Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) erreichte mit Hilfe der Kurfürstin Sophie Charlotte im Jahre 1700 die Gründung einer wissenschaftlichen Stiftung in Berlin/Brandenburg, der "Berliner Societät" bzw. der "Societät der Wissenschaften", deren erster Präsident er wurde.
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Das zur Sternwarte gehörige Astronomische Institut finanzierte sich bis 1811 ausschließlich aus dem Monopol der Kalenderberechnung. In dieser Zeit waren u.a. Johann Bernoulli III. (1744-1807, Mathematiker und Astronom), der von Friedrich II. an die Berliner Akademie geholte Leonhard Euler(1707-1783, Mathematiker), Joseph Louis Lagrange (1736-1812, Entdecker der stabilen Punkte in den Umlaufbahnen zweier schwerer Körper, genannt Lagrange- oder Librationspunkte), Johann Heinrich Lambert (1728-1777, Gründer des Berliner Astronomischen Jahrbuchs 1774-1959), Johann Elert Bode (1747-1826, u.a. Entwickler des Sternatlas "Uranographia" von 1797-1801 mit 17240 Sternen, davon 1250 nach eigenen Beobachtungen) und Johann Franz Encke (1791-1865, Astronom) mit Astronomie an der Akademie der Wissenschaften beschäftigt. Encke war wie Bode und Bernoulli Direktor der Sternwarte.
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Am 24. April 1835 zog Encke mit seinem Mitarbeiter Johann Gottfried Galle (1812-1910, Astronom) in die Neue Sternwarte ein. Im Mai des gleichen Jahres bezog der aus Königsberg gerufene, in Minden geborene Astronom Friedrich Wilhelm Bessel (1784-1846) vorübergehend das "Magnetische Häuschen" auf dem Gelände der Sternwarte (s.o. am linken Bildrand). Bessel, der 1810-1846 Direktor der Königsberger Sternwarte war, gelang es 1838 zum erstenmal, mittels genauer Aberrationszahlen und trigonometrischer Parallaxenberechnung die Entfernung eines Fixsterns (61 Cygni mit 0.32" = ~10LJ) zu messen.
1837 entdeckte Encke die nach ihm benannte Enckesche Teilung innerhalb des A-Rings des Saturns. Galle entdeckte ein Jahr später den inneren, lichtschwachen C-Ring. Galle entdeckte außerdem auf Basis von Berechnungen des Pariser Astronoms Urbain Leverrier (1811-1877) den Planeten Neptun am 23. September 1846.
Daneben waren Berechnung, Beobachtung und Entdeckung von Planetoiden und Kometen wichtige Aufgaben der Neuen Sternwarte. So berechnete Encke die Bahn des nach ihm benannten Enckeschen Kometen, der von Pons entdeckt worden war und dessen rund 3,3 Jahre dauernde Umlaufbahn um die Sonne zwischen Jupiter und Merkur liegt. Die Sternwarte war bis 1913 in Betrieb und wurde nach der Stillegung sofort abgerissen. Der neunzöllige Refraktor gelangte in das Deutsche Museum in München, wo er heute noch zu besichtigen ist.
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Astronom der Akademie wurde Arthur von Auwers (1838-1915), der ein Fundamentalsystem von Fixsternpositionen erstellte, Messungen der Sonnenparalaxe aus Venusdurchgängen durchführte und das Akademieprojekt "Geschichte des Fixsternhimmels" (1900-1965) mitbegründete.
1871 schlug Wilhelm Foerster die Errichtung einer Sonnenwarte vor, aus der 1879 das Potsdamer Astrophysikalische Observatorium wurde, das erste seiner Art. Erster Direktor des Astrophysikalischen Observatoriums wurde 1882 Hermann Carl Vogel (1841-1907), der 1887 die Dopplerverschiebung in den Sternspektren nachweisen konnte. Wilhelm Foerster gründete 1874 das Astronomische Recheninstitut (nach dem II. Weltkrieg in Heidelberg) und unter seiner Leitung der Sternwarte wies 1888 Friedrich Küstner (1856-1930) die unregelmäßigen, u.a. durch Erdkernverschiebung entstehenden Polhöhenschwankungen der Erde nach. Foerster richtete in diesem Zusammenhang den bis heute existierenden Internationalen Breitendienst ein, der als Zusammenschluß von mehreren Sternwarten über die Verschiebung der Erdachse wacht.
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Foerster besaß trotz seiner Stellung als preußischer Staatsbeamter die Eigenstädigkeit, Kritiker von Bismarcks Politik und kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs mit Albert Einstein und anderen deutschen Wissenschaftlern Mitunterzeichner des Aufrufs an die Europäische Gemeinschaft zu sein. Er erlebte noch das Ende des Krieges und starb am 18. Januar 1921 in Bornim.
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1894-1899 arbeitete Bruno H. Bürgel (1875-1948) an der Urania-Sternwarte. Er wurde später Verfasser populärwissenschaftlicher astronomischer Bücher.
Wegen der Querelen um den California-Nebel plante Archenhold, das lichtstärkste Teleskop der Erde zu bauen. Offiziell wurde diese Planung erstmals 1893 erwähnt. Er lag damit allerdings in Konkurrenz zum Potsdamer Astrophysikalischen Observatorium, das ebenfalls auf Mittel für ein Teleskop hoffte. Aus Spendengeldern baute Archenhold das bis heute erhaltene, längste Linsenfernrohr der Erde mit einer Brennweite von 21m in Treptow. Staatsmittel wurden ihm trotz Unterstützung der Pläne durch Foerster und anderer Physiker und Astronome, aber wegen Opposition durch Hermann C. Vogel verwehrt.
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Vor und während des II. Weltkriegs kam die Astronomie in Berlin fast völlig zum Erliegen. Das Planetarium am Zoo und das Gebäude der Urania wurden im II. Weltkrieg zerstört. Die Archenhold-Sternwarte wurde zum Teil beschädigt.
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Bis 1990 wurde das Gebäude des Planetariums um ein ebenfalls aus Lotto-Geldern finanziertes Bibliotheksrondell erweitert, das im März 1990 eröffnet werden konnte und astronomiebezogene Literatur enthält, u.a. Herschels Nebelkataloge von 1786, 1789 und 1802.
Ende 1996 wurde der Bamberg-Refraktor abgebaut und von einer Jenaer Firma überholt und restauriert, um zur 50-Jahr-Feier der Wilhelm-Foerster-Sternwarte im Juli 1997 wieder zur Verfügung zu stehen. Diese lange hinausgezögerte Renovierung wurde wiederum durch Lotto-Gelder ermöglicht.
Eberhard Knobloch
"Astronomie" in "Wissenschaft in Berlin - Disziplinen"
Begleitband zur Austellung "Der Kongreß denkt"
Tilmann Buddensieg, Kurt Düwell und Klaus-Jürgen Sembach (Hrsg.)
Gebr. Mann-Verlag 1987
Hans-Werner Klünner, Helmut Börsch-Suppan
"Berlin Archiv"
"Hauptstadt des Brandenburgischen Kurstaates", B02011
"Stadt der Preußischen Könige", B03073
"Unter bürgerlicher Selbstverwaltung", B04123
Archiv Verlag 1985
Dr. Karl-Friedrich Hoffmann
"30 Jahre Planetarium am Insulaner"
in "AllZeit 3'95"
Wilhelm-Foerster-Sternwarte e.V. Berlin 1995
Wolfgang Meyer, Jochen Rose
"Die Bibliothek der Wilhelm-Foerster-Sternwarte e.V."
in "Veranstaltungen im März, April, Mai 1992 mit Himmelskalender"
Wilhelm-Foerster-Sternwarte e.V. Berlin 1992
Prof. Dr. Dieter B. Herrmann
"Blick in das Weltall - Die Geschichte der Archenhold-Sternwarte"
Paetec Ges. f. Bildung und Technik, 1. Auflage, Berlin 1994