleich der Libration vom Mosaik und dem Blatt 12 des Mondatlas erschien als Bild der Woche 23/2000. Das gesamte Mosaik ist im Bild der Bild der Woche 37/2000.veröffentlicht.


    Im Anschluss daran hält Herr Tost einen Kurzvortrag zum Thema "Libration des Mondes". Dieses Thema wurde schon verschiedentlich in der Mondgruppe vorgetragen und diskutiert (siehe auch das Mondprotokoll 403 vom 9.6.1997). Die wesentlichen Librationskriterien sind folgende: Abweichungen von plus/minus 7 Grad in Nord-Süd- und 8 Grad in West-Ost -Richtung. Bedingt durch die elliptische Bahn des Mondes um die Erde bei konstanter Drehgeschwindigkeit sehen wir also zu gewissen Zeiten auch Teile des Mondes, die (vom Mondzentrum aus betrachtet) "hinter dem Horizont" liegen. Da durch die elliptische Bahn zudem der Abstand des Mondes zur Erde variabel ist, ändert sich gleichzeitig auch die scheinbare Größe des Mondes am Himmel. Interessanterweise entfernt bzw. nähert sich der Mond der Erde dabei mit ca. 140 km/Std. Die parallaktische Libration, die sich aus den unterschiedlichen Beobachtungsorten auf der Erde (im Extremfall ein Erddurchmesser) ergeben, ist mit ca. 1 Grad ebenfalls nicht zu vernachlässigen, wenn man hochpräzise Beobachtungen machen will.

    Nur alle 18 Jahre und 10.33 Tage (ein Saros-Zyklus; entspricht 242 drakonische bzw. 223 synodische Monate) haben Sonne, Erde und Mond wieder exakt den gleichen Stand, so dass identische Beobachtungsbedingungen vorliegen. Diese Gleichartigkeit der Beobachtungsgeometrie ist wichtig für den Vergleich von TLP's - vorübergehenden Erscheinungen auf dem Mond. Ungewöhnliche Beobachtungen wie hell leuchtende Oberflächenformationen können eventuell durch einen speziellen Einfallswinkel der Sonnenstrahlen hervorgerufen werden. Eine Beobachtung desselben Objektes ist damit unterschiedlich, selbst wenn dieselbe Mondphase zu einem späteren Zeitpunkt erneut gewählt wird. Ein aktuelles Beispiel dazu ist ein TLP, welches am 29. Januar 1983 im Krater Torricelli B beobachtet wurde. In einem Artikel von Mary Cook im Journal der Britischen Amateurastronomen (Journal of the BAA, June 2000) wird diese Beobachtung ausführlich beschrieben. Der gesamte Krater war damals hell von irrisierendem Licht am violetten Ende des Spektrums. Die nächste identische Beobachtungsmöglichkeit des 16 Tage alten Mondes bietet sich am 9. Februar 2001 um 4:53 UT. Alle Mondbeobachter sind bereits heute aufgefordert, sich diesen Termin in ihrem Kalender vorzumerken und Torricelli B zu beobachten. Wie in solchen Fällen üblich, sollte man vorher bereits einige Beobachtungen des Kraters vornehmen, damit man zum genannten Zeitpunkt den Krater auch findet, und um ein Gefühl dafür zu haben, ob der Krater irgendwie anders aussieht als in den Beobachtungen davor. Dazu sind vorherige vergleichende Beobachtungen unerlässlich.
    Als Vorbereitung seien folgende Quellen für Torricelli B genannt:


    Zum Abschluss zeigt Herr Bock elf Diapositive, aufgenommen am 6.4.2000 auf dem Teufelsberg in Berlin mit einer Exakta-Vares und 50mm-Objektiv. Die Aufnahmen auf Agfa CT Präzisa 100 EXCL zeigen die Konstellationen von Saturn, Jupiter und Mars mit der schmalen Sichel des zunehmenden Mondes. Mit Belichtungszeiten von 1 bis 8 s - unter Benutzung der "Hutmethode" - vermitteln sie eindrucksvoll die seltene Begegnung dieser Himmelskörper.


    Herr Voigt dankt den Herren Tost und Bock für ihre Beiträge und allen Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und schließt die Sitzung um 21.35 Uhr.

    Die nächste Sitzung der GRUPPE BERLINER MONDBEOBACHTER findet statt am
    Montag, dem 11. September 2000, um 20 Uhr im Seminarraum des Planetariums.

    gez. Bock, Tost, Voigt, zt


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